2023

Allen Retrofreunden wünsche ich
ein gutes und friedliches neues Jahr 2023!

Wie in den letzten Jahren möchte ich auch an diesem Neujahrstag mit euch zusammen in der Geschichte der Retroanalyse 100 Jahre zurück blicken.

Im Jahr 1923 taucht Thomas Rayner Dawson in der Liste der meist publizierenden Retro-Autoren wieder einmal ganz vorn auf, aber auch Niels Høeg und Hans Klüver, über den ich im letzten Jahr an dieser Stelle gesprochen hatte, veröffentlichten fleißig.

Dennoch zitiere ich von keinem der drei eine Aufgabe, denn das sicherlich bekannteste Retro des Jahres 1923, eines der bekanntesten Retros überhaupt, stammt vom Spanier Julio Sunyer (11.4.1888–27.11.1957).

Julio Sunyer
The Chess Amateur
Weiß und Schwarz nehmen je 1 Zug zurück, dann h#1. (1+1)

 

Diese Aufgabe erschien im Mai; im September veröffentlichte der Däne Knud Hannemann (16.2.1903–1.5.1981) in Skakbladet quasi einen Zwilling mit dem weißen König auf h6 und identischer Forderung.

In einer Woche werde ich hier die Lösungen bringen.

Lösung

Sunjer: R 1.Kg6xTh5 Th8xDh5 & vor: 1.O-O Dh7#
Hannemann: R: 1.Kg7xTh6 Td6xDh6 & vor: 1.Td8 De6#
(auf den Vorgänger hatte Werner Keym imn seinem Kommentar bereits hingewiesen.)

Klaus Wenda 80

Auf den Kreuzberg in Österreich gehen heute ganz herzliche Glückwünsche: Dort hat Klaus Wenda zusammen mit seiner Frau Doris schon lange sein Sommerdomizil aufgeschlagen, dort feiert er — unglaublich! — heute seinen 80. Geburtstag.

Eigentlich muss ich sicher nicht viel über Klaus erzählen: Früherer PCCC-Präsident (1986-1994, heutiger Ehrenpräsident der Nachfolge-Organisation WFCC), noch immer WFCC-Delegierter Österreichs, ein begnadeter und vielseitiger Komponist („natürlich“ Kompositions-GM) auf allen Gebieten, nur eine Studie kenne ich nicht von ihm, Verfasser und Herausgeber zahlloser Bücher und Aufsätze, Spiritus Rector von feenschach, ein unglaublich liebenswürdiger und stets hilfsbereiter Mensch — habe ich etwas vergessen? Ja klar, seinen Einfluss auf die „modernen Retros“.

Sein Aufsatz „Beckmesser versus Stolzing. Reflexionen zur Legalität unter der Anticirce-Bedingung“ in feenschach, November – Dezember 2001, Nr. 144, S. 275–277 hat den Verteidigungsrückzüger mit der Anticirce-Bedingung wenn nicht erfunden, so aber als unglaublich vielseitige Möglichkeit, höchst komplexe, interessante und gleichzeitig sparsame Verteidigungsrückzüger zu bauen, ins Bewusstsein auch anderer Komponisten gebracht; hier seien nur Wolfgang Dittmann, Günther Weeth und Andreas Thoma aus dem deutschsprachigen Raum genannt. Wer hierzu einen Überblick sucht, dem sei immer noch Dittmanns „Der Blick zurück“ empfohlen — oder der Blick in beliebige Retro-Preisberichte der letzten 15 Jahre! Diese Entwicklung wäre ohne Klaus nicht ansatzweise vorstellbar gewesen.

Lieber Klaus, im Namen aller Leser hier im Blog wünsche ich dir für dein neues Lebensjahr(zeht) alles denkbar Gute: Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, weiterhin viel Freude, viel Erfolg bei unserem Lieblingshobby. Und für heute wünsche ich dir, dass du zusammen mit deinen Lieben einen wunderschönen Tag verbringen kannst — lass dich feiern!

