Retro der Woche 40/2014

Sieht man über einem Diagramm den Namen Thomas Volet, so wird der kundige Thebaner gleich das wesentliche Thema der Aufgabe erahnen: Schachschutz. Virtuos kann Thomas diesem Thema immer neue Facetten abgewinnen, kann er sehr tiefgründige klassische Retros damit bauen.

Eines davon, das mir sehr gut gefällt, möchte ich hier heute vorstellen:

Thomas Volet
Uralski Problemist 2011, Andrej Frolkin gewidmet
Löse die Stellung auf (13+14)

 

Betrachten wir die Schlagbilanz, so sind die weißen Schläge leicht zu sehen: Bh6xSg7: das kann erst zurückgenommen werden, wenn sich der [Bh7] wieder zu Hause befindet. Dann hat es noch den Schlag Bf3xLe4 gegeben – nur so kann der fehlende schwarze weißfeldrige Läufer wieder ins Spiel gebracht werden.

Da sieht man schon, dass weiße Entschläge im Moment noch nicht möglich sind.

Mit diesen Überlegungen sind dann auch die schwarzen Entschläge schnell prinzipiell klar: Die schwarzen c- und d-Bauern müssen über Kreuz entschlagen, damit ihre weißen Kollegen nach Hause kommen können; ferner gibt es noch den offensichtlichen Entschlag sBaxb.

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Nachträge zum „Blick zurück“

Wie geplant pünktlich zur Schwalbe-Tagung, die heute in einer Woche beginnt, sind nun die Nachträge und Errata zu Wolfgang Dittmanns „Der Blick zurück“ fertig geworden.

Neben dem Errata- und Aktualisierungsteil (hier sind nicht nur Fehler korrigiert, defekte Aufgaben verbessert, sondern auch viele Turnierauszeichnungen nachgetragen, die Internet-Adressen auf den neuesten Stand gebracht worden) gibt es zwei weitere wichtige Kapitel: Werner Keym hat die Änderungen der Kodex-Regeln, die nach dem Erscheinen des Buches verabschiedet worden sind, in einem instruktiven Aufsatz dargestellt. Schließlich sind 26 weitere Aufgaben von Wolfgang Dittmann, die er nach dem Buch veröffentlicht hat, mit seinen eigenen Lösungsangaben angehängt.

Die Nachträge („ein Muss für jeden Retro-Fan“ schrieb Gerd Wilts) können von der Schwalbe-Seite heruntergeladen werden; viel Spaß bei der Lektüre!

Nachtrag vom 26. September 2014:

Nun können die Nachträge auch von der feenschach-Seite heruntergeladen werden.

Nachtrag vom 14. Oktobber 2016:
Die Links sind angepasst an die zweite Auflage der Nachträge und Errata angepasst.

Retro der Woche 39/2014

Bei Beweispartien-Zwillingen, in denen die beiden Phasen unterschiedliche Länge haben, finde ich die Suche nach dem Motiv für die erforderlichen Tempoverluste interessant – und, wie sie dann realisiert werden.

So auch bei dem heutigen Stück, in dem sich die beiden Teile um genau einen Halbzug unterscheiden, im Teil b) muss Weiß einen Zug mehr durchführen als Schwarz. Dass die b)-Fassung keine „kürzeste“ Beweispartie sein kann, ist klar – eher könnte man diese Zwillingsbildung mit Satzspielen vergleichen: Und da wir bei Retros sind, wird der zusätzliche Zug natürlich nicht am Anfang, sondern am Ende angefügt …

Dirk Borst
Probleemblad 2007
Beweispartie in 11 Zügen b) Beweispartie in 11,5 Zügen (14+15)

 

Zählen wir die schwarzen Züge, so stellen wir fest, dass alle auf dem Brett sichtbar sind, dass Schwarz rochiert haben muss, damit er seine Steine in elf Zügen auf die Zielfelder bekommen konnte; wir haben also 2+2+1+2+1+3=11 Züge bei Schwarz.

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Programm für die Schwalbe-Tagung

Diejenigen, die zur Schwalbe-Tagung vom 3. bis zum 5. Oktober 2014 nach Dresden kommen, finden nun im Tagungs-Blog von Organisator Frank Reinhard das Programm einschließlich der Planung für die Ausflüge am 3. und am 4. Oktober.

Und für diejenigen, die sich bisher noch nicht entscheiden konnten, ist das Programm sicherlich ein Grund darüber nachzudenken, ob sie nicht doch noch nach Dresden kommen wollen?!

Retro der Woche 38/2014

In der letzten Woche hatten wir uns eine Auflöse-Aufgabe mit der Frage nach dem eindeutigen ersten Zug eines bestimmten Steins angeschaut; ich hatte versprochen, auf dieses Thema heute zurück zu kommen.

