4. Retroblog TT: Korrektur des 1. Preises

Der erste Preis im 4. Retroblog-Thematurnier ist gekocht worden: Bojan Basić fand, dass die Lösung um einen Zug verkürzt werden kann (R 5.Kg6-f5 Kg8xSg7[+wKe8] und dann weiter wie geplant).

Autor Dirk Borst verbessert — und hält die neue Version sogar für etwas besser als die ursprüngliche!

Retro der Woche 38/2020

Im Verteidigungsrückzüger ist die Verwendung von Pendelmanövern im Zusammenhang mit der „Zugwiederholungs-Regel“ sehr beliebt: Schwarz sucht sich durch einen guten Zug zu verteidigen, Weiß erzwingt dagegen Zug- und somit Stellungswiederholungen, denen dann Schwarz ausweichen muss, um die Stellung legal zu halten: In Retros gilt die Stellungswiederholungsregel automatisch, d.h. nach Erreichen einer Stellung zum dritten Male wäre die Partie automatisch remis: Deswegen kann sie im Rückwärtsspiel nicht legal auftreten, da dann ja aus einer bereits beendeten Partie weiter gespielt würde.

Auf eine raffinierte Idee verfällt Schwarz beim heutigen Beispiel; die Kommentare sind überwiegend dem Preisbericht (Richter-Trio: Brand/Gruber/Ring) aus feenschach Nr. 204 entnommen.

Günther Weeth
feenschach 2012, W. Keym zum 70. Geburtstag, 2. Preis
-12, dann #1, VRZ Proca (9+12)

 

 

 

Mit dem Schüssel verbessert Weiß die Schlagbilanz zu seinen Gunsten.

R 1.g4xBf5! Zz. führt zu folgender Retroanalyse: Die schwarzen Bauern schlugen 7x, davon 4x auf weißen Feldern (d7xc6, f7xe6xd5xc4). Die weißen Bauern schlugen 2x (cxd, fxe). Es ist nur noch ein schwarzes Schlagobjekt frei. Schwarz darf nicht g7-g6 zurücknehmen, da dann [Lf8] als Schlagobjekt entfiele und mit h7xg6xf5 zwei weitere Schläge durch Schwarz auf weißen Feldern hinzukämen. [Bb2] konnte nicht schlagen, konnte also nur unumgewandelt auf b6 geschlagen werden. Da auch [Lc1] nur auf b6, dem einzigen schwarzen Schlagfeld von Schwarz, ge-schlagen werden konnte, ergäbe sich ein Widerspruch.

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Günther Weeth 85

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche in den Südwesten, nach Stuttgart, wo Günther Weeth seinen 85. Geburtstag feiert.

Günther begann seine Problemschach-Karriere als starker Löser; er kam über Josef Haas auch schon schnell mit der Retroanalyse in Berührung. Angeregt und begeistert von Wenda/Dittmann/Thoma stürzte er sich in den letzten Jahren kompositorisch intensiv auf schwergewichtige und meist logische, neudeutsche Märchen-Verteidigungsrückzüger, zunächst „nur“ auf Anticirce, dann z.B. in Verbindung mit magischen Wandersteinen, mit Märchensteinen und seit einiger Zeit speziell mit Circe; hierzu wird er bald einen größeren Aufsatz veröffentlichen.

Lieber Günther, nachdem das Jahr bisher ein wenig anders verlaufen ist als geplant (mehr Frankreich, weniger Andernach…), wünsche ich dir für dein neues Lebensjahr alles denkbar Gute, besonders natürlich Gesundheit und weiterhin viel Freude und Erfolg im Problemschach-Garten, speziell in den Retro-Beeten!

Andreas und Klaus haben mir eine Widmungsaufgabe für diesen Glückwunsch-Blog zur Verfügung gestellt; herzlichen Dank dafür!

Andreas Thoma und Klaus Wenda
Urdruck; Günther Weeth zum 85. Geburtstag gewidmet
#1 vor 9 Zügen, VRZ Klan, Anticirce Cheylan (4+8)

 

Bei den seitlich liegenden Steinen handelt es sich um Leo h8, Vao f8, Pao c1,d1,e2. Ein Leo zieht nichtschlagend wie eine Dame, er wirkt und schlägt wie ein Lion; der zieht wie ein Grashüpfer, allerdings beliebig weit hinter den Bock, soweit die Felder zwischen Bock und Zielfeld frei sind. Beim Vao bzw. beim Pao sind, wie man schon anhand der Symbole vermuten kann, Zug- und Wirkungslinien auf die Läufer- bzw. Turmlinien eingeschränkt.

