Thomas Kolkmeyer 70

Und sofort noch ein runder Geburtstag ist hier zu feiern: Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Berlin zu Thomas Kolkmeyer, der seinen 70. Geburtstag feiert. Alles Gute für dein neues Lebensjahr(zehnt) wünsche ich dir, Thomas — und heute lass dich toll feiern.

Thomas, IT-Spezialist und hervorragender Musiker, ist weniger als Komponist bekannt, allerdings hat es sich in den 1970er Jahren (noch unter dem Namen Kühn) intensiv mit Circe-Lastmovern beschäftigt; einen möchte ich hier zeigen:

Thomas Kühn
feenschach 1979
Letzter Zug? Circe (7+4)

 

R: 1.– Sb4xSa2[+wSb1].

Bekannt wurde Thomas besonders durch seinen frühen Prüf-Computer „Ollie“, dessen Hard- und Software er selbst entwickelt hatte und der in der 1980er Jahren eine Riesenhilfe für Sachbearbeiter und Komponisten besonders von Hilfsmatts und Märchenaufgaben war, sowie die Entwicklung des Prüfprogramms „Pacemaker“ für Anticirce-Retros: Ohne dieses Programm ist der Aufschwung dieser Aufgabenart in den letzten 15 Jahren nicht vorstellbar.

Besonders aber ist Thomas ein hervorragender Löser (z. B. Dauersieger bei feenschach) und Kommentator gerade von Retros. Er ist neben Hans-Heinrich Schmitz derjenige, von dessen Löserkommentaren ich unendlich viel gelernt habe. Ich freue mich riesig, dass Thomas meine Einladung angenommen hat, im kommenden Jahr die Retro-Urdrucke der Schwalbe zu richten und ebenso den nächsten Drei-Jahre-Zyklus der „Mathematik/Sonstiges“ Aufgaben dort.

Retro der Woche 50/2018

Retros mit der Bedingung „monochromes Schach“ haben wir hier schon gelegentlich (z.B. Retro der Woche 22/2017 und 51/2017 angeschaut: Hier sind nur Züge legal, bei denen Start- und Zielfeld gleiche Farbe haben. Besondere Spezialisten für diesen Bedingungstyp in Retros sind René J. Millour, der die beiden zitierten Aufgaben gebaut hat, und Thierry Le Gleuher; von ihm möchte ich heute ein interessantes Stück vorstellen.

Thierry Le Gleuher
Phénix 2012, Trillon-Gedenkturnier, 4. Preis
h#1 Wo wurde [Dd1] geschlagen? Monochromes Schach (4+8)

 

Bei der folgenden Besprechung habe ich mich wesentlich auf die Lösungsangaben von Hans Gruber gestützt, die dieser für feenschach geschrieben hat.

Schauen wir zunächst nach dem Hilfsmatt: Hier ist nur 1. 0-0 Lc4# möglich – und damit wissen wir, dass [Ke8] und [Th8] noch nicht gezogen hatten.

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Roberto Osorio 65

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche über den Atlantik nach Buenos Aires, wo Roberto Osorio seinen 65. Geburtstag feiert — alles Gute für dein neues Lebensjahr!

Es war eine große Freude für mich, Roberto beim WCCC 2017 in Dresden letztes Jahr persönlich zu treffen, und ich hoffe, das lässt sich hier oder da wiederholen.

Roberto ist, wie wir hier im Blog alles wissen, ein großartiger Beweispartien-Komponist, häufig in Coproduktion mit Jorge Lois; 18 seiner Beweispartien finden sich bisher in den Retros der Woche!

„Nebenbei“ ist Roberto mein Retro-Kollegen bei Probleemblad, und aus dieser Zeitschrift möchte ich eine ältere Aufgabe von ihm zeigen:

Roberto Osorio
Probleemblad 2004
Beweispartie in 16,5 Zügen (15+11)

 

Sieben Züge bleiben Weiß, ein Schlagopfer auf c6 bereit zu stellen; dass dies ausgerechnet [Bh2] ist, überrascht auf den ersten Blick:

1.h4 Sh6 2.h5 Sf5 3.h6 g6 4.Th5 Sg7 5.hxg7 Sa6 6.gxh8=D Sc5 7.Df6 Lh6 8.Dc6 dxc6 9.Te5 Lh3 10.gxh3 Dd3 11.Lg2 Dg3 12.fxg3 Td8 13.Kf2 Td3 14.Df1 Tf3+ 15.exf3 Kf8 16.Se2 Kg8 17.Sec3.

