Retro der Woche 41/2019

Waren wir in der letzten Woche ganz weit in er Geschichte der Retroanalyse zurückgegangen (eigentlich sehr passend zu unserem Problemschach-Lieblingsbereich!), so sind wir heute ganz „up to date“, stelle ich euch heute eine im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichte Aufgabe vor.

Unto Heinonen
StrateGems 2019
Beweispartie in 26 Zügen (14+14)

 

Ist es modern geworden, etwaige Umwandlungen im Laufe der Lösung so gut wie möglich zu verstecken, etwa durch Wegschlagen der Umwandlungsfiguren oder der Originale, die sie dann ersetzen, macht der Autor unserer heutigen Aufgabe genau das Gegenteil: er zeigt unmissverständlich, dass es (mindestens) vier Turm-Umwandlungen gegeben hat.

Fragt man sich, welche der acht Türme im Diagramm die originalen, welche die umgewandelten sein könnten, so liegt der Verdacht nahe, dass die Türme auf der 2. bzw. 7. Reihe die Umwandlungssteine sein könnten, wie dies die Anzahl der erforderlichen Turmzüge im Diagramm minimieren würde.

Das schauen wir uns durch Nachzählen genauer an.

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Retro der Woche 39/2019

Heute feiert in Roßdorf bei Darmstadt Ulrich Ring einen nicht gerade runden Geburtstag; dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, von hier aus herzlich zu gratulieren: Alles Gute auch im Namen aller Leser hier für dein neues Lebensjahr!

Uli ist ein Pionier der in den 1980er Jahren wachsenden Beliebtheit der eindeutigen kürzesten Beweispartien und hat hervorragende Aufgaben veröffentlicht, von denen ich hier bereits drei vorgestellt hatte: Retros der Woche 39/2012 (das dritte „RdW“ überhaupt hier im Blog), 39/2013 sowie 27/2014. Alle drei stammen „eigentlich“ aus dem Jahr 1986, wobei das letzte Stück eine Co-Korrektur mit Joost de Heer aus dem Jahr 2004 ist. Alle drei Stücke lohnen ein erneutes Anschauen!

Die Aufgabe, die ich für heute ausgesucht habe, ist noch etwas älter und bildet quasi ein „Trainingslager“ für die folgenden deutlich komplexeren Stücke. Dieses ist ein wenig einfacher, bietet aber auch heute noch einen hohen Reiz, wie ich finde, und ist als Demonstrations- und Werbestück für Beweispartien in eurem Schachclub bestens geeignet.

Ulrich Ring
feenschach 1985, Hans Gruber gewidmet, 1. Ehr. Erwähnung,
Beweispartie in 13 Zügen (13+16)

 

Kümmern wir uns wie immer zunächst um die Inventur: Bei Schwarz sind wir sehr schnell fertig mit dem Zählen der sichtbaren Züge und fehlenden Steine, bei Weiß müssen wir etwas genauer hinschauen:

Wir sehen zunächst einmal 3+0+3+1+2+2=11 weiße Züge; es sind also noch zwei frei. Außerdem fehlen bei Weiß [Dd1], [Sg1] und [Be2]. Einer dieser Steine muss sich auf c6 geopfert haben.

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Retro der Woche 30/2019

In der letzten Woche hatten wir hier eine Auflöse-Aufgabe von Andrej Frolkin und Joaquim Crusats betrachtet, heute möchte ich euch eine Beweispartie von Andrej zeigen, die im Schwalbe-Informalturnier 2016 von Preisrichter Henrik Juel die erste ehrende Erwähnung erhielt und die mir schon bei der Veröffentlichung sehr gut gefallen hatte.

Andrej Frolkin
Die Schwalbe 2016, 1. Ehrende Erwähnung
Beweispartie in 23.5 Zügen (12+15)

 

Sofort fällt bei Weiß der Platzwechsel von Läufer und Turm auf, und auch bei Schwarz ist in dieser Hinsicht offensichtlich etwas passiert: Springer, Dame, Läufer und Turm haben zyklisch „jeweils zwei Felder nach rechts“ (wobei der Turm natürlich „links“ landet) ihre Plätze getauscht. Das ist sehr hübsch und hilft meistens beim Lösen.

Für die Lösungsfindung ist aber auch die Schlagbilanz wieder sehr hilfreich: Schwarz hat drei der vier fehlenden weißen Steine mit den Bauern b6, c6 und d6 geschlagen. Irgendwie müssen aber neben der weißen Dame auch die [Be2], [Bf2] und [Bg2] verschwunden sein.

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Retro der Woche 12/2019

Nicolas Dupont war von der Qualität der Urdrucke des Schwalbe-Jahrgangs 2008 sehr angetan und teilte seinen Bericht daher gleich in drei Abteilungen auf: Beweispartien, klassische orthodoxe Retros und Märchenretros.

Heute möchte ich euch den ersten Preis der Beweispartien zeigen und dann auch den (gekürzten) Kommentar von Nicolas dazu zitieren.

Roberto Osorio & Jorge J. Lois
Die Schwalbe 2008, 1. Preis
Beweispartie in 20 Zügen (14+14)

 

Bei Weiß fehlen zwei Bauern, bei Schwarz Dame und ein Turm. Schwarz schlug axb6 und dxc, und nur ein weißer Bauernschlag ist sichtbar, und dabei ist noch nicht klar, ob dort bxc3 oder dxc3 erfolgte.

Klar hingegen ist, dass mindestens ein weißer Bauer umwandeln musste, denn egal, welcher der beiden Bauern nach c3 geschlagen hat: Die beiden anderen können nicht beide durch die schwarzen Bauern geschlagen worden sein.

