Retro der Woche 44/2018

„Auch wenn klassische Retros ihre Dominanz verloren haben, die sie einige Jahrzehnte zuvor hatten, ist es immer wieder schön, von Zeit zu Zeit einem hübschen zu begegnen. In diesem Fall ist die Retroanalyse nicht kompliziert, der Inhalt ist deutlich herausgearbeitet und reizvoll. Dass der 8. und 9. schwarze Zug umgestellt werden können, ist nur ein unbedeutender Schönheitsfehler.“ Das schrieb Preisrichter Kostas Prentos über unser heutiges Retro der Woche – na, wenn das nicht reizt, sich mit dem Stück zu beschäftigen…

Joaquim Crusats
Die Schwalbe 2014, 5. Preis
Löse auf! (15+12)

 

Schaut man das Diagramm ein wenig genauer an, fallen sofort zwei Umwandlungssteine auf: Schwarz verfügt über drei Türme, Weiß über zwei weißfeldrige Läufer. Bei Weiß fehlt nur [Lc1], der auf f4 oder auf f6 entschlagen werden muss.

Nun sollten wir überlegen, wo denn der schwarze Umwandlungsturm entstanden ist: Der kann nur auf a1 schlagfrei aus [Ba7] entstanden sein. Dafür muss [Ba2] Platz gemacht haben: Wir sehen also auf dem Damenflügel drei Bauernschläge: axb, bxa und bxc; ferner muss [Bd7] irgendwo auf seiner Linie geschlagen worden sein.

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Lange Abende

Ab kommendem Sonntag werden die Abende wieder deutlich länger, und da passt es gut, dass nun reichlich und reichhaltiger problemschachlicher Lesestoff eintrudelt: Gerade sind das Schwalbe-Heft Oktober 2018 sowie zwei neue Ausgaben von feenschach erschienen!

Sie bieten selbstverständlich wieder interessantes Lesevergnügen nicht nur zur Retroanalyse. Die Schwalbe enthält wieder neun Retro-Urdrucke, die zum Lösen und Kommentieren einladen, und die beiden Geburtstagsbeiträge haben auch teilweise mit Retroanalyse zu tun, ansonsten lädt der ausführliche Märchenschach-Preisbericht 2013 zum Stöbern und Staunen an.

„Am Rande der Retroanalyse“ bewegen sich verschiedene Beiträge in feenschach Heft 229, neben den Urdrucken mit acht Retros sowie Lösungsbesprechungen auch ein mysteriöser Geburtstags-Artikel von Bernd Gräfrath für einen mir bisher namentlich überhaupt nicht bekannten Problemfreund, der sich irgendwie auch mit Retroanalyse zu beschäftigen scheint.

Heft 230 schließlich ist speziell der Andernach-Berichterstattung gewidmet, und da wurden ja viele Retro-Vorträge gehalten, die hier, teilweise erweitert, alle nachzulesen sind. Den Abschluss des Heftes bildet die bereits 18. Folge der „Retros und Beweispartien“ Abteilung in der „Turnierberichte“ Serie.

Da können die Winterabende kaum lang genug sein…

Retro der Woche 43/2018

Kürzlich stieß ich auf den Retro-Preisbericht der japanischen Zeitschrift „Problem Paradise“ für die Jahre 2015 und 2016, und das Stück, das Preisrichter Bernd Gräfrath mit dem 1. Preis ausgezeichnet hat, möchte ich euch heute vorstellen.

Ken Kousaka & Satoshi Hashimoto
Problem Paradise 2015-2016, 1. Preis
Beweispartie in 20,5 Zügen (16+13)

 

Weiß hat noch alle Mann an Bord, bei Schwarz fehlen [Bd7], [Bg7] sowie einer der beiden Türme. Die Bauern können nicht von weißen Bauern geschlagen worden sein, sie können auch nicht umgewandelt haben, da sie schlagfrei nicht zur ersten Reihe durchkommen konnten. Also wurden sie beide von weißen Offizieren geschlagen und der fehlende schwarze Turm verschwand auf f3.

Das können wir sofort beim Zählen der schwarzen Züge im Diagramm berücksichtigen: Egal welcher Turm nach f3 und nach b5 zog: Beide benötigten jeweils drei Züge.

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Bernd Gräfrath 60

Wer ist oder war eigentlich Heinrich Bertrand? Da konnte mir weder Freund Google noch Spezialist Wikipedia weiterhelfen. Egal – auf die Heinrich-Bertrand-Höhe in Mülheim an der Ruhr gehen heute ganz herzliche Glückwünsche: Dort wohnt Bernd Gräfrath, und der feiert heute seinen 60. Geburtstag!

Bernd ist hier ja allen bekannt als fleißiger Kommentator, als (Retro-)Komponist – 125 seiner 179 in der PDB erfassten Aufgaben sind Retros, davon 100 Beweispartien – als Autor vieler interessanter Aufsätze, als kompetenten Preisrichter und als Vorsitzenden der Schwalbe, wo er in Bad Segeberg heute vor drei Wochen zum zweiten Male in seinem Amt bestätigt worden war.

Unsere Zusammenarbeit war schon früh sehr gut und hat sich in den letzten zwei Jahren, seitdem ich selbst im Schwalbe-Vorstand aktiv bin, noch weiter intensiviert. Aber sie geht über das rein Problemschachliche hinaus; auch privat verstehen wir uns sehr gut, was dann auch zu verschiedenen gemeinsamen Aktivitäten führt, die Bernd im letzten April-Heft der Schwalbe so schön beschrieben hatte.

