5. Retroblog-Thematurnier

Die Bedingung „Fuddled Men“ (auf Deutsch „beschwipste Steine“) ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Duellantenschach (siehe z.B. das Retro der Woche 36/2019).

Bernd Gräfrath macht uns damit nicht nur mittels sechs Original-Beweispartien vertraut, sondern er lädt uns auch ein, uns damit im 5. Retroblog-Thematurnier zu beschäftigen. Artikel und Ausschreibung könnt ihr natürlich herunterladen.

Nun freue ich mich auf eure Einsendungen bis zum 31.3.2020; Bernd ist Preisrichter.

Viel Spaß bei der Beschäftigung mit dieser interessanten Bedingung und viel Erfolg im Thematurnier!

Retro der Woche 36/2019

Nachtrag vom 2. September 2019 am Ende des Beitrags!

Vor ein paar Tagen hatte ich bereits auf das Ergebnis des Murfatlar-Turniers in Vilnius hingewiesen und angekündigt, dass ich darauf noch zurückkommen würde. Gefordert waren Beweispartien mit der Bedingung „Duellantenschach“. Das Turnier kann ich nur als Riesenerfolg ansehen, und gleich 16 Aufgaben wurden, meiner Meinung nach völlig zurecht, ausgezeichnet.

Dirk Borst
Murfatlar Turnier 2019, 1.-2. Preis
Beweispartie in 20 Zügen, Duellantenschach (8+10)

 

Kurz zur Erinnerung hier die Definition der Bedingung, entnommen dem Schwalbe-Lexikon: „Der einmal gewählte Stein des Startzuges einer Partei muss auch alle folgenden Züge seiner Partei bestreiten. Ist dies nicht mehr möglich, bringt ein neuer Startzug einen neuen Duellanten ins Spiel. Die Schachwirkung aller Steine bleibt normal erhalten.“

Alle Züge sind also auch unter den orthodoxen Schachregeln legal, und der Reiz liegt in der „Ablösung“ des gerade aktiven Duellanten. Darauf solltet ihr auch in der heutigen Beweispartie ein besonderes Augenmerk richten.

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Growing Men

Heute hatte ich die Juli-Ausgabe des Problemist im Briefkasten, nachdem gestern bereits die elektronische Kopie in meiner Mailbox gelandet war. Neben dem üblichen kleinen Urdruckteil sowie den „Selected Retros“ von Bernd Gräfrath (die ich dieses Mal alle sehr gut kannte; sie stammen aus meinem Preisbericht Phénix 2016-2016) enthält die Ausgabe noch einen interessanten Beitrag von Paul Bissicks über die Märchenbedingung „Growing Men“, mit der man in allen Problemgebieten sicher sehr interessante Aufgaben bauen kann — nämlich Beweispartien von ebenfalls Bernd Gräfrath, wie hier anhand eines Beispiel demonstriert wird.

Wie ist die Bedingung definiert? Sehr einfach: „Ein Stein kann keinen Zug geringerer Länge als in dessen letztem Zug machen. Ein Zug bietet nur dann Schach, wenn es eine Drohung gibt, den gegnerischen König zu schlagen.“ Wer eine etwas mathematischere und knappere Definition haben möchte: „Die Folge der Zuglängen jedes einzelnen Steins ist monoton wachsend.“

Das könnt ihr euch etwa „zwischendurch“ anhand einer Aufgabe aus dem Aufsatz genauer anschauen; die Lösung folgt wieder hier in einer Woche.

Bernd Gräfrath
The Problemist 7/2019
Beweispartie in 7.0 Zügen, Growing Men (16+13)

 

Viel Spaß, allzu schwer sollte diese Aufgabe nicht sein — aber die Lösung ist sehr hübsch!

 

Lösung
1.c3 Sc6 2.Dc2 Sd4 3.cxd4 c6 4.Dc4 Dc7 5.Dxc6 Df4 6.Dxc8+ — und nun wehrt Schwarz das Schachgebot durch 6.– Kd8! ab, denn Weiß kann nicht DxKd8 spielen, da dieser Zug ja kürzer wäre als sein letzter Damenzug. Weiter
dann natürlich 7.Dc6 Ke8. Zwei Rückkehren zum Schluss.

Retro der Woche 28/2019

Ich bleibe auch diese Woche beim Retro-Preisbericht für 2017 aus StrateGems: In der letzten Woche hatte ich den 2. Preis der Beweispartie-Abteilung vorgestellt, heute ist der (einzige) Preis der (sonstige) Retros-Abteilung an der Reihe.

Recht typisch für die aktuelle Situation bei Nicht-Beweispartie-Retros ist, dass hier Anticirce-Verteidigungsrückzüger dominant sind: Sie erhielten in diesem Bericht vier der fünf Auszeichnungen.

Dmitrij Baibikov
StrateGems 2017, 1. Preis
-38 & #1, VRZ Proca Anticirce (1+4)

 

Wir erinnern uns: Bei Anticirce verschwindet bei einem Schlag das Opfer; der Täter hingegen wird auf seinem Partieanfangsfeld circensisch wiedergeboren. Damit kann hier der weiße König den schwarzen im direkten Kontakt mattsetzen, wenn e1 frei (für die Rücksetzung, damit überhaupt ein Schachgebot vorliegt) und e8 besetzt ist (ansonsten wäre das ein illegales Selbstschach des weißen Königs, der dann ja selbst geschlagen werden könnte) –- und der schwarze König natürlich kein Fluchtfeld hat.

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Wolfgang Erben 65

Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Gechingen im Südwesten der Republik, wo Wolfgang Erben heute seinen 65. Geburtstag feiert.

