6. Retroblog-Thematurnier

Kinder, wie die Zeit vergeht…

Ich freue mich, nun schon zum fünften Male in Folge am ersten Weihnachtstag zusammen mit Andreas Thoma ein neues Retroblog Thematurnier ankündigen zu können.

Gefordert sind, auch das ist ja schon Tradition, Verteidigungsrückzüger mit der Märchenbedingung Anticirce und einer speziellen, Anticirce-typischen Idee; die Details sind anhand einer Originalaufgabe in der Ausschreibung auf Deutsch und Englisch erläutert.

Schickt eure Beiträge — auch das ist Tradition — bis zum Ostersonntag, also bis zum 12. April 2020 an mich als Turnierdirektor (t.brand(at)gmx.net). Andreas Thoma wird das Turnier richten; für die Sieger stehen Buchpreise zur Verfügung.

Andreas und ich freuen uns auf eure Einsendungen!

Retro der Woche 52/2019

Im Retro der Woche 36/2019 hatte ich vom Murfatlar-Turniers anlässlich des diesjährigen WCCC in Vilnius berichtet: Dort waren Beweispartien mit der Bedingung „Duellantenschach“ gefordert. Ich hatte dort den ersten Preis hier vorgestellt, doch der wurde leider anschließend gekocht.

Nun möchte ich auf den zweiten Preis des modifizierten Preisberichts (dessen URL hat sich übrigens seit dem Retro der Woche 36/2019 geändert!) eingehen, der mir sehr interessant erscheint, weil er nämlich eine sehr typische Duellantenschach-Strategie thematisiert.

Michel Caillaud
Murfatlar Turnier 2019, 2. Preis
Beweispartie in 23 Zügen, Duellantenschach (15+14)

 

Noch einmal die Definition der Bedingung, entnommen dem Schwalbe-Lexikon: „Der einmal gewählte Stein des Startzuges einer Partei muss auch alle folgenden Züge seiner Partei bestreiten. Ist dies nicht mehr möglich, bringt ein neuer Startzug einen neuen Duellanten ins Spiel. Die Schachwirkung aller Steine bleibt normal erhalten.“ Alle Züge sind also auch unter den orthodoxen Schachregeln legal.

Während es in der Anfang September vorgestellten Aufgabe einige Schlagfälle gab, die, wenn der gerade aktive Duellant geschlagen wird, natürlich für eine ziemlich banale Art der Ablösung sorgen, geht es heute deutlich „strategischer“ zu.

Weiterlesen

Quartz Weihnachtsturnier

Vor ein paar Tagen ist die neueste Ausgabe von Quartz (Nr. 48, November 2019) erschienen. Die Ausgabe enthält unter anderem die Ausschreibung zum Quartz Weihnachtsturnier, bei dem es um c# Beweispartien geht: Unter der Bedingung „c#“ ändern mattgebende Steine ihre Farbe, und die Partie wird, wenn die neue Stellung legal ist, fortgesetzt.

Der Einführungsartikel in Quartz enthält Beispiele; Einsendeschluss (per Mail an Preisrichter Paul Rãican, quarpaz1(at)yahoo.fr) ist der 1. Februar 2020.

Viel Spaß und Erfolg mit dieser interessanten Bedingung!

Ein Cook bei Fuddled Men und ein Bug in Jacobi v0.6.6

Hinweise von Bernd Gräfrath (Mülheim/Ruhr)

In der Ausschreibung des 5. Retroblog-Thematurniers („Beweispartien mit Fuddled Men“) wurden sechs Beispiele als Illustrationen gebracht. Ich hatte sie alle mit Jacobi v0.6.6 getestet und auf dieser Grundlage für alle ein „C+“ angegeben. Nun hat mich François Labelle gerade darüber informiert, daß die Version v0.6.6 einen Bug hat, der dazu führt, daß ein Cook bei Illustration FM1 übersehen wurde. In dieser Version wurde die Rochade nicht erlaubt, obwohl der scheinbare Angreifer der Gegenseite noch „fuddled“ ist. Aber die folgende Lösung ist legal: 1.d4 Sh6 2.Lxh6 e5 3.dxe5 Ld6 4.Dxd6 0-0 5.Sd2 Te8 6.Dxc7 d5 7.0-0-0 Txe5 8.Lf4 Lg4 9.Kb1 Te3 10.Dxd8, denn die wDd6 verhindert nicht 4.– 0-0! Damit ist FM1 kaputt. Dieser Bug ist repariert in Jacobi v0.6.7 RC3: Diese Version findet den Cook (und gibt für die anderen fünf Beispiele zum Glück immer noch ein C+). Wie François schreibt, war das das erste Mal, daß aufgrund eines „C+“ von Jacobi ein dualistisches Problem als korrekt veröffentlicht wurde. Aber das wird jedem Prüfprogramm irgendwann passieren, und ich bin froh, daß es Jacobi gibt! Auch bei diesem Cook wird übrigens vorausgesetzt, daß nach der Rochade der beteiligte Turm nicht „fuddled“ ist (und so sieht es nicht nur Jacobi, sondern auch WinChloe).

