Neue Titelträger

Auch wenn das WCCC, das internationale Problemschachtreffen, in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden musste, hat die WFCC Subkommission für die Vergabe von Titeln dennoch per Videokonferenz getagt und aufgrund der Auswahlen für das neue FIDE-Album neue Titel vergeben. Ich nenne hier nur die neuen deutschen Titelträger:

  • Kompositions-Großmeister: Martin Minski
  • Internationaler Kompositionsmeister: Michael Barth
  • FIDE Kompositionsmeister: Klaus Förster

Ihnen gelten meine herzlichen Glückwünsche ebenso wie allen anderen, von denen ich besonders unseren Retrofreund Joaquim Crusats erwähnen möchte, der den FM-Titel erreicht hat.

Eine komplette Auflistung aller neuen Titelträger findet ihr auch der WFCC-Seite.

Retro der Woche 40/2020

„Zwölfender“ sind in der Natur sehr kapitale und auffällige Hirsche – und auch im Problemschach fallen „Zwölfender“ auf, hier sind sie gar noch deutlich seltener als in der freien Wildbahn. So konnte in den Jahren zwischen 1980 und 2000 nur ein einziger Retro-Zwölfender entdeckt werden.

Gemeint sind hier natürlich Aufgaben, die im FIDE-Album 12 Punkte bekommen haben – also von allen drei Preisrichtern die prinzipiell sehr selten gezogene Höchstnote von 4 Punkten.

Diesen Zwölfender möchte ich euch heute hier zeigen.

Michel Caillaud
Strate Gems 1999, 1. Preis
Löse die Stellung auf! (15+13)

 

Bei Weiß fehlt nur ein Springer; der wurde offensichtlich mittels gxSf6 geschlagen. Demnach ist auch klar, dass bei Schwarz [Ba7], [Bh7] sowie [Dd8] fehlen, die Bauern können nicht geschlagen haben. Bei Weiß sehen wir die Schläge a5xXb6 und d5xYc6: sBb5 und sBc5 können ja nicht geschlagen haben. Damit sind auch die Schläge der fehlenden schwarzen Steine klar: [Bh7] wurde irgendwo auf der h-Linie geschlagen, ein schwarzer Offizier (evtl. die Dame) starb auf b6, und anschließend wandelte [Ba7] schlagfrei auf a1 um, um entweder den auf b6 geschlagenen Stein zu ersetzen oder sich selbst auf c6 zu opfern.

Die Stellungsöffnung kann nur durch R Td2-e2 oder R Tg5-g4 eingeleitet werden; beide Züge gäben im Moment aber illegales Retroschach. Schwarz hat im Moment nur einen Rücknahmezug (Bd7-d6); La2-b1 ist nur mit einem Schachschutz auf der Diagonalen möglich. Aber wir ahnen es schon, dieses Manöver werden wir häufiger im Laufe der Lösung benötigen.

Weiß hat (neben R g5-g6) im Moment nur den Sa6 für Zugrücknahmen, denn Ba5xXb6 können wir im Moment noch nicht zurücknehmen: [Ba7] muss erst auf a1 entwandeln und schlagfrei mindes-tens bis a6 zurückgezogen haben.

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Retros im FIDE-Album 2016-2018

Die Retro-Richter waren mal wieder die schnellsten…

Gestern sind auf der WFCC-Seite die Ergebnisse der Retro-Auswahl für das neue FIDE-Album veröffentlicht worden: Ein Rekord von 112 Aufgaben hat es geschafft (davon 30 über das WCCI und ein Stück als Sieger des 10. WCCT), das liegt aber nicht an besonders großzügigen Richtern — es hat mir mit Nicolas Dupont, Andrej Frolkin und Kostas Prentos als Richtern sehr viel Spaß gemacht, den Auswahlprozess zu (beg)leiten –, sondern an der hervorragenden Qualität der eingereichten Aufgaben: Es waren kaum schwache Stücke dabei, und das macht den Richtern natürlich auch mehr Spaß, als wenn viele (unter)durchschnittliche bewertet werden müssten.

Die meisten Aufgaben (19) konnte Michel Caillaud ins Album bekommen. Wegen möglicher Gemeinschaftsaufgabe entspricht diese Anzahl häufig nicht den erreichten Albumpunkten; bei Michel sind es 17.

Es folgen Andrej Frolkin (18/12,33), Nicolas Dupont (17/15,67), Roberto Osorio (14/7), Silvio Baier (12/9,67), Joaquim Crusats (11/7,83) und Dmitry Baibikov (10/9,5) als diejenigen mit einer zweistelligen Aufgabenanzahl im Album.

Seht bitte von Detail-Nachfragen ab: Die darf und werde ich bis zur Veröffentlichung des Albums nicht beantworten.

Retro der Woche 11/2020

Bleiben wir noch etwas in den 1980er Jahren, als sich die Beweispartien langsam zu einem wichtigen, die kommenden Jahre dominierenden Bereich der Retroanalyse entwickelten.

