Retro der Woche 27/2026

Gestern hatte ich hier im Blog auf die Kompositionsturniere im Rahmen des WCCC 2026 in Magdeburg hingewiesen und dabei besonders das traditionelle Champagne Retro-Turnier erwähnt, das schon seit vielen Jahren Michel Caillaud und Éric Pichouron gemeinsam in wechselnden Rollen als Direktor bzw. Preisrichter ausrichten.

Die beiden können aber nicht nur gemeinsam organisieren, sondern auch erfolgreich komponieren. Als Beispiel möchte ich euch eine ziemlich kurze Beweispartie der beiden vorstellen, mit der sie vor fünf Jahren den zweiten Preis im Phénix Retro-Informalturnier gewinnen konnten.

Éric Pichouron & Michel Caillaud
Phénix 2021, 2. Preis
Beweispartie in 15 Zügen (13+15)

 

Na, wenn das keine Stellung ist, die gleich zum Lösen einlädt, dann weiß ich es auch nicht: überschaubare Zügezahl, weiße Home Base Stellung, und bei Schwarz eine Menge sichtbare Züge, die wir auch gleich zählen wollen:

Wir sehen 2+0+3+3+2+5=15 schwarze Züge — also alle, die Schwarz ausgeführt hat!

Nun könnte man einwenden, dass meine drei gezählten Züge des sTc3 aber reichlich bemessen seien, er könne ja schließlich auch über a3 in zwei Zügen nach c3 gelangt sein. Richtig — aber dann müssen wir zwei Züge für [sBa7] ansetzen, damit der dem Turm Platz schaffen kann: In Summe ändert sich also nichts.

Diese beiden Steine sind damit auch die einzigen, deren Weg nicht komplett eindeutig aus dem Diagramm abzulesen ist.

Und daraus kann man schon eine ganze Menge mehr ableiten!

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Retro der Woche 18/2026

Vor einigen Tagen erschien das April-Heft von idee&form, in dem Reto Aschwanden seine Serie über Interna seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio, das ja hier auf der Site gehostet wird, mit der achten Folge fortsetzt.

Hier beschäftigt er sich mit der zentralen Komponente der Strategie-Analyse, deren Ziel es ist, den riesigen „Baum“ aller Zugfolgen zur Diagrammstellung möglichst stark zu beschneiden, um eine Chance zu haben, die Aufgabe in überschaubarer Zeit prüfen zu können.

Die Aufgabe, anhand derer Reto einige Prinzipien der Strategie-Analyse vorstellt, ist aber nicht nur unter diesem „technischen“ Aspekt interessant, sondern einfach auch eine gute, attraktive Beweispartie.

Die wollen wir uns gemeinsam anschauen — und dabei unsere eigene Strategie-Analyse durchführen.

Unto Heinonen
StrateGems 2006, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17 Zügen (13+13)

 

Zählen wir die im Diagramm sichtbaren schwarzen Züge, so kommen wir auf 2+1+3+4+3+4=17 Züge — alle schwarzen Züge sind also erklärt. Daraus können wir aber gleich weitere Schlüsse ziehen: So ist klar, dass die fehlenden schwarzen Steine, drei Bauern, auf ihren Ursprungsfeldern auf der 7. Reihe geschlagen wurden.

Auch bei Weiß fehlen drei Bauern, und von denen konnte keiner von einem schwarzen Bauern geschlagen worden sein, da alle schwarzen Bauern entweder überhaupt nicht oder exakt einmal gezogen hatten. Da die vier Bauern auf der fünften Reihe stehen, haben sie jeweils einen Doppelschritt gemacht, also nicht geschlagen.

Wo sind sie dann und von wem geschlagen worden?

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Retro der Woche 44/2025

„Leider gab es keine Kommentare, das Nachspielen der Lösung wird empfohlen!“ Wenn das die einleitenden Worte von Jochen Schröder, dem Retro-Sachbearbeiter der Schwalbe sind, sollte sich das bestimmt lohnen — speziell bei einer Beweispartie des amtierenden Retro-Kompositonsweltmeisters Silvio Baier.

Da sollten wir uns dann gemeinsam draufstürzen?!

Silvio Baier
Die Schwalbe 2025
Beweispartie in 29,5 Zügen (11+14)

 
Beginnen wir wie üblich mit der Inventur: Bei Weiß fehlen fünf Bauern, bei Schwarz drei, von denen einer offensichtlich in einen Springer umgewandelt wurde.

Das Zählen der sichtbaren weißen Züge ist — wie haben hier eine vollständige weiße Homebase vor uns, natürlich schon erledigt, bevor es begonnen hat; bei Schwarz ist da schon etwas mehr zu tun.

Die Springerumwandlung haben wir schon gesehen, da nehmen wir einfach im Sinne der „Zügeminimierung“ an, der Umwandlungsspringer stehe auf e2. Für den rechnen wir dann sechs Züge (5 Bauernzüge plus Sg1/c1-e2).

Wir sehen dann 4+2+3+3+3+(8+6)=29 Züge — kein Zug ist also bei Schwarz noch frei. Andererseits ist damit klar, dass unsere Hypothese „sSe2 ist Umwandlungsspringer“ richtig ist, da Schwarz keine freien Züge für ansonsten erforderliche Springermanöver hätte.

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Retro der Woche 25/2025

Bleiben wir noch einmal im Jahr 2015, schauen aber noch einmal in den Beweispartie-Preisbericht der Schwalbe dieses Jahres, der unglaublich stark war. So kam der erste Preis (Retro der Woche 33/2019) mit glatten 12 Punkten ins FIDE Album, den dritten Preis habe ich hier im Retro der Woche 52/2020 vorgestellt.

