Retro der Woche 31/2018

Verteidigungsrückzüger bilden bekanntlich die einzige Spezies der Retro-Probleme, bei denen Schwarz und Weiß nicht kooperieren: Hier hat Weiß ein klar definiertes Spielziel (zum Beispiel eine Stellung vor drei Zügen zu erspielen, in der er ein einzügiges Matt geben kann), gegen das sich Schwarz verteidigt.

Das ist also sehr gut vergleichbar mit direkten Mattproblemen. Und damit stellt sich auch schnell dir Frage, ob Verteidigungsrückzüger auch ähnliche Lösungsstrukturen aufweisen können wie direkte Mattprobleme, etwa eine logische Plangliederung. Und ebenso kann man nach dem Hauptgedanken neudeutscher Probleme fragen, nämlich diese Plangliederung „zweckökonomisch“ darzustellen.

Joaquim Crusats & Andrej Frolkin
Phénix 2015
#1 vor 3 Zügen, VRZ Proca (13+12)

 

Dies Fragen wollen wir am heutigen Beispiel einmal diskutieren.

Unter Weglassen allen Retrospiels könnte Weiß versuchen, sofort mit 1.Lxg5+ Matt zu setzen, aber da gibt es die Königsflucht 1.– Kxh3! Dagegen sehen wir vielleicht einen Plan, der diese Königsflucht verhindert? Dafür würde es ja ausreichen, den Springer durch Rücknahme von Zügen zu decken.

Wenn wir nun betrachten, welche Steine bei Schwarz fehlen, so sind dies die beiden Läufer sowie ein Turm und ein Springer. Also könnten wir auf den Vorplan kommen, auf h5 zu entschlagen und dann den Bauern zurück zu ziehen, sodass er dann Sh3 deckt. Das wäre also:

R 1.g4xLh5 (nach Entschlag eines Turms oder Springers kann der wegziehen und damit dem sK das Fluchtfeld h5 geben) beliebig 2.g2-g4 & v: 1.Lxg5# — dagegen kann Schwarz doch nichts machen?

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7. Problemschach-Wettbewerb des SVW

Es ist wieder so weit, der Schachverband Württemberg und Wolfgang Erben haben wieder einen Problemschach-Wettbewerb ausgeschrieben, der sich besonders an die „Konstrukteure“ unter uns wendet:

Konstruiere eine möglichst kurze (nicht unbedingt eindeutige) Beweispartie, die zur „Viele-Väter-Stellung“ (Kc8 Bb6 — Ka8 Ba7) führt und in der nur Könige und Bauern ziehen.

Einsendeschluss ist der 30. November 2018.

Die genauen Regeln, Hinweise zum Turnier und die Mail-Adresse, an die die Partie zu senden ist, findet ihr hier zum Ansehen oder Download. Als erster Preis sind übrigens wieder 100 € ausgelobt!

Viel Spaß beim Bauen, viel Erfolg im Wettbewerb!

Retro der Woche 30/2018

Kann man den wesentlichen Inhalt einer Beweispartie schon an der Diagrammstellung ablesen? Gelegentlich schon: Wenn z.B. der weiße König auf a8 steht, ist sicher dessen Weg dorthin interessant, vielleicht für die schwarzen Züge sehr entscheidend.

Heute habe ich eine Aufgabe ausgewählt, bei der ihr euch im Vorfeld vielleicht auch schon mal Gedanken über den erwarteten Inhalt machen könnt, bevor ihr direkt zu lösen beginnt.

Jorge Lois & Roberto Osorio
StrateGems 2017
Beweispartie in 17,5 Zügen (13+14)

 

Das Zählen der sichtbaren Züge bei Schwarz fällt sehr leicht, bei Weiß haben wir 3+1+2+3+2+5=16 – damit sind noch zwei weiße Züge frei. Aber auch die sind schnell geklärt, denn ein weißer Stein muss ja auf b6 geschlagen worden sein. Von den fehlenden weißen Steinen kann nur einer, nämlich ein Turm, in zwei Zügen nach b6 kommen, und damit sind alle weißen Züge bereits geklärt.

Wir wissen auch schon, dass dieser Turm [Th1] ist, der über h6 nach b6 gekommen ist, um [Ta8] befreien zu können.

