Retro der Woche 28/2021

In der letzten Woche hatte ich einen „Zwitter“ aus dem StrateGems Retro-Preisbericht 2018 vorgestellt; heute soll eines der klassischen Retrostücke, die auf den ersten beiden Plätzen landete, vorgestellt werden

Joaquim Crusats & Andrej Frolkin
StrateGems 2018, 1.-2. Preis (klassische) Retros
Letzte drei Einzelzüge? (12+13)

 

Den allerletzten Zug sehen wir sofort: R 1.– g7-g6+. Den Käfig von Südwesten bis Nordosten können wir offensichtlich nur durch die Rücknahme von e7xXf6 auflösen; vorher müssen aber [Th8] und [Lf8] nach Hause gebracht worden sein.

Die Schläge durch Schwarz sind leicht zu sehen: das bereits erwähnte e7xf6; zusätzlich ist sBg2 der [Bd7], benötigte also die restlichen drei Schläge. Der fehlende schwarze Bauer [Bb7] schließlich musste schlagfrei auf b1 in die zweite schwarze Dame umwandeln.

Dies hilft uns dann auch, die weißen Schläge zu identifizieren: einmal gxh, dann mussten [Ba2] und [Bb2] umwandeln, damit Schwarz die fehlenden weißen Steine schlagen konnte. Offensichtlich brauchten wir axb (NICHT [Bb7], da der umwandeln musste) und bxc, um [Bb7] den Weg frei zu machen.

Wir sehen aber schon, dass etwa g4xTh5 nicht erfolgreich sein kann, da der schwarze Turm den Käfig nicht vorab verlassen kann, also nicht nach h8 gespielt werden kann. Deswegen muss aus dem Käfig die Umwandlungsdame freigespielt werden.

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Retro der Woche 26/2021

Gern möchte ich die Vorstellung einiger ausgezeichneter Aufgaben aus dem Retro-Preisbericht 2017-2018 in Probleemblad fortsetzen. Und da steht heute der erste Preis auf dem Programm.

Die Forderung ist ähnlich wie „Letzte n Züge?“, bei der deren Eindeutigkeit gefordert ist. Hier müssen die Züge nicht unbedingt eindeutig sein, jedoch ist, egal, wie man legal zurücknimmt, die Stellung vor 68 Einzelzügen eindeutig. Das ist ein neuer Längenrekord, der den alten von Hugo August aus dem Jahre 1942 (!!), siehe P0001712 mit völlig anderem Schema, um drei Halbzüge übertrifft.

Dmitrij Baibikov
Probleemblad 2018, 1. Preis 2017–2018
Stellung 68 Einzelzüge zuvor? (13+12)

 

Bei Weiß fehlen vier Bauern vom Königsflügel, einer davon hat sich in den dritten weißen Springer umgewandelt. Bei Schwarz fehlen drei Bauern, ein Springer und der schwarzfeldrige Läufer; einer der fehlenden Bauern hat sich in den zweiten weißfeldrigen Läufer umgewandelt. Damit sind alle Schlagfälle erklärt.

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Retro der Woche 23/2021

Vor vier Wochen habe ich hier eine aktuelle Aufgabe von Tom Volet vorgestellt – und dabei fiel mir auf, dass ich sein vielleicht bekanntestes Problem, einer meiner Lieblings-Retros überhaupt, hier noch gar nicht vorgestellt hatte. Das will ich heute nachholen!

Tom Volet
Die Schwalbe 1980, J. G. Mauldon gewidmet, 1. Preis
Auf welchen Feldern erfolgten Schlagfälle? In welcher Reihenfolge? (8+16)

 

Bei Schwarz sind alle Mann an Bord, bei Weiß fehlen acht Bauern. Dabei müssen wir mit irgendwelchen Schlussfolgerungen zunächst vorsichtig sein: Wir können nämlich nicht von Vornherein ausschließen, dass ein weißer Bauer umgewandelt hat: Das wäre zum Beispiel möglich mit c7xBd6, Bc2-c8=T, Tc6, d7xc6.

Wie kann sich nun Weiß aus seiner „babylonischen Gefangenschaft“ im Nordosten befreien?

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Retro der Woche 19/2021

Kürzlich habe ich das Preisrichteramt für den Retro-Jahrgang 2020 von Phénix übernommen: etwa gleich viele Beweispartien (29) und sonstige Retros (28) stehen dort zur Beurteilung an. Ich habe mit der Reihung noch nicht begonnen, möchte euch aber aus dem Turnier ein klassisches Retro zeigen, das recht typisch für den Stil des Autors ist. Über eine mögliche Platzierung im Bericht kann ich natürlich noch nichts sagen — und selbst wenn ich es könnte, täte ich das selbstverständlich nicht…

Tom Volet
Phénix 2020
Löse die Stellung auf (14+12)

 

Die beiden fehlenden weißen Steine wurden auf e6 bzw. f6 geschlagen — wegen der Felderfarbe des Läufers geschah gxLf6 und dxSe6. Auch über die weißen Schlagfälle können wir schon eine Menge sagen: exf3, hxg sowie cxbxBa7. Der fehlende [Bc7] konnte mangels Schlagobjekten selbst nicht schlagen, musste also, um verschwinden zu können, schlagfrei auf c1 umwandeln.