Hier nun die Aufgabe mit dem eindeutigen ersten Zug, der bei Erscheinen von Werner Keyms Buch „Eigenartige Schachprobleme“ als einziger noch fehlte:

Gerd Wilts (Hans Gruber zum 50. Geb. gewidmet)
Die Schwalbe 2010, 2. Lob
Erster Zug der weißen Königs? (14+10)

 

Die Aufgabe ist sicherlich nicht allzu schwer, aber hübsch zu lösen. Daher solltet ihr es heute einmal ohne weitere Hinweise selbst versuchen? Viel Spaß und Erfolg dabei!

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Herzlichen Glückwunsch!

Heute gehen herzliche Geburtstags-Glückwünsche nach Wien an Klaus Wenda!

Für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir auch im Namen der Leser alles Gute, Gesundheit, Freude am Problemschach — alles, was du dir selbst wünscht!

Es gibt in der Problemschachwelt nur ganz wenige, die so vielseitig, so engagiert unser Hobby fördern wie Klaus: Als hervorragender Komponist in den verschiedensten Bereichen vom (neudeutschen) Direktmatt über Selbstmatt und Märchenchach zur Retroanalyse, als Preisrichter, als Autor und Publizist, als Ehrenvorsitzender der internationalen Problemschachvereinigung.

Er ist als Impulsgeber, „Anschieber“ im Hintergrund und aktiver Unterstützer die treibende Kraft des feenschach-Redaktionsteams und auch diesem Blog hier aktiv verbunden; ich erinnere nur an seinen Beitrag zu Wolfgang Dittmanns 80. Geburtstag.

Seit reichlich zehn Jahren widmet er sich als Komponist hauptsächlich der Retroanalyse, nachdem er 2001 in feenschach die Beschäftigung mit Anticirce in der Retroanalyse angeregt hatte; Schaut doch zur Feier des Tages noch einmal in seinen Aufsatz Beckmesser versus Stolzing. Reflexionen zur Legalität unter der Anticirce-Bedingung. (feenschach Nr. 144, XI-XII/2001, S.275-277)

Daraus zitiere ich eines der Stücke, die den Boom bei den Anticirce Verteidigungsrückzügern auslöste, den sicherlich zu dem Zeitpunkt niemand auch nur ansatzweise vorhersehen konnte.

Klaus Wenda
KW-3v feenschach 2001, Lob
S#1 vor 2 Zügen, VRZ Proca, Anticirce Cheylan (6+3)

 

Lösung:
R 1.Ta7-a8! a4-a3/b3-b2 2.Ke7:Tf6 [Ke1] & v: 1.Te1+ K:a2 [Ke8]#
R1.a7-a8=T? ist illegal wegen des sBa3, R 1.Ta4,a5,a6-a8? scheitert an 1.– b3-b2! 2.Ke7:Tf6 [Ke1] & v: 1.Te1+ b:a2 [Ba7]!

Aus dem Preisbericht: „Dieses Problem war Auslöser der phantastischen Anticirce-Proca-Verteidigungsrückzüger-Renaissance, ein großes Verdienst.“

Geburtstag

Heute vor zwei Jahren ging es hier los, Grund für ein wenig Statistik:

295 Artikel sind seither hier erschienen, 105 „Retros der „Woche“, 221 Kommentare gab es bisher — und fast 600, die im Spamfilter hängen geblieben sind!

Ich hoffe, euch auch in der kommenden Zeit weiter das eine oder andere Lesenswerte aus der Welt der Retroanalyse und aus deren Umfeld berichten zu können, hoffentlich interessante Aufgaben vorstellen zu können — und freue mich auf eure weiteren Kommentare, Diskussionen und Anregungen.

In diesem Sinne: Auf die kommenden zwei Jahre!

Retro der Woche 37/2014

Im Jahr 1981 kam Bernd Schwarzkopf auf den Gedanken, in Retros nach den genau definierten ersten Zügen von bestimmten Steinen zu fragen – ein neues Rekord-Thema war geboren, das jedoch nicht „einfach nur“ bemerkenswert sparsame Darstellungen hervorbrachte, sondern auch einige sehr gute Retros.

Eines davon wollen wir uns heute anschauen:

Michel Caillaud
feenschach 1984
Erster Zug der weißen Dame? (10+8)

 

Machen wir wie üblich Inventur: Weiß hat mit seinen Bauern sechs Mal geschlagen (d2xe3 und h2xg3xf4xe5xd6xe7), darüber hinaus hat er auf c8 den dortigen schwarzen Läufer geschlagen, damit bleibt ein schwarzer Stein als Schlagopfer übrig.

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