English Summary

François Labelle has informed me that there is a bug in Jacobi v0.6.6 which made it overlook a cook in my problem FM1 (see the announcement of the Retroblog’s thematic tourney on proof games with Fuddled Men): 1.d4 Sh6 2.Bxh6 e5 3.dxe5 Bd6 4.Qxd6 0-0 5.Sd2 Re8 6.Qxc7 d5 7.0-0-0 Rxe5 8.Bf4 Bg4 9.Kb1 Re3 10.Qxd8. Jacobi v0.6.6 did not see that castling is allowed if the attacking piece is fuddled: The wQd6 does not prevent 4.– 0-0! This cook can be found by the latest version, Jacobi v0.6.7 RC3 (and the other five illustrations are still regarded as „C+“). This is the first time that a dualistic problem has been published after receiving a „C+“ from Jacobi!

Anmerkung von TB

Den erwähnten Release-Kandidaten könnt ihr finden, wenn ihr auf der Jacobi-Hauptseite nach unten scrollt. Bei solchen Vor-Versionen ist die Benutzung natürlich „stets auf eigene Gefahr, Eltern haften für ihre Kinder“, da neue Fehler nie ausgeschlossen werden können. Ihr solltet nach der Freigabe von v0.6.7 unbedingt auf die dann offizielle Version wechseln.

September-Problemist

Heute hatte ich das September-Heft des Problemist im Briefkasten, wieder mit interessantem Inhalt. Bei den „Selected Problems“ stellt Bernd Gräfrath die drei erstplatzierten Beweispartien unseres gemeinsamen Geburtstagsturniers vor — und ich muss mich hier outen: Bei den „Selected Problems“ studiere ich immer besonders intensiv die Studien- und Selbstmatt-Abteilungen, geführt von meinem „Geburtstags-Vetter“ John Nunn bzw. Hartmut Laue.

Der Urdruckteil enthält drei Retros, eines mit einer Bedingung, die in einem Artikel vorgestellt wird: ‚Shrinking Men‘ Gains a New Composer von Paul Bissicks — und dieser new composer ist Bernd Gräfrath.

Hier im Blog hatte ich die Bedingung „Growing Men“ bereits vorgestellt und dafür eine knappe Definition gegeben: „Die Folge der Zuglängen jedes einzelnen Steins ist monoton wachsend.“ Nun ist auch schon klar, wie die „Shrinking Men“ definiert sind: Ganz analog, nämlich „Die Folge der Zuglängen jedes einzelnen Steins ist monoton fallend.“

Dieser Themenkomplex ist sicher gerade für Retro-Aufgaben (nicht nur für Beweispartien) sehr interessant, und da erwarte ich noch eine Menge guter und origineller Aufgaben. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es im Dezemberheft der Schwalbe einen „growing“ Urdruck geben wird — der Autor ist sicher nicht schwer zu erraten?!

Aus dem erwähnten Aufsatz sei „für Zwischendurch“ hier eine Aufgabe wiedergegeben:

Bernd Gräfrath
The Problemist Sept. 2019,
Beweispartie in 6,5 Zügen, Shrinking Men (14+16)

 

Die Lösung gibt es wie gewohnt in etwa einer Woche an dieser Stelle.

Lösung

1.e4 h5 2.Dg4 hxg4 3.f4 Th3 4.Sf3 gxf3 5.g4 Tg3 6.Lh3 f2 7.O-O!!

Weiß darf rochieren, da sowohl sBf2 als auch sTg3 nur noch Züge der Länge 1 machen dürfen und daher das Feld g1 nicht beobachten.

