Elsässisches Circe

Vor in paar Tagen begann im Forum von MatPlus.net eine Diskussion über Elsässisches Circe. Diese Bedingung ist ziemlich genau ein Drittel Jahrhundert alt; sie wurde von Jean Zeller (er stammte aus dem Elsaß, daher auf Vorschlag von Michel Caillaud der Name der Bedingung) in 49 feenschach Januar-März 1980 (S.298-303) eingeführt.

Die Regel ist eigentlich ganz einfach, hat aber dann gelegentlich verblüffende Konsequenzen:

Nach jedem Circe-Zug muss die Stellung unter orthodoxen Gesichtspunkten legal bleiben. Auch muss das Diagramm selbst sowohl nach den Circe- als auch nach den orthodoxen Regeln legal sein.

Mit anderen Worten: Zur Diagrammstellung und nach jedem Zug muss es eine orthodoxe und eine circensische Beweispartie (die natürlich nicht eindeutig sein muss) geben, die zu dieser Stellung führt.

Das ist also eine Märchenbedingung, die für uns Retro-Freunde sehr interessant ist — und ich bin mir sicher, auf diesem Gebiet sind noch sehr viele interessante Sachen möglich!

Ein kleines und einfaches Beispiel aus dem oben zitierten Artikel möchte ich hier vorstellen:

Jean Zeller
feenschach 1980
Hilfsmatt in 3 Zügen, Elsässisches Circe (7+3)

Die Stellung ist orthodox legal (wLa6 ist ein Umwandlungsläufer), und es gibt auch keine Zweifel an der circensischen Legalität der Stellung. Wäre die sDh1 ein Turm, löste sich die Aufgabe auch ohne Circe in zwei Zügen (1.Th8 Ta1 2.Tb8 Lc8#), aber die schwarze Dame ist ein denkbar schlechter Block.

Aber irgendwie muss ja die neue Bedingung zum Tragen kommen — und dann finden wir ein Mattbild mit schwarzen Blocks auf a7 und b8 und Lb7#, wenn denn das Schlagen des Läufers aus irgendwelchen Gründen nicht möglich wäre. Das kann natürlich nur elsässisch begründet werden, und dann ergibt sich die Lösung

1.Dh2 f3 2.La7 Tf2! 3.Db8 Lb7#, denn nun entstünde nach einem Schlag des Läufers und dessen circensischer Wiedergeburt auf f1 eine illegale Stellung, da der wTf2 niemals orthodox in diesen Käfig hätte gelangen können — also Matt.

Übrigens lässt sich die elsässiche Bedingung auch mit anderen Bedingungen (z.B. Madrasi, Anticirce, etc.) verknüpfen, und da lassen sich bestimmt noch interessante Sachen entdecken!

Nachtrag 31.8.13:
Beim Blick in WinChloe fand ich die Nebenlösung 1.Lxf2 Ld3 2.La7 Tf7 3.Lb8 Le4# — ganz ohne Circe, von „elsässisch“ ganz zu schweigen… Das lässt sich natürlich leicht reparieren, z.B. +wBf5 oder +sBe7.

Retro der Woche 35/2013

Nicht so ganz einfach zu lösen erscheint mir die heutige Beweispartie. Warum? Weil sie sehr gut offensichtliche Löse-Hinweise zu verbergen mag. Und so ganz kurz ist sie auch nicht, was vielleicht subjektiv die Hemmschwelle noch einmal erhöht.

Aber einen gründlichen Blick verdient diese Aufgabe des finnischen Komponisten Unto Heinonen, der sich nicht nur auf Retros beschränkt, sondern auch ein bekannter und erfolgreicher Märchenschach- und Hilfsmattkomponist ist.

Unto Heinonen
P0341 StrateGems 2012
Beweispartie in 28 Zügen (13+14)

 

Zählen wir die offensichtlichen Schlagfälle, nämlich solche, die eindeutig und sichtbar von Bauern durchgeführt worden sind, kommen wir auf zwei schwarze (dxe und gxh) und einen weißen (dxe3). Bei beiden Seiten bleibt also noch ein Schlag offen.

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113

Heute gehen herzliche Glückwünsche zum 113. Geburtstag an bernd ellinghoven und Hans Gruber. Nein, natürlich wird nicht jeder von ihnen 113, aber zusammen schaffen sie es. Und da bernd genau sieben Jahre älter ist als Hans, könnt ihr euch ja ausrechnen, wer von beiden welchen runden Geburtstag feiert…

Beide sind ja bekanntlich nicht nur hoch geschätzte Retro-Experten, sondern problemschachlich breit interessiert und engagiert. So hat bernd als einer der entscheidenden Protagonisten die „Hilfsmatt-Revolution“ eingeleitet und Hans kürzlich in der Schwalbe die Dreizüger-Sachbearbeitung übernommen. Darüber hinaus sind beide ja auch im Vorstand der Vereinigung engagiert.

Und ohne beide wären weder feenschach noch viele andere problemschachliche Aktivitäten und Veröffentlichungen vorstellbar!