Heute möchte ich auf den vierten Preis eingehen, der mit seiner weißen Homebase-Stellung erst einmal ganz harmlos daher kommt – aber das wissen wir ja zwischenzeitlich, dass dem nicht unbedingt so sein muss, speziell nicht bei Aufgaben von Silvio Baier.

Silvio Baier
Die Schwalbe 2015, 4. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (11+15)

Bei Weiß fehlen fünf Bauern, bei Schwarz drei Bauern, von denen zwei durch umgewandelte Springer ersetzt sind. Wir sprechen hier sicher über [Ba7] sowie zwei der drei Bauern [Bf7], [Bg7] oder [Bh7]. [Bb7] und [Be7] haben natürlich zu dem schwarzen Klumpen auf der c- und d-Linie geschlagen – aber davon höchstens einen Bauern.

Also müssen wir in der Lösung auch mit weißen Umwandlungen rechnen – das ist aber auch sehr beruhigend, da wir von den 29 weißen Zügen im Diagramm keinen einzigen sehen.

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Retro der Woche 01/2025

Nachdem wir uns in der letzten Woche mit dem ersten Preis der Abteilung B (Retraktoren und andere Typen) des Schwalbe-Retro-2022-Preisberichts beschäftigt hatten, möchte ich euch heute den ersten Preis der Abteilung A (Beweispartien) vorstellen. Und typisch für den Autor: Ein ziemlich kurzes, aber sehr inhaltsreiches Stück; das kann ich euch schon versprechen.

Reto Aschwanden
Die Schwalbe 2022, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (13+13)

 

Unsere übliche Zählung der sichtbaren Züge ist bei Weiß schon beendet, bevor sie begonnen hat (Homebase); Bei Schwarz sehen wir 3+2+2+3+2+6=18 Züge – alle sind erklärt!

Und damit können wir schon eine Menge von der Lösung erschließen: Auf alle Fälle sind die Züge der schwarzen zwei Läufer, der Dame und des Springers sowie aller schwarzen Bauern erklärt.

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Bedrich Formánek

Bereits im November letzten Jahres ist Bedrich Formánek (6.6.1933 – 19.11.2023) im Alter von 90 Jahren verstorben. Er hat Problemschach in allen Facetten gelebt: Er war Präsident und Ehrenpräsident der WFCC, war die “Über-Person im slowakischen Problemschach, hat viele Artikel und Bücher verfasst, war angesehener Preisrichter und hat natürlich komponiert, darunter auch einige Retros. Die zeichnen sich alle durch Witz und Charme aus, sind alle Werbung fürs Problemschach und speziell die Retroanalyse.

Ein hübsches Stück, die wohl erste “Duplex-Beweispartie” (Duplex: Die Problemforderung muss sowohl mit weißem wie mit schwarzem Anzug erfüllt werden), möchte ich euch für zwischendurch zum Lösen anbieten:

Bedrich Formánek
Die Schwalbe 1984, 5. Lob
Beweispartie in 3 Zügen, Duplex, Circe (16+16)

 

Wie immer findet ihr hier die Lösung in etwa einer Woche.

 

Lösung

Weiß zieht an: 1. e4 a6 2. Lxa6[Ba7] Sxa6[Lf1] 3. Sf3 Sb8
Schwarz zieht an 1. f5 e3 2. f4 e4 3. f3 Sxf3[Bf7]

Der Hinweis von Joost ist natürlich berechtigt, die Forderung muss “Beweispartie in exakt 3 Zügen, Duplex” lauten, denn in zwei Zügen löst jeweils Sf3 und e4 und eine schwarze Springerrückkehr völlig ohne Circe, Witz und Eindeutigkeit.

Retro der Woche 50/2023

Vorgestern habe ich es bei den Glückwünschen zum runden Geburtstag von Roberto Osorio ja bereits angekündigt: Heute möchte ich eine weitere Beweispartie von ihm vorstellen.

Roberto Osorio
Orbit 2011, 2. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (12+15)

 

Das schaut doch gar nicht so kompliziert aus: Weiß muss nur versuchen, seine vier fehlenden Bauern loszuwerden. Aber wir werden sehen: Soo einfach ist das gar nicht, dafür ziemlich überraschend und wie ich finde sehr gefällig!

Beginnen wir wie üblich mit den fehlenden Steinen und deren Anfangsposition. Dass die vier fehlenden weißen Bauern ursprünglich von a, b, g und h stammen, ist nicht sehr schwer zu erkennen. Auch bei Schwarz sind noch alle Offiziere an Bord; hier fehlt nur ein Bauer, der von a oder von b stammt.

Nun versuchen wir, die offensichtlichen Züge zu zählen: Bei Weiß sind wir damit sehr schnell fertig, und auch bei Schwarz ist das nicht allzu schwer:

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Frohe Weihnachten 2022

Frohe Weihnachten
Schöni Wienacht
Merry Christmas
Zalig Kerstfeest
Feliz Navidad
Buon Natale
Joyeux Noël
Мирного та щасливого Різдва Христового
С Рождеством
Христос се роди
メリークリスマス
圣诞节快乐
Glædelig Jul
Hyvää Joulua
God Jul

Euch allen wünsche ich ein frohes, ein schönes, ein ruhiges, ein besinnliches und besonders ein friedliches Weihnachtsfest 2022!

Vielleicht habt ihr ja jetzt beim Warten auf die Bescherung Zeit und Lust, zwischendurch eine kleine, wie ich finde sehr hübsche Beweispartie zu lösen?

Eyjolfur O. Eyjolfsson
Phénix 2003
Beweispartie in 6,5 Zügen, zwei Lösungen (14+11)

 

Viel Spaß dabei, und lasst euch dabei schon mal das Weihnachtsgebäck schmecken! Die Auflösung gibt es wie immer in etwa einer Woche hier, also zu Silvester.

Lösung