Quartz 44

Vor ein paar Tagen ist die Ausgabe 44 von Quartz erschienen: Diese regelmäßig erscheinende Internet-Problemzeitung beschäftigt sich immer wieder auch intensiv mit Retros, speziell Märchenretros.

Das neue Heft setzt diese tolle Tradition fort: Über orthodoxe Beweispartien mit speziellen Platzwechseln könnt ihr lesen, ebenso über Beweispartien mit der Glasgow-Bedingung (Bauern wandeln sich bereits auf der 7. bzw. 2. Reihe um). Und die „unbestimmten Steine“ werden intensiv behandelt, die ja auch schon im Schwalbe-Urdruckteil aufgetaucht sind.

Viel und erquickender Lesestoff, der hoffentlich auch dem Einen oder Anderen schöne Anregungen zum Komponieren gibt: Viel Spaß beim Lesen!

f-Retrolösewettbewerb

In feenschach Heft 223 ist auf Seite 23 ein Retro-Lösewettbewerb von Andreas Thoma erschienen: Fünf Anticirce-Proca-Verteidigungsrückzweizüger sind zu lösen; für die drei besten Einsender hat der Autor Buchpreise ausgelobt.

Als Einsendeschluss war der 31. Dezember 2017 angegeben — das war etwas knapp, wo das Heft doch erst Anfang Januar 2018 erschienen ist: Da müsste die Löse-Mail schon in deutlich Überlichtgeschwindigkeit bei Andreas ankommen.

Da die feenschach-Redaktion hierauf nicht vertrauen wollte, wurde gemeinsam mit dem Ausschreibenden als neuer Einsendeschluss der 28. Februar 2018 festgelegt.

Viel Spaß und Erfolg beim Lösen!

Eine Entdeckung

Im Jahr 2001 hatte Andrew Buchanan in einem Artikel in The Problemist den Gedanken des „Dead Reckonig“ ins Problemschach eingeführt, wonach eine Stellung gemäß § 5.2b der offiziellen FIDE-Schachregeln automatisch remis ist, wenn beide Parteien nicht mehr in der Lage sind, matt zu setzen. Eine Partie, ein Problem ist damit sofort beendet. Hierzu führt Andrew eine eigene, besuchenswerte Website.

Das liest sich zunächst trivial, führt aber zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen, wie ich kurz am Beispiel der ersten Dead-Reckonig Aufgabe zeigen möchte.

Andrew Buchanan
The Problemist Juli 2001
Wer zog zuletzt? (1+1)

 

Kann Schwarz zuletzt gezogen haben? Schlagfrei sicher nicht nach a8, denn dann wäre die Partie ja schon beendet gewesen. Also hätte der König geschlagen: Allerdings sicher keinen Läufer oder Springer, da mit diesem Material beide Seiten nicht mehr hätten Matt setzen können. Also hätte der schwarze König, egal, ob er auf a7 oder b8 gestanden hatte, auf a8 eine Dame oder einen Turm geschlagen. Dieser Schlag wäre aber schon erzwungen gewesen — somit wäre die Partie bereits nach Ta8+ bzw. Da8+ zu Ende gewesen; der Schlag hätte gar nicht mehr ausgeführt werden dürfen.

Daraus folgt, dass Schwarz nicht zuletzt gezogen haben kann. Der weiße König hingegen kann beispielsweise von b5 gekommen sein und auf c6 einie Dame geschlagen haben: Dazu wäre er nicht gezwungen gewesen, da er auch einfach hätte ausweichen können. Also konnte Weiß noch z.B. Kb5xDc6 spielen — erst danach ist die Stellung zwangsweise remis. Also wissen wir, dass zuletzt Weiß gezogen hat.

Nun ist Werner Keym bei der Durchsicht aller Hilfsrückzüger in der PDB auf die folgende Aufgabe von Nikita Plaksin gestoßen, die genau diesen Gedanken schon verwendet und ihn bereits explizit auszuformuliert.

Nikita Plaksin
6557 feenschach 11/1993
Weiß nimmt einen Zug zurück, dann h=1 (2+2)

 

(Lösung zitiert aus der PDB P0005387.) R: 1. Ka3-a4?, dann 1. Lxa2=? R: 1. Ka3xBa4!, dann 1. Lxa2=! Mit folgender witziger Begründung des Autors: “If on the board are only KL-KL (and LL on squares of the same colour), by the rules of chess an immediate draw occurs! Therefore, the retro move Ka3-a4 is illegal.’’

Das ist genau die Dead-Reckoning-Idee! Ich kann mit gut vorstellen, wie verblüfft Andrew Buchanan war, als Werner Keym ihm seinen Fund mitgeteilt hatte…

Retro der Woche 03/2018

Preisrichter Vlaicu Crişan hat bei den Retros (ohne Beweispartien) im StrateGems 2016 Informalturnier von 21 Aufgaben neun ausgezeichnet — davon waren acht (!) Proca-Verteidigungsrückzüger mit der Anticirce-Bedingung. Das ist sicherlich nicht repräsentativ für die heutige Retro-Mode, zeigt aber deutlich, welches Gewicht dieser Aufgabentyp zur Zeit hat.

Den ersten Preis erhielt jedoch ein „klassisches“ Problem, das ich heute mit euch anschauen möchte. Eigentlich handelt es sich um eine normale Auflöse-Aufgabe, Andrej hätte auch „Löse auf!“ fordern können. Hier aber weist er uns mit seiner spezifischen Forderung direkt auf den ihm wesentlichen Inhalt der Aufgabe hin: Auch wenn natürlich bis zur Partieanfangsstellung nicht eindeutig zurückgenommen werden kann, so sind doch alle vier Schläge, die zum Erreichen der Diagrammstellung erforderlich waren, eindeutig, für alle stehen das Feld sowie Schlagtäter und -opfer eindeutig fest.