Zur Feier des Tages habe ich eine sehr elegante Kleinigkeit herausgesucht, die beide zusammen komponiert haben.

bernd ellinghoven & Hans Gruber
Phenix 1991, 1. Preis
Hilfsmatt in 4 Zügen (2+3)

Stünde der sK auf h3 und würde der sBh2 nicht g1 decken, wäre es bereits Matt. Damit haben wir eigentlich schon die schwarzen Züge — und Weiß muss vier Züge lang eigentlich gar nichts tun, außer den sK durchzulassen. Das führt dann zu eleganten Dualvermeidungen bei Weiß:

1.h1=T Ke3 (Ke2??) 2. Kg4 Se2 (Sf3??) 3. Kh3 Kf3 4. Th2 Sg1#.

Euch beiden alles Gute für die neuen Lebensjahre und heute schönes Feiern!

FIDE Album Index

Habt ihr schon einmal versucht, die Aufgaben eines Autors in den FIDE-Alben zu suchen?Da wäre doch eine Zusammenstellung über sämtliche Alben ganz hilfreich…

Die gibt es nun in einer übersichtlichen Form, die Hannu Harkola veröffentlicht hat: Der FIDE Album Index 2006 enthält eine Übersicht über alle 21.457 Aufgaben, die bis einschließlich 2006 veröffentlicht worden sind, sortiert nach den mehr als 2.100 Komponisten.

Sehr nützlich, finde ich! Die 175 Seiten starke Broschüre im DIN A5 Format kann als pdf-Datei von der Website der WFCC herunter geladen werden.

Retro der Woche 34/2013

Das ukrainisch-spanische Tandem Frolkin und Crusats hat in den letzten Jahren häufig und fruchtbar bei der Komposition klassischer Retros zusammengearbeitet. Eines der jüngsten Ergebnisse wurde im letzten feenschach-Heft des Jahres 2012 veröffentlicht und hat mir sehr gut gefallen, weil es nämlich so herrlich paradox ist.

Andrej Frolkin & Joaquim Crusats
10610 feenschach XI-XII 2012
Löse auf (13+9)

Sofort fällt ins Auge, dass Weiß über (mindestens) drei Umwandlungsfiguren verfügt, da sich bereits vier weiße Türme und drei weiße Springer auf dem Brett befinden. Ebenso bemerken wir schnell, dass Weiß mit der Rücknahme beginnen und dabei einen schwarzen Stein entschlagen muss, denn anders ist das Schach auf g6 nicht aufzuheben.
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Ins Russische

Ich hatte hier im September 2012 über meinen kleinen Artikel zur Geschichte Popeyes berichtet, der im Blog von Julia Vysotska erschienen ist.

Nun erhielt ich heute von Dmitri Turewski die Anfrage, ob der diesen Artikel ins Russische übersetzen und in Schachmatnaja Komposizia veröffentlichen dürfe?! Natürlich habe ich nichts dagegen, genau so wenig wie Julia.

Da sieht man mal wieder, wie international Problemschach ist: Da wird der englische Artikel eines Deutschen für einen Blog in Lettland ins Russische übersetzt …

feenschach 200 & 201

Ich hatte es ja schon vor einigen Tagen angekündigt, und nun ist gestern das feenschach Jubel-Heft 200 und sofort auch Nr. 201 bei mir im Briefkasten gelandet.

Reichlich interessanten Lesestoff bieten die Hefte auf jeweils 52 Seiten für alle Märchenschachfreunde. Für uns Retro-Fans sind besonders die Beiträge zu Wolfgang Dittmanns Geburtstag sowie der nun verschriftlichte Andernach-Vortrag des gestrigen Geburtstagskindes Günther Weeth (Basispläne im logischen VRZ Proca) zu erwähnen.

Darüber hinaus laden sieben Retro-Urdrucke zum Lösen und Kommentieren ein.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Glückwunsch nach Stuttgart!

Herzliche Geburtstags-Glückwünsche gehen heute nach Stuttgart zu Günther Weeth. In den letzten Jahren durch sein Engagement besonders für Anticirce-Procas bekannt geworden, für die er in vielen Vorträgen und Aufsätzen wirbt, reicht seine Liebe zu Retros aber schon länger zurück; hier sei das älteste mir von ihm bekannte Retro-Stück vorgestellt.

Günther Weeth & Werner Keym
Die Schwalbe 1991; Theo Schuster zum 80. Geburtstag
Wer setzt in 2 Zügen matt? (12+12)

Bei Schwarz sieht man vier Bauernschläge (cxbxa, dxc, exd), bei Weiß drei (bxa, dxcxb); außerdem muss er den [sBh7] geschlagen haben, der nicht anders verschwunden sein kann. Also 1.gxf7+ Kxf8 2.Se6#? Nein, denn Schwarz hat keinen letzten Zug, ist also selbst am Zug. Also 1.Sxc6+ Kd6 2.0-0-0#? Auch nicht, denn die schwarze Rochade ist nicht mehr zulässig, da der [wBe2] auf e8 hat umwandeln müssen.

Die richtige Antwort also: Keiner!