Retro der Woche 18/2021

Heute möchte ich die kleine Serie recht kurzer Beweispartien von Reto Aschwanden (siehe RdW 14/2021 und RdW 16/2021) fortsetzen mit einem Stück, das 2005 von Hans Gruber als Richter den ersten Preis im Jahresturnier von StrateGems erhielt — er konnte also seinen „Titel aus dem Vorjahr“ verteidigen.

Reto Aschwanden
StrateGems 2005, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (14+14)

 

Weiß muss offensichtlich in seinen 18 Zügen nichts tun außer [Bb2] und [Bh2] loszuwerden – ansonsten ist zumindest sichtbar nichts passiert. Bevor wir allerdings die schwarzen Züge zählen, überlegen wir uns, wie die Türme am zugsparsamsten ihre Diagrammfelder erreicht haben können?

Unabhängig von deren Wegen sehen wir, dass [Sg8] gezogen haben muss, um [Th8] heraus zu lassen: Der Springer hat also mindestens zwei Züge gemacht. Die Türme sind am sparsamsten mittels langer Rochade und dann beide via g8 und g5, wobei der „erste“ weiter nach e5 zieht, zu platzieren.

Damit können wir schon mal zählen: 1+2+5+3+3+4=18 – alle schwarzen Züge sind schon bestimmt. Damit ist auch klar, dass die fehlenden schwarzen Bauern nicht gezogen haben können, sondern zu Hause sterben mussten.

Auf der 5. Reihe können wir bereits die Reihenfolge der Züge ableiten: sDd8-g5-a5 – so lange muss die Reihe noch komplett frei sein. Nach b5 kann Le4 erfolgen, erst danach d5, und erst nach Te5 kann f5 gespielt werden – nur Lc5 kann nach Da5 zeitlich „irgendwann“ eingebaut werden.

[Bb2] muss sich offensichtlich (nach bxa7) auf a8 umgewandelt haben, [Bh2] könnte eigentlich bequem auf h6 vom Platz machenden [Sg8] geschlagen werden, Weiß müsste nur noch irgendwie [Bg7] entsorgen.

Wenn wir uns dann überlegen, dass die Umwandlung auf a8 erst nach der langen Rochade (also steht auch sSc6 schon auf seinem Diagrammfeld) erfolgen kann, müssen wir uns nun Gedanken machen, was auf a8 erwandelt werden kann – und wie dieser Stein dann verschwinden soll?

Verblüfft stellen wir fest, dass das nur eine weiße Dame sein kann. Die aber würde Schach bieten, und das kann sich niemand erlauben, da dann Schwarz mindestens zwei Züge verlieren würde, die er nicht übrig hat. Also muss irgendein weißer Stein auf b8 Schachschutz geben und dann auch wieder verschwinden.

Vielleicht habt ihr ja schon einen Verdacht, wer das sein könnte?

Lösung

Formal also wie schon vor zwei Wochen „nur“ zwei Prentos-Schläge, aber auch die sind wieder überragend begründet: Der weiße Umwandlungsstein von g8 muss für den auf a8 Schachschutz geben – und anschließend wieder genau auf sein Umwandlungsfeld zurückzukehren (=Donati-Thema), um dort dann geschlagen zu werden. Und ist es euch aufgefallen? Weiß macht nur thematische Züge!

Begeisternd!

2 thoughts on “Retro der Woche 18/2021

  1. Danke für den Beitrag.

    Die meisten meiner BPs sind recht kurz, zwischen 17 und 23 Zügen. Persönlich finde ich das eine spannende Länge: Lang genug, um interessanten Inhalt darzustellen aber auch kurz genug, damit bei „einfarbigem“ Spiel wie hier der anderen Seite auch ohne zusätzliche UW die Züge nicht ausgehen.

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