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Märchenschach-Glossar

Am Samstag hatte ich die Juli-Ausgabe des Problemist gleich in zwei Briefkästen: In dem an der Hauswand und in meiner Mailbox. Beiden lag ein 20seiteiges Heftchen „A Glossary of Fairy Chess Definitions“ bei, das von Stephen Emmerson, dem Märchenschach-Redakteur des Problemist, zusammen gestellt worden ist und auch für Nicht-Abonnenten des Problemist zum Download bereit steht.

Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber, wie ich finde, gut strukturiert. Und für alle, die offline sind und gerade nicht auf das Märchenschachlexikon der Schwalbe zugreifen können, für alle, die einen knappen Überblick über das Märchenschach suchen, die fix (auch mal für Retros!) Definitionen nachschauen wollen, ist das eine praktische Broschüre, die man auch auf dem Smartphone, dem Tablet immer bei sich haben kann.

Retro der Woche 29/2018

Der Ukrainer Alexander Kisljak (27.12.1938-5.5.2010) war ein bedeutender Komponist besonders von klassischen Auflöse-Retros, der auch häufig mit dem Russen Nikita Plaksin (*9.7.1931) zusammengearbeitet hat; dabei sind teils höchst komplexe Stücke entstanden. Heute habe ich allerdings eine Aufgabe herausgesucht, die nicht so komplex und auch nicht allzu schwer zu lösen ist.

Alexander Kisljak
Schach 1990
Welches waren die letzten 8 Züge? (14+15)

 

Schauen wir uns wie üblich die sichtbaren Schlagfälle an: Weiß schlug fxDg – nur eine Dame fehlt bei Schwarz. Bei Weiß fehlen die beiden Springer. Die sind offensichtlich durch dxe und gxh verschwunden. Andere Entschläge sind also nicht möglich, und auch um Umwandlungssteine müssen wir uns keine Gedanken machen.

Nun empfehle ich euch, erst einmal nicht weiter zu lesen, sondern euch selbst mit der Stellung zu beschäftigen, vielleicht selbst die letzten 16 Einzelzüge zu finden.

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Viel Inhalt

„Viel Inhalt fürs Geld“ kann man auch bei sehr kurzen Beweispartien bekommen; ein recht altes Beispiel möchte ich euch heute zeigen, das mir im Internet mal wieder über den Weg gelaufen ist.

Richard Müller
Rochade 1985
Beweispartie in 6,5 Zügen (14+14)

 

Das ist wahrscheinlich Sekundensache — aber zeitökonomischer lässt sich das Haupt-Thema nicht darstellen!

Retro der Woche 28/2018

Sind wir mit dem letzten Retro der Woche weit zurück in die Geschichte gegangen, so sind wir heute – Achtung, Wortspiel! – brandaktuell.

Wie immer lag bereits in der Woche zuvor die neue Ausgabe Juli bis September von StrateGems bei mir im Briefkasten, und neben den sechs Retros im Urdruckteil gibt es sechs weitere Beweispartien als Urdruck in der 10. Folge der „Future Proof Game chronicle“ anzuschauen. Eine dieser Beweispartien möchte ich heute mit euch teilen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2018
Beweispartie in 20,0 Zügen (12+15)

 

In der Serie geht es den Autoren im Moment darum, die ersten sieben Folgen zu aktualisieren; wir können also hier ein „Future Proof Game“ (Mindestens zwei Themen werden jeweils mindestens doppelt gesetzt) am Puls der Zeit erwarten.

Bei Weiß sehen wir nur vier Züge, allerdings fehlen gleich vier Steine, die möglicherweise auch irgendwie gezogen haben müssen. Bei Schwarz können wir sicherlich Erfolg versprechender zählen, und wir sehen dabei 2+0+3+2+2+11=20 Züge; alle schwarzen Züge sind demnach erklärt.

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Symmetrie

Symmetrische Beweispartien können recht langweilig sein, wenn Schwarz einfach die Züge von Weiß kopiert. Das ist aber nicht der Fall, wenn Weiß einen Halbzug mehr gemacht hat: Das kann dann sehr interessant sein!

Heute habe ich eine Kleinigkeit für Euch: Für die Halbzeitpausen heute beim Fußball — oder einfach so zwischendurch:

Michel Caillaud
Messigny 1997, Lob
Beweispartie in 5,5 Zügen (14+14)

 

Entweder man hat es sofort — oder es dauert doch ein wenig länger?! Egal: Viel Spaß damit und einen guten Start ins Wochenende!