FIDE-Album 2016-2018

Heute ist die Ausschreibung für das FIDE-Album 2016-2018 erschienen. Ihr seid eingeladen, in den acht bekannten Gruppen (#2, #3, #n, +/=, h#, s#, Märchen und Retro mit Untergruppen bei den Hilfsmatts und Märchenaufgaben) eure besten 30 (oder ggf. mehr — siehe die Ausschreibung) Aufgaben, die im Zeitraum von 2016 bis 2018 erstveröffentlicht wurden, für das Album als PDF-Datei einzuschicken. Einsendeschluss ist der 1. Juni 2019 — bei der Einladung zum WCCI (ihr denkt dran, dort ist Einsendeschluss am 20. Januar 2019) war ich noch von einem anderen Datum ausgegangen.

Für die Retro-Abteilung wurden beim letzten WCCC als Richter Nicolas Dupont, Andrej Frolkin und Kostas Prentos bestimmt. Ich fungiere als Direktor, daher müssen die Retros gemäß den Vorgaben der Ausschreibung (bitte zu eurem eigenen Nutzen dringend beachten!) nur per Mail an meine Adresse t.brand(at)gmx.net geschickt werden.

Ich freue mich schon auf eure Einsendungen!

Retro der Woche 49/2018

Mark Kirtley ist besonders bekannt für seine Beweispartie-Zwillinge, siehe zum Beispiel das Retro der Woche 41/2016, aber auch für relativ kurze, pointierte und strategisch anspruchsvolle Beweispartien.

Ein solches Beispiel möchte ich euch heute vorführen.

Mark Kirtley
Probleemblad 1999
Beweispartie in 15,5 Zügen (13+13)

 

Das Zählen der sichtbaren Züge hilft auf den ersten Blick nicht viel weiter: Bei Weiß sehen wir 0+0+4+0+0+1= 6 Züge – zehn sind also noch frei. Und bei Schwarz sieht es auf den ersten Blick auch nicht besser aus: 1+1+2+1+0+5=10 – somit bleiben „nur“ fünf schwarze Züge noch frei.

Hierbei hatte ich schon stillschweigend angenommen, dass sTh6 der [Ta8] ist: dies ist offensichtlich deutlich schneller zu erreichen, als [Th8] nach h6 zu bringen.

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Constraints

Prüfprogramme für Beweispartien haben besonders dann große Probleme, in überschaubarer Zeit ein Prüfergebnis zu liefern, wenn sowohl bei Weiß als auch bei Schwarz „freie“, also nicht aus dem Diagramm ableitbare Züge vorhanden sind: Beim „Brute Force“ Rechnen, also der Berücksichtigung aller theoretisch möglichen Züge, führt dies schnell zu extremen Prüfzeiten, die etwa exponenziell mit der Anzahl der freien Züge wächst. Wie sagte mal ein Professor während meines Studiums? „Nichts wächst so schnell wie exponenziell.“ (Schaut euch mal die Ackermannfunktion an, wenn ihr sehen wollt, wie schnell „exponenziell“ wachsen kann!)

Kann man einem Prüfprogramm nun „menschliche Erkenntnisse“ zum Beispiel zu Reihenfolgen von Zügen oder zur Mindest- und Höchstzahl von Zügen eines Steins mitteilen, so kann man damit die Prüfzeiten drastisch verkürzen — man muss sich dabei „nur“ darüber im Klaren sein, dass dies keine vollständige Computerprüfung darstellt, denn wenn die Überlegungen zu möglichen Einschränkungen (englisch: „constraints“) des Suchbaums einen Denk- oder Notationsfehler enthalten, kann das Ergebnis unseres Rechenknechts (englisch: „computer“) natürlich nicht korrekt sein.

