Retro der Woche 38/2026

Heute vor 85 Jahren wurde Klaus Wenda (13.9.1941–11.4.2026) geboren. Aus diesem Anlass möchte ich ein Retro von ihm vorstellen, das ein wenig untypisch ist für ihn.

Klaus hatte sich schon recht früh mit Märchen-Verteidigungsrückzügern beschäftigt, zunächst mit den Bedingungen Circe und Madrasi, bis er entdeckte, dass Anticirce besonders viele Möglichkeiten für sehr sparsame und inhaltsreiche Proca-Rückzüger bietet. Intensiv hat er hier zunächst mit Wolfgang Dittmann, später Günther Weeth und anderen gearbeitet und extrem interessante, originelle, aber auch höchst komplexe Aufgaben gebaut.

Ich möchte euch hier allerdings ein älteres Stück von ihm vorstellen: einen orthodox Rückzüger, bei dem auch „nur“ ein weißer Zug zurückgenommen werden soll. Eine Unterscheidung in „Hilfe-“ oder „Verteidigung-„Rückzüge erübrigt sich hier, da ja Schwarz am Retrospiel gar nicht beteiligt ist.

Klaus Wenda
diagrammes 1987, 4. ehrende Erwähnung
-1w, dann #2

 

Gleich auffällig ist natürlich die Rochadestellung des Schwarzen, aber auch die Stellung im Südwesten, speziell der schwarze Springer. Der kann in der momentanen Bauernkonstellation nur durch Umwandlung entstanden sein — oder wir nehmen d2-d3 zurück, wonach der Springer über d3 gekommen sein kann. In dem Fall muss Weiß seine lange Rochade zurücknehmen können — aber wie kann dann die Dame nach Hause zurück geholt werden?

Diese Frage sollten wir uns merken, aber zuerst wollen wir nach Matt-Möglichkeiten für den schwarzen König Ausschau halten.

Dafür steht die weiße Dame eigentlich bereits optimal- und stellen wir uns vor, der Läufer auf e6 wäre weiß (oder ein weißer Bauer), so droht rechts und links Grundlinienmatt — wenn sich Schwarz nicht einfach „röchelnd“ aus dem Staub machen könnte.

Weiterlesen →

Ralf Binnewirtz 75

Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Meerbusch, wo Ralf Binnewirtz seinen 75. Geburtstag feiert.

Ralf hat sich seit vielen Jahren einen Namen als Schachbuchsammler, vor allen Dingen aber als Publizist gemacht und ist auch immer wieder auf der Seite hier vertreten: Die Rubrik Geschichte beispielsweise hat er quasi allein gestaltet.

Weiterlesen →

Besuch bei Mustermatt

Vor knapp zwei Wochen habe ich Johannes Quack besucht: Er betreibt ja sein viereinhalb Jahren für Schwalbe den YouTube-Kanal Mustermatt, auf dem er jede Woche einen Beitrag zum Problemschach veröffentlicht — mit stets interessanten Aufgaben und Themen.

Er hatte mich eingeladen, mit ihm zusammen diesen Retroblog vorzustellen — und daraus wurde ein ziemlich ausführlicher Beitrag, in dem wir auch zum Beispiel gemeinsam eines meiner Lieblings-Retros vorgestellt haben.

Diesen Beitrag Schach für Archäologen hat er gestern (Publikationszeit bei Johannes: pünktlich freitags um 15:00 Uhr) online gestellt; schaut bei Interesse doch mal rein! Übrigens lohnt „Mustermatt“ nicht nur, wenn über Retros berichtet wird, sondern jeden Freitag…

Retro der Woche 51/2025

Im Juniheft 1939 der Schwalbe veröffentlichte Luigi Ceriani einen umfangreichen Aufsatz unter dem Titel „Höchstleistungen und Themen in exakten Rückzügern“ und führte dazu aus:

„Unter exakten Rückzügern versteht man Stellungen, aus denen sich die zuletzt ausgeführten Züge bis zum nten Zug sowohl hinsichtlich ihrer Art als auch hinsichtlich ihrer Reihenfolge genau ableiten lassen. … nahm ich mit die die Erforschung von zwei Themen bei exakten Rückzügern vor: Das Maximum von n im Zylinderschach und die am weitesten zurückliegende Rochade.“ (Im Zylinderschach sind die a- und die h-Linie als angrenzend gedacht, was den Namen sogleich erklärt.)

Dazu schrieb Ceriani das 33. Thematurnier der Schwalbe aus, in dem es um entsprechende Überbietungen gehen sollte.

Im Aufsatz konnte er eine Zylinderschach-Stellung mit 28 eindeutigen letzten Zügen vorstellen, im Preisbericht (Februar 1940) veröffentlichte er dann seine eigene deutliche Überbietung auf 35 Züge; hierzu hatte er ein orthodoxes Schema von Hugo August und Anton Trilling aus diesem Turnier verwendet; dieses Stück habe ich für heute ausgewählt.

