WCCT-10 Abschlussbericht

Heute ist der Abschlussbericht des 10. WCCT (World Chess Composition Tournament) veröffentlicht worden; er kann über die WFCC-Seite als PDF-Broschüre (156 Seiten) heruntergeladen werden.

Die Ergebnisse waren ja schon früher publiziert worden, aber nun sind auch die Kommentare der richtenden Nationen zu den Aufgaben veröffentlicht, zusätzlich gibt es statistische Informationen.

Viel Spaß bei der interessanten und hochklassigen Lektüre!

Retro der Woche 05/2018

Nachdem ich in der letzten Woche hier die einzige orthodoxe Beweispartie aus den beiden feenschach Retropreisberichten der Jahre 2014 und 2015 besprochen hatte, möchte ich heute eine der dort ausgezeichneten drei klassischen Retros vorstellen.

Andrej Frolkin
feenschach 2015, 3. Preis
Löse auf (11+15)

 

Weiß hat offensichtlich nur einmal geschlagen, und zwar wegen des Doppelbauern entweder cxd7 oder exd7.

Bei Weiß fehlen fünf Steine: Auf der linken Bretthälfte hat Schwarz offensichtlich b5xa4 sowie exd geschlagen. Auf der rechten Bretthälfte musste Schwarz [Bf2] und [Bg2] schlagfrei durchlassen, sodass [Bf7] und [Bg7] überkreuz geschlagen haben.

Nun haben wir nur das Schicksal der beiden h-Bauern noch offen:

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Retro der Woche 04/2018

In dem Viererpack an feenschach-Heften, das Anfang des Monats erschienen ist, finden sich zwei Retro-Preisberichte: Für 2014 von Michel Caillaud und für 2015 von Bernd Gräfrath. Unter den insgesamt 17 dort ausgezeichneten Aufgaben befindet sich nur eine einzige orthodoxe Beweispartie!

Ist dies typisch für die letzten Jahre, deutet dies vielleicht auf eine Krise der Beweispartien hin? Natürlich wird es immer schwieriger, gute und originelle Beweispartien zu bauen, aber solche erscheinen immer noch, und zwar in recht großer Anzahl. Bei feenschach ist die Situation vielleicht auch deshalb etwas anders, weil dort natürlich Märchen-Retros eine besonders große Rolle spielen.

Nikolas Dupont (nach Unto Heinonen)
feenschach 2015, Lob
Beweispartie in 28 Zügen (11+15)

 

In der weißen Homebase-Position müssen/können wir natürlich keine sichtbaren Züge zählen: per definitionem gibt es dort ja keine. Aber bei Schwarz kommen wir mit dem Züge zählen schon viel weiter: 2+2+5+4+4+11=28; damit sind alle schwarzen Züge erklärt. Mehr noch: Die Züge der Springer und des Königs sind schon genau determiniert, ebenso die von [Lc8], [Bc7], [Bd7] und [Bf7].

Wieso eigentlich des [Bf7]? Dazu schauen wir uns die Schläge an.

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Quartz 44

Vor ein paar Tagen ist die Ausgabe 44 von Quartz erschienen: Diese regelmäßig erscheinende Internet-Problemzeitung beschäftigt sich immer wieder auch intensiv mit Retros, speziell Märchenretros.

Das neue Heft setzt diese tolle Tradition fort: Über orthodoxe Beweispartien mit speziellen Platzwechseln könnt ihr lesen, ebenso über Beweispartien mit der Glasgow-Bedingung (Bauern wandeln sich bereits auf der 7. bzw. 2. Reihe um). Und die „unbestimmten Steine“ werden intensiv behandelt, die ja auch schon im Schwalbe-Urdruckteil aufgetaucht sind.

Viel und erquickender Lesestoff, der hoffentlich auch dem Einen oder Anderen schöne Anregungen zum Komponieren gibt: Viel Spaß beim Lesen!

f-Retrolösewettbewerb

In feenschach Heft 223 ist auf Seite 27 ein Retro-Lösewettbewerb von Andreas Thoma erschienen: Fünf Anticirce-Proca-Verteidigungsrückzweizüger sind zu lösen; für die drei besten Einsender hat der Autor Buchpreise ausgelobt.

Als Einsendeschluss war der 31. Dezember 2017 angegeben — das war etwas knapp, wo das Heft doch erst Anfang Januar 2018 erschienen ist: Da müsste die Löse-Mail schon in deutlich Überlichtgeschwindigkeit bei Andreas ankommen.

Da die feenschach-Redaktion hierauf nicht vertrauen wollte, wurde gemeinsam mit dem Ausschreibenden als neuer Einsendeschluss der 28. Februar 2018 festgelegt.

Viel Spaß und Erfolg beim Lösen!

Eine Entdeckung

Im Jahr 2001 hatte Andrew Buchanan in einem Artikel in The Problemist den Gedanken des „Dead Reckonig“ ins Problemschach eingeführt, wonach eine Stellung gemäß § 5.2b der offiziellen FIDE-Schachregeln automatisch remis ist, wenn beide Parteien nicht mehr in der Lage sind, matt zu setzen. Eine Partie, ein Problem ist damit sofort beendet. Hierzu führt Andrew eine eigene, besuchenswerte Website.

Das liest sich zunächst trivial, führt aber zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen, wie ich kurz am Beispiel der ersten Dead-Reckonig Aufgabe zeigen möchte.

