Silvio Baier 40

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche zum 40. Geburtstag nach „Elbflorenz“ an Silvio Baier. Silvio arbeitet als promovierter Physiker dort an einem Forschungsinstitut, und neben Arbeit und Familie ist er sicher einer der aktivsten und erfolgreichsten deutschen Problemisten der letzten Jahre.

Bereits seit neun Jahren, ab Februar 2010, betreut er als Schwalbe-Sachbearbeiter die Hilfsmatts, ist einer der weltweit besten Löser (aktuell Löse-IM mit der höchsten Ratingzahl auf Platz 7 der Weltrangliste, vor unseren drei Löse-GMs) — und natürlich ein profilierter „Retroist“, der sich dort vor allen Dingen der Beweispartie verschreiben hat. Allein mit Beweispartien steht er kurz vor dem Titel des Kompositions-IM, hat sich vor allen Dingen den „Future Proof Games“ (siehe Schwalbe-Sonderheft 250A, August 2011) verschrieben und dort technisch sehr versiert ungeahnte Höhen erreicht.

Darüber könnte man die vielen weiteren Aktivitäten (Löser/Kommentator, Preisrichter, Autor, Organisator, Nachwuchsförderer in Dresden usw.) beinahe übersehen, sollte das aber nicht.

Schwer ist es, eine Beweispartie von ihm herauszusuchen — einfacher wäre es sicher, gleich 20 zu bringen! Ich wähle ein schon etwas älteres, sehr elegantes Stück aus, in dem er (Future Proof Game!) je zwei weiße Ceriani-Frolkin-Türme und Läufer darstellt:

Silvio Baier
Die Schwalbe 2011
Beweispartie in 26 Zügen (12+15)

 

1.h4 f5 2.h5 f4 3.h6 f3 4.hxg7 h5 5.g4 h4 6.g5 Th5 7.g6 Sh6 8.g8=L Lg7 9.Lb3 Lh8 10.g7 h3 11.g8=L h2 12.Lgc4 d5 13.d4 dxc4 14.d5 cxb3 15.d6 Td5 16.a4 Lf5 17.a5 e6 18.a6 Dh4 19.d7+ Ke7 20.d8=T Dc4 21.Td6 Sd7 22.Tb6 axb6 23.a7 Tg8 24.a8=T Tg5 25.Tf8 Lg6 26.Tf5 exf5.

Lieber Silvio, im Namen aller Leser hier im Blog wünsche ich dir für dein neues Lebensjahr(zeht) alles denkbar Gute, und lass dich heute schön feiern!

Retro der Woche 33/2018

Eine außergewöhnliche Aufgabe habe ich für das heute „Retro der Woche“ herausgesucht, bei der sofort die Diagrammposition ins Auge sticht.

Jorge Lois & Roberto Osorio
Phénix 2016
Beweispartie in 16 Zügen (14+10)

 

Offensichtliche Züge für Weiß zu zählen, bringt offensichtlich noch nicht viel, da alle weißen Steine in Homebase Position stehen. Das Zählen der schwarzen Züge ist schon deutlich interessanter:

Da kommen wir auf 1+2+1+0+12=16 – alle schwarzen Züge sind erforderlich, um die Diagrammposition in der geforderten Zügezahl zu erspielen! Damit ist klar, dass Schwarz rochiert hat – und dass von den immerhin sechs fehlenden schwarzen Steinen keiner gezogen haben kann.

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Retro der Woche 23/2018

Heute möchte ich gern eine etwas „kleinere“, aber dennoch, wie ich finde, „feine“ Beweispartie vorstellen, die in den Kommentaren der Löser bei der Veröffentlichung recht unterschiedlich bewertet wurde. Da bin ich auf eure Einschätzungen gespannt!

Unto Heinonen
Die Schwalbe 2016
Beweispartie in 19 Zügen (12+15)

 

Beginnen wir sogleich mit der Inventur: Bei Schwarz fehlt ein Bauer, bei Weiß gleich vier. Und gleich fallen die offenen Randlinien auf – und ebenso die schwarzen Doppelbauern „nebenan“ auf der b- und der g-Linie. Da bei Schwarz nur ein einziger Bauer fehlt, können [Bh2] und [Ba2] keinesfalls beide nach innen geschlagen haben, um dich dort zu opfern. Außerdem müssen wir das Schicksal der drei fehlenden Zentralbauern klären.

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Retro der Woche 04/2018

In dem Viererpack an feenschach-Heften, das Anfang des Monats erschienen ist, finden sich zwei Retro-Preisberichte: Für 2014 von Michel Caillaud und für 2015 von Bernd Gräfrath. Unter den insgesamt 17 dort ausgezeichneten Aufgaben befindet sich nur eine einzige orthodoxe Beweispartie!

Ist dies typisch für die letzten Jahre, deutet dies vielleicht auf eine Krise der Beweispartien hin? Natürlich wird es immer schwieriger, gute und originelle Beweispartien zu bauen, aber solche erscheinen immer noch, und zwar in recht großer Anzahl. Bei feenschach ist die Situation vielleicht auch deshalb etwas anders, weil dort natürlich Märchen-Retros eine besonders große Rolle spielen.

