Retro der Woche 44/2016

Gelegentlich stellen Autoren anstatt des üblichen „Löse auf!“ auch ganz konkrete Fragen zum Rückspiel, mit denen sie die Löser direkt auf den Inhalt der Aufgabe stoßen wollen. Gelegentlich sind darin die Konstruktion erleichternde Bedingungen enthalten; dies ist bei dem heutigen Beispiel allerdings nicht der Fall: Hier will der Autor mit seiner Frage sofort ein Ausrufezeichen setzen.

Nikolai Beluchow
Die Schwalbe 2014, Hugo August gewidmet, 1. Preis
Wie oft stand der schwarze König in den letzten 66 Einzelzügen im Schach? (16+10)

 

Wenn man kurz die Stellung betrachtet und sieht, wie der schwarze König im Zentrum eingekesselt ist von weißen Langschrittlern, so könnte man direkt auf den Verdacht kommen, dass das wohl 33 Mal gewesen sein könnte?!

Aber bevor wir diesem Verdacht nachgehen, wollen wir uns die Stellung etwas genauer anschauen: Weiß hat noch all seine Steine, während bei Schwarz insgesamt sechs Steine fehlen. Direkt sichtbar ist nur axb5, aber Weiß verfügt ja über zwei Umwandlungssteine: eine Dame sowie einen weißfeldrigen Läufer. Beide müssen, aus [Bg2] und [Bh2] entstanden, via f7 auf e8 oder g8 umgewandelt haben. Und damit sind alle fehlenden schwarzen Steine erklärt.

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Schon 12 Jahre alt

Vor ein paar Tagen erschien auf Julias Fairies Seite ein Urdruck, der sich dann aber schnell als steingetreu vorweggenommen herausstellte: Schon im Jahre 2004 hatte François Labelle (richtig, der mit der Zwei-Königs-Beweispartie) sämtliche Aufgaben dieses Typs (Beweispartie in 4,5 Zügen, beide Seiten in ihrer Partieausgangsstellung) mit dem Computer berechnet.

François Labelle & Computer
Internet 2004
Beweispartie in 4,5 Zügen (14+14)

 

Das löst sich in wenigen Sekunden, vermute ich, wenn man die richtige Idee hat?

Falls ihr euch auch die anderen 40 Aufgaben dieses Typs anschauen wollt, findet ihr sie hier; unser Beispiel ist die dortige Nummer 34.

Retro der Woche 43/2016

Ich habe den Eindruck, dass in den letzten Jahren kürzere Beweispartien (weniger als etwa 20 Züge) wieder mehr in Mode gekommen sind, die konzentriert interessanten Inhalt zeigen. Solch ein Beispiel ist unsere heutige Aufgabe.

Roberto Osorio
Orbit 2014, 1. Preis
Beweispartie in 16 Zügen (14+12)

 

Zählt man allein die im Diagramm sichtbaren Züge, so bringt uns das nicht sehr weit. Bei Schwarz sieht man nur drei Bauernzüge, bei Weiß immerhin 0+2+0+2+1+3=8 Züge. Aber auch das ist nur die Hälfte der Zügezahl – mit anderen Worten, noch sind acht weiße und 13 schwarze Züge frei!

Aber zum Glück fehlen ja einige Steine, sodass die uns vielleicht weiterhelfen können.

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Party-Seiten

Ich spreche ja immer von „Party-Schach“ statt von Partieschach, aber auch dazu gibt es ein paar interessante deutschsprachige Webseiten, die gelegentlich das Anschauen lohnen, wie ich finde.

Wer sich für die deutsche Schach-Bundesliga interessiert, muss natürlich regelmäßig bei bei http://schachbundesliga.de/ vorbeischauen, um die Jagd auf den Titelverteidiger Solingen zu verfolgen.

Allgemein um (deutsches) Schach geht es auf der Seite des Deutschen Schachbundes. Diese Seite ist auch deswegen bemerkens- und besuchenswert, weil dort Wilfried Neef wöchentlich ein Schachproblem vorstellt.

Übrigens, wenn ihr bei Twitter seid, könnt ihr auch dort den Themen folgen: @SchachBL bzw. @Schachbund.

Retro der Woche 42/2016

Heute möchte ich euch mal wieder explizit zum Selbstlösen auffordern. Dazu habe ich eine Aufgabe herausgesucht, wo sofort die Fragestellung auf das wesentliche Thema zielt: Wie konnte das Schachgebot (legal) entstehen?