Andrew Buchanan
The Problemist Juli 2001
Wer zog zuletzt? (1+1)

 

Kann Schwarz zuletzt gezogen haben? Schlagfrei sicher nicht nach a8, denn dann wäre die Partie ja schon beendet gewesen. Also hätte der König geschlagen: Allerdings sicher keinen Läufer oder Springer, da mit diesem Material beide Seiten nicht mehr hätten Matt setzen können. Also hätte der schwarze König, egal, ob er auf a7 oder b8 gestanden hatte, auf a8 eine Dame oder einen Turm geschlagen. Dieser Schlag wäre aber schon erzwungen gewesen — somit wäre die Partie bereits nach Ta8+ bzw. Da8+ zu Ende gewesen; der Schlag hätte gar nicht mehr ausgeführt werden dürfen.

Daraus folgt, dass Schwarz nicht zuletzt gezogen haben kann. Der weiße König hingegen kann beispielsweise von b5 gekommen sein und auf c6 einie Dame geschlagen haben: Dazu wäre er nicht gezwungen gewesen, da er auch einfach hätte ausweichen können. Also konnte Weiß noch z.B. Kb5xDc6 spielen — erst danach ist die Stellung zwangsweise remis. Also wissen wir, dass zuletzt Weiß gezogen hat.

Nun ist Werner Keym bei der Durchsicht aller Hilfsrückzüger in der PDB auf die folgende Aufgabe von Nikita Plaksin gestoßen, die genau diesen Gedanken schon verwendet und ihn bereits explizit auszuformuliert.

Nikita Plaksin
6557 feenschach 11/1993
Weiß nimmt einen Zug zurück, dann h=1 (2+2)

 

(Lösung zitiert aus der PDB P0005387.) R: 1. Ka3-a4?, dann 1. Lxa2=? R: 1. Ka3xBa4!, dann 1. Lxa2=! Mit folgender witziger Begründung des Autors: “If on the board are only KL-KL (and LL on squares of the same colour), by the rules of chess an immediate draw occurs! Therefore, the retro move Ka3-a4 is illegal.’’

Das ist genau die Dead-Reckoning-Idee! Ich kann mit gut vorstellen, wie verblüfft Andrew Buchanan war, als Werner Keym ihm seinen Fund mitgeteilt hatte…

Retro der Woche 03/2018

Preisrichter Vlaicu Crişan hat bei den Retros (ohne Beweispartien) im StrateGems 2016 Informalturnier von 21 Aufgaben neun ausgezeichnet — davon waren acht (!) Proca-Verteidigungsrückzüger mit der Anticirce-Bedingung. Das ist sicherlich nicht repräsentativ für die heutige Retro-Mode, zeigt aber deutlich, welches Gewicht dieser Aufgabentyp zur Zeit hat.

Den ersten Preis erhielt jedoch ein „klassisches“ Problem, das ich heute mit euch anschauen möchte. Eigentlich handelt es sich um eine normale Auflöse-Aufgabe, Andrej hätte auch „Löse auf!“ fordern können. Hier aber weist er uns mit seiner spezifischen Forderung direkt auf den ihm wesentlichen Inhalt der Aufgabe hin: Auch wenn natürlich bis zur Partieanfangsstellung nicht eindeutig zurückgenommen werden kann, so sind doch alle vier Schläge, die zum Erreichen der Diagrammstellung erforderlich waren, eindeutig, für alle stehen das Feld sowie Schlagtäter und -opfer eindeutig fest.

Andrej Frolkin
StrateGems 2016, 1. Preis
Welche Schläge erfolgten? (14+14)

 

Nur zwei der vier Entschläge sind im Diagramm zumindest halbwegs sichtbar: Beide a-Bauern schlugen genau ein Mal. Ansonsten fehlen [Bh7] sowie [Bf2] oder [Bg2]. Wenn der weiße g-Bauer fehlt, dann wurde er von [Bh7] geschlagen, der sich dann umwandelte und dann vom [Bf2] oder [Ba2] geschlagen wurde. Fehlt aber wirklich der [Bf2], so können sowohl [Bf2] als auch [Bh7] auf ihrer Linie geschlagen worden sein, oder sie haben sich auf e8 bzw. g1 umgewandelt.

Damit ist auch klar, dass die Rücknahme schlagfrei beginnt, da Weiß kein weiteres Schlagobjekt zur Verfügung steht, also beginnen wir mit R 1.Da2-b1+.

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ffff

Heute habe ich Post auch Aachen bekommen: vier feenschach-Hefte waren im Briefkasten — und wenn sich in den nächsten Tagen hier im Blog nicht so viel tun sollte, liegt das vielleicht daran, dass ich mit Lesen beschäftigt bin…

Vier Hefte — das sind 216 Seiten geballten Lesestoffs (die wie immer liebevoll gestalteten Umschlagseiten gar nicht mitgerechnet), natürlich auch jede Menge für uns Retrofreunde: Preisberichte en gros (ca. 25 Seiten Retro-Turnierberichte) und en detail (Preisberichte 2014 und 2015), elf Urdrucke zum Lösen und Kommentieren — und natürlich alles Wissenswerte zum Andernach-Treffen 2017, viele Aufsätze, Lösungsbesprechungen und andere Turnierberichte:

Mit anderen Worten: Drei Tage Urlaub nehmen!