Der erwähnte Artikel war aber nicht seine erste Beschäftigung mit Märchen-VRZ: Auch einige schöne Madrasi-Aufgaben hat er gebaut, von denen ich eines meiner Lieblingsstücken hier vorstellen möchte:

Wolfgang Dittmann & Klaus Wenda
Die Schwalbe 1986 (VV)
#1 vor 3 Zügen VRZ Proca Madrasi (12+9)

 

 

 

Lösung

R 1.Te4-h4? d4-d3! Weiß ist in Zugzwang; 2.b4-b5 oder 2.f4-f5 verhindern den Vorwärts-e.p.-Schlag, da der Doppelschritt des Bd7 nicht mehr nachweisbar ist; 2.a4-a5? Kb8-c8! 3.b5xLb6 erzwungen. 2.b5xLa5? 3.Kc7-d6 wird illegal, d7d5 verbietet sich, da auch Tf8 noch einen Entschlagstein benötigt.
R 1.Tc4-h4! [2.b4xSc5 & vor: 1.Txc5#] 0-0-0! 2.Te4-c4 B~d3 3.Kc7-d6 & vor: 1.e5xd6e.p.#

(Die Lösung habe ich aus Dreiklang (Johandl, Wenda, Chlubna) zitiert; dort ist noch eine inkorrekte Fassung abgedruckt.)

Das solltet ihr genauer anschauen, das lohnt wirklich zu verstehen, wie der Zugzwang von Weiß auf Schwarz wandert.

Aber natürlich soll es auch noch etwas „für zwischendurch“ zum Lösen geben: Klaus hat sich intensiv mit „Spiegelzwillingen“ beschäftigt, vielfach im Zusammenhang mit Circe. Hier nun ein orthodoxer Hilfsrückzüger:

Klaus Wenda
problem 1976, 1. Preis
-s, dann h#1; b) gespiegelt an der Mittelsenkrechten (sTa8) (11+4)

 

 

Wie immer gibt es in etwa einer Woche hier die Lösung!

Lösung

a) R: 1.Te8xDh8 & vor: 1.Kc8 Dxe8#
b) R: 1.Ke8-e7 & vor: 1.O-O-O a8=D#

Bernd Schwarzkopf 75

Heute gehen herzliche Glückwünsche in den Rheinkreis Neuss, wo Bernd Schwarzkopf seinen 75. Geburtstag feiert.

Viele kennen Bernd, den es wie mich aus Westfalen ins Rheinland gezogen hat, sicher von Schwalbe- und Andernach-Treffen, wo er quasi nie fehlt, kennen ihn als jemanden, der in seinen zahlreichen Kompositionen (die PDB enthält fast 1400 von ihm, davon mehr als ein Viertel Retros) seine Meisterschaft in der Kleinkunst beweist, der in Aufsätzen tiefsinnig Themen ausschöpft, der gern Text- und Konstruktionsaufgaben erfindet und mit unglaublichem Eifer an einer möglichst knappen und eindeutigen Formulierung der Forderungen feilt.

Und wir alle haben schon von seiner gründlichen, präzisen und unglaublich schnellen Arbeit „im Hintergrund“ profitiert: Als „Dschungelbuch“-Sammler, langjähriger Bücherwart der Schwalbe, besonders aber als Jahrzehnte langer Ersteller der unglaublich hilfreichen, weil akkuraten und ausführlichen, Inhaltsverzeichnisse für Schwalbe, feenschach und die Problemkiste. Für seine Verdienste um die Schwalbe wurde ihm im Jahre 2006 die Goldene Ehrennadel verliehen.

Ich wünsche dir für den heutigen Tag schönes Feiern, für das nächste Vierteljahrhundert alles denkbar Gute, vor allen Dingen natürlich Gesundheit und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit unserem gemeinsamen Lieblingshobby.

