Retro der Woche 17/2019

In der letzten Woche hatte ich hier den 1. Preis der „Beweispartie“-Abteilung des Brand & Gräfrath-120-Geburtstagsturniers, (klassische Retros bzw. Beweispartien ohne Bauernumwandlungen) vorgestellt, nun ist der erste Preis der allgemeinen Abteilung an der Reihe: Ebenfalls, wie Bernd Gräfrath und ich beide meinen, ein „starkes Stück“.

Michel Caillaud
TBBG-120 Turnier 2019, 1. Preis, Abt. A
#1 vor 15 Zügen, VRZ Proca (12+9)

 

Wir erinnern uns: Beim Verteidigungsrückzüger nehmen beide Seiten (natürlich nur legale) Züge zurück; dabei versucht Weiß gegen schwarze Gegenwehr eine Stellung von n Zügen (hier also vor 15) zu erreichen, in der er die „Vorwärtsforderung“ (hier also Matt in einem Zug) erfüllen kann.

Schauen wir uns zunächst einmal die sichtbaren Schläge an: Wir sehen, dass Schwarz alle vier fehlenden Steine (jeweils zwei Läufer und Springer) mit Bauern geschlagen hat: Zweimal fxg, dazu exf und dxe; Schwarz kann also im Moment nicht irgendeinen fehlenden weißen Stein entschlagen. Hingegen ist nur weißer Schlag ist sichtbar: bxc.

Wenn Weiß den schwarzen König nach h2 zwingen könnte, wäre er am Ziel: dann ginge R Tf1-f2 & v: Dxg3#.

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Verlängerung 4. Retroblog-TT

Auf Wunsch mehrerer Autoren haben Andreas Thoma und ich den Einsendeschluss für das 4. Retroblog-Thematurnier auf den

30. September 2019

verschoben. Ihr habt also noch mehr Zeit, gute und interessante Aufgaben zu bauen; Andreas und ich freuen uns über eure Beteiligung!

Retro der Woche 11/2019

Zunächst noch eine Bemerkung zum Retro der letzten Woche: Ganz herzlichen Dank für die lebhafte Diskussion zum Thema „Korrektheitsvermutung“ – und, obgleich ich es sehr traurig finde, dass sie gekocht wurde, für Arnolds Cook. Besser jetzt gekocht als kaputt mit sicherlich hoher Punktzahl ins Album gekommen…

Heute möchte ich euch mal wieder einen Verteidigungsrückzüger zeigen, zu dem ich als Preisrichter geschrieben hatte: „Leicht, locker, witzig – ein tolles Proca-Werbestück!“ Damit wollte ich nicht etwa sagen, dass die Lösung direkt offensichtlich ist…

Michel Caillaud
Wolfgang-Dittmann-Gedenkturnier 2015, 2. Lob
#1 vor 16 Zügen, VRZ Proca (12+5)

 

Wir erinnern uns: Beim Verteidigungsrückzüger versucht Weiß, die Vorwärtsforderung in der angegebenen (Rück-)Zügezahl zu erfüllen, Schwarz verteidigt sich dagegen, darf allerdings natürlich nur legale Züge zurücknehmen. Beim Typ „Proca“ entscheidet die gerade zurücknehmende Partei, ob ihr Rücknahmezug einen Entschlag beinhaltet und welcher Stein entschlagen wird; auch hierbei sind beide Seiten natürlich an die Legalität der entstehenden Stellung gebunden.

Mit welchem Stein könnte Weiß eigentlich mattsetzen? Natürlich bietet sich ein Matt mittels Sf2 an, aber wo soll der Springer herkommen? Weiß müsste Schwarz zwingen, den zu entschlagen, auch wenn er vielleicht anders lieber entschlüge -– und zwingen können wir ihn über die Legalität!

Aber betrachten wir zunächst einmal die Ausgangsstellung: Bei Weiß fehlen [Th1], beide Springer sowie [Bd2].

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Retro der Woche 04/2019

Vor einigen Tagen erhielt ich das Phénix Heft mit meinem Retro-Preisbericht 2015-2016. Aus dem Bereich der „klassischen Retros“ hatte ich hier bereits den 1. Preis und den 3. Preis gezeigt; heute möchte ich euch einen Verteidigungsrückzüger aus diesem Turnier vorstellen.

Andrej Frolkin & Joaquim Crusats
Phénix 2015-2016, 3. ehrende Erwähnung
-9 & #1, VRZ Proca (13+13)

 

Beim Verteidigungsrückzüger versucht Weiß die Vorwärtsforderung (hier: Matt in einem Zug) zu erfüllen, spätestens nachdem die angegebene Anzahl von Rückzügen gemacht worden ist; Schwarz versucht sich gegen das weiße Ziel (natürlich nur mit legalen Rückzügen) zu wehren. Beim Typ Proca bestimmt die rückziehende Seite, ob und welcher Entschlag mit der Rücknahme verbunden war; auch hier sind natürlich nur legale Entschläge gestattet.

