Raymond Smullyan

Am 6. Februar ist Raymond Smullyan im Alter von 97 Jahren (* 25. Mai 1919) verstorben. Raymond war ein sehr vielseitiger Mensch: Mathematiker und Logiker (er promovierte bei Alonzo Church), Konzertpianist, Philosoph und Zauberer.

Viele von uns hat er verzaubert und vielleicht gar zur Retroanalyse gebracht durch seine beiden Bücher „Die Schachgeheimnisse des Kalifen“ und „Schach mit Sherlock Holmes“; beide sind nur noch antiquarisch zu bekommen.

In ihnen stellt er, eingekleidet in Orient- bzw. Detektiv-Geschichten, retroanalytische Probleme vor, die teilweise mit verschiedenen Bedingungen und Angaben zur Geschichte der Stellung verbunden sind. Gerade durch ihre Aufbereitung in Geschichten-Form und dadurch, dass die Aufgaben teilweise nicht allzu schwer zu lösen sind, haben sie viele Leser für die Retroanalyse interessiert.

Zum Gedenken an ihn eine seiner nicht so schweren Aufgaben zum Selbstlösen „für Zwischendurch“:

Raymond Smullyan
Schach mit Sherlock Holmes, 1979
Befinden sich Umwandlungsfiguren auf dem Brett? (15+14)

 

April-Schwalbe

Das neue Heft der Schwalbe, das heute im Briefkasten steckte, bietet wieder jede Menge interessanten Lesestoff für uns Retrofreunde: Neben (leider nur) sechs Urdrucken zum Lösen und Kommentieren findet ihr beispielsweise den sehr ausführlichen Retro-2014-Preisbericht von Kostas Prentos, einen spannenden Aufsatz über Läufer-Korridore von Werner Keym sowie den von Günter Lauinger verfassten Nachruf auf Werner Frangen.

Viel Spaß bei der Lektüre — und vergesst nicht, die Urdrucke zu kommentieren und gute neue Aufgaben einzuschicken: Der Retro-Sachbearbeiter wird es zu schätzen wissen! 😉

Retro der Woche 05/2016

Erst am Freitagabend habe ich von Günter Lauinger erfahren, dass Werner Frangen bereits am 31. Oktober letzten Jahres, heute genau vor drei Monaten im Alter von 86 Jahren (*14. Februar 1929) in Karlsruhe verstorben ist.

In den letzten Jahrzehnten war es um ihn still geworden, vielen ist er aber durch seine dreiteilige Reihe „Stufen der Retroanalyse“ (feenschach 1975 — 1976) bekannt, mit der er beinahe wissenschaftlich in unser Lieblings-Problemgebiet einführte. Aber schon in jungen Jahren hatte er als Twen hervorragende Retros gebaut und vor allen Dingen in der von Thomas R. Dawson gegründeten und dann von Denisson Nixon fortgeführten Fairy Chess Review veröffentlicht.

Eines seiner bekanntesten Stücke, das es auch in die Fabel-Auswahl „Meisterwerke der Retroanalyse“ (1981 posthum von Werner Keym als sechsteilige Serie in Die Schwalbe publiziert) geschafft hatte, möchte ich heute zu seinem Gedenken vorstellen. Beide erwähnten Serien kann ich euch auch heute noch ans Herz legen, beide sind Lesegenuss pur! Die Meisterwerke findet ihr auf englisch übrigens im Netz.

Werner Frangen
The Fairy Chess Review 1953
#1 (Wer?) (15+10)

 

Sofort fallen natürlich die beiden weißen Umwandlungssteine auf — welches Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen? Hier will ich einfach die Lösungsangaben von Werner Frangen selbst bzw. von Fabel/Keym wiedergeben; ich habe nur einige Schrebweisen vereinheitlich und an die hier übliche Notation angepasst.

Es wäre schön, wenn ihr zunächst selbst Löseversuche unternehmt und dann anhand derer die Lösungsangaben genau anschaut.

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Herbert Ahues 2.3.1922–11.7.2015

Am 11. Juli ist Herbert Ahues nach einer Operation im Alter von 93 Jahren verstorben.

Herbert Ahues war nicht nur ein weltweit hoch geachteter Zweizügerexperte und Kompositions-Großmeister, ein geschätzter Preisrichter und pointierter Autor, er war auch unglaubliche 77 Jahre lang Schwalbe-Mitglied. Sein Tod ist ein Riesen-Verlust für die ganze Problemschach-Famile. Bis kurz vor seinem Tod war er als Komponist noch aktiv, sein möglicherweise letzter Urdruck wird im kommenden August-Heft der Schwalbe erscheinen. Die Schwalbe wird in einem der nächsten Hefte ausführlich an seine Verdienste erinnern.

Ich selbst habe Herbert Ahues 1985 bei der damals von mir organisierten Schwalbe-Tagung in Hagen zum ersten Male persönlich getroffen. Da habe ich ihn als sehr freundlichen, humorvollen Menschen kennen und schätzen gelernt. Und auch wenn ich mich nun wahrlich nicht als Zweizüger-Spezialisten bezeichnen kann: Seine Aufgaben in ihrem klaren, schnörkellosen Stil habe ich mir immer gern angeschaut, den von ihm herausgegebenen Sonderdruck Nr. 2 der Schwalbe („Weiße Linienkombinationen mit thematischen Verführungen“) nehme ich immer wieder gern zur Hand.

Gligor Denkovski (20.08.1946 – 15.01.2015)

Im Altern von 68 Jahren ist am vergangenen Donnerstag Gligor Denkovski in Skopje verstorben. Er war ein vielseitiger Komponist, der sich aber auf Hilfsmatts und Beweispartien konzentriert hatte und viele Aufgaben gemeinsam mit seinem Sohn Ivan komponiert hat.