„Für zwischendurch“ habe ich ein sehr nettes Asymmetrie-Stück herausgesucht: Viel Spaß beim Knobeln! Die Lösung findet ihr wie immer in etwa einer Woche hier.

Bernd Schwarzkopf
Problemkiste 09/2013
-1, dann =3 (4+3)

 

 

 

Lösung

R: 1.Ke1-d1 & vor: 1.0-0-0+! Ke2 2.Tgf1 c2 3.Kxc2=

Da ist auch sofort klar, warum nicht “zur anderen Seite hin” zurückgenommen werden kann!

Noch ein Wenigsteiner

Vor etwa zwei Wochen hatte ich hier einen Wenigsteiner von Peter Kniest vorgestellt, in dem nach der Rücknahme eines Zuges und vorwärts nach einem Matt und Hilfsmatt der rücknehmenden Partei gefragt war.

Ein weiters Beispiel möchte ich euch — witzigerweise mit demselben Material — zeigen:

Hansjörg Schiegl
feenschach 1984, Lob
a) Weiß -1, dann #1 & h#1 b) Duplex (2+2)

 

Wiederum wünsche ich euch viel Spaß damit; wie immer findet ihr in etwa einer Woche hier die Lösung.

 

Lösung

a) Weiß zurück Kc7xLc8 & v: (#1) Da8# und (H#1) 1.Kd8 Dd7#
b) Schwarz zurück Kb6xSa6 & v: (#1) De8# und (H#1) 1.Da5 Db7#

Wenigsteiner

Kürzlich bin ich wieder über ein paar Retro-Wenigsteiner gestolpert — und da möchte ich euch die Gelegenheit geben, „zwischendurch“ euch daran zu vergnügen!

Peter Kniest
feenschach 1983, 3. Preis
a) Weiß nimmt einen solchen Zug zurück, dass er sofort mattsetzen kann, Schwarz nach einem weißen Hilfszug; b) Duplex (2+2)

 

Neben dem dritten Preis im Informalturnier gewann das Stück, das dem SC Mülheim-Heißen 1908/31 e.V. zum 75. Jubiläum gewidmet war, noch den 2. Preis im Wenigsteiner-Jahrespreis. Der Verein gab eine tolle Monatszeitschrift mit zehnseitigem (!!) Problemteil, geführt von Hans-Christoph Krumm, heraus. Zu der Zeit war ich dort auch fleißiger Löser.

Wie immer findet ihr die Lösung in etwa einer Woche hier.

Peter Kniest hatte lange gezweifelt, dass sich diese Forderung im Duplex-Wenigsteiner darstellen ließe, dann allerdings konnte er sich selbst widerlegen!

Lösung

a) Weiß zurück Kg6xSh7 & v: (#1) D:d8# und (H#1) 1.Kh5 Dg5#
b) Schwarz zurück De8xLd8 & v: (#1) Dh5# und (H#1) 1.Kf7 Df5#

Längst schon ein Klassiker!

Christmas puzzles

Schon traditionell gibt es auf der englischsprachigen ChessBase-Seite zwischen Weihnachten und Silvester Weihnachtsrätsel, die vor allen Dingen “Computer-resistent” sein sollen.

Während die Aufgaben vom 25.12.2020 sich mit klassischem Märchenschach (“Ohneschach”) beschäftigen, geht es bei denen vom 27.12.2020 um “unser” Gebiet: ergänze Steine oder nimm Züge zurück und spiele dann vorwärts — das sind typische Aufgaben “für zwischendurch”!

Die kleine Serie soll am 29.12.2020 noch fortgesetzt werden — ich trage dann den Link hier nach!

Nachtrag 29.12.2020:
In der schon angekündigten Fortsetzung geht es heute um Selbstmatts und Verwandte (Selbstpatt). Viel Spaß auch dabei!

Nachtrag 03.01.2021:
In einem vierten Post würden auch noch die Aufgaben von der indischen ChessBase Seite vorgestellt.
Heute erschienen nun die Lösungen der ersten drei Rätsel.