In seinen Aufgaben beschäftigt sich Bernd schon lange besonders gern mit Schlagschach-Beweispartien: Im Schlagschach ist für beide Seiten Schlagen obligatorisch, wenn es möglich ist. Der König hat keine königlichen Eigenschaften, kann also geschlagen werden oder durch Umwandlung entstehen.

Eine seiner frühesten Schlagschach-Beweispartien möchte ich hier vorstellen:

Bernd Gräfrath
Probleemblad 2003
Beweispartie in 9,5 Zügen, Schlagschach (16+13)

 

1.g4 Sf6 2.g5 Sd5 3.Lg2 f5 4.Lxd5 Kf7 5.Lxf7 Sa6 6.Kf1 Sc5 7.b4 Sa4 8.Lb3 h5 9.Lxa4 d5 10.Le8 Zwei ep-Schlag-Meidungen und eine überraschender Läufer-Tour.

Lieber Bernd, für dein neues Lebensjahr(zehnt) wünsche ich dir im Namen der Schwalbe, als Retro-Blogger und natürlich ganz persönlich alles denkbar Gute: Glück, Gesundheit, weiterhin viel Freude an und mit dem Problemschach, an und mit deinen Aufgaben für die Schwalbe!

Und nun freue ich mich auf unser gemeinsames Richten des TBBG-120-Turniers…

Retro der Woche 42/2018

James Grenfell Mauldon (9.2.1920 – 21.5.2002) zählt nicht zu den berühmtesten und auch nicht zu den produktivsten Retro-Autoren des letzten Jahrhunderts: Die PDB umfasst von ihm 18 Aufgaben, davon genau ein Dutzend Retros. Das heißt aber nicht, dass er nicht interessante Aufgaben gebaut hat; eine davon, nicht allzu schwer, wollen wir uns heute anschauen.

James Grenfell Mauldon
The Problemist 1980
Löse auf! (13+10)

 

Keiner der beiden Könige steht im Schach, sodass wir auch noch herausfinden müssen, wer mit der Rücknahme beginnt?! Hier können wir aber leicht vermuten, dass Weiß mit der Rücknahme beginnt – das müssen wir hinterher natürlich noch belegen.

Warum diese Vermutung? Weiß hat bewegliche Offiziere (Tb1, Le2), die freie Züge haben. Schwarz allerdings kann zunächst nur Bauernzüge zurücknehmen; ihm drohen daher die Züge auszugehen – und das passiert natürlich noch schneller, wenn er nun mit den Rücknahmen beginnt.

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Zwischendurch 57

Heute beginnen in NRW die Herbstferien – richtig, die Sommerferien sind kaum beendet, da geht es schon wieder los… Da habt ihr vielleicht mal wieder Lust, euch eine kleine Retroaufgabe anzuschauen und zu lösen? Heute gar eine etwas märchenhafte…

Theodor Steudel
feenschach 2006
-S & h=3, Ohneschach (2+4)

 

Hier nimmt also Schwarz einen Zug so zurück, dass anschließend ein Hilfspatt in drei Zügen erspielbar ist. Die Bedingung „Ohneschach“ bedeutet, dass nur Schachgebote, die gleichzeitig matt setzen, erlaubt sind. Schwarz am Zug dürfte im Diagramm also z.B. b1=D# spielen. Stünde dort z.B. ein zusätzliche wLh5, wäre dieser Zug nicht zulässig, da Weiß das Schachgebot ja mit Ld1 parieren könnte, also kein Matt vorläge.

Hier zeigte der Altmeister der (nicht nur Retro-) Kleinkunst ein nicht nur bei Retros beliebtes Thema.

Retro der Woche 41/2018

Wenn man mit Abzählen der sichtbaren Züge beider Parteien schon sehr nahe an die geforderte Zügezahl einer Beweispartie kommt, ist die meist eine große Hilfe beim Lösen. Sind andererseits nicht viele Züge, und das vielleicht nicht nur bei einer Partei, offen, spricht dies häufig für ein schweres Lösen, wenn nicht offensichtlich ist, dass Umwandlungen notwendig waren.

Es kann aber mit ein wenig Nachdenken auch ganz anders sein…

Etienne Dupuis
Probleemblad 1999, 2. Lob
Beweispartie in 21 Zügen (16+14)

 

Das zählen der sichtbaren schwarzen Züge ist schnell erledigt: 0+0+1+0+0+1=2 – wenn man berücksichtigt, dass [Sb8] gezogen haben muss, um [Ta8] durchzulassen, kommen wir auf 4 sofort erkennbare schwarze Züge.

Bei Weiß schaut es schon etwas besser aus: 4+0+4+0+0+4=12. Aber auch hier sehen wir schnell, dass [Sg1] für [Th1] und [Lf1]für [Ke1] Platz gemacht haben müssen – also 16 weiße Züge.

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Problemas Oktober 2018

Pünktlich wie immer das die Oktober-2018-Ausgabe von Problemas erschienen; sie kann ebenso wie immer im Internet gelesen oder von dort kostenfrei heruntergeladen werden.

Für uns Retrofreunde ist natürlich der mehr als fünf Seiten lange Artikel „Maximal fully determined path – New record type in classical retrograde analysis“ von Andrej Frolkin und Yoav Ben-Zvi besonders interessant, aber auch ansonsten bieten die 36 Seiten viel interessanten Lesestoff. Viel Spaß dabei!