Michel Caillaud, zu der Zeit, als er das heutige Stück komponierte, erst etwas über 30 Jahre alt, war einer derjenigen, die früh das Potenzial der eindeutigen Beweispartien erkannt hatten und schon damals großartige Aufgaben damit zu bauen verstanden.

Michel Caillaud
Phénix 1988, Spezialpreis
Beweispartie in 21,5 Zügen (15+14)

 

Für heute habe ich solch ein Exemplar herausgesucht, das sicherlich auch heute noch zum Lösen reizt.

Bei Schwarz scheint nicht viel passiert zu sein: Es sind insgesamt nur vier Züge zu sehen. Bei Weiß sind schon etwas mehr Züge im Diagramm zu sehen, nämlich 3+0+4+2+1+3=13. Aber auch damit sind natürlich noch viele Züge frei!

Da verrät uns die Untersuchung der Schlagfälle schon mehr…

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Retro der Woche 47/2019

In den letzten Wochen hatten wir uns hier intensiv mit dem Pronkin-Thema beschäftigt, und auch heute möchte ich euch eine komplexe Beweispartie vorstellen, in der Umwandlungen eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielen.

Thierry Le Gleuher
Probleemblad 2001, 1. Preis
Beweispartie in 34,5 Zügen (14+10)

 

Das sieht man sofort beim Blick auf das Diagramm schon: Jede Menge weiße Umwandlungssteine! Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr schnell, dass das Diagramm eine weiße Allumwandlung zeigt. Ein Thema haben wir also schon erkannt…

Diese Erkenntnis hilft uns jedoch schon signifikant beim Zählen der erfolgten weißen Züge: 20 Bauernzüge sind schon klar. Nehmen wir die drei weißen Steine auf der achten Reihe als Umwandlungssteine an, so sehen wir 2+2+5+4+1+1=15 –- zusammen mit den 20 Bauernzügen für die Umwandlungen sind damit alle weißen Züge erklärt. Natürlich könnte man einen Turmzug einsparen, wenn wTc1 der [Ta1] wäre – das aber würde zwei Züge des [Sb1] erfordern, und das wäre ein Zug zu viel.

Nun schauen wir uns die Schlagbilanzen an:

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Blick ins Buch

Von einigen Internet-Anbietern kennt man, dass man vor dem Kauf eines Buches einen elektronischen Blick hineinwerfen kann, um sich einen genaueren Eindruck zu verschaffen: „Lohnt es für mich, ist das das richtige Buch für mich?“

Vor einiger Zeit hatte ich bereits auf das FIDE-Album 2013-2015 hingewiesen; nun kann man diesen Blick ins Buch mittels einer PDF-Datei über die WFCC-Seite werfen.

Retro der Woche 33/2019

Von den 83 Retros im neuen FIDE-Album hatten zwei die „Höchstnote“ von 12 Punkten erreicht: Das eine stammt von Dmitrij Bajbikov (Retro der Woche 27/2016) und war schon über das WCCI ins Album gekommen, das zweite von Nicolas Dupont und Silvio Baier. Diese Aufgabe hatte ich, auch welchen Gründen auch immer, euch hier noch nicht vorgestellt. Das soll, muss natürlich nachgeholt werden!

Nicolas Dupont & Silvio Baier
Die Schwalbe 2015 (M. Caillaud gewidmet)
Beweispartie in 34 Zügen (11+12)

 

Sofort fällt der Damenflügel auf: Schwarz verfügt über alle Offiziere der Partieausgangsstellung, aber die weißen Trippelbauern auf der a-Linie können keinen schwarzen Bauern [Ba7]-[Bc7] geschlagen haben. Ähnlich schaut es mit den schwarzen Bauern auf a6 und b6 aus, allerdings fehlt bei Weiß ein Springer. So müssen wir aber auch von mindestens einer weißen Umwandlung ausgehen.

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FIDE-Album 2013-2015

[Unbezahlte Werbung, da Produktnennung]

Gestern kam bei mir das FIDE-Album 2013-2015 an: Mit exakt 1499 Aufgaben ist es so umfangreich wie noch keines der Drei-Jahres-Alben (die retrospektiven Alben 1914-1944 sowie 1945-1955 waren noch dicker), und auch die Retro-Abteilung ist mit 83 Aufgaben gut vertreten.

Die meisten Retros stammen von Silvio Baier, Michel Caillaud und Andrej Frolkin (13, 12 bzw. 11); das ist nicht identisch mit den Album-Punkten, da natürlich auch Gemeinschaftsaufgaben dabei sind.

27 der Retros stammen aus der Schwalbe, neun aus feenschach sowie vier weitere aus gemeinsamen Dittmann-Thematurnieren der Schwalbe und von feenschach (wobei allerdings bei den Quellen etwas durcheinander gegangen ist: Da sind „Dittmann-Gedenkturnier“ und „Dittmann-70-Jubiläumsturnier“ vertauscht). Und vier Aufgaben wurden auch hier im Blog „urgedruckt“.

Natürlich über die Retroabteilung hinaus wieder eine extrem lesens- und schmökerwerte Anthologie, die ich jedem nur empfehlen kann!