Retro der Woche 39

Traditionell hatte Michel Caillaud beim WCCC wieder sein „Champagner-Turnier“ ausgerichtet – in diesem Jahr war der Valladão-Task gefordert: In einer Aufgabe kommen alle drei „Sonderzüge“ (Rochade, Umwandlung und en passant Schlag) vor. Das Turnier hatte zwei Gruppen: Beweispartien und andere Retros.

In der letzten Woche hatte ich hier eine Aufgabe der „anderen Retros“ vorgestellt, heute kommt nun wie angekündigt eine Beweispartie.

Vidmantas Satkus
Champagner-Turnier 2018, Abteilung A, 1. Preis
Beweispartie in 23,5 Zügen (13+12)

 

Das Thema ist natürlich auch in Beweispartien nicht völlig neu (auf Vergleichsaufgaben kommen wir gleich noch zurück), und es war sicher schon im Vorfeld klar, dass eine einfache Darstellung des Themas hier keine Blumentöpfe in Form von Champagnerflaschen werde gewinnen können.

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Ulrich Ring 75

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche nach Roßdorf bei Darmstadt, wo Ulrich Ring ins vierte Vierteljahrhundert startet.

Schon als Teenager war Uli ein angesehener Zweizüger-Spezialist, übernahm mit gerade mal 20 Jahren als Nachfolger von Hermann Albrecht die Schwalbe-Sachbearbeitung der Zweizüger. Mit der Zeit weitete sich sein Interesse, er konzentrierte sich, beeinflusst von John Niemann, mehr aufs Hilfsmatt, war dann in den 1980er Jahren auch ein früher Komponist eindeutiger Beweispartien.

Eine dieser Aufgaben möchte ich hier vorstellen:

Ulrich Ring
feenschach 1985, Hans Gruber gewidmet, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 13 Zügen (13+16)

 

1.a4 Sc6 2.Ta3 Sd4 3.Td3 Sxe2 4.Sc3 Sxg1 5.Df3 Sf6 6.Dc6 dxc6 7.Sd1 Sd7 8.c3 Sb8 9.Td7 Sh3 10.La6 Sg5 11.Ke2 Se4 12.Kd3 Sf6 13.Kc4 Sg8. Sehr elegante und frühe Darstellung des Platzwechsels der beiden schwarzen Springer.

ich kenne Uli schon seit ewigen Zeiten; er war in den frühen 1980er Jahren der „juniore Senior“ der „Juniorenrunde“ in Andernach (Gruber, ellinghoven, Tüngler, Büsing, Brand) — und wir haben beileibe nicht nur über (Problem-)Schach geredet, sondern über Gott und die Welt philosophiert, was mit dem studierten Theologen und praktizierenden Informatiker auch wunderbar ging und geht!

Lieber Uli, im Namen aller Leser wünsche ich dir von Herzen alles Gute für dein neues Lebensjahr, vor allen Dingen natürlich Gesundheit. Und heute lass dich toll feiern!

Retro der Woche 38/2018

Traditionell hatte Michel Caillaud beim WCCC wieder sein traditionelles Champagner-Turnier ausgerichtet – in diesem Jahr war der Valladão-Task gefordert: In einer Aufgabe kommen alle drei „Sonderzüge“ (Rochade, Umwandlung und en passant Schlag) vor. Das Turnier hatte zwei Gruppen: Beweispartien und andere Retros.

Heute möchte ich eine Aufgabe der „anderen Retros“ vorstellen, in der kommenden Woche kommt eine Beweispartie.

Marko Klasinc
Champagner-Turnier 2018, Abteilung B, 2. Preis
(-w & #2)* (11+12)

 

Die knapp geschrieben Forderung besagt, dass Weiß einen Zug zurücknimmt und dann in zwei Zügen mattsetzt. Dabei gibt es ein Satzspiel, d.h. Weiß kann die Mattforderung sofort erfüllen.

Schnell sieht man dieses Satzmatt 1.Dg8# — und sofort verfällt man auf die Idee, irgendeinen weißen Zug zurückzunehmen, um dann sofort Dg8# vorwärts zu spielen.

Aber so einfach ist das nicht: R 1.f2xXe3 ist illegal, da es die sDh1 einmauern würde, und R 1.d2xYe3? würde a7xZb8=L und c2-c1=L bedingen. Das aber ist illegal, da es zu viele schwarze Schläge erfordern würde: Lc1 und Th1 wurden auf der ersten Reihe geschlagen, und [Bh7] musste umwandeln, um verschwinden zu können, da alle fehlenden schwarzen Steine von Bauern geschlagen wurden.

Also suchen wir nach R 1. X und v: 1.X, droht 2.Dg8# — aber Schwarz kann sich dann mit 1.— OOO retten?!

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Ausschreibung WCCI 2016-2018

Heute ist die Ausschreibung des WCCI 2016-2018 (World Championship in Composing for Individuals, einzel-Kompositionsweltmeisterschaft) erschienen.

