Retro der Woche 26/2026

Im Jahr 2023 feierte die französische Zeitschrift “Rex Multiplex” ihr 40-jähriges Bestehen; zu diesem Anlass schrieb sie ihr 18. Thematurnier in mehreren Gruppen, darunter auch Retros aus. Thema war, nicht gerade fernliegend, die Bedingung “Rex Multiplex”, die im Schwalbe-Märchenlexikon so definiert wird:

“Beide Parteien können mehrere Könige und/oder königliche Steine besitzen und auch in einen König umwandeln. Ein Schachgebot ist nur zulässig, wenn es entweder für alle Könige zugleich parierbar ist oder alle Könige gleichzeitig mattsetzt.”

Man kann es auch anders formulieren: Umwandlung in Könige ist erlaubt, auch diese Könige haben königliche Eigenschaften; “Teilmatts” sind nicht zulässig: Alle oder keiner.

Preisrichter Thierry le Gleuher erhielt 23 Einsendungen, von denen er 14 auszeichnete — dennoch gab es nur einen Preis; dieses Stück aber überragt laut Richter die anderen deutlich.

Und das wollen wir uns heute gemeinsam anschauen.

Dirk Borst
18. TT Rex Multiplex 2023
Beweispartie in 28.5 Zügen, Rex multiplex (14+14)

 

Bei Weiß fehlen [Lf1], der zu Hause geschlagen werden musste, sowie [Lc1], der offensichtlich auf der h-Linie geschlagen wurde; der [Bb2] hat sich offensichtlich in den zweiten König umgewandelt. Bei Schwarz fehlen ein Turm sowie [Bc7], der selbst nicht geschlagen haben kann, da für ihn kein weißen Schlagopfer zur Verfügung steht. Also wurde er auf seiner Linie vom [Bb2] geschlagen, der damit auf c8 umwandelte; der schwarze Turm starb auf e3.

Nun stellen sich einige Fragen: Durch wen starb [Lf1], und wie lässt sich vor allen Dingen der Nordwesten des Bretts aufbauen ohne dass der weiße König im Weg steht?

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Macht es mir schwer!

Wie? Was? Was für eine komische Aufforderung … Doch, die meine ich ernst: Macht es mir schwer, den Preisbericht für das Henrik-Juel-Gedenkturnier zu erstellen, weil ihr das Turnier (und damit mich als Preisrichter) mit vielen guten Aufgaben überschwemmt!

Ihr erinnert euch? Gefordert sind klassische Retros mit den Forderungen “löse auf” oder “letzte n Züge?”, Einsendeschluss ist der 31. August.

Die genauen Ausschreibungsbedingungen findet ihr in der Turnier-Ankündigung. Ich zähle auf euch!

JT Kostas Prentos 60

Die griechische Problemschachvereinigung hat jeweils ein Jubiläumsturnier für zwei “neue Sechziger” im Jahr 2026 ausgeschrieben: Für Harry Fougiaxis ein Hilfsspiel-/Märchenthema, für Kostas Prentos eins, das genau hierhin passt, das ich inoffiziell kurz zusammenfassen will: In einem orthodoxen Retro (Auflösung, Rückzüger, Beweispartie, …) wird ein Original-Offizier von einem Offizier geschlagen und durch Umwandlung ersetzt. Ein sehr gut gewähltes Thema, wie ich finde!

Offiziell findet ihr das in der Ausschreibung mit drei Beispielen, von denen regelmäßige Blog-Leser zumindest eines kennen sollten; dort finden sich auch die Hinweise auf den Einsendeschluss (31. Juli 2026) sowie auf Turnierdirektor und Preisrichter. Die Jubilare richten ihre Turniere selbst und übernehmen reziprok die Aufgabe des Direktors im jeweils anderen — auch eine hübsche Idee.

Viel Spaß und Erfolg beim Komponieren!

Henrik-Juel-Gedenkturnier

Und sofort noch eine Turnierausschreibung, dieses Mal eine „echte“ Retro-Ausschreibung:

Der Dansk Skakproblem Klub schreibt das Henrik-Juel-Gedenkturnier aus: Gefordert sind orthodoxe Retros mit den Forderungen „Löse die Stellung auf“ oder „Letzte n Züge?“; Märchenbedingungen sind nicht zugelassen.

Einsendungen bis zum 31. August 2026 an Bjørn Enemark (bjorn.enemark(at)get2net.dk), Preisrichter, da freue ich mich sehr, bin ich.

Und hier findet ihr die genaue Ausschreibung.

Henrik Juel stand bis bis zu seinem Tod Anfang Januar meinem Blog sehr nahe; er war sicherlich der fleißigste Kommentator und Löser der Retros der Woche.

Da freue ich mich natürlich ganz besonders auf eure guten Einsendungen zum Gedenken an