Was haben Autoren, Löser und Preisrichter nur übersehen? Das lässt sich doch direkt in einem Zug lösen: R: 0-0-0 & vor: 1.Txa2#. Obwohl: Konnten die hochklassigen Autoren das übersehen? Und auch der Preisrichter? Vielleicht lohnt es, die Stellung genauer zu betrachten…

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ChessProblems.ca

Die von Cornel Pacurar herausgegebene kanadische Online-Zeitung ChessProblems.ca beschäftigt sich überwiegend mit Serienzügern, bietet aber uns Retrofreunden auch immer wieder interessante Beiträge.

In der neuesten Ausgabe finden sich auf 45 Seiten unter Anderem Aufsätze über Anticirce-Verteidigungsrückzüger mit der (recht wilden) Zusatzbedingungn „Assassin“ von Vlaicu Crişan sowie drei „Neujahrs-Rebusse“ (ja, ich habe extra im Duden nachgeschaut: Der Plural von „Rebus“ ist wirklich „Rebusse“ …) von Jeff Coakley und Andrej Frolkin.

Viele Spaß beim Lesen und Lösen!

4. Retroblog Thematurnier

Nachtrag 4.1.2019:
Märchenfiguren sind als Themasteine erlaubt.

Nachtrag 1.1.2019:
Bei der Lösungsangabe zur zweiten Beispielaufgabe ist „1.Ka1:Lb2[Ke1] Te1-d1 2.Kb1-a1 & 1.Da2:Da3[d1]#“ zu streichen.

Nun sind wir schon tief in der Tradition…

Ich freue mich, wie schon in den letzten drei Jahren am ersten Weihnachtstag zusammen mit Andreas Thoma ein neues Retroblog Thematurnier ankündigen zu können.

Gefordert sind Verteidigungsrückzüger mit der Märchenbedingung Anticirce und einer speziellen, Anticirce-typischen Idee; die Details sind anhand zweier Originalaufgaben in der Ausschreibung auf Deutsch und Englisch erläutert.

Schickt eure Beiträge bis zum 21. April 2019 (auch das ist Tradition: Einsendeschluss ist Ostersonntag) an mich als Turnierdirektor (t.brand(at)gmx.net). Andreas Thoma wird das Turnier richten; für die Sieger stehen Buchpreise zur Verfügung.

Andreas und ich freuen uns auf eure Einsendungen!

Abschluss 3. Retroblog TT

Am 25. Dezember 2017 hatte Andreas Thoma das 3. Retroblog Thematurnier ausgeschrieben.

Leider sind keine thematischen Aufgaben eingegangen, sodass es diesmal auch keinen Preisbericht gibt.

Andreas und ich hoffen, dass das 4. Retroblog Thematurnier, das wie üblich am ersten Weihnachtstag hier ausgeschrieben wird, mehr Retrofreunde zum komponieren anregt, dort werden für die ersten drei Preise Bücher im Gesamtwert von 100 Euro ausgelobt.

Retro der Woche 48/2018

In den letzten beiden Retros der Woche (46/2018 und 47/2018) hatten wir ausgezeichnete Aufgaben des Schwalbe-Jahrgangs 2008 betrachtet; heute möchte ich euch den Sieger des Jahrgangs 2009 zeigen.

Dmitri Baibikow ist ein ideenreicher, exzellenter und vielseitiger Komponist und ist amtierender Weltmeister im Komponieren von Retro-Schachproblemen (2013-2015); mit anderen Worten: Er gewann die Retro-Abteilung des 6. WCCI, übrigens vor Silvio Baier und Nicolas Dupont, womit er seinen Titel aus dem Zeitraum 2010-2012 verteidigen konnte.

Das Schwalbe-Turnier 2009 gewann Dmitri mit einem sehr tiefen und ungewöhnlichen Verteidigungsrückzüger, den ich euch zum gründlichen Nachspielen ans Herz lege.

Dmitri Baibikow
Die Schwalbe 2009, 1. Preis, Mario Richter gewidmet
#1 vor 10 Zügen, VRZ Proca (12+10)

 

Beide Seiten sind von Retropatt bedroht, alle weißen Steine stehen innerhalb des riesigen Südost-Käfigs und können allein kein Matt geben: Nach einem möglichen sLg2-f1 ist zwar e2 nicht mehr gedeckt, aber dafür das Fluchtfeld f1 entstanden. Weiß braucht daher zusätzliches Material, will also Schwarz zum Entschlagen zwingen.

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