Andrej Frolkin
StrateGems 2016, 1. Preis
Welche Schläge erfolgten? (14+14)

 

Nur zwei der vier Entschläge sind im Diagramm zumindest halbwegs sichtbar: Beide a-Bauern schlugen genau ein Mal. Ansonsten fehlen [Bh7] sowie [Bf2] oder [Bg2]. Wenn der weiße g-Bauer fehlt, dann wurde er von [Bh7] geschlagen, der sich dann umwandelte und dann vom [Bf2] oder [Ba2] geschlagen wurde. Fehlt aber wirklich der [Bf2], so können sowohl [Bf2] als auch [Bh7] auf ihrer Linie geschlagen worden sein, oder sie haben sich auf e8 bzw. g1 umgewandelt.

Damit ist auch klar, dass die Rücknahme schlagfrei beginnt, da Weiß kein weiteres Schlagobjekt zur Verfügung steht, also beginnen wir mit R 1.Da2-b1+.

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ffff

Heute habe ich Post auch Aachen bekommen: vier feenschach-Hefte waren im Briefkasten — und wenn sich in den nächsten Tagen hier im Blog nicht so viel tun sollte, liegt das vielleicht daran, dass ich mit Lesen beschäftigt bin…

Vier Hefte — das sind 216 Seiten geballten Lesestoffs (die wie immer liebevoll gestalteten Umschlagseiten gar nicht mitgerechnet), natürlich auch jede Menge für uns Retrofreunde: Preisberichte en gros (ca. 25 Seiten Retro-Turnierberichte) und en detail (Preisberichte 2014 und 2015), elf Urdrucke zum Lösen und Kommentieren — und natürlich alles Wissenswerte zum Andernach-Treffen 2017, viele Aufsätze, Lösungsbesprechungen und andere Turnierberichte:

Mit anderen Worten: Drei Tage Urlaub nehmen!

Gruß aus Kiew

Nachtrag vom 08.01.2018 siehe unten!

Vom Treffen ukrainischer Problemfreunde am 4. Januar, dem internationalen Tag der Schachkomposition, bei sich zu Hause schickt Andrej Frolkin herzliche Grüße an alle Leser dieses Blogs.

Sein ausführlicher, mit Fotos angereicherte Bericht (auf Englisch) ist sehr lesenswert, da er nicht nur über die Geschichte des Tages der Schachkomposition berichtet, sondern auch seine Gäste vorstellt.

Und falls ihr noch keinen Schachkalender für 2018 habt: Den findet ihr hier auch!

 

 

 

 

 

 

Andrej Frolkin

 

Mein herzlicher Dank geht an Andrej für diesen interessanten Beitrag!

 

 

 

 

Nachtrag vom 08.01.2018:

Nun konnte Andrej doch noch auf die im Bericht angesprochenen „Vergleichsaufnahmen“ zugreifen: Jeweils von links nach rechts: Gennadi Tschumakov, Andrej Frolkin und Anatoli Wasilenko.

…   zwanzig Jahre später

Die drei Musketiere   und …

Retro der Woche 02/2018

Das Beweispartien-Informalturnier von StrateGems 2015 war ein echtes Silvio-Baier-Festival. Drei der vier Preise (außer dem dritten, den Andrej Frolkin erhielt) gingen an Silvio; ebenso vergab Richter Thierry Le Gleuher die 2. und eine der beiden 4.-5. ehrenden Erwähnungen an ihn.

Heute habe ich davon den 4. Preis ausgesucht, der mir wegen seiner tollen Eleganz besonders gut gefällt. Das heißt nicht, dass ich als Richter eine andere Reihenfolge festgelegt hätte: Seine Aufgaben auf Platz 1 und 2 sind absolute Meisterwerke höchster Komplexität — da war Eleganz auch nicht Hauptziel der Komposition.

Sivio Baier
StrateGems 2015, 4. Preis
Beweispartie in 27,5 Zügen (12+16)

 

Etwas genaues Hinschauen aufs Diagramm kann man schon eine Menge über die Lösung erfahren: Bei Weiß fehlen genau vier Bauern, schwarz ist komplett. Bei Schwarz sind vier Bauernschläge sichtbar — aber weiße Bauern konnten damit nicht geschlagen werden, denn auf den Linien der fehlenden Bauern stehen keine schwarzen Kollegen — und die weißen Bauern konnten ihre Linien nicht verlassen, da sie keine Schlagobjekte hatten.

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https

Gestern habe ich ein wenig „unter der Haube“ dieser Website geändert und dabei auch den Internet-Zugang komplett auf https umgestellt. Damit wird vor allen Dingen die Anmeldung zur Kommentierfunktion sicherer — und im Webbrowser wird die Seite nun auch als „sicher“ dargestellt.

Wem die Abkürzung in der Überschrift nichts sagt, kann sich beruhigt zurücklehnen: Du musst nichts tun oder ändern, um hiervon zu profitieren. Für die anderen sei erwähnt, dass ihr eventuell vorhandene Bookmarks nicht anpassen müsst: Alle http-Requests werden automatisch auf https umgeleitet, so dass nun jeder Zugriff auf meine Seite ohne weiteres Zutun verschlüsselt erfolgt.