Retro der Woche 31/2021

Bleiben wir mit dem heutigen „Retro der Woche“ noch ein wenig in den Niederlanden! Da möchte ich euch eine ziemlich aktuelle Beweispartie (erschienen im letzten Probleemblad Heft 2020, die Version, die keine Korrektur, sondern eine „Verschönerung“ der Diagrammstellung beinhaltet, in Proobleemblad 2/2021) vorstellen, die sicher zum Lösen anregt.

Peter van den Heuvel
Probleemblad 2020 (Version)
Beweispartie in 20,5 Zügen (15+14)

 

Zunächst einmal stellen wir fest, dass bei Weiß nur ein Turm fehlt, der auf der a-Linie geschlagen wurde. Bei Schwarz fehlen ein Turm und [Lc8], die sich beide auf der g-Linie opfern mussten: wegen der Felderfarbe der Läufer auf g4, der Turm also auf g3. Und egal, welcher der beiden schwarzen Türme sich nun auf g3 opferte: Er musste zur Minimierung seiner Züge über g6 kommen.

Und damit wissen wir, dass die schwarzen Türme mindestens fünf Züge gemacht haben – und dass zuerst der Turm und anschließend der Läufer geopfert wurden.

Das merken wir uns für später; zunächst wollen wir einmal die sichtbaren Züge zählen.

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Retro der Woche 30/2021

Harry Goldsteen hat relativ wenig komponiert, aber fast all seiner Stücke sind von herausragender Qualität (Beispiele findet ihr als Retro der Woche 11/2015 oder 49/2020) — und das zählt ja viel mehr als pure Quantität. Gelegentlich tat er sich zum Komponieren mit Guus Rol (*26.8.1949) zusammen, und dabei sind einige echte Meisterwerke entstanden.

Guus Rol & Harry Goldsteen
Probleemblad 1998, 1. Preis
Schwarz gewinnt (13+13)

 

Die Aufgabe, die ich für heute herausgesucht habe, ist solch ein Meisterwerk. Und schwer ist sie auch: Der starke Löser Joost de Heer schrieb in der PDB dazu: „Marvellous composition, one of the most difficult retros ever, I think.“ Dennoch wollen wir einmal versuchen, die prinzipielle Auflösung zu erarbeiten.

Bevor wir es vergessen, erledigen wir zunächs fix die offensichtliche (und eigentlich überflüssige) Vorwärtsforderung: 1.Txe3 Dxd2#, und nun betrachten wir die Schlagbilanz: Schwarz schlug offensichtlich in seinem letzten Zug Ld3xXc2+, offensichtlich ist auch der Schlag e3xYf2. Damit ist klar, dass sBa3 und sBb2 maximal einmal geschlagen haben können. Also ist sBa3 der [Ba7] — und damit mussten alle drei weißen Schläge durch die drei weißen Bauern auf der a- und b-Linie erfolgen!

Daraus können wir ableiten, dass Schwarz den [Bg2] verschwinden lassen musste (hxBg), und damit sind alle Schläge erklärt. Die zwei fehlenden schwarzen Bauern konnten nicht direkt geschlagen werden; sie müssen also auf c1 bzw. g1 umgewandelt haben.

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Retro der Woche 29/2021

Und heute nun die Fortsetzung der Berichterstattung vom StrateGems 2018 Retroturnier, die ich im RdW 27/2021 und 28/2021 schon begonnen hatte. Kurios ist es ja schon, dass hier nun das dritte Stück mit „1.-2. Preis“ im selben Turnier auftaucht — das kommt natürlich von der Gruppenbildung, und in beiden Gruppen ging es halt mit geteilten Preisen los…

Silvio Baier & Roberto Osorio (nach Nicolas Dupont)
StrateGems 2018, 1.-2. Preis Beweispartie
Beweispartie in 32,5 Zügen (11+16)

 

Bei Weiß sind noch alle Mann an Bord, wobei ein Bauer seine Gattung gewechselt hat: drei weiße Springer, sieben weiße Bauern.

Bei Schwarz fehlen die Dame sowie [Ba7], [Bd7], [Be7] und [Bh7]. Bei Weiß sehen wir fünf Schlagfälle: axbxc7, dxc, exf und hxg3. Daran sehen wir auch gleich, dass die schwarzen Bauern allesamt (schlagfrei) umwandeln mussten, da Weiß ja noch alle 16 Steine hat.

