Retro der Woche 39/2026

Silvio Baier hat nicht nur die vor einigen Tagen hier veröffentlichte Übersicht von Beweispartien mit der Themenverbindung „Ceriani-Frolkin und Pronkin“ zusammengestellt, sondern wesentlich selbst be- und erarbeitet.

Das wird schon an ein wenig Statistik deutlich: Von den 94 dort wiedergegebenen Aufgaben stammen 77 (!) aus seiner Dresdner Werkstatt, hinzu kommt eine Aufgabe, an der er als Co-Autor beteiligt war: Das ist ein „Eigenanteil“ von 83%!

Eines der neuesten Stücke aus dieser Veröffentlichung möchte ich heute mit euch zusammen anschauen:

Silvio Baier
The Hopper Magazine 2026
Beweispartie in 29,5 Zügen (14+11)

 

Zunächst fällt beim Blick aufs Diagramm der schwarze Umwandlungsläufer auf: Der muss aus dem [Ba7] entstanden sein, der dann mittels a2xXb1=L umwandelte: Der neu entstandene Läufer kann ja den Südwest-Käfig nie verlassen haben. Und zusammen mit dxYc6 sind beide schwarze Schlagfälle geklärt.

Bei Weiß fehlen nur zwei Bauern auf dem Königsflügel — die müssen sich also beide umgewandelt haben, um sich selbst in Westen schlagen zu lassen oder ein originales Schlagopfer zu ersetzen.

Rechnet man für die Schlagbilanz den sLa2 als a-Bauer, so stellt man fest, dass neben der Dame bei Schwarz genau die vier Bauern des Königsflügels fehlen. Drei Schlagfälle durch Weiß sehen wir auf b3, c3 und d3; die beiden anderen sind noch verborgen — wir hegen aber schon einmal den Verdacht, dass es sich hier um das Schlagen von Originalbauern handelt, die damit den Weg zur doppelten Umwandlung des Weißen freigeben.

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Ceriani-Frolkin und Pronkin

Silvio Baier beschäftigt sich schon lange intensiv mit „Beweispartien der Zukunft“ (FPG, Future Proof Games), speziell mit der Verbindung von Ceriani-Frolkin-Thema und Pronkin-Thema, wie einige Artikel von ihm aus der letzten Zeit belegen.

Nun hat er alle ihm bekannten dargestellten Kombinationen von CF/PR mit FPG-artigen Verteilungen (4+0 oder 2+2 und paarweisen Figurentypen bzw. AUW) zusammengestellt, die er dankenswerter Weise hier im Blog veröffentlicht. Eine hochinteressante Sammlung von 94 (bei dieser Themenverbindung quasi automatisch) hochklassigen Aufgaben — viel Vergnügen beim Studium und Nachspielen!

Ralf Binnewirtz 75

Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Meerbusch, wo Ralf Binnewirtz seinen 75. Geburtstag feiert.

Ralf hat sich seit vielen Jahren einen Namen als Schachbuchsammler, vor allen Dingen aber als Publizist gemacht und ist auch immer wieder auf der Seite hier vertreten: Die Rubrik Geschichte beispielsweise hat er quasi allein gestaltet.

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König und Turm

Immer wieder stimmt es mich traurig, wenn eine Problemschach-Rubrik, gar eine Problemschach-Zeitung verschwindet. Um so mehr freue ich mich, wenn eine neue erscheint, oder wie hier eine bereits totgeglaubte quasi aufersteht — und das in diesem Jahr auch noch pünktlich zu Ostern!

So schrieb mir Hanspeter Suwe vorgestern:

König & Turm redivivus

Das Rochade-Magazin KÖNIG & TURM erscheint wieder. Zuletzt ist Heft 40 zu Ostern erschienen. Interessenten können aktualisierte PDF-Versionen der Ausgaben 38 bis 40 über meine eMail-Adresse 0-0suwe@gmx.de kostenfrei anfordern. Wer an Druckausgaben interessiert ist, kontaktiere mich bitte unter der oben genannten eMail-Adresse.

Der eine oder andere kann sich noch erinnern: Der Name ist Programm, es geht also immer um Rochade. Und da ist natürlich auch Retroanalyse immer wieder in der Zeitschrift zu finden; sie lohnt also gerade auch für uns!

Ich kann es euch jedenfalls mit bestem Gewissen ans Herz legen, die Zeitschrift anzuschauen, zu bestellen — ob nun elektronisch oder in Papierform!

Hilmar Alquiros 11.4.1950 — 3.3.2026

Als ich heute Morgen in meine Mailbox schaute, sprang mir eine Nachricht wegen ihres Betreffs sofort ins Auge: schlicht „Hilmar Alquiros“. So etwas bedeutet selten Gutes, und so auch hier: Lilian, seine liebe Frau, teilte mir mit, dass Hilmar am 3. März verstorben sei. Ihr, seiner Familie und seinen Freunden gilt meine herzliche Anteilnahme.