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Retro der Woche 13/2021

Im letzten Retro der Woche hatte ich den ersten Preis der Beweispartie-Abteilung des letztjährigen Champagne-Turniers vorgestellt; gefordert war das Thema: Ein Original-Offizier (also nicht umgewandelt) wird von einem anderen Offizier geschlagen, der geschlagene hat mindestens einmal gezogen und selbst nicht geschlagen. Zum Zeitpunkt des Schlags gibt das Schlagopfer kein Schach, ist auch nicht gefesselt.

Die „sonstige“ Abteilung war mit nur sechs eingereichten Aufgaben deutlich dünner besetzt als die der Beweispartien. Den Preis vergab Richter Michel Caillaud an einen ziemlich vogelwilden Verteidigungsrückzüger (Frankfurter Schach, weiße disparate Steine, weißer Längstzüger); ich bespreche hier lieber die erste ehrende Erwähnung:

Andrej Frolkin
Champagne-Turnier 2020, 1. ehrende Erwähnung Gruppe B
a) letzte drei Schläge? B) minimale Zuganzahl seit dem letzten Bauernzug? (15+10)

 

Wir sehen schnell, dass bei Weiß nur ein Stein fehlt, der durch cxb des nun auf b2 stehenden schwarzen Bauern geschlagen wurde. Ferner erkennen wir, dass Schwarz direkt vor dem Retropatt steht, denn die einzig „optisch mögliche“ Rücknahme b7-b6 verbietet sich, da der Zug [Lc8] aussperren würde.

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Retro der Woche 12/2021

(Erst) jetzt ist der Preisbericht vom letztjährigen Champagne-Turnier erschienen: Dieses regelmäßig aus Anlass des WCCC von Michel Caillaud ausgerichtete Retro-Kompositionsturnier wird normalerweise zum Ende des jeweiligen WCCC gerichtet, die Preisverleihung erfolgt noch beim Treffen. Da das 2020 ja Corona-bedingt ausfiel, konnte sich Michel nun etwas mehr Zeit fürs Richten lassen …

Thema war „capture in the air”: Ein Original-Offizier wird von einem anderen Offizier geschlagen, der geschlagene hat mindestens einmal gezogen und selbst nicht geschlagen. Zum Zeitpunkt des Schlags gibt das Schlagopfer kein Schach, ist auch nicht gefesselt.

Wie üblich gab es zwei Gruppen: (A) Beweispartien und (B) sonstige Retros. Heute möchte ich den ersten Beweispartie-Preis vorstellen:

Andrej Frolkin
Champagne-Turnier 2020, 1. Preis Gruppe A
Beweispartie in 22 Zügen (14+13)

 

„Ich bin kein großer Freund von Umwandlungssteinen im Diagramm (Dc7, Ta6 und gar Lh1), aber die sind hier durch das exzellente Spiel und den originellen Inhalt kompensiert.“ (Preisrichter Michel Caillaud) – da können wir uns ja auf eine interessante Beweispartie freuen!

Bei Weiß sind zwei Offiziere umgewandelt, am zugökonomischsten sind das wTa6 und wDc7, die dann sieben bzw. sechs Züge benötigten. Darüber hinaus sehen wir noch vier weiße Züge im Diagramm, zusammen also 17. Damit haben wir fünf Züge Zeit, um die fehlenden weißen Läufer loszuwerden.

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Retro der Woche 06/2021

Zurzeit bin ich u.a. damit beschäftigt, den Retro-Preisbericht 2018 für feenschach vorzubereiten. Mit der ersten Sichtung bin ich nun fertig, und aus den Aufgaben, die es „in die zweite Runde geschafft haben“, möchte ich heute eine Aufgabe vorstellen. Ob und wie sie ggf. platziert wird, weiß ich noch nicht — und selbst wenn ich es wüsste, würde ich es hier noch nicht verraten…

Gerald Ettl
feenschach 2018
Letzte 22 Einzelzüge? (15+11)

 

 

 

 

Im Diagramm fallen schnell drei Details auf:

  • Weiß muss mit der Rücknahme beginnen, da der schwarze König im Schach steht.
  • Weiß verfügt über einen Umwandlungsspringer.
  • Der einzige Schlag des Schwarzen war Bh7xXg6.

Nun betrachten wir die weißen Schlagfälle: Drei Schläge durch Bauern sieht man, nämlich axb und gxf und fxe. Hinzu kommt der Schlag des Weißen im letzten Zug – und dann wurde der fehlende [Bc7] durch eine weiße Figur geschlagen.

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Retro der Woche 48/2020

Ende August 2010 hatte mich die Problemblad-Redaktion gebeten, die beiden Retro-Jahrgänge 2007 und 2008 zu richten; bis dahin war noch kein Richter benannt. Beide Jahrgänge waren quantitativ recht dünn besetzt (nur 11 bzw. 18 Urdrucke), speziell der 2008-Jahrgang enthielt allerdings überdurchschnittlich viele hervorragende Aufgaben, von den ich heute und in den nächsten zwei Wochen die drei erstplatzierten vorstellen möchte.

Unto Heinonen
Probleemblad 2008, 2. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (15+13)

 

Beim Blick aufs Diagramm fällt sicherlich sofort der sTc1 auf: die erste Idee dazu ist vielleicht „Ta1-c1 d2xc1=T“, aber dann sehen wir, dass Weiß noch 15 Steine hat und der fehlende – gerade ein Turm – auf f6 geschlagen werden musste. Also kann sTc1 nur via d1 gekommen sein, und dafür müssen wDd1 und wKe1 Platz geschaffen haben, gleichzeitig muss wohl der fehlende Turm über d1 sein Nest verlassen haben.

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