Retro der Woche 40/2012

Die Schwalbe-Tagung 2012 in Traunstein steht vor der Tür – und vielleicht geht es euch ähnlich wie mir? Ich scharre schon ein wenig mit den Hufen, dass es langsam losgeht: Dass ich schon in Traunstein ein paar Tage Urlaub machen kann, dass dann am Freitag die Tagung beginnt.

Mit den Hufen scharren können auch manchmal Schachfiguren – bemerkenswert und lustig finde ich das besonders bei dem Problem, das ich für diese Vor-Schwalbe-Treffen-Woche ausgesucht habe.

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Lange Reise

Beim Welt-Problemschachtreffen im japanischen Kobe gab es wieder mehrere Kompositionsturniere; einige davon haben schon eine längere Tradition, dazu gehört auch das Retro „Champagne-Turnier“.

Für Japan hatte Michel Caillaud als Thema „Die lange Reise“ vorgegeben und in der Ankündigung gefragt: „Ratet, wie ich auf diese Idee gekommen bin?“

Der erste Preis ging nun lustiger Weise nicht an einen Europäer oder Amerikaner mit besonders langer Anreise, sondern an den heimischen Satoshi Hashimoto, der zeigt, wie lang eine Reise sein kann, nur um einen Bauern vom Brett zu nehmen, wie unglücklich dann die Heimkehr sein kann.

Satoshi Hashimoto
Champagne-Turnier Kobe 2012, 1. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (15+14)

Den Kommentar zur Lösung entnehme ich dem Oktober-Dezember Heft 2012 von StrateGems:
„A clear winner. After a far-sighted introduction (sharp and short; the mark of happy few: Satoshi, Gianni, …) everything goes so easily (in appearance) with clockwork precision. As a result, the black white-squared Bishop is the only piece that can capture wPg2 and perform a 14 moves travel before being captured on its original square. Bravo!“

Damit ist auch die Lösung sicher nicht mehr schwer zu finden:
1.c4 e6 2.Da4 Df6 3.Dc6 Df3 4.exf3 b6 5.Ld3 La6 6.Lg6 Lb5 7.d3 La4 8.Ld2 Ld1 9.Lb4 Le2 10.Sd2 Lf1 11.Tc1 Lxg2 12.Tc3 Lf1 13.Ta3 Le2 14.Sf1 Ld1 15.Se2 La4 16.Tg1 Lb5 17.Tg4 La6 18.Seg3 Lc8 19.Ta6 b5 20.Tb6 Sa6 21.Tb8 h6 22.Txc8+.

Neue Titel

Beim 55. offiziellen Welt-Problemistentreffen (WFCC) im japanischen Kobe vom 15. bis 22. September 2012 wurden auch Titel verliehen; einige davon gingen nach Deutschland:

  • Internationaler Meister der Schachkomposition: Wolfgang Dittmann und Volker Zipf
  • FIDE-Meister der Schachkomposition:  Mirko Degenkolbe und Martin Minski
  • Meister der Schachkomposition ehrenhalber: Hermann Weissauer

Herzlichen Glückwunsch den neuen Titelträgern!

Darüber hinaus haben sich Hans Gruber und Thomas Brand für weiteres Arbeiten qualifiziert: als Internationale Preisrichter für Schachkomposition (Hans zusätzlich für n#, ich für Retro und Hilfsmatt).

Update 29.09.12

Alle neuen Titelträger findet ihr übrigens auf der Ergebnisseite des Kongresses.

Update 6.10.12

Norbert Geissler hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich bei der Zusammenstellung der neuen deutschen Titelträger zu sehr auf die (falschen) Angaben im Internet verlassen habe: Der neue internationale Meister der Schachkomposition Dieter Werner lebt und arbeitet zwar in der Schweiz, ist aber Deutscher — sorry, Dieter, dass ich das übersehen und auf der WFCC-Seite nur nach Germany geschaut hatte: Auch dir natürlich herzlichen Glückwunsch!

Retro der Woche 39/2012

Herzliche Glückwünsche gehen nachträglich nach Roßdorf bei Darmstadt, wo Ulrich Ring am Samstag (22.September) seinen Geburtstag feiern konnte.