5. Retroblog-Thematurnier

Die Bedingung „Fuddled Men“ (auf Deutsch „beschwipste Steine“) ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Duellantenschach (siehe z.B. das Retro der Woche 36/2019).

Bernd Gräfrath macht uns damit nicht nur mittels sechs Original-Beweispartien vertraut, sondern er lädt uns auch ein, uns damit im 5. Retroblog-Thematurnier zu beschäftigen. Artikel und Ausschreibung könnt ihr natürlich herunterladen.

Nun freue ich mich auf eure Einsendungen bis zum 31.3.2020; Bernd ist Preisrichter.

Viel Spaß bei der Beschäftigung mit dieser interessanten Bedingung und viel Erfolg im Thematurnier!

Retro der Woche 36/2019

Nachtrag vom 2. September 2019 am Ende des Beitrags!

Vor ein paar Tagen hatte ich bereits auf das Ergebnis des Murfatlar-Turniers in Vilnius hingewiesen und angekündigt, dass ich darauf noch zurückkommen würde. Gefordert waren Beweispartien mit der Bedingung „Duellantenschach“. Das Turnier kann ich nur als Riesenerfolg ansehen, und gleich 16 Aufgaben wurden, meiner Meinung nach völlig zurecht, ausgezeichnet.

Dirk Borst
Murfatlar Turnier 2019, 1.-2. Preis
Beweispartie in 20 Zügen, Duellantenschach (8+10)

 

Kurz zur Erinnerung hier die Definition der Bedingung, entnommen dem Schwalbe-Lexikon: „Der einmal gewählte Stein des Startzuges einer Partei muss auch alle folgenden Züge seiner Partei bestreiten. Ist dies nicht mehr möglich, bringt ein neuer Startzug einen neuen Duellanten ins Spiel. Die Schachwirkung aller Steine bleibt normal erhalten.“

Alle Züge sind also auch unter den orthodoxen Schachregeln legal, und der Reiz liegt in der „Ablösung“ des gerade aktiven Duellanten. Darauf solltet ihr auch in der heutigen Beweispartie ein besonderes Augenmerk richten.

Weiterlesen

Growing Men

Heute hatte ich die Juli-Ausgabe des Problemist im Briefkasten, nachdem gestern bereits die elektronische Kopie in meiner Mailbox gelandet war. Neben dem üblichen kleinen Urdruckteil sowie den „Selected Retros“ von Bernd Gräfrath (die ich dieses Mal alle sehr gut kannte; sie stammen aus meinem Preisbericht Phénix 2016-2016) enthält die Ausgabe noch einen interessanten Beitrag von Paul Bissicks über die Märchenbedingung „Growing Men“, mit der man in allen Problemgebieten sicher sehr interessante Aufgaben bauen kann — nämlich Beweispartien von ebenfalls Bernd Gräfrath, wie hier anhand eines Beispiel demonstriert wird.

Wie ist die Bedingung definiert? Sehr einfach: „Ein Stein kann keinen Zug geringerer Länge als in dessen letztem Zug machen. Ein Zug bietet nur dann Schach, wenn es eine Drohung gibt, den gegnerischen König zu schlagen.“ Wer eine etwas mathematischere und knappere Definition haben möchte: „Die Folge der Zuglängen jedes einzelnen Steins ist monoton wachsend.“

Das könnt ihr euch etwa „zwischendurch“ anhand einer Aufgabe aus dem Aufsatz genauer anschauen; die Lösung folgt wieder hier in einer Woche.

Bernd Gräfrath
The Problemist 7/2019
Beweispartie in 7.0 Zügen, Growing Men (16+13)

 

Viel Spaß, allzu schwer sollte diese Aufgabe nicht sein — aber die Lösung ist sehr hübsch!

 

Lösung
1.c3 Sc6 2.Dc2 Sd4 3.cxd4 c6 4.Dc4 Dc7 5.Dxc6 Df4 6.Dxc8+ — und nun wehrt Schwarz das Schachgebot durch 6.– Kd8! ab, denn Weiß kann nicht DxKd8 spielen, da dieser Zug ja kürzer wäre als sein letzter Damenzug. Weiter
dann natürlich 7.Dc6 Ke8. Zwei Rückkehren zum Schluss.