Retro der Woche 36/2020

In den letzten Wochen habe ich, auch in „Geburtstags-Beiträgen“, gelegentlich Hilfsrückzüger vorgestellt: Hier gilt es, Züge zurückzunehmen, sodass eine Vorwärtsforderung erfüllt werden kann, dabei kooperieren bei der Rücknahme Schwarz und Weiß, auch wenn sich im Vorwärtsspiel Schwarz verteidigen will.

Gelegentlich wird nur die Rücknahme eines weißen Zuges gefordert; hierbei kommt der „Hilfe“-Aspekt durch Schwarz natürlich nicht zum Tragen, dennoch verwendet man auch hier diesen Begriff, da Weiß hier aus retroanalytischer Sicht mehrere Rücknahmen zur Verfügung stehen, aber nur eine die Realisierung der Vorwärtsforderung erlaubt.

Walentin M. Filippow
Problem 1972, 1. Lob
-w, dann #2 (8+10)

 

Solch ein Stück wollen wir uns heute anschauen. Wäre Weiß nun in dieser Stellung am Zuge, könnte er 1.Lxa7 ~ 2.b8=D# versuchen – das aber scheitert an 1.— 0-0! Das bringt uns auf den Gedanken zu überlegen, wie wir die schwarze Rochade retroanalytisch verhindern können?

Da könnte wLb8 ein Ideengeber sein: Wenn wir nachweisen könnten, dass er Umwandlungsläufer ist, können wir vielleicht zeigen, dass er dann auf h8 entstanden ist – das würde erfordern, dass [Th8] bereits gezogen und damit das Rochaderecht verwirkt hätte. Also sollten wir zeigen können, dass vor kurzer Zeit auf d2 noch ein weißer Bauer gestanden hat.

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Erich Bartel 90

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche nach Bayerisch-Schwaben, nach Augsburg, wo Erich Bartel seinen 90. Geburtstag feiert.

Erich ist nicht nur ein hervorragender und unglaublich produktiver Komponist – ich habe nicht nachgezählt, aber die Zahl seiner Probleme ist sicher fünfstellig! – sondern auch publizistisch sehr aktiv: Eigene Bücher (z.B. die Krummen Hunde und Umwandlung in Märchenfiguren zusammen mit seinem Sohn Elmar und Hans Gruber), intensive Mitarbeit bei feenschach – und natürlich seine Problemkiste: Entstanden aus der Beilage einer Vereinszeitschrift wurde sie über 210 Ausgaben zu einem „Zentralorgan des Wenigsteiners“, aber nicht nur dafür, sondern eine toll gemachte Märchenschach-Zeitschrift: Schade, dass sie nicht weitergeführt werden kann.

Lieber Erich, von Herzen wünsche ich dir für deine neues Lebensjahr(zehnt) alles denkbar Gute, vor allen Dingen natürlich Gesundheit – und heute lass dich toll feiern!

Auch wenn Erich nicht speziell als Retro-Fan bekannt ist – seine Prioritäten liegen schon lange im Märchenschach – hat er auch eine Menge meist kleiner, eleganter und werbewirksamer Retros gebaut. Zu seinem 85. Geburtstag hatte ich schon einen sehr kleinen Hilfsrückzüger (nur zwei Steine) vorgestellt, heute geht es etwas gewichtiger weiter:

Erich Bartel
Feladvanykedvelök Lapja 1973
-1(w+s), dann h=1 (13+6)

 

Wie immer findet ihr die Lösung in etwa einer Woche hier; viel Spaß beim Beschäftigen mit dieser hübschen, aber sicher nicht schwer zu lösenden Aufgabe!

Lösung

R: 1.e7-e8=S g2xSh1=D, vor: 1.g2xh1=T e7xf8=L patt

Allent-/umwandlung in vier Einzelzügen. Wichtig ist natürlich die Eindeutigkeit des Entschlages auf h1, wofür die Steine im Südwesten benötigt werden.