Damit kennen wir nicht nur zwei, sondern bereits 22 schwarze Züge. Darüber hinaus muss Schwarz aktiv seine Dame geopfert haben, somit bleiben noch neun Züge übrig, um die vier Umwandlungssteine wieder loszuwerden. Theoretisch könnten Umwandlungssteine ja noch auf dem Brett stehen und damit die Originalsteine im Diagramm ersetzen (Phoenix-Thema). Das aber würde noch mehr schwarze Züge erfordern: für einen vierfachen Ceriani-Frolkin, den wir hier nun vermuten können, sind neun „Opfer-Züge“ schon recht sparsam.

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Retro der Woche 28/2021

In der letzten Woche hatte ich einen „Zwitter“ aus dem StrateGems Retro-Preisbericht 2018 vorgestellt; heute soll eines der klassischen Retrostücke, die auf den ersten beiden Plätzen landete, vorgestellt werden

Joaquim Crusats & Andrej Frolkin
StrateGems 2018, 1.-2. Preis (klassische) Retros
Letzte drei Einzelzüge? (12+13)

 

Den allerletzten Zug sehen wir sofort: R 1.– g7-g6+. Den Käfig von Südwesten bis Nordosten können wir offensichtlich nur durch die Rücknahme von e7xXf6 auflösen; vorher müssen aber [Th8] und [Lf8] nach Hause gebracht worden sein.

Die Schläge durch Schwarz sind leicht zu sehen: das bereits erwähnte e7xf6; zusätzlich ist sBg2 der [Bd7], benötigte also die restlichen drei Schläge. Der fehlende schwarze Bauer [Bb7] schließlich musste schlagfrei auf b1 in die zweite schwarze Dame umwandeln.

Dies hilft uns dann auch, die weißen Schläge zu identifizieren: einmal gxh, dann mussten [Ba2] und [Bb2] umwandeln, damit Schwarz die fehlenden weißen Steine schlagen konnte. Offensichtlich brauchten wir axb (NICHT [Bb7], da der umwandeln musste) und bxc, um [Bb7] den Weg frei zu machen.

Wir sehen aber schon, dass etwa g4xTh5 nicht erfolgreich sein kann, da der schwarze Turm den Käfig nicht vorab verlassen kann, also nicht nach h8 gespielt werden kann. Deswegen muss aus dem Käfig die Umwandlungsdame freigespielt werden.

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Retro der Woche 27/2021

Da wird in StrateGems das Retroturnier traditionell aufgeteilt in „Beweispartien“ und (sonstige) „Retros“, und dann erwischt Dmitrij Baibikov für seine Berichte für das Jahr 2018 einen Zwitter… Diese ganz seltene Kombination ist schon interessant, denn normalerweise geht die Eindeutigkeit der Züge einer Beweispartie ziemlich komplett verloren, wenn man den „Zeitdruck“ aus der Stellung nimmt, die Auflösung ohne Zugbeschränkung durchführt.

Yoav Ben-Zvi & Michel Caillaud
StrateGems 2018, 1.-2. Preis Beweispartien
a) Welcher Offizier muss c4 besetzt haben? b) Beweispartie in 35,5 Zügen (10+15)

 

Neben dem weißen Wanderkönig fällt sicherlich schnell der schwarze Bauer auf c2 auf: Als „Volet-Bauer“ kommt er von h7, hat also fünfmal geschlagen; zusammen mit exLd6 (alle anderen fehlenden weißen Steine wurden ja auf weißen Feldern geschlagen) sind damit alle fehlenden weißen Steine — in diesem Fall Offiziere — erklärt. Dieser Schlag war auch der letzte, denn vorher musste [Bh7] bereits auf c2 stehen, bevor Weiß d3 und dann L>d6 spielen konnte.

Was konnte denn der letzte Schlag d3xXc2 des [sBh7] gewesen sein?

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Retro der Woche 26/2021

Gern möchte ich die Vorstellung einiger ausgezeichneter Aufgaben aus dem Retro-Preisbericht 2017-2018 in Probleemblad fortsetzen. Und da steht heute der erste Preis auf dem Programm.