Der weiße König steht wegen der Anticirce Cheylan-Form übrigens nicht im Schach durch Pc1.

Wie immer findet ihr die Lösung in etwa einer Woche hier; ich fände es klasse, wenn sich möglichst viele Leser an der Aufgabe versuchen.

Lösung

1.LEa8xTh1[LEh8]! Th2-h1+/h2-h1=T+ 2.VAc4xDf1[VAf8] Dg2-f1+ 3.Kb1xLa2 [Ke1] Lb3-a2+ (PAc8xSc3[PAc1]+?) 4.a5xb6ep[b2] b7-b5 5.Kc2-b1 La2-b3+ 6.Kb1-c2 Lb3-a2+ 7.Kc2-b1 La2-b3+ 8.Kb1-c2 PAc8xSc3[PAc1]+ (erzwungen) 9.Sb5-c3 & vor: 1.LExe4[LEe8]#

1.LEc6,h5xTh1?[LEh8] Th2-h1+/h2-h1=T+ 2.VAc4xDf1[VAf8] usw. wie in der Lösung 9.LEe8-c6,h5 & vor: 1.Sb5# scheitert nur daran, dass der für die Einleitung des Pendels nötige Zug 4.a5xb6ep[b2] illegal wäre, da a8 frei ist, sodass S durch VAc4 im Schach stünde]

1.LEa8xDh1[LEh8]? Dg2-h1+! 2.VAc4xDf1[VAf8]? Die sD kann das Schach nicht aufheben.

Mit wKc2 kann Schwarz das Schach …PAc8xSc3[PAc1]+? nicht aufheben, PAc1 Retro-gefesselt ist; sPAe2 würde Schach bieten. Der wK muss daher im Zuge des Pendelns auf b1 stehen. Dies verhin-dert auch die sonst mögliche Abwehr & vor: 1.LExe4[LEe8]+ PAa1!

Nachtrag 27.8.2020: Wie Klaus Wenda mitteilte, ist die Aufgabe noch defekt; Andreas und Klaus arbeiten an einer Korrektur!

Längstzüger

Die „Längstzüger“ Bedingung stammt schon aus dem Jahr 1913 und wurde von Thomas R. Dawson (wem sonst??) erfunden; sie wird im Schwalbe-Lexikon so definiert: „Von den normal möglichen Zügen unter Beachtung von Schachgeboten und illegalen Selbstschachs muss Schwarz den geometrisch jeweils längsten Zug machen; zwischen gleichlangen Längstzügen kann er frei wählen…“

Diese Bedingung wird häufig zusammen mit Selbstmatts angewendet, führt aber auch bei Retroaufgaben zu interessanten Effekten — hier wird natürlich angenommen, dass die Bedingung auch schon in den letzten Zügen vor Erreichen der Diagrammstellung galt.

Versucht euch heute doch einmal an dem Verteidigungsrückzüger-Wenigsteiner; die Lösung veröffentliche ich hier wie immer in einer Woche.

Robert Lürig
Die Schwalbe 1933
#1 vor 2 Zügen, VRZ Proca, Längstzüger (3+1)

 

 

 

Lösung

Satz: 1.g7#.

R: 1.Bh5xBg6! erzwingt 1.– Bf7xSg6 (ohne Springer auf g6 wäre f7-f5 länger gewesen!) 2.Se5-g6 (leider auch 2.Se5xSg6) und vor: 1.Sxf7#

Die drei anderen, gleichzeitig vom Autor veröffentlichten Längstzüger-Procas waren nebenlösig, in der Schwalbe hieß es 1934 dazu: „Das neue Gebiet ist mit Wolfsgruben durchsetzt und Fußangeln gespickt!“; die NL-Gefahr ist riesig.

Retro der Woche 28/2020

In der gerade erschienenen Ausgabe Juli-September 2020 von StrateGems ist bereits der Retro- und der Beweispartien-Preisbericht für das Jahr 2019 veröffentlicht. Wenn das so schnell geht, kann man beinahe sicher den Richter raten: Hans Gruber. Er wird in diesem Heft speziell als Preisrichter vorgestellt –mit mehr als 300 Berichten in mehr als 30 Ländern!

