StrateGems umgezogen

Die US-amerikanische Problemzeitung StrateGems, zwischen 1998 und 2022 von Mike Prcic herausgegeben und mit Ausgabe 100 eingestellt, zeichnete sich durch hohe Qualität aus, auch und gerade bei den Retros.

Nach dem Ende wurden alle Hefte sowie die extra erschienenen Preisberichte als pdf-Dateien online gestellt; dieses Netzarchiv ist nun umgezogen.Die neue Adresse könnte vielleicht für euch mal wieder Anlass sein, dort vorbeizuschauen?

Radio-Hörtipp

UDATE: Der Beitrag kommt voraussichtlich gegen 10:40 Uhr!

Beim Sender SWR Kultur steht am kommenden Sonntag (9. Juni 2024) in der Matinee von 09:04 Uhr bis 12:00 Uhr das Thema Luftikus – Die Schwalbe auf dem Programm. Die Schwalbe wird unter allen möglichen Gesichtspunkten beleuchtet, natürlich der Vogel, im Zusammenhang mit Fußball, mit Motorrädern, im Ballsaal — und mit Problemschach: Die Matinee enthält einen gut fünfminütigen Beitrag über die deutschE Problemschachvereinigung und das Problemschach allgemein.

Viel Spaß beim Zuhören!

Neue Schwalbe-Blätter

Auf die Schwalbe-Blätter hatte ich hier schon einmal hingewiesen: Das sind jeweils vier Seiten, die im Internet auf der Schwalbe-Seite immer in den ungeraden Monaten erscheinen und sich hauptsächlich an Probleminteressierte und -neulinge wendet — sie sind stets erfreulicher Lesestoff.

Einen Verweis auf alle bisher erschienenen Blätter mit den Download-Links gibt es natürlich auch. In diesem Jahr beschäftigten sich die Ausgaben bisher mit “Problemschach im Internet” und Retroanalyse. Na, wenn sich das nicht spannend liest…

100 Jahre Schwalbe

Heute jährt sich zum hundertsten Male die Gründung der – wie sie heute heißt – Schwalbe, deutsche Vereinigung für Problemschach e.V.. Am Sonntag, dem 10 Februar 1924 kamen auf Einladung von Anton Trilling in Essen-Rüttenscheid 15 Schachfreunde zusammen, um eine „Vereinigung von Problemfreunden“ zu gründen. Die ersten Konzepte hierfür stammten von Trilling und dem Problemredakteur des Essener Anzeigers, dem Kieler Wilhelm Maßmann. Am 20. Januar 1924 trafen sich bereits 14 Schachfreunde zu einem inoffiziellen Treffen, bei dem die Gründung und auch die zukünftige Satzung vorbereitet wurden.

Die lebhafte Geschichte der Schwalbe kann in Wolfgang Dittmanns Buch „Der Flug der Schwalbe Geschichte einer Problemschach-Vereinigung“ aus dem Jahr 1988 (zweite erweiterte und aktualisierte Auflage von Hans Gruber und mir aus dem Jahr 2018, jährlich mit Nachträgen aktuell gehalten) nachgelesen werden. Das Buch kann übrigens beim Bücherwart der Schwalbe noch bezogen werden.

Das wäre sowieso meine Empfehlung für heute: Bei einem Sekt, einem guten Glas Wein mal wieder im „Flug der Schwalbe“ lesen und auch noch diesen retroanalytischen Leckerbissen von zwei Schwalbe-Gründern “zwischendurch” zu lösen.

Hugo August & Anton Trilling
Die Schwalbe 1940
Welches waren die letzten 15 Einzelzüge? (11+14)

 

Meines Wissens ist dies der noch immer gültige Rekord des dargestellten, spektakulären Themas. Die Lösung findet ihr hier wie immer in etwa einer Woche!

Viel Spaß beim Lösen und Geburtstag feiern!