Juri Lebedjew
Redkie schanri pljus 1995, Preis
Schach? (12+12)

 

Das Schach des Lc8 kann nicht durch Bauernumwandlung entstanden sein: wBd5 kommt von c2, wBe5 von g2, und dann bleibt noch ein Schlag für Weiß frei. Alle Schläge des Schwarzen sind durch die Bauernstruktur erklärt: sBc5 kommt von a7, einer der schwarzen d-Bauern von e7, und sBg6 kommt natürlich von h7.

Für die schlussendliche Stellungsauflösung merken wir uns schon mal, dass [Ba2] und [Bh2] schlagfrei umgewandelt haben müssen; anders können sie nicht vom Brett verschwunden sein. Daher können axb und hxg6 erst nach der entsprechenden weißen Entwandlung zurückgenommen werden.

Doch nun zur Erklärung des Schachgebots, zur Stellungsauflösung:

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2. Auflage

Vor ein paar Tagen ist die zweite Auflage der Nachträge und Errata zu Wolfgang Dittmanns Der Blick zurück erschienen. Nähere Informationen zu diesem Dokument findet ihr hier im Blog; die neue Auflage könnt ihr beispielsweise von der feenschach-Seite herunterladen.

Leider habe ich eine Aktualisierung vergessen, auf die mich Thomas Maeder aufmerksam gemacht hat: das Löseprogramm Popeye findet sich schon eine Weile auf einer anderen Seite, zu der auch hier im Blog unter „Interessante Links“ verlinkt ist.

Na ja, dann wird es also irgendwann vielleicht noch eine dritte Auflage geben?! Mögliche Informationen hierzu schickt bitte an meine Mailadresse!

Herbst

Nun haben wir richtig Herbst, die Blätter färben sich an den Bäumen. Vielleicht habt ihr ja Lust, ein wenig das Schachbrett einzufärben — besser gesagt die Figuren dadrauf?

Werner Keym
Stuttgarter Zeitung 2010
siehe Text (6+0)

 

Alle Klötze können natürlich nicht weiß sein — und die Forderung zu diesem Diagramm lautet:
Färbe die Steine so, dass die Stellung matt ist.
a) Diagramm
b) gedreht um 90 Grad (Db4)
Wie viele Lösungen?

Viel Spaß dabei!

Retro der Woche 41/2016

Im Hilfsmatt hat sich spätestens nach dem zweiten Weltkrieg die Tendenz gefestigt, dass zumindest kürzere Aufgaben (heute sicherlich bis mindestens vier Züge) mehr als eine Lösung haben; typischerweise sind diese Lösungen irgendwie thematisch miteinander verwoben.

Bei Beweispartien hat sich dies ähnlich wie bei klassischen Auflöse-Aufgaben, die ja beide die Kooperation von Weiß und Schwarz nutzen und damit dem Hilfs-Vorwärtsspiel „bis auf die Richtung“ ähneln, bisher kaum durchgesetzt.

Das liegt nicht nur daran, dass es offensichtlich sehr schwierig ist, beispielsweise solche Beweispartien zu bauen, sondern auch an einem inhärenten Problem, dass nämlich quasi „automatisch“ viele Züge in den Lösungen identisch sind: Schließlich müssen ja alle Steine die Diagrammstellung erreichen. Das ist im Vorwärts-Spiel einfacher zu vermeiden, da ja dort die Mehrspänner nur die Startposition (Diagramm) teilen, entsprechende Retros aber immer Start- und Endstellung.

Dennoch gibt es immer wieder attraktive Mehrspänner auch bei Beweispartien; einen möchte ich euch heute vorstellen.

Mark Kirtley
StrateGems 2016
Beweispartie in 11,5 Zügen, 2 Lösungen (9+13)

 

Insgesamt fehlen nach jeweils 23 Halbzügen insgesamt zehn Steine – das ist eine ganze Menge, und das erschwert auch die Lösung ganz erheblich. Dennoch bietet auch diese Stellung natürlich einige Anhaltspunkte für die Lösung.

Die Anzahl der sichtbaren Züge hilft nicht sehr viel weiter: 0+0+2+0+0+2=4 bei Weiß; bei Schwarz ist gar nur ein einziger Zug sichtbar.

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