Luigi Ceriani (nach H. August und A. Trilling)
Die Schwalbe 1940
Zylinderschach. Welches waren die letzten 35 Züge? (14+14)
 
Man kann Zylinderschach-Aufgaben prinzipiell analysieren wie orthodoxe, muss natürlich dabei solche möglichen Züge wie La4-g2 beachten. Der Zylinder erschwert auch das konstruieren von Käfigen, da die vertikalen Brettränder fehlen.

Bei Schwarz fehlen beide Türme, ein Bauer hat sich in einen Springer umgewandelt. Bei Weiß fehlen ein Springer und der schwarzfeldrige Läufer. Alle fehlenden Steine wurden von Bauern geschlagen: bxa7 und cxd7 bzw. bei Schwarz fxg6 und gxh6 — damit steht c1 als Umwandlungsfeld des dritten schwarzen Springers fest.

Der schwarze König steht im Schach, damit steht als erster Rücknahmezug Se8-c7+ fest — und so stehen Weiß im Moment nur Bauern-Rücknahmen zur Verfügung.

Weiterlesen →

Retro der Woche 41/2025

An diesem Wochenende findet in Leimen das Jahrestreffen der Schwalbe statt — und was passt da heute besser als ein Retro zweier wichtiger Gründungsmitglieder dieser Organisation?

Anton Trilling war der Essener Initiator (angeregt von Wilhelm Maßmann in Kiel) der Schwalbe-Gründung im Jahr 1924 und ihr erster Vorsitzender, Hugo August mit damals 21 Jahren jüngstes Gründungsmitglied; gerade er hat sich als hervorragender Retro-Komponist profiliert.

Hugo August & Anton Trilling
Die Schwalbe 1940, 33. Thematurnier
Die letzten 15 Züge waren Schachzüge! (11+14)

 

In dem immer noch lesenswerten Artikel „Höchstleistungen und Themen in exakten Rückzügern“ hatte Luigi Ceriani im Juniheft 1939 der Schwalbe (Seite 513–516) 13 Aufgaben mit aktuellen Längenrekorden vorgestellt, in denen also die letzten Züge vor Erreichung der Diagrammstellung eindeutig bestimmbar sein mussten. Hierzu schrieb er das 33. Thematurnier aus, in dem Überbietungen der im Aufsatz angegebenen Rekorde gefordert waren.

In diesem Aufsatz hatte Ceriani „unser“ Thema mit 10 Zügen dargestellt; er vermutete, dass 11 oder 12 gingen — mit 15 hatte er nicht gerechnet, wie er im Preisbericht im Februarheft 1940 der Schwalbe (Seite 513–516) bekannte.

Weiterlesen →

Chinesische Retros

Habt ihr euch schon mal chinesisches Schach Xiang Qi angeschaut? Ein echtes „Märchenbrett“: 9×10 Felder mit höchst originellen Zugeinschränkungen, Figuren, die teilweise ans mittelalterliche Schach erinnern und andererseits den Pao als regulären Stein enthalten, eine völlig andere Art von Anfangsstellung als in „unserem“ Schach: Sehr spannend also.

Und noch spannender: Alain Brobecker hat damit Retros, sprich: Lastmover, gebaut, und die sind nicht nur interessant, sondern bilden auch gerade für uns Retrofreunde eine tolle Einführung in diese interessante Schachart.

Schaut doch mal vorbei — und löst einige der chinesischen Retros — viel Spaß dabei!

Loveday zum letzten?

Nachdem vor etwa anderthalb Jahren einige Beiträge von Ralf Binnewirtz zur Veröffentlichungsgeschichte des berühmten Indischen Problems für Aufsehen und Verwirrung gesorgt hatten, da schon vor 180 Jahren auf angegebene Datumsinformationen nicht unbedingt Verlass sein konnte, hat er sich des Themas noch einmal angenommen und auf der Geschichte-Seite einen (nun vielleicht endgültigen) Nach-Nachtrag veröffentlicht.

Für die Schachhistoriker sicherlich „Pflichtlektüre“.

3D-Schach lebt!

Das diesjährige Problemschachtreffen in Andernach stand ganz unter dem Zeichen „3D-Schach“. Aus guten Gründen, galt es doch einerseits René Jean Millour zu gedenken, der sich intensiv speziell mit Alice-Schach beschäftigt hatte — und gleichzeitig konnte daran erinnert werden, dass Gerhard W. Jensch dort beim ersten Andernach-Treffen 1975 sein Stereoschach vorgestellt hatte.

Ralf Binnewirtz hat nun seinen ersten Beitrag zu unserer Geschichte-Reihe aufgegriffen und das Thema „3D-Schach“ weiter vertieft: Vielen Dank an Ralf dafür und euch allen viel Freude beim Lesen und studieren!