Bald geht es los!

In einer guten Woche, am 8. August, beginnt das Weltproblemschachtreffen in Magdeburg. Wer es bis dahin kaum abwarten kann, für den habe ich hier ein paar Internet-Tipps mit etwas ungewöhnlichen, aber um so interessanteren Inhalten:

In der englisch-sprachigen Ausgabe von ChessBase ist der Artikel Shifts and mirrors in a chess problem über einen Schwalbe-Urdruck von Werner Keym erschienen: über eine Studie ohne Diagramm, bei der natürlich auch Retro-Überlegungen eine Rolle spielen. Da lohnt es sich hineinzuschauen.

Der erst 14-jährige Christian Glöckler hat in Biel nicht nur seine erste Großmeister-Norm im Partieschach erfüllt, sondern auch das dortige Löseturnier erfolgreich auf Platz drei, mit nur einem Punkt Rückstand auf Platz eins, beendet. In einem Interview, das auf YouTube veröffentlicht wurde, erklärt er sein Interesse am Problemschach: höchst interessant! Übrigens spielt Christian nun das Dortmunder Sparkassen-Open, um dann zum Lösen nach Magdeburg zu kommen!

Wer jeden Tag eine problemschachliche Herausforderung, Unterhaltung sucht, den verweise ich auf Mustermatt, dem von Johannes Quack so großartig geführten YouTube-Kanal der Schwalbe. Jede Woche bringt er dort sehr abwechslungsreich einen Beitrag aus allen Bereichen des Problemschachs. Jetzt zur Ferienzeit gibt es mehr: Die Serie “30 Tage – 30 Rätsel”, von der heute Tag 5 ist. Jeden Tag kann eine Aufgabe gelöst werden, die sich eher an noch nicht so erfahrene Problemisten wendet, für die Experten aber sicher auch spannend und interessant ist. Lösung noch am gleichen Tag einsenden, und das mindestens fünf Mal, dann winken attraktive Preise. Viel Spaß und Erfolg!

pacemaker 2

Vor etlichen Jahren hatte Thomas Kolkmeyer sein Anticirce-Proca-Prüfprogramm “pacemaker” geschrieben, das unter neuen Windows-Versionen nicht mehr lauffähig ist. Er hat nun die Neu-Implementierung, die zugleich eine deutlich funktionale Erweiterung verspricht, begonnen; Details hierzu können seiner History entnommen werden.

An einer Stelle benötigt Thomas allerdings Unterstützung: Bei der Implementierung des “User Interface”. Das soll unter Nutzung der GUI-Library wxWidgets geschehen; hier allerdings kennt er sich nicht aus.

Wer ihn also dabei unterstützen kann, wer jemanden kennt, der jemanden kennt (Schachkenntnisse sind nicht erforderlich!), möge sich bitte direkt an Thomas (thomas.kolkmeyer(at)berlin.de) wenden; die Retrowelt wird es ihm danken!

Siebenstellig

Seit heute gibt es ein neues Update der (kommerziellen) Problemschach-Datenbank WinChloe des Franzosen Christian Poisson; das Programm enthält auch eine mächtige Prüfkomponente; wie der Name schon andeutet, gibt es WinChloe allerdings nur unter einem einzigen Betriebssystem …

Die Datenbank enthält nun 1.000.028 Probleme — das ist eine bemerkenswerte Zahl. Davon sind etwa 285.000 orthodoxe Zweizüger, und sie enthält auch 26.092 Retros. Da gibt es also viel zu entdecken!

Wieder online!

Für gut 24 Stunden war meine Site nicht erreichbar; das technische Problem (das übrigens nichts mit der größeren Netzstörung gestern Abend in Deutschland zu tun hatte) sollte nun behoben sein!

Danke für eure Geduld, euer Verständnis — und wenn es doch noch Probleme geben sollte, so meldet euch bitte bei mir!

Retro der Woche 12/2026

Im Oktober letzten Jahres konnten wir die Sensation verkünden, dass Reto Aschwanden mit seinem Stelvio Prüfprogramm die Korrektheit der berühmten 57,5 zügigen Beweispartie von Dmitri W. Pronkin und Andriy Frolkin nachweisen konnte. Damit sollten deutlich kürzere Beweispartien doch immer und leicht prüfbar sein?

Dass dies ein Trugschluss wäre und warum das so ist, will ich heute mit einem Beispiel aus dem Urdrúckteil der Schwalbe vom August letzten Jahres diskutieren.

Andriy Frolkin & Serhiy I.Tkatschenko
Die Schwalbe 2025
Beweispartie in 16 Zügen, Michel Caillaud gewidmet (5+8)

 
Die Aufgabe ist ziemlich kurz, die Autoren geben jedoch an, dass das Stück (nur) bis zum 13. Zug mit Stelvio geprüft ist, und auch Silvio Baier weist darauf hin, dass sich diese Beweispartie vollständiger Prüfung widersetze. Woran liegt das?

Ein „Brute Force“ Lösen ist bei nicht extrem kurzen Beweispartien ausgeschlossen: Im Schnitt gibt es in einer legalen Schachstellung etwa 30 Züge — damit etwa 30^32 16-zügige (32 Halbzüge!) Partien, das sind etwa 1,85 * 10^47 Partien. Könnte ein Computer in einer Sekunde eine Million Partien spielen, bräuchte er immer noch 1,85 * 10^41 Sekunden für alle. Ein Jahr hat im Schnitt etwa 31,6 Millionen Sekunden, wir brauchten also 5 * 10^33 Jahre für alle 16-zügigen Schachpartien. Und dann ist es auch egal, wenn davon vielleicht 90% bereits vorher wegen Matt beendet wären …

Daher suchen Prüfprogramme stets am Anfang nach möglichst umfangreichen Möglichkeiten, den „Spielbaum“ zu beschneiden, die durchschnittliche Zügezahl also so weit wie möglich zu reduzieren. So machen wir es hier auch meist, indem wir Überlegungen über die Stellung anstellen und daraus Schlussfolgerungen für den Lösungsablauf ziehen, bevor wir über konkrete Lösungszüge nachdenken.

Neben „impliziten“ Schlüssen (Schwarz hat 15 Steine, daher muss Weiß exakt einmal schlagen) sind das vor allen Dingen Feststellungen über Bauernstrukturen (… , dieser Schlag musste also mittels bxc3 erfolgen) und Abhängigkeiten von Zugreihenfolgen (g6 konnte erst nach Lh7 gespielt werden).

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Stelvio 4.4

Auf der Stelvio-Seite gibt es eine neue Version des Beweispartie-Prüfprogramms von Reto Aschwanden: Die Version 4.4 liefert keine wesentlichen funktionalen Erweiterungen, aber Reto hat zwei zwischenzeitlich gefundene Fehler korrigiert und daher die verbesserte Fassung schnell veröffentlichen wollen.

Wie immer sei euch das baldige Update ans Herz gelegt.

Stelvio 4.3

Das Jahr fängt ja gut an:

Reto Aschwanden hat heute die neue Version 4.3 seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio veröffentlicht; es kann wie immer über die Stelvio-Seite heruntergeladen werden.

Wesentliche Neuerung in dieser Version ist eine neue Option für die Strategie-Analyse sowie kleinere Fehlerbehebungen. Genaues kann man wie immer der Dokumentation entnehmen.