Märchenschach-Glossar

Am Samstag hatte ich die Juli-Ausgabe des Problemist gleich in zwei Briefkästen: In dem an der Hauswand und in meiner Mailbox. Beiden lag ein 20seiteiges Heftchen „A Glossary of Fairy Chess Definitions“ bei, das von Stephen Emmerson, dem Märchenschach-Redakteur des Problemist, zusammen gestellt worden ist und auch für Nicht-Abonnenten des Problemist zum Download bereit steht.

Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber, wie ich finde, gut strukturiert. Und für alle, die offline sind und gerade nicht auf das Märchenschachlexikon der Schwalbe zugreifen können, für alle, die einen knappen Überblick über das Märchenschach suchen, die fix (auch mal für Retros!) Definitionen nachschauen wollen, ist das eine praktische Broschüre, die man auch auf dem Smartphone, dem Tablet immer bei sich haben kann.

Retro der Woche 29/2018

Der Ukrainer Alexander Kisljak (27.12.1938-5.5.2010) war ein bedeutender Komponist besonders von klassischen Auflöse-Retros, der auch häufig mit dem Russen Nikita Plaksin (*9.7.1931) zusammengearbeitet hat; dabei sind teils höchst komplexe Stücke entstanden. Heute habe ich allerdings eine Aufgabe herausgesucht, die nicht so komplex und auch nicht allzu schwer zu lösen ist.

Alexander Kisljak
Schach 1990
Welches waren die letzten 8 Züge? (14+15)

 

Schauen wir uns wie üblich die sichtbaren Schlagfälle an: Weiß schlug fxDg – nur eine Dame fehlt bei Schwarz. Bei Weiß fehlen die beiden Springer. Die sind offensichtlich durch dxe und gxh verschwunden. Andere Entschläge sind also nicht möglich, und auch um Umwandlungssteine müssen wir uns keine Gedanken machen.

Nun empfehle ich euch, erst einmal nicht weiter zu lesen, sondern euch selbst mit der Stellung zu beschäftigen, vielleicht selbst die letzten 16 Einzelzüge zu finden.

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Viel Inhalt

„Viel Inhalt fürs Geld“ kann man auch bei sehr kurzen Beweispartien bekommen; ein recht altes Beispiel möchte ich euch heute zeigen, das mir im Internet mal wieder über den Weg gelaufen ist.

Richard Müller
Rochade 1985
Beweispartie in 6,5 Zügen (14+14)

 

Das ist wahrscheinlich Sekundensache — aber zeitökonomischer lässt sich das Haupt-Thema nicht darstellen!

Retro der Woche 28/2018

Sind wir mit dem letzten Retro der Woche weit zurück in die Geschichte gegangen, so sind wir heute – Achtung, Wortspiel! – brandaktuell.

Wie immer lag bereits in der Woche zuvor die neue Ausgabe Juli bis September von StrateGems bei mir im Briefkasten, und neben den sechs Retros im Urdruckteil gibt es sechs weitere Beweispartien als Urdruck in der 10. Folge der „Future Proof Game chronicle“ anzuschauen. Eine dieser Beweispartien möchte ich heute mit euch teilen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2018
Beweispartie in 20,0 Zügen (12+15)

 

In der Serie geht es den Autoren im Moment darum, die ersten sieben Folgen zu aktualisieren; wir können also hier ein „Future Proof Game“ (Mindestens zwei Themen werden jeweils mindestens doppelt gesetzt) am Puls der Zeit erwarten.

Bei Weiß sehen wir nur vier Züge, allerdings fehlen gleich vier Steine, die möglicherweise auch irgendwie gezogen haben müssen. Bei Schwarz können wir sicherlich Erfolg versprechender zählen, und wir sehen dabei 2+0+3+2+2+11=20 Züge; alle schwarzen Züge sind demnach erklärt.

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Symmetrie

Symmetrische Beweispartien können recht langweilig sein, wenn Schwarz einfach die Züge von Weiß kopiert. Das ist aber nicht der Fall, wenn Weiß einen Halbzug mehr gemacht hat: Das kann dann sehr interessant sein!

Heute habe ich eine Kleinigkeit für Euch: Für die Halbzeitpausen heute beim Fußball — oder einfach so zwischendurch:

Michel Caillaud
Messigny 1997, Lob
Beweispartie in 5,5 Zügen (14+14)

 

Entweder man hat es sofort — oder es dauert doch ein wenig länger?! Egal: Viel Spaß damit und einen guten Start ins Wochenende!