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Retro der Woche 05/2019

In der letzten Woche hatte ich hier einen Verteidigungsrückzüger aus dem Preisbericht von Phénix 2015-2016 gezeigt, heute will ich die bestplatzierte Beweispartie in diesem sehr stark besetzten Turnier vorstellen.

Jorge J. Lois & Roberto Osorio
Phénix 2015-2016, 2. Preis
Beweispartie in 19 Zügen (13+14)

 

Bei Aufgaben des argentinischen Duos kann man immer davon ausgehen, dass man guten Inhalt technisch perfekt dargestellt zu sehen bekommt. Und so viel darf ich schon verraten: So ist es auch hier!

Mit dem üblichen Zählen der im Diagramm sichtbaren schwarzen Züge sind wir sehr schnell fertig: 0+0+0+1+0+3=4. Irgendwelche zusätzlichen Züge wegen eventueller Umwandlungen durch Schwarz können wir auch hier natürlich ausschließen, da noch alle acht schwarzen Bauern an Bord sind.

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Ulrich Ring 75

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche nach Roßdorf bei Darmstadt, wo Ulrich Ring ins vierte Vierteljahrhundert startet.

Schon als Teenager war Uli ein angesehener Zweizüger-Spezialist, übernahm mit gerade mal 20 Jahren als Nachfolger von Hermann Albrecht die Schwalbe-Sachbearbeitung der Zweizüger. Mit der Zeit weitete sich sein Interesse, er konzentrierte sich, beeinflusst von John Niemann, mehr aufs Hilfsmatt, war dann in den 1980er Jahren auch ein früher Komponist eindeutiger Beweispartien.

Eine dieser Aufgaben möchte ich hier vorstellen:

Ulrich Ring
feenschach 1985, Hans Gruber gewidmet, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 13 Zügen (13+16)

 

1.a4 Sc6 2.Ta3 Sd4 3.Td3 Sxe2 4.Sc3 Sxg1 5.Df3 Sf6 6.Dc6 dxc6 7.Sd1 Sd7 8.c3 Sb8 9.Td7 Sh3 10.La6 Sg5 11.Ke2 Se4 12.Kd3 Sf6 13.Kc4 Sg8. Sehr elegante und frühe Darstellung des Platzwechsels der beiden schwarzen Springer.

ich kenne Uli schon seit ewigen Zeiten; er war in den frühen 1980er Jahren der „juniore Senior“ der „Juniorenrunde“ in Andernach (Gruber, ellinghoven, Tüngler, Büsing, Brand) — und wir haben beileibe nicht nur über (Problem-)Schach geredet, sondern über Gott und die Welt philosophiert, was mit dem studierten Theologen und praktizierenden Informatiker auch wunderbar ging und geht!

Lieber Uli, im Namen aller Leser wünsche ich dir von Herzen alles Gute für dein neues Lebensjahr, vor allen Dingen natürlich Gesundheit. Und heute lass dich toll feiern!

Retro der Woche 08/2018

Vor zwei Wochen hatte ich hier das Siegerproblem der Retroabteilung im 10. WCCT vorgestellt, heute nun möchte ich euch die bestplatzierte deutsche Beweispartie vorstellen.

Silvio Baier
10. WCCT, 8.-9. Platz
Beweispartie in 27,5 Zügen (16+13)

 

Sofort fallen die vier Umwandlungssteine auf: Zwei schwarze Damen und auch zwei weiße Türme. Die beiden Umwandlungsdamen müssen schlagfrei durch die schwarzen Bauern erfolgt sein, da Weiß ja noch alle Mann an Bord hat. Sie können also nur auf den Linien umgewandelt haben, von denen Weiß vorher einen Bauernschlag gemacht hat. Damit können die Umwandlungen nur auf Linien erfolgt sein, auf denen kein schwarzer und kein weißer Bauer stehen: Demnach haben [Ba7] und [Bh7] umgewandelt.

Und da bei Schwarz abgesehen nur Bauern fehlen, sind auch die weißen Schläge klar: hxg (Doppelbauer) sowie axb und dxe.

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Retro der Woche 06/2018

Nachdem ich in den letzten Tagen bereits ein wenig vom 10. WCCT berichtet hatte, will ich heute natürlich das Siegerstück vorstellen und dabei auch die Kommentare der Autoren und der richtenden Nationen verwenden. Schließlich haben wir es hier mit einer heute schon „historischen“ Beweispartie zu tun: Der ersten, die ein WCCT gewonnen hat.

Andrej Frolkin & Alexander Semenenko
10. WCCT, 1. Platz
Beweispartie in 23 Zügen (14+14)

 

Im Diagramm haben wir keine Doppelbauern, also keine offensichtlichen Bauernschläge. Bei Schwarz fehlen zwei Bauern, bei Weiß gleich drei, von denen einer offensichtlich in einen Turm umgewandelt hat. Das macht das Zählen der weißen Züge etwas einfacher: 2+2+5+2+2+9=22 — ein Zug ist noch frei. Hierbei habe ich sofort die fünf notwendigen Bauernzüge sowie einen zusätzlichen Turmzug eingerechnet.

Bei Schwarz sehen wir nur 1+2+0+2+0+2=7, wobei die ersten beiden Summenden für den Platzwechsel von König und Dame auch vertauscht werden können. Damit sind gleich 16 schwarze Züge noch frei!

Vielleicht können wir die weißen Züge schon genauer bestimmen?

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