Die Forderung ist ähnlich wie „Letzte n Züge?“, bei der deren Eindeutigkeit gefordert ist. Hier müssen die Züge nicht unbedingt eindeutig sein, jedoch ist, egal, wie man legal zurücknimmt, die Stellung vor 68 Einzelzügen eindeutig. Das ist ein neuer Längenrekord, der den alten von Hugo August aus dem Jahre 1942 (!!), siehe P0001712 mit völlig anderem Schema, um drei Halbzüge übertrifft.

Dmitrij Baibikov
Probleemblad 2018, 1. Preis 2017–2018
Stellung 68 Einzelzüge zuvor? (13+12)

 

Bei Weiß fehlen vier Bauern vom Königsflügel, einer davon hat sich in den dritten weißen Springer umgewandelt. Bei Schwarz fehlen drei Bauern, ein Springer und der schwarzfeldrige Läufer; einer der fehlenden Bauern hat sich in den zweiten weißfeldrigen Läufer umgewandelt. Damit sind alle Schlagfälle erklärt.

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Retro der Woche 25/2021

Gestern hatte ich an den 25. Schach-960 Geburtstag erinnert; dieses Thema zu vertiefen kann ich gut mit der schon angekündigten Vorstellung von Aufgaben aus dem Probleemblad 2017-2018 Preisbericht verbinden.

Per Olin
Probleemblad 2018, 2. ehr. Erw. 2017–2018
Beweispartie in 14,5 Zügen, Schach-960 (16+16)

 

Um die weißen und schwarzen Türme auf ihre Positionen im Diagramm zu bringen, müssen die Parteien entweder rochiert oder die Könige nach f2 und f7 gebracht haben, um die Türme jeweils durchzulassen. Die Rochade ist hier der schnellere Weg. Die Läufer standen in der Anfangsstellung jeweils auf „östlichen“ Feldern (anderenfallls wären sie noch eingesperrt). Wenn die schwarze Dame zwei Züge macht, beginnt sie ebenfalls auf einem der vier Felder e8-h8; von den entsprechenden Feldern e1-h1 kann die weiße Dame in einem oder zwei Zügen das Feld b6 erreichen. Das Minimum an Springerzügen bekommen wir, wenn die Springer auf d und e beginnen: drei weiße und zwei schwarze Züge.

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Retro der Woche 24/2021

Am letzten Mittwoch hatte ich die Juni-Ausgabe der Schwalbe im Briefkasten. Neben (leider nur) sechs Aufgaben im Urdruckteil enthält das Heft weitere vier Urdrucke in einem Aufsatz von Bernd Gräfrath „Beamte mit Nachtreitern“; einen davon möchte ich heute vorstellen.

Im Beamtenschach kann ein Stein nur ziehen und wirken, wenn er von einem Stein der anderen Farbe beobachtet wird; unbeobachtet kann er nur beobachten. Damit ist die Beamtenschach-Partieausgangsstellung für uns ziemlich uninteressant: Sie ist doppelpatt!

Um ihr etwas Leben einzuhauchen, hat Bernd nun „Beamtenschach“ mit „Cavalier majeur“ („Groß-Springer“) verbunden: Dort werden die Springer durch Nachtreiter ersetzt; auch Umwandlungen sind in Nachtreiter, nicht aber in Springer möglich. Damit sind dann in der Beamtenschach-Anfangsstellung jeweils die beiden Zentralbauern beobachtet, und wir können damit auch Beweispartien bauen.

Bernd Gräfrath
Die Schwalbe 2021
Beweispartie in 10 Zügen, Beamtenschach, Cavalier majeur (15+14)

 

Bei Weiß sehen wir nur einen einzigen Zug, für ihn muss aber irgendwie f1 von Schwarz beobachtet sein — und durch die Dame hindurchziehen kann ja auch ein verbeamteter Läufer nicht. Bei Schwarz sehen wir schon mehr: 0+2+1+0+1+3=7 — aber auch da sind noch drei Züge frei! Außerdem müssen wir uns noch darum kümmern, die fehlenden drei Steine ([Be2], [Lc8] sowie [Bd7] oder [Be7] loszuwerden.

Abgesehen davon: Wie konnten eigentlich die schwarzen Steine, speziell Dame und Nachtreiter, aber auch [Bc7], ziehen?

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