Natch und Euklide enthalten rudimentäre Möglichkeiten, solche „constrains“ einzugeben und zu nutzen; diese wurden bei Jacobi noch erweitert. In dem interessanten Artikel „Solving program Jacobi equipped with constraints — a new tool to check proof games“ haben nun Michel Caillaud, Nicolas Dupont und François Labelle anhand von jeweils drei orthodoxen und Märchen-Beweispartien die Möglichkeiten ausführlich dargestellt. Dieser lesenswerte Artikel kann auf Julias Fairy-Seite als pdf-Datei gelesen bzw. direkt heruntergeladen werden.

Sehr empfehlenswerte Lektüre!

Retro der Woche 48/2018

In den letzten beiden Retros der Woche (46/2018 und 47/2018) hatten wir ausgezeichnete Aufgaben des Schwalbe-Jahrgangs 2008 betrachtet; heute möchte ich euch den Sieger des Jahrgangs 2009 zeigen.

Dmitri Baibikow ist ein ideenreicher, exzellenter und vielseitiger Komponist und ist amtierender Weltmeister im Komponieren von Retro-Schachproblemen (2013-2015); mit anderen Worten: Er gewann die Retro-Abteilung des 6. WCCI, übrigens vor Silvio Baier und Nicolas Dupont, womit er seinen Titel aus dem Zeitraum 2010-2012 verteidigen konnte.

Das Schwalbe-Turnier 2009 gewann Dmitri mit einem sehr tiefen und ungewöhnlichen Verteidigungsrückzüger, den ich euch zum gründlichen Nachspielen ans Herz lege.

Dmitri Baibikow
Die Schwalbe 2009, 1. Preis, Mario Richter gewidmet
#1 vor 10 Zügen, VRZ Proca (12+10)

 

Beide Seiten sind von Retropatt bedroht, alle weißen Steine stehen innerhalb des riesigen Südost-Käfigs und können allein kein Matt geben: Nach einem möglichen sLg2-f1 ist zwar e2 nicht mehr gedeckt, aber dafür das Fluchtfeld f1 entstanden. Weiß braucht daher zusätzliches Material, will also Schwarz zum Entschlagen zwingen.

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Wunderland der Schachaufgaben

[Werbung] Heute lag bei mir das Dezemberheft der Zeitschrift SCHACH im Briefkasten. Bereits im Oktoberheft hatte Bernd Gräfrath dort einen fünfseitigen Beitrag unter dem Titel „Rätsel und Schachkompositionen oder wie finde ich einen Zugang zum Problemschach?“ veröffentlicht. Hierbei gibt Bernd Literaturempfehlungen zum Einstieg ins Problemschach speziell durch die Partiespieler-Brille.

Im Dezemberheft folgt nun von mir die ebenfalls fünfseitige Fortsetzung „Das Wunderland der Schachaufgaben“. Dabei lege ich den Fokus mehr auf die Inhalte der Probleme, sprich: Auf die ihnen zu Grunde liegenden Ideen. Auch ich mache das anhand von fünf Buchenpfehlungen und stelle daraus jeweils zwei Aufgaben vor. Ich habe versucht, die Aufgaben so zu beschreiben, dass sie das Interesse eines Partiespielers wecken. Dabei vermeide ich „Problemisten-Slang“ und nutze nur ganz vorsichtig einige problemschachliche Begriffe.

Ich kann euch nur empfehlen und bitten: Nehmt beide Aufsätze mit in euren Schachclub, schaut euch zusammen mit ein paar „klassischen Partiespielern“ die eine oder andere Aufgabe an: So könnt ihr prächtig Werbung für euer Lieblings-Hobby betreiben!

Nachbemerkung:
Nein, mein Blog wird auch zukünftig keine bezahlte Werbung enthalten! Auch für den heutigen Hinweis auf die Zeitschrift SCHACH, deren Abonnent ich bin, ziehe ich keine Vorteile für mich. Aber einige Abmahnanwälte haben eine neue „Geschäftsidee“ entwickelt: Blogger kostenpflichtig abzumahnen, weil sie angebliche Werbung in ihren Beiträgen nicht gekennzeichnet haben. Dieses Risiko möchte ich natürlich nicht eingehen.