Für die acht Abteilungen wie im FIDE-Album kann jeder mindestens vier und höchstens sechs eigene Aufgaben (keine Gemeinschaftsproduktionen, wie schon der Name sagt) einschicken, die im Zeitraum 2016 bis 2018 veröffentlicht worden sind; dazu gehören auch die Aufgaben für das 10. WCCT. Die werden dann von jeweils fünf Richtern bewertet: Sie vergeben Punkte wie für das FIDE-Album, die „mittleren drei“ Punkte der Richter werden gewertet. Aufgaben mit mindestens acht Punkten kommen automatisch ins FIDE-Album 2016-2018. Der Autor mit den meisten Punkten für seine am besten bewerteten vier Aufgaben ist in der Rubrik der neue Weltmeister.

Einsendeschluss ist der 20. Januar 2019, die Endergebnisse sollen bereits Ende Juni 2019 veröffentlicht werden.

Genaue Details, die Regeln für das Einsenden der Aufgaben und auch die Preisrichter findet ihr unter dem obigen Link.

Übrigens könnt ihr auch schon langsam eure Einsendungen für das FIDE-Album 2016-2018 auswählen: Einsendeschluss dafür wird der 30. Juni 2019 sein.

Nach dem WCCC …

… ist vor dem WCCC! Das 61. WCCC (World Congress of Chess Composition) ist am letzten Wochenende in Ohrid zu Ende gegangen, da beginnen schon die Planungen für das nächste Treffen:

Das 62. WCCC findet im kommenden Jahr vom 17. bis zum 24. August 2019 in Vilnius (Litauen) statt. Wenn ihr euch also jetzt schon Gedanken um euren Urlaub im kommenden Jahr machen solltet …

Hanspeter Suwe 70

Unsere Glückwünsche gehen heute nach Winsen / Holstein an Hanspeter Suwe, der dort seinen 70. Geburtstag feiert.

Hanspeter war in den 1970er Jahren Schwalbe-Sachbearbeiter gleichzeitig für Hilfsmatts, Selbstmatts und Märchenschach und ist ein vielseitiger Komponist (die PDB enthält 226 Aufgaben von ihm).

Besonders bekannt ist Hanspeter für seine Forschungen und Veröffentlichungen zur Rochade; so gab er jahrelang die diesem Spezialzug gewidmete Zeitschrift „König und Turm“ heraus.

Diese Vorliebe schlägt sich natürlich auch in seinen Kompositionen nieder, in denen er gelegentlich auch Retro-Überlegungen einfließen lässt.

Anders Lundström & Hanspeter Suwe
0-0 1979
h#3; b) + wBc4 (2/3+4)

 

Schwarz zieht bekanntlich im Hilfsmatt an, also kann in a) Weiß nicht rochieren, da offensichtlich sein letzter Zug durch Turm oder König erfolgte: 1.Te5+ Kd2 2.Td5 Tb1 3.Sc5 Tb4#. In b) hingegen kann der letzte weiße Zug natürlich auch vom Bc4 erfolgt sein, also ist die Rochade zulässig: 1.Kxc4 0-0-0 2.Kb4 Kb2 3.Sc5 Td4#. Ein hübsches Echo mit toller Zwillingsbildung: Der „Retro-Beweisbauer“ verhindert die Lösung von a), wird für die in b) nicht aktiv benötigt und daher konsequenter Weise geschlagen.

Lieber Hanspeter, lass dich heute toll feiern; ich wünsche dir für dein neues Lebensjahr(zehnt) alles Gute, natürlich ganz besonders Gesundheit!

ChessBase und Retros

Frederic Friedel, Computerschach-Urgestein und Mitgründer von ChessBase („Fritz“, Datenbanken) hat kürzlich auf deren Website eine kleinen Einführung in Retroanalyse (Retro chess — simply entertaining) gegeben. Das ist schon bemerkenswert, da Problemschach im Allgemeinen auf der ChessBase Seite keine so große Rolle spielt, sieht man von Weinhachtsrätseln und gelegentlichen Berichten von John Nunn zu Löseturnieren ab.

Noch bemerkenswerter ist, dass diesem Artikel noch eine Rezension des Keym-Buchs „Chess problems out of the box“ folgte. Beide Beiträge sind sehr lesenswert!

Und bei entsprechendem positiven Feedback (z.B. durch zahlreiche Klicks…) können wir vielleicht hoffen, dass dort, einer der weltweit bedeutendsten Schachnachrichten-Sites der Welt, in Zukunft häufiger Problemschachbeiträge im Allgemeinen und solche zur Retroanalyse im Besonderen häufiger erscheinen? Das wäre sehr schön!

Retro der Woche 37/2018

Von den französischen Retro-Lösemeisterschaften hatte ich im August zwei Aufgaben in der Rubrik „für zwischendurch“ vorgestellt Zwischendurch 54 und Zwischendurch 55). Daraus zu schließen, dort würden überwiegend relativ einfach gestrickte Aufgaben verwendet, wäre aber verfehlt, wie das heutige Stück euch sicher überzeugen wird.

Roberto Osorio & Jorge J. Lois
Phénix 2016
Beweispartie in 16,5 Zügen (15+14)

 

Hier bringt uns das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge offensichtlich nicht weiter – wie schaut es bei Weiß aus? Hier sehen wir 2+2+5+0+2+2=13 Züge. Dabei gehen wir davon aus, dass [Ke1] über d2 nach c3 gelangt ist; Weiß könnte aber auch lang rochiert haben: Das würde einen Königszug mehr erfordern, allerdings einen Turmzug weniger, wir hätten dann 3+2+4+0+2+2=13.

So oder so bleiben vier weiße Züge noch frei – wirklich?

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