2012 sind Hilmar und Lilian auf die Philippinen gezogen, wo er sich offensichtlich trotz seiner angeschlagenen Gesundheit pudelwohl fühlte, wo er weiterhin thematisch vielseitig schreibend aktiv blieb. Wir blieben in engem Mailaustausch, immer geprägt von Hilmars hintergründigem und subtilem Humor, zu einem unglaublich breiten Themenfeld von (natürlich) Schach — Hilmar war auch ein sehr starker Partiespieler — zu Literatur, Naturwissenschaft, Religion, Philosophie, …

Seine unzähligen Veröffentlichungen schachlicher und nicht-schachlicher Art hat er sorgsam dokumentiert und viele direkt im Internet zugänglich gemacht. Ich kann euch nur empfehlen, auf seiner Website zu stöbern — und ich muss euch gleichzeitig davor warnen: Ich kenne nur wenige Seiten, auf denen ich immer wieder in die Gefahr laufe, komplett Zeit, Raum, Essen und Schlafen zu vergessen.

Zu Hilmars problemschachlichen Schwerpunkten verweise ich einfach auf meine Beiträge zu seinem 70. bzw. 75. Geburtstag.

„Über den Zaun“ blickend möchte ich euch einen humorvollen Vierzüger vorstellen, den Hilmar im Alter von 25 Jahren veröffentlicht hat. Wie immer gibt es die Lösung hier in einer Woche.

Hilmar Ebert
Welt am Sonntag 7.12.1975
#4 (2+4)

 

 

 

Sorry für die Verspätung; hier nun die Lösung:

Lösung

Ohne sBd7 ginge es in zwei Zügen: 1.Dc7 ZZ Ke3/e3 2.Dg3#/Dc2#.

Das spielen wir aber trotzdem: 1.Dc7 d6! 2. Dc1! d5 und nun ist der thematische d-Bauer aus dem Spiel, also 3.Dc7 usw.

Witzig!

Aus dem Internet

Traditionell gibt es „zwischen den Jahren“ (ein, wie ich finde, ziemlich blöder Begriff, denn eigentlich liegt dazwischen ja nicht mal eine Nanosekunde…) auf der englischen Seite von Chessbase wieder „Christmas Puzzles“. Los ging es am 25. Dezember mit einem Problem, das ihr sicher alle kennt — aber vielleicht die Variationen dazu nicht?

Schaut einfach auf die Startseite, dort sind die einzelnen Puzzles verlinkt.

Von Werner Keym stammt auch noch ein weiterer Lese-Hinweis (auch herzlichen Dank dafür, Werner!) auf einen Adventskalender der besonderen Art, der aber auch im Nachhinein noch zum intensiven Schmökern einlädt: Vom größten norwegischen Schachclub wurde jeden Tag ein Türchen präsentiert — denen nachzuspüren bietet großes Vergnügen, auch wenn es für Gewinnmöglichkeiten (ein von Gründer und Vorsitzendem Magnus Carlsen signiertes Schachbrett) langsam zeitlich recht eng wird …

Viel Spaß dabei!

Dittmann-Buch

Nachtrag 29.11.25 20:00: Das Buch ist verkauft!

Aus den tiefsten Tiefen des Nachlasses von bernd ellinghoven ist noch ein Exemplar des heute bereits legendären Der Blick zurück von Wolfgang Dittmann aufgetaucht: Band 11 der EDITION feenschach-phénix, 2006, über 500 Seiten, davon etwa 200 Seiten Einführung in die Retroanalyse, etwa 300 Seiten Auswahl eigener Ausgaben.

Bevor dieser eigentlich längst vergriffene Band wieder auf der feenschach-Bücherliste auftaucht, soll er hier zunächst euch Retrofreunden exklusiv angeboten werden. Preis unverändert 40,–€ plus Versandkosten.

Wer Interesse daran hat, schicke mir eine E-Mail (t.brand(at)gmx.net) — „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ oder, um es negativ auszudrücken „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Also: Die erste Mail gewinnt; ich gebe sie dann an Hans Gruber weiter, der leitet Rechnungsstellung und Versand in die Wege.

Retro der Woche 41/2025

An diesem Wochenende findet in Leimen das Jahrestreffen der Schwalbe statt — und was passt da heute besser als ein Retro zweier wichtiger Gründungsmitglieder dieser Organisation?

Anton Trilling war der Essener Initiator (angeregt von Wilhelm Maßmann in Kiel) der Schwalbe-Gründung im Jahr 1924 und ihr erster Vorsitzender, Hugo August mit damals 21 Jahren jüngstes Gründungsmitglied; gerade er hat sich als hervorragender Retro-Komponist profiliert.

Hugo August & Anton Trilling
Die Schwalbe 1940, 33. Thematurnier
Die letzten 15 Züge waren Schachzüge! (11+14)

 

In dem immer noch lesenswerten Artikel „Höchstleistungen und Themen in exakten Rückzügern“ hatte Luigi Ceriani im Juniheft 1939 der Schwalbe (Seite 513–516) 13 Aufgaben mit aktuellen Längenrekorden vorgestellt, in denen also die letzten Züge vor Erreichung der Diagrammstellung eindeutig bestimmbar sein mussten. Hierzu schrieb er das 33. Thematurnier aus, in dem Überbietungen der im Aufsatz angegebenen Rekorde gefordert waren.

In diesem Aufsatz hatte Ceriani „unser“ Thema mit 10 Zügen dargestellt; er vermutete, dass 11 oder 12 gingen — mit 15 hatte er nicht gerechnet, wie er im Preisbericht im Februarheft 1940 der Schwalbe (Seite 513–516) bekannte.

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