Eine seiner Beweispartien möchte ich hier vorstellen:

Gligor Denkovski
Thema Danicum 2003, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 18 Zügen (15+14)

 

Die entscheidende Frage ist, wie die beiden fehlenden Läufer geschlagen wurden? 1.Sc3 d5 2.Sxd5 Lf5 3.Sc3 Dd3 4.Sb1 Sd7 5.c3 Dc2 6.h4 Dxc1 7.h5 Dc2 8.h6 Dd3 9.Da4 OOO 10.Kd1 Sdf6 11.De8 Kb8 12.Dxf8 Tc8 13.De8 Dd8 14.Da4 Se8 15.Kc1 Sgf6 16.Dd1 Tf8 17.De1 Sg8 18.Kd1 f6. Sehr originelles Spiel mit einer tollen Eröffnung, wie ich finde. Mit dem Platzwechsel von Dame und König hat Gligor Denkovski sich mehrfach beschäftigt.

Wolfgang Dittmann †

Wolfgang Dittmann, der verdienstvolle langjährige Vorsitzende der Schwalbe, der hervorragende Komponist, der Verfasser des „Blick zurück“, des Buchs über Retroanalyse ist gestern, am 5. Februar, nach längerer Krankheit in Berlin gestorben. Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau Angelika und seinen beiden Töchtern.

Wolfgang Dittmann, Andernach 2005

Wolfgang Dittmann 14.6.1933 – 5.2.2014

Auch wenn ich über seinen schlechten Gesundheitszustand in der letzten Zeit wusste, war ich voller Hoffnung gewesen, dass er wieder gesund werde. Umso geschockter war ich, als ich heute Abend von einer Dienstreise nach Hause kam, meine Mails durchschaute und dort die traurige Nachricht vorfand. Noch gestern hatte ich einen Schachfreund vertröstet: Das Thema, das er angesprochen hatte, könnten wir sinnvoll erst aufgreifen, wenn Wolfgang genesen sei.

Ich habe Wolfgang bei der Schwalbe-Tagung 1983 in Königsfeld kennen gelernt, als wir gemeinsam ein Konstruktionsturnier ausgerichtet haben; die Schwalbe-Tagung 1985 in Hagen habe ich in enger Abstimmung mit ihm, dem damaligen Vorsitzenden der Schwalbe, vorbereitet.

Nach seinem längeren Rückzug vom Problemschach haben wir uns 2004 bei der Schwalbe-Tagung in Furth im Wald wiedergetroffen – mit großen Auswirkungen, denn in den kommenden Jahren sollten wir intensiv zusammenarbeiten. Dort hatten wir zum ersten Male über sein Buchprojekt diskutiert; die Geschichte des „Blick zurück“ hat er im Vorwort zum Buch, für mich viel zu schmeichelhaft, beschrieben.

Die intensiven Diskussionen zu seinem Buch erfolgten nicht nur per Mail, sondern auch im persönlichen Kontakt: Nie werde ich das herrliche Wochenende bei Dittmanns in Berlin vergessen, an dem wir an der Schlussredaktion des Buches gearbeitet haben. In den folgenden Jahren hatte ich gelegentlich beruflich in Berlin zu tun, und häufig haben wir uns dann abends getroffen zum gemeinsamen Essen, zum gemeinsamen Diskutieren – längst nicht nur über Schach und Retros!

Von Wolfgang habe ich in unseren Diskussionen unendlich viel gelernt, dafür und für seine Freundschaft werde ich ihm immer dankbar sein. Ohne diese Erfahrungen hätte ich bestimmt nicht  die Retro-Spalte der Schwalbe übernommen, ohne diese Erfahrungen gäbe es auch diesen Blog nicht, bei dem er mich von Anfang an so großzügig unterstützt hat. Ich erinnere nur an seinen Artikel „Der König setzt matt!“, den ich euch noch einmal zur Lektüre im Gedenken an Wolfgang empfehle.

Wolfgang und ich hatten uns beide darauf gefreut, sein Geburtstagsturnier — die Ausschreibung findet ihr im Rahmen meines kleinen Artikels zu seinem 80. Geburtstags hier im Blog — gemeinsam zu richten, das bleibt uns nun leider verwehrt. Stattdessen wird das Turnier nun als Gedenkturnier fortgeführt, und ich werde mich bemühen, es in Wolfgangs Sinne zu richten.

In den kommenden Wochen werde ich hier im Blog noch ausführlich auf die Kompositionsleistungen von Wolfgang zurückkommen.

Nachtrag 9.2.2014: Ich habe das Sterbedatum korrigiert.

Milan Velimirović

Eine sehr traurige Nachricht erreichte mich aus Belgrad: Gestern ist im Alter von gerade einmal 60 Jahren Milan Velimirović (21.4.1952–25.2.2013) verstorben.

Milan war nicht nur ein Allround-Könner des Problemschachs (sowohl Kompositions- als auch Löse-Großmeister), sondern auch einer seiner größten Publizisten und Förderer. 1975 hob er die Zeitschrift MAT aus der Taufe, die er später als MATPlus wiederbelebte, die er um einen großartigen Webauftritt mit lebhaften Diskussionsforen bereicherte.

Hervorzuheben sind auch seine zahlreichen Artikel und Bücher, die er geschrieben bzw. publiziert hat: Besonders erwähnen möchte ich seine Encyclopedia of Chess Problems, die er Ende letzten Jahres zusammen mit Kari Valtonen veröffentlicht hat.

Einen ersten Nachruf auf Milan von Marjan Kovačević findet ihr auf der MATPlus Website.