Wolfgang ist nicht der typische Retro-Komponist oder -Löser, macht sich aber sehr um die „Nachwuchspflege“, auch und gerade für unsere Lieblingssparte des Problemschachs stark. Ich denke dabei nur an seine Beiträge Problemschach für Tiger mit seinen jährlichen, hoch dotierten Problemschachwettbewerben, wo es stets um Konstruktionen im Umfeld der Retroanalyse, gern auch mit Märchenanteilen geht.

Als Blick über den Zaun stelle ich hier eine Märchenaufgabe von Wolfgang vor:

Wolfgang Erben
Problemkiste 11/2009
Hilfsmatt in 48 Zügen, Madrasi (11+12)

 

Bei Madrasi (siehe Schwalbe-Märchenlexikon) gilt: „Wird ein Stein (außer König) von einem gleichartigen Stein des Gegners beobachtet, wird er gelähmt und verliert während der Beobachtung jede Zugmöglichkeit und Wirkung außer seinerseits gegnerische gleichartige Steine zu lähmen.“ Damit sind hier die Damen, die Springer, aber auch die schwarzfeldrigen Läufer, wTd7 und sTd5 sowie wBf5 und sBe6 gelähmt.

Wolfgang weist darauf hin, dass außer dem thematischen Tempozug nur Königszüge stattfinden. Vielleicht mögt ihr mit diesem Hinweis doch die Lösung probieren?

Lösung
1.Kc5 Kb8 2.Kc4 Ka7 3.Kc5 Ka6 4.Kc4 Ka5 5.Kc5 Ka4 6.Kc4 Ka3 7.Kc5 Ka2 8.Kc4 Kb1 9.Kc5 Kc1 10.Kc4 Kd1 11.Kc5 Ke1 12.Kc4 Kf1 13.Kc5 Kg1 14.Kc4 Kh2 15.Kc5 Kh3 16.Kc4 Kg4 17.Kc5 Kxf3 18.Kc4 Ke2 19.Kc5 Kd1 20.Kc4 Kc1 21.Kc5 Kb1 22.Kc4 Ka2 23.Kc5 Ka3 24.Kc4 Ka4 25.Kc5 Ka5 26.Kc4 Ka6 27.Kc5 Ka7 28.Kc4 Kb8 29.Kc5 Kc7 30.Kc4 Kxc6 31.f3 Kc7 32.Kc5 Kb8 33.Kc6 Ka7 34.Kc7 Ka6 35.Kb8 Ka5 36.Ka7 Ka4 37.Ka6 Ka3 38.Ka5 Ka2 39.Ka4 Kb1 40.Ka3 Kc1 41.Ka2 Kd1 42.Kb1 Ke1 43.Kxc2 Kf1 44.Kd3 Ke1 45.Kc4 Kd1 46.Kc5 Kc2 47.Kc6 Kxc3 48.Kc7 Kxb2#

Preisbericht R.I.F.A.C.E 2019 Retroturnier

Am Pfingstwochenende fand das Treffen der französischen Problemfreunde statt — traditionell wurde da wieder ein Retro-Kompositionsturnier ausgerichtet, die Ausschreibung konntet ihr hier im Blog finden; Thema wir die neue Bedingung „Knightmate“.

Nun ist der Preisbericht erschienen. Viel Spaß beim Studieren!

Retro-Kompositionsturnier R.I.F.A.C.E 2019

Gerade eben ist die Ausschreibung zum diesjährigen Retro-Kompositionsturnier des R.I.F.A.C.E Treffens 2019 der französischen Problemfreunde veröffentlicht worden.

In diesem Jahr geht es um Beweispartien mit der Bedingung KnightMate, auch Nicht-Teilnehmer am Treffen dürfen (allerdings nur mit einer Aufgabe) am Turnier teilnehmen (per Mail an abrobecker(at)yahoo.com; Einsendeschluss ist Sonntag, 9. Juni um 18:00 Uhr.

Beginn des Andernach-Treffens

Heute beginnt das 45. Andernach-Problemschachtreffen, und dazu hatte mir Walter Lindenthal – vielen Dank, Walter! – ein sehr passendes Stück geschickt, das ich euch heute so vorstellen möchte, wie das in Andernach beim Lösungsturnier geschehen würde: Ohne Quelle und Angabe der Lösungsanzahl — diese Infos kommen dann erst mit der Lösung selbst, also in etwa einer Woche.



Beweispartie in 3,5 Zügen Andernach-Schach b) sTa8 statt sSg8 (15+15)

 

Beim Andernach-Schach wechselt im Schlagfall der „Schläger“ seine Farbe. Viel Spaß beim Knobeln – und ihr wisst ja, in Andernach dürfen Popeye und Co auch nicht mitlösen…

 

Lösung
Zunächst die kompletten Angaben zum Problem:

R. Turnbell & S. Emmerson
Variant Chess 1996
Beweispartie in 3,5 Zügen Andernach-Schach b) sTa8 statt sSg8, zwei Lösungen (NL) (15+15)

 

a) 1.d3 Sc6 2.s4Sxd4(wS) 3.Sc6 Tb8 4.Sxb8(s)
b) 1.d4 e6 2.d4 e6xd5(wB) 3.d6 Se7 4.dxe7(sB) und
(NL) 1.d4 Sf6 2.Dd3 Se4 3.Dxe4(sD) Dxd4(wD) 4.Dd1
Witziger Weise ist die NL auch „thematisch“! Auf solche Überraschungen muss man beim Andernacher Lösungsturnier gefasst sein!