Schon in jungen Jahren war er Zweizüger-Sachbearbeiter bei Die Schwalbe, dann haben sich aber seine Schwerpunkte Richtung Hilfsmatts und Retros (speziell den Beweispartien) verschoben, und so habe ich immer wieder viel Freude daran, mit Uli über unserer beiden Lieblingsgattungen im Problemschach (aber nicht nur darüber!) zu fachsimpeln und zu diskutieren. Das gemeinsame Eisessen (meist zusammen mit Hans Gruber) ist immer einer der Höhepunkte der Andernach-Treffen, und dort sind auch schon einige gemeinsame Preisberichte entstanden, dort haben wir schon heftig über feenschach und Fußball diskutiert…

In beiden seiner Spezialgebiete hat Uli hervorragende Aufgaben geschaffen; eine frühe Beweispartie möchte ich hier vorstellen:

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Index der FIDE-Alben

Als ich heute mal wieder durch die Seiten der World Federation for Chess Composition gestreift bin, ist mir der Index der FIDE-Alben aufgefallen:

Auf 165 Seiten hat Hannu Harkola aus seiner Datenbank eine Übersicht aller Komponisten aufbereitet, von denen Aufgaben in den FIDE-Alben  veröffentlicht worden sind. Zu jedem Komponisten sind all diese Aufgaben benannt, außerdem ist die mit jeder  Aufgabe erreichte Punktzahl (zur Erinnerung: 1 Punkt pro Aufgabe, 1,67 Punkte für Studien, jeweils geteilt durch die Anzahl der Autoren) vermerkt.

Somit kann hier die vollständige „Album-Biographie“ eines jeden Autors einfach nachgeschlagen werden. Sicherlich nicht unbedingt als Bettlektüre zu empfehlen, aber eine wichtige Informationsquelle, für deren Publikation Hannu Harkola unseren Dank verdient.

Zweimal Silber!

Von der 37. Weltmeisterschaft im Problemlösen (WCSC, World Chess Solving Championship), die in dieser Woche in Kobe (Japan) ausgetragen wurde, kann das deutsche Team gleich zwei Silbermedaillen mit nach Hause bringen:

Im Mannschaftswettbewerb belegte Deutschland hinter Polen und vor Russland Platz zwei, und auch in der Einzelwertung konnten sich die deutschen Vertreter über eine Silbermedaille freuen:

Arno Zude belegte knapp hinter dem polnischen Ausnahmelöser Piotr Murdzia und ebenso knapp vor dessen Landsmann Kacper Piorun den hervorragenden zweiten Platz.

Der neunte Platz von Boris Tummes und der zwölfte von Michael Pfannkuche im 52 Teilnehmer starken Feld zeigen die hervorragende Form der deutschen Mannschaft bei ihrem Auftritt in Asien — ein ganz herzlicher Glückwunsch an Arno, Boris und Michael!

Hier findet ihr die detaillierte Ergebnistabelle.

Retro der Woche 38/2012

Ich hatte es ja schon angekündigt: Heute stelle ich die Lösung des Urdrucks von Andrej Frolkin detailliert vor; besonders möchte ich darauf eingehen, wie man solche Färbe-Probleme lösen kann und damit die Lösungsbeschreibung von Uli Ring in seinem Kommentar ein wenig expliziter machen. Denn mit reinem Ausprobieren kommt man natürlich nicht weit, schließlich gibt es für beliebiges Färben bei 20 Steinen 2 hoch 20 Möglichkeiten — das sind genau 1.048.576. Also etwas langatmig und langweilig, alle Möglichkeiten auszuprobieren…

Daher geht es um systematische Überlegungen, die die Möglichkeiten von 1.048.576 auf genau eine, die Lösung, reduzieren.
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August-Heft 2012 der „Schwalbe“

Als ich gestern von meiner Dienstreise zurückkehrte, fand ich im Briefkasten das August-Heft der Schwalbe vor.

Neben den elf Retro-Urdrucken gibt es im Heft zwei Aufsätze zu Beweispartien, auf die ich hier sicherlich noch zurückkommen werde:

Silvio Baier erläutert ausführlich 20 Aufgaben zu Das Ceriani-Frolkin-Thema und seine Variationen in orthodoxen Beweispartien, und Thomas Thannheiser stellt mit sieben Original-Aufgaben Kurze (Homebase-) Schlagschach-Pronkins vor.

Interessante Lektüre also!!

Übrigens erscheinen mir in diesem Heft alle Urdrucke nicht so wahnsinnig schwer zu lösen: Ist das nicht eine tolle Gelegenheit, sich einmal an zumindest einem Teil der Aufgaben zu versuchen?