Nikolas Dupont (nach Unto Heinonen)
feenschach 2015, Lob
Beweispartie in 28 Zügen (11+15)

 

In der weißen Homebase-Position müssen/können wir natürlich keine sichtbaren Züge zählen: per definitionem gibt es dort ja keine. Aber bei Schwarz kommen wir mit dem Züge zählen schon viel weiter: 2+2+5+4+4+11=28; damit sind alle schwarzen Züge erklärt. Mehr noch: Die Züge der Springer und des Königs sind schon genau determiniert, ebenso die von [Lc8], [Bc7], [Bd7] und [Bf7].

Wieso eigentlich des [Bf7]? Dazu schauen wir uns die Schläge an.

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Retro der Woche 02/2018

Das Beweispartien-Informalturnier von StrateGems 2015 war ein echtes Silvio-Baier-Festival. Drei der vier Preise (außer dem dritten, den Andrej Frolkin erhielt) gingen an Silvio; ebenso vergab Richter Thierry Le Gleuher die 2. und eine der beiden 4.-5. ehrenden Erwähnungen an ihn.

Heute habe ich davon den 4. Preis ausgesucht, der mir wegen seiner tollen Eleganz besonders gut gefällt. Das heißt nicht, dass ich als Richter eine andere Reihenfolge festgelegt hätte: Seine Aufgaben auf Platz 1 und 2 sind absolute Meisterwerke höchster Komplexität — da war Eleganz auch nicht Hauptziel der Komposition.

Sivio Baier
StrateGems 2015, 4. Preis
Beweispartie in 27,5 Zügen (12+16)

 

Etwas genaues Hinschauen aufs Diagramm kann man schon eine Menge über die Lösung erfahren: Bei Weiß fehlen genau vier Bauern, schwarz ist komplett. Bei Schwarz sind vier Bauernschläge sichtbar — aber weiße Bauern konnten damit nicht geschlagen werden, denn auf den Linien der fehlenden Bauern stehen keine schwarzen Kollegen — und die weißen Bauern konnten ihre Linien nicht verlassen, da sie keine Schlagobjekte hatten.

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Retro der Woche 13/2017

Im letzten Retro der Woche 12/2017 hatte ich den ersten Preis im Troitzki-Gedenkturnier vorgestellt und schon versprochen, nun den zweiten Preis zu besprechen.

Nach dem klassischen Retro in der letzten Woche sehen wir nun eine hochmoderne Beweispartie.

Silvio Baier
Troitzki-Gedenkturnier 2017, 2. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (14+11)

 

Eine sehr elegante Diagrammstellung: Bei Schwarz stehen alle Steine auf ihren Feldern der Partieausgangsstellung („Home Base“), bei Weiß hingegen findet sich kein Stein mehr auf der ersten Reihe – bis in die schwarze Stellung hinein haben sich die weißen Steine vorgekämpft.

Damit müssen wir uns zunächst auch keine Gedanken über schwarze sichtbare Züge zu machen; anders schaut es bei Weiß aus. Dort sehen wir 3+1+4+(3+x)+(2+y)+4=17+x+y Züge.

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Retro der Woche 07/2017

Sehr schnell konnte Kostas Prentos seinen Preisbericht zur Retro-Abteilung des 5. FIDE World Cups erstellen: Es gab nur zwölf Einsendungen, von denen auch noch zwei defekt waren. Trotz der dünnen Beteiligung gibt es im Turnier zumindest drei ganz hervorragende Aufgaben.

Den ersten Platz – Tusch und herzliche Glückwünsche nach Dresden – belegte Silvio Baier mit seiner Beweispartie, die ich heute vorstellen möchte; dabei orientiere ich mich an den Anmerkungen von Kostas.

Silvio Baier
5. FIDE World Cup in Composing 2017, 1. Platz
Beweispartie in 30,5 Zügen (13+10)

 

Die drei fehlenden weißen Steine wurden von [Bd7] auf seinem Weg nach a2 geschlagen. Zählt man die weißen sichtbaren Züge 5+1+2+3+3+5=19, so stellt man fest, dass Weiß noch zwölf Züge frei hat. In denen kann er aber nicht [Bf2], [Bg2] und [Bh2] zur Umwandlung bringen, damit drei Umwandlungssteine geschlagen oder das originale Schlagopfer ersetzen können.

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Retro der Woche 30/2016

Im Retro der Woche 17/2016 hatte ich bereits den zweiten Preis des Schwalbe-Informalturniers 2014 vorgestellt. Heute möchte ich mich dem vierten Preis zuwenden, der ebenfalls beeindruckende, moderne Beweispartie-Thematik zeigt.

Nicolas Dupont & Silvio Baier
Die Schwalbe 2014, 4. Preis
Beweispartie in 30 Zügen (12+14)

 

In seiner unnachahmlichen Art bezeichnete Hans Gruber als Kommentator das Stück als „Eine der leichtesten Übungen seit langem!“, was er wie folgt erklärte: „Bei DER Kombination von Autoren kann man die Erwartungen gleich auf ‚Knüller‘ einstellen. Und sie werden nicht enttäuscht. … Grandios!!“

Dann wollen wir uns diesen Knüller doch genauer anschauen, bei dem keine Doppelbauern im Diagramm zu sehen sind, bei dem also die Schlagfälle zunächst gut verborgen sind.

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