Retro der Woche 24/2020

Rekordkonstruktionen zur Darstellung besonders sparsamer Stellungen mit eindeutigem letzten oder auch ersten Zug eines bestimmten Steines sind häufig technisch beeindruckende Aufgaben, die aber kaum Anreiz zum Lösen verbreiten, da sie aus Lösersicht schnell zu durchschauen sind.

Besonders reizvoll finde ich solche Aufgaben, die technische Brillanz und Lösespaß miteinander verbinden; eine solche Aufgabe möchte ich euch heute vorstellen.

Johannes M. Ott
feenschach 1982
Erster Zug des wTc8? (5+11)

 

Rasch erkennt man, dass der weiße König nur über g6-f7-e8 ins schwarze Lager gelangen konnte. Das schließt die Rücknahme von h6-h7 und von f7xXe6 erst einmal vollständig aus.

Der schwarze König kann im letzten Zug nicht einfach von d8 (illegales Doppelschach) oder von e8 (davor ging nicht d7xc8=T wegen illegalen Schachs durch den d7-Bauern) kommen. Weiß hat also zuletzt gezogen, R: 1.Te8*c8. Um Schwarz einen vorigen Zug zu geben, muss dieser Zug ein Schlag, und der muss dann Te8xD/Tc8 gewesen sein.

Nun gilt es festzustellen, ob Dame oder Turm das Schlagopfer war?!

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Retro der Woche 28/2018

Sind wir mit dem letzten Retro der Woche weit zurück in die Geschichte gegangen, so sind wir heute – Achtung, Wortspiel! – brandaktuell.

Wie immer lag bereits in der Woche zuvor die neue Ausgabe Juli bis September von StrateGems bei mir im Briefkasten, und neben den sechs Retros im Urdruckteil gibt es sechs weitere Beweispartien als Urdruck in der 10. Folge der „Future Proof Game chronicle“ anzuschauen. Eine dieser Beweispartien möchte ich heute mit euch teilen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2018
Beweispartie in 20,0 Zügen (12+15)

 

In der Serie geht es den Autoren im Moment darum, die ersten sieben Folgen zu aktualisieren; wir können also hier ein „Future Proof Game“ (Mindestens zwei Themen werden jeweils mindestens doppelt gesetzt) am Puls der Zeit erwarten.

Bei Weiß sehen wir nur vier Züge, allerdings fehlen gleich vier Steine, die möglicherweise auch irgendwie gezogen haben müssen. Bei Schwarz können wir sicherlich Erfolg versprechender zählen, und wir sehen dabei 2+0+3+2+2+11=20 Züge; alle schwarzen Züge sind demnach erklärt.

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Retro der Woche 07/2015

In der letzten Woche hatte ich hier den 1. Preis des Dupont Geburtstagsturniers vorgestellt; heute folgt, wie von einigen Kommentatoren gewünscht (und von mir sowieso vorgesehen …) der 2. Preis dieses hervorragenden Turniers, bei dem es um echoartige Umwandlungen ging.

Kostas Prentos & Andrej Frolkin
Dupont-50 2014, 2. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (13+13)

 

Es erscheint im ersten Moment als lustiger Zufall, dass wie beim ersten Preis im Diagramm jeweils wieder bei Weiß und Schwarz drei Bauern fehlen. Doch trifft dieser „Zufall“ im Turnier nicht nur auf diese beiden Stücke zu, sondern es gibt noch mehrere Preisträger, bei denen nur Bauern fehlen, und zwar auf beiden Seiten die gleiche Anzahl. Dies scheint also für die Themendarstellung besonders geeignet zu sein.

Besonders auffällig im Diagramm sind die Bauernkonstellationen im Nordwesten und im Südosten: Irgendwie müssen die a- bzw. die h-Bauern ja aneinander vorbei gekommen sein. Dafür gibt es prinzipiell zwei verschiedene Möglichkeiten:

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