Retro der Woche 27/2018

96 Jahre gehen wir heute zurück mit unserem Retro der Woche! Thomas Rayner Dawson (28.11.1889 – 16.12.1951) war nicht nur der bedeutendste Märchenschach-Pionier, sondern auch einer der ganz großen frühen Retrospezialisten, einer der Mitverfasser des bedeutenden, bereits 1915 erschienenen Buches „Retrograde Analysis“. Dazu hatte ich im Jahr 2015 einen Artikel in der Schwalbe veröffentlicht.

Thomas R. Dawson
Cas 1922
Ergänze einen Stein, dann #2 (10+10)

 

Schnell sieht man, dass Weiß auch ohne Ergänzung irgendeines Steins bequem in zwei Zügen matt setzen kann: 1.Se8 und 2.Sc7# ist so schwer nicht zu finden.

Wofür brauchen wir dann noch Holz auf dem Brett? Das brauchen wir also nicht für das Matt, sondern weil der Stein laut Forderung auf dem Brett fehlt – dann wollen wir doch schauen, ob wir mit Retroanalyse dem auf die Schliche kommen können? Die Aufgabe ist nicht allzu schwer zu lösen; wer es selbst versuchen möchte, sollte mit dem Weiterlesen noch warten!

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Juni-2018-Schwalbe

Schon vor einigen Tagen kam das neue Schwalbe-Heft, das neben den insgesamt zehn Retro-Urdrucken auch weiteren spannenden Lesestoff enthält. Wer sich für die Geschichte der PDB interessiert, wird hier fündig (und ist dann vielleicht auch bereit, die Schwalbe beim weiterhin kostenfreien Betrieb dieser so bedeutsamen und wichtigen Informationsquelle zu unterstützen!), und Bruno Stucker stellt ein interessantes Konstruktionsthema vor. Andere Artikel nenne ich nur stichwortartig: Babson, Problemgeschichte, Selbstmatt.

Für uns Retrofreunde wird natürlich alles in den Schatten gestellt von dem Beitrag Thierry Le Gleuhers Jenseits der 100 letzten Einzelzüge mit fantastischen neuen Längenrekorden für die Typen A, B und C. Nach seinen Beiträgen in Phénix und StrateGems hatte ich schon erwartet, dass er seine Rekorde wie weiland der ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka in Zentimeterschritten — pardon: Halbzügen — verbessern wolle. Aber dann hat er in diesem Beitrag die alten Rekorde sofort deutlich überboten: Genuss pur! Auf der Schwalbe-Website findet ihr diesen Artikel übrigens auf deutsch und englisch!

Retro der Woche 26/2018

Nach längerer Zeit möchte ich heute wieder ein Retro, konkret eine Beweispartie, mit einer Märchenbedingung vorstellen. Das ist heute „Lortap“ oder auch „Elliuortap“ und ist damit die Umkehrung (lest die Namen einmal rückwärts!) von „Patrol“ bzw. „Patrouille“ Schach. Hierbei haben Steine nur nur Schlag- und Schachwirkung, wenn sie von einem eigenen Stein beobachtet werden. Bei Lortap ist es natürlich genau umgekehrt: Ein Stein hat keine Schlag- und Schachkraft (wohl aber Zug- und Beobachtungskraft), solange er von einem Stein der eigenen Partei beobachtet wird. Diese Bedingung taucht hier im Blog übrigens nicht zum ersten Male auf, siehe den Artikel über Quartz 40 vom 20. August 2014.

Nicolas Dupont, Quartz 2013-2015, Preis
Beweispartie in 16,5 Zügen Lortap (14+15)

 

Die ersten Überlegungen zu Schlagfällen und erforderlichen Zügen sind noch vollkommen orthodox: Es fehlen offensichtlich drei Bauern, nämlich [Bc2], [Bh2] und [Bh7]. Bei Weiß sind nur zwei Züge im Diagramm sichtbar, bei Schwarz schaut das schon anders aus: Zählen wir hier „ganz orthodox“, so sehen wir 2+2+2+5+1+4=16 Züge; alle schwarzen Züge sind also im Diagramm sichtbar.

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