Von den 15 Aufgaben in der Nicht-Beweispartien-Abteilung waren 13 Anticirce-Verteidigungsrückzüger; alle vier Auszeichnungen gingen an diese Gruppe. Ich möchte euch den Preis (noch eine ehrende Erwähnung für Weeth / Wenda sowie zwei Lobe für Aufgaben von Andreas Thoma) vorstellen:

Günther Weeth & Klaus Wenda
StrateGems 2019, Preis
s#1 vor 10 Zügen, Verteidigungsrückzüger Typ Klan, Anticirce Calvet (6+10)

 

Weiß will also ein einzügiges Selbstmatt vor zehn Zügen erzwingen; Schwarz versucht sich zu verteidigen, indem er legale Züge zurückspielt, die diese Vorwärtsforderung möglichst verhindern. Beim Typ Klan (KLaus Wenda & ANdreas Thoma) bestimmt Weiß jeweils ob und was legal entschlagen wird, bei den älteren Typen Proca und Høeg bestimmt die die Partei am Zug bzw. die Gegenpartei.

Soweit der „ganz normale“ Verteidigungsrückzüger, hier kommt nun Anticirce hinzu: Dabei wird nicht wie beim „normalen“ Circe das Schlagopfer wiedergeboren, sondern der „Schläger erscheint auf seinem circensischen Feld der Partieanfangsstellung (PAS) wieder; ist dieses besetzt, ist der Schlag illegal und damit nicht möglich.

Hier gilt es, zwei mögliche Interpretationen der letzten Regel zu berücksichtigen: Man könnte sagen, dass das Schlagen auf das eigene PAS-Feld verboten sei, da das Feld ja (vor dem Schlag) besetzt sei. Genauso gut kann man argumentieren, dass der Schlag aufs eigene PAS-Feld zulässig sei, da das Feld ja nach Schlag und vor der circensischen Wiedererstehung ja frei sei. Die erste Alternative trägt den Namen „Cheylan“, die zweite den Namen „Calvet“.

Hier bestimmt also Weiß jeweils bei möglichen Schlägen, ob und was entschlagen wurde, und der Schlag aufs PAS-Feld des Schlägers ist zulässig.

Bei Anticirce-Verteidigungsrückzügern sind einerseits die Entschlagmöglichkeiten drastisch reduziert, weil ja nur Steine auf ihrem PAS-Feld entschlagen können -– das aber drastisch die Möglichkeiten erweiternd quasi überall auf dem Brett!

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Pendel-Rekorde

Klaus Wenda hat mich heute auf einen Blog-Beitrag von Vlaicu Crişan aufmerksam gemacht; diesen Hinweis möchte ich euch nicht vorenthalten.

Vlaicu beschäftigt sich darin mit Verteidigungsrückzügern, die gleich fünf Pendelmanöver zeigen — das ist der aktuelle Rekord. Die erste und bisher einzige orthodoxe Darstellung gelang Michel Caillaud 2014; aus dem letzten Jahr stammen zwei Anticirce-Beispiele von Andreas Thoma sowie von Vlaicu Crişan selbst.

Das sind natürlich drei hervorragende und anspruchsvolle Aufgaben; die solltet ihr in aller Ruhe genießen! Und vielleicht bekommt ihr ja Ideen dabei, eine weitere Fünffach-Setzung darzustellen — oder gar den Rekord zu verbessern? Die Aufgabe hätte ich dann gern für Die Schwalbe! 🙂

Viel Spaß und Erfolg!

6. Retroblog-Thematurnier

Kinder, wie die Zeit vergeht…

Ich freue mich, nun schon zum fünften Male in Folge am ersten Weihnachtstag zusammen mit Andreas Thoma ein neues Retroblog Thematurnier ankündigen zu können.

Gefordert sind, auch das ist ja schon Tradition, Verteidigungsrückzüger mit der Märchenbedingung Anticirce und einer speziellen, Anticirce-typischen Idee; die Details sind anhand einer Originalaufgabe in der Ausschreibung auf Deutsch und Englisch erläutert.

Schickt eure Beiträge — auch das ist Tradition — bis zum Ostersonntag, also bis zum 12. April 2020 an mich als Turnierdirektor (t.brand(at)gmx.net). Andreas Thoma wird das Turnier richten; für die Sieger stehen Buchpreise zur Verfügung.

Andreas und ich freuen uns auf eure Einsendungen!

4. RB-TT — Nachtrag zum Preisbericht

Zum Preisbericht des 4. Retroblog-Thematurniers ist ein kleiner Nachtrag erforderlich.

Wie erst jetzt auffiel, gab es einen Diagramm-Druckfehler beim zweiten Preis (wBe4 statt sBe4). Der ist nun auch im Bericht korrigiert; ladet den Preisbericht bitte bei Bedarf einfach noch einmal herunter!