Lösung

R: 1.e7-e6+ Th6xDg6+ 2.Dh5-g6+ Sg6-e5+ 3.Tc5xDd5+ Db3-d5+ 4.Tc4xLc5+ Lf2-c5+ 5.Kd5-d6+ e3-e4+ 6.Tc2-c4+ Tc4-f4+ 7.Th3-f3+ Tg2-g5+ 8.Dh4-h5+

Das ist schon bewundernswert: 15 Schachgebot-Rücknahmen in 15 letzten eindeutigen Zügen! Dmitri Baibikov hatte ja schon dankenswerter Weise auf den vorherigen Rekord (mit „nur“ zehn Themazügen, allerdings ohne Umwandlungssteine) hingewiesen. Das könnt ihr euch natürlich auch in der PDB anschauen: P1012930.

Retro der Woche 03/2024

Traditionelle „Auflöse-Aufgaben“ kann man natürlich mit zusätzlichen Forderungen würzen. Damit meine ich nicht unbedingt Märchenbedingungen, was immer geht, damit meine ich auch nicht Einschränkungen wie etwa “…, wenn im 4. weißen Zug der König zieht“, die eher an mittelalterliche Bedingungsaufgaben erinnern, sondern beispielsweise die Komplettierung der Stellung, bevor das Retrospiel losgeht.

Solch eine Aufgabe möchte ich euch heute zeigen.

Andrej Kornilow & Andrey Frolkin
Die Schwalbe 2003, 3. Preis
Ergänze einen weißen Stein auf der h-Linie! A) letzter Zug? B) letzter Zug des wK? (13+12)

 

Sofort fällt auf, dass der sK im Schach steht; das kann nur durch einen Batteriestein auf g6 erklärt werden. Das kann also nur ein wSh8 oder ein wLh7 sein, der bei seinem Abzug einen schwarzen Stein geschlagen haben muss, der damit Schwarz überhaupt (Rück)Zugmöglichkeiten in Form von Pendeln zur Verfügung stellen muss.

Das schwarze Schlagopfer kann nur ein Turm sein, denn „irgendwann“ muss der Nordosten aufgelöst werden mit wDh8, wKg8, Schutzstein f8 und dann Rücknahme von Te8-e7. Dieser Schutzstein muss aber erst noch aufs Brett gezaubert werden.

Um das zu überlegen, bemerken wir zunächst einmal, dass die nach der Einsetzung noch fehlenden weißen Steine [Ba2] und [Bb2] nicht direkt durch Schwarz auf dem Königsflügel geschlagen worden sein können – sie müssen sich also beide auf b8 umgewandelt haben.

Weiterlesen

Niklas von Wyle

Ihr kennt den Komponisten Niklas von Wyle nicht? Na ja, moderne Zyklusthemen oder Proof Games of the Future hat er nicht gebaut: Das sind aber auch Themen, die nach seiner Zeit ihren Höhepunkt an Popularität hatten — und seine Zeit lag in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts!

Ralf Binnewirtz hat sich das Manuskript von Wyles vorgenommen, stellt es in einem Geschichts-Beitrag hier auf dieser Site vor — und publiziert gleichzeitig die Korrektur eines im Manuskript urgedruckten Selbstmatts.

Spannende Lektüre kann ich euch wieder versprechen!

Geschichte(n)

Der Begriff “Retro” bedeutet ja nichts anderes, als den Blick rückwärts zu richten — im Zusammenhang mit Schachstellungen deren Geschichte zu erforschen. Und warum sollte man das nicht auch mit dem Problemschach allgemein so machen, warum sollte man dort nicht auch Rückblicke in die Geschichte werfen?

Genau dazu dient die neue Seite Geschichte hier im Blog: Originalbeiträge zur Retroanalyse oder zur Geschichte des Problemschachs zu veröffentlichen, etwa weil sie für eine Problemzeitung zu lang sind, weil sie besonders schnell veröffentlicht werden sollten.

Den Anfang macht Ralf Binnewirtz, der uns in die Geschichte des Raumschachs einführt — herzlichen Dank für diesen spannenden Beitrag! Ich wünsche mir und euch, dass dieses Angebot gut angenommen wird! Frei nach Erich Honecker (ja, der Spruch ist älter, aber nun mal ganz besonders mit ihm verbunden) “Vorwärts nimmer, rückwärts immer!”