Retro der Woche 36/2022

In meinem Bericht letzte Woche vom Ergebnis der Retro-Kompositions-Weltmeisterschaft WCCI hatte ich bereits angekündigt, darauf noch intensiv zurück zu kommen; das will ich nun tun.

Natürlich beginne ich mit einer Aufgabe des alten und neuen Weltmeisters — das ist übrigens das im Wettbewerb mit Abstand am höchsten bewertete Stück, das in höherem Sinne Silvio Baier die Titelverteidigung sicherte.

Silvio Baier
Die Schwalbe 2020, 2. Preis
Beweispartie in 26 Zügen (12+14)

 

Auffällig an der Diagrammposition ist natürlich die weiße Homebase, die das übliche Züge-Zählen für Weiß sofort ad absurdum führen würde. Und der zweite Blick lässt uns als potenzielle Löser vielleicht gar verzweifeln: Nicht ein einziger Schlag ist sichtbar, da bei Schwarz kein Doppelbauer zu sehen ist.

Aber vielleicht hilft hier das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge? Gehen wir zunächst einmal davon aus, dass wir keine schwarzen Bauernschläge einrechnen; das hat dann speziell Auswirkungen auf die Turmwege.

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Beweispartien in Variantim

Variantim, das Bulletin der israelischen Schachkompositions-Vereinigung richtet ab sofort ein Informalturnier für (orthodoxe und heterodoxe) Beweispartien; das erste Turnier umfasst die letzte Ausgabe 2022 sowie den Jahrgang 2023.

Sehr erfreulich, dass nach der Ankündigung des Endes auch für uns Retrofreunde wichtiger Problemschachzeitungen (StrateGems) auch mal die Nachricht kommt, dass eine neue Beweispartie-Abteilung entsteht.

Schickt eure Beiträge an Ofer Comay (ofercomay(at)gmail.com); der Preisrichter wird kurzfristig bekanntgegeben.

Den israelischen Problemfreunden wünsche ich ganz viel Erfolg mit der neuen Rubrik!

Silvio Baier verteidigt Weltmeister-Titel

Beim 8. WCCI (World Championship in Composing for Individuals) für die Zeit 2019 bis 2021 gelang es Silvio Baier, seinen Weltmeister-Titel im Komponieren von Retro-Aufgaben zu verteidigen — wie schon beim 7. WCCI belegte er Platz 1 vor Dmitrij Baibikov, dieses Mal mit einem halben Punkt Vorsprung. Auf den dritten Platz kam Kostas Prentos. Allen Dreien, natürlich ganz besonders Silvio, meine ganz herzlichen Glückwünsche!

Unter den 23 Teilnehmern belegten die anderen deutschen Teilnehmer ebenfalls bemerkenswert gute Plätze: Andreas Thoma wurde 7., Arnold Beine 11., Ralf Krätschmer schließlich 16.

Auf das Turnier werde ich natürlich noch ausführlich in den kommenden Wochen zurückkommen.

R.I.F.A.C.E. 2022 Retroturnier

Ähnlich wie “Andernach” findet das Treffen der französischen Problemfreunde traditionell an einem festen Termin statt: Am Pfingstwochenende.

Ebenso traditionell gibt es dort ein Retro-Kompositionsturnier, das auch für Nicht-Teilnehmer offen ist. In diesem Jahr geht es um Vogtländer Schach; die Ausschreibung enthält Beispiele, von denen das erste zwischenzeitlich gekocht wurde.

Einsendungen schickt bis zum Pfingstsonntag 15:00 Uhr an retro.riface2022@gmail.com; viel Spaß und Erfolg!

Terminverschiebungen

Im Zusammenhang mit der russischen Invasion der Ukraine, die sie scharf verurteilt, hat die WFCC die Termine für das Vorlegen der Urteile für das WCCI 2019-2012 sowie für das WCCT 11 auf den 1. August 2022 verschoben; damit will sie wohl Zeit gewinnen, sich und diese beiden Turniere angesichts der Weltlage gegebenenfalls neu zu positionieren.

Den genauen Wortlaut der Mitteilung findet ihr auf der WFCC Homepage.

10. FIDE Weltcup für Schachkomposition

Nachtrag 5.3.22: Hinweis ergänzt, dass nur Originale zugelassen sind.

Vor ein paar Tagen haben FIDE und WFCC den 10. Weltcup für Schachkomposition in den bekannten acht Rubriken ausgeschrieben; bei den Retros sind nur (orthodoxe) Beweispartien zugelassen. Wie üblich sind Gemeinschaftsaufgaben nicht zugelassen, jeder Autor darf pro Rubrik nur eine Aufgabe einschicken.

Preisrichter für die Retros ist Kostas Prentos. Einsendungen (nur Originale!) bis zum 1. Juli 2022 an Turnierdirektor Aleksej Oganesjan aus Russland (nur per E-Meil: alexeioganesyan(at)gmail.com); der Preisbericht (1. Preis je 500 €), wird spätestens am 1. November 2022 im Internet veröffentlicht.

Die detaillierte Ausschreibung findet sich auf der WFCC-Seite.

Ob das Turnier nun trotz der schlimmen Ereignisse in der Ukraine und den (sport)politischen Reaktionen darauf so stattfinden wird wie ausgeschrieben, werden die nächsten Wochen zeigen …

Retro der Woche 06/2022

Das letztjährige Champagnerturnier (Ein Stein schlägt mindestens zwei Umwandlungssteine), traditionell im Rahmen des WCCC von Michel Caillaud organisiert und gerichtet, hat auch im Jahr 2021 wieder sehr gute Retros hervorgebracht. Die Aufgaben, die den ersten bzw. den dritten Preis in der Abteilung für Beweispartien erhalten hatten, habe ich hier schon gezeigt; heute möchte ich auf den zweiten Preis zurückkommen.

Roberto Osorio & Jorge J. Lois
Champagnerturnier 2021, 2. Preis Gruppe A
Beweispartie in 22 Zügen (13+13)

 

Die Analyse der schwarzen Stellung ist recht einfach: Nur ein Zug ist sichtbar, es fehlen die drei östlichen Bauern, ansonsten haben wir die schwarze Partieanfangsstellung auf dem Brett.

Die Aktionen des Weißen sind schon komplizierter: Wir sehen auf dem Brett 1+1+3+2+4+6=17 Züge – gleich fünf sind also noch frei! In denen müssen aber die beiden fehlenden weißen Bauern verschwinden und ebenso der [Lc1], der wegen der Felderfarbe nicht auf a6 geschlagen werden konnte!

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