Retro der Woche 01/2021

Günther Weeth war in der Retrowelt besonders bekannt für seine tiefgründigen und phantasievollen Anticirce-Verteidigungsrückzüger, die er mit vielen neuen Ideen versah. Dabei wird oft vergessen, dass er gelegentlich auch auf klassischen Retrowegen unterwegs war — ein solches Beispiel möchte ich in Erinnerung an Günther heute vorstellen.

Andrej Frolkin & Günther Weeth
Die Schwalbe 2010
Löse die Stellung auf! (13+14)

 

Die beiden fehlenden schwarzen Steine wurden Opfer des Doppelbauern auf der c-Linie; der seinen Ursprung in [Ba2] oder [Be2] hat. Damit muss der fehlende [Bg7] umgewandelt haben, was einen Schlag kostet; die beiden anderen Schläge durch Schwarz waren exd sowie im letzten Zug Db3xXb2+. Auch der fehlende weiße Bauer muss umgewandelt haben, um geschlagen werden zu können. Das muss also [Be2] gewesen sein, da die beiden a-Bauern nicht aneinander vorbeikommen konnten.

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Retro der Woche 52/2020

Kürzlich hatte ich schon auf die vielen Beiträge im Dezember-Doppelheft der Schwalbe hingewiesen, die für uns Retro-Freunde besonders interessant sind. Darunter ist „natürlich“ auch der Preisbericht der 2015er Urdrucke von Mario Richter.

Den 1. Preis von Nicolas Dupont und Silvio Baier hatte ich bereits im Retro der Woche 33/2019 vorgestellt: die volle Punktzahl hat er im FIDE-Album erhalten.

Heute soll es nun um den 3. Preis gehen, ein deutlich kürzeres Stück, das damit hoffentlich auch mehr zum Selbstlösen einlädt?!

Silvio Baier
Die Schwalbe 2015, 3. Preis
Beweispartie in 21 Zügen (13+13)

 

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Retro der Woche 41/2020

Nachdem wir in den letzten Wochen hier meist schon etwas ältere Aufgaben betrachtet haben, möchte ich heute zum Rücksprung in die Gegenwart ansetzen und eine Aufgabe vorstellen, die im Februarheft 2020 der Schwalbe erschienen ist.

Silvio Baier
Die Schwalbe 2020
Beweispartie in 26 Zügen (12+14)

 

Bei Weiß sind wir mit dem Zählen der sichtbaren Züge sehr schnell fertig. Bei Schwarz lohnt das schon eher: Wir sehen erst einmal 3+1+5+4+3+11=27 Züge: Upps, da kann doch etwas nicht stimmen, denn Schwarz hat nur 26 Züge gemacht. Wo kann man also einen Zug einsparen?

Eine Chance haben wir offensichtlich nur bei den Türmen: Dort hatte ich unter „statischer“ Berücksichtigung der Bauernstruktur und unter Vernachlässigung der anderen Steine gezählt: Th8-f8-f4-b4 und Ta8-c8-c4. Das kann auf dem Damenflügel schon nicht klappen, da dafür [Sb8] hätte ziehen müssen, dafür hat er aber definitiv keine Zeit.

Also muss Tb4 der [Ta8] sein mit Ta8-a4-b4 – und das wiederum setzt einen Kreuzschlag schwarzer Bauern auf der a- und b-Linie voraus. Das aber spart noch keinen Zug, das gelingt uns nur auf dem Königsflügel!

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Retro der Woche 37/2020

Heute vor acht Jahren saß ich an meinem Rechner, um die letzten Feinheiten für meine neue Website, für meinen Retroblog zu implementieren und zu testen, beides ging dann am 8. September 2012 online, pünktlich zum und knapp vier Wochen vor dem Schwalbe-Treffen in Traunstein.

So lange ist das schon her, und das möchte ich zum Anlass nehmen, einige Stücke aus diesem Jahr hier noch einmal Revue passieren zu lassen.

Beginnen wir mit der zweitplatzierten Beweispartie des Schwalbe-Jahrgangs 2012 (die Beweispartie auf dem zweiten Platz des Turniers hatten wir bereits im Retro der Woche 18/2014 betrachtet).

Silvio Baier
Die Schwalbe 2012, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 23 Zügen (14+13)

 

Machen wir zunächst einmal Inventur: Bei Weiß fehlen zwei Bauern, bei Schwarz drei, nämlich [Be7], [Bf7] und [Bg7], bei Weiß sind dies zwei der drei gegenüberstehenden Bauern: Die Doppelbauern auf der h-Linie können nicht von [Bf2] und [Bg2] gebildet sein: Dies würde drei Schläge erfordern, das wären mit axb3 bereits vier -– bei Schwarz fehlen aber nun drei Steine.

Dieser letzte Bauernschlag zeigt schon: Es werden Umwandlungen benötigt, um die fehlenden Bauern loswerden zu können: Entweder ersetzen sie geschlagene Originalsteine oder haben sich selbst schlagen lassen.

Zählen wir nun die im Diagramm sichtbaren Züge: Bei Weiß sind dies 1+2 (oder 2+1) +0+1+1+3=8 Züge (der Platzwechsel von König und Dame erfordert drei Züge, jedoch wissen wir noch nicht, welche der beiden Figuren doppelt gezogen hat); bei Schwarz haben wir 2+0+1+1+3+2=9 Züge. Damit sind noch 15 bzw. 14 Züge frei.

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Retro der Woche 33/2020

Nachdem es hier in der letzten Zeit wieder viele Beweispartien zu sehen gab, möchte ich heute wie schon am letzten Sonntag wieder ein klassisches Auflöse-Retro vorstellen.

Bei dem Autor mögt ihr vielleicht vermuten, dass es besonders schwer sei: Das ist es aber nicht, das solltet ihr selbst einmal versuchen – schon um anschließend stolz sagen zu können, ihr hättet „einen Beluchow“ gelöst…

Nikolai Beluchow
Die Schwalbe 2009, 3. Lob
Löse auf! (14+14)

 

Auf beiden Seiten fehlen zwei Steine: Bei Weiß ist es [Ba2] und [Bf2], bei Schwarz sind es [Lc8] und ein Springer. Schwarz hat keine Doppelbauern –- also wurden entweder beide fehlenden weißen Steine von schwarzen Bauern geschlagen oder keiner. Ferner erkennen wir im Diagramm einen weißen Schlag, nämlich e2xd3.

Können die fehlenden weißen Steine von Bauern geschlagen worden sein? Nein, denn im letzten Zug muss die schwarze Dame geschlagen haben. [Ba2] scheidet als Opfer aus, denn dann hätte sTa1 wegen des eingesperrten wLc1 niemals sein Diagrammfeld erreichen können. Alles dreht sich nun darum, welcher Stein denn auf a2 entschlagen wurde -– und dieser Entschlag impliziert ja eine Umwandlung.

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Retro der Woche 32/2020

Nachtrag vom 3. Oktober 2020: Im endgültigen Bericht zum 8. FIDE World Cup wurde diese Aufgabe mit dem 2. Preis ausgezeichnet; in der Quellenangabe habe ich dies angepasst.

In der letzten Woche hatte ich den ersten Preis in der Retroabteilung des 8. FIDE Worldcups vorgestellt; heute möchte ich euch die erste ehrende Erwähnung zeigen, ein klassisches „Löse auf“ Stück, das mir recht gut gefällt, das ich, aber das ist reine Geschmacksache, vielleicht sogar etwas weiter nach oben gesetzt hätte.

Dmitrij Baibikov
8. FIDE Worldcup 2020, 2. Preis
Löse die Stellung auf (12+14)

 

Bei Schwarz fehlen nur [Bg7] und [Bh7], bei Weiß ebenfalls zwei Bauern auf den Königsflügel, zusätzlich ein Springer und [Lc1]. Und gerade dieser Läufer ist besonders wichtig: Er muss nach Hause kommen, damit Weiß mit der Rücknahme von b2-b3 den mächtigen Knoten im Nordwesten auflösen kann.

Keine Doppelbauern sind im Diagramm auszumachen, und doch sehen wir schnell, dass Schwarz auf a und b überkreuz geschlagen haben, denn anders kann das Matt durch sBa6 nicht zustande gekommen sein.

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Retro der Woche 30/2020

Ursprünglich fälschlich zum zweiten Mal als „RdW 29/2020“ überschrieben.

Vor zwei Wochen hatte ich hier das erstplatzierte „Sonstige Retro“ aus dem StrateGems Jahresturnier 2019 vorgestellt; wie angekündigt soll nun der erste Preis der Beweispartien folgen.

Michel Caillaud
StrateGems 2019, 1. Preis
Beweispartie in 28 Zügen (12+15)

 

Betrachten wir zunächst einmal die Schlagfälle: Bei Weiß fehlen drei Bauern sowie die Dame, bei Schwarz nur ein Bauer. Zweimal (mit [Bb7] und [Bd7]) hat Schwarz auf die c-Linie geschlagen, und zweimal hat auch [Ba7] auf seinem Weg nach a2 geschlagen: Bei Schwarz fehlt ja nur ein Bauer, daher kann Weiß nicht zweimal geschlagen haben (entweder a2xb3xa4 oder ein Kreuzschlag auf a und b), um Ba2 durchzulassen.

Damit sind einerseits alle schwarzen Schläge geklärt, und andererseits wissen wir, dass der fehlende schwarze Bauer nicht geschlagen haben kann, er muss also auf der h-Linie geschlagen worden sein.

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11. WCCT

Erst hat es so lange gedauert, und dann ging es doch schneller als angekündigt: Die Ausschreibung zum 11. WCCT (World Chess Composition Tournament) ist heute veröffentlicht worden.

Der deutsche Captain Frank Reinhold wird noch eine spezielle Aufbereitung machen, worin dann auch die deutschen „Abteilungsleiter“ und organisatorische Details bekannt gegeben werden. Ich kann aber bezüglich Retro schon verraten, dass ich wieder als Ansprechpartner und soweit erforderlich Koordinator zur Verfügung stehen werde. Wer also gern sich auf das Retro-Thema stürzen möchte, möge damit schon anfangen und sich gern bei mir melden.

Auch bei diesem WCCT wird Deutschland wieder die eingesandten Retros mit bewerten; wer gern mitrichten möchte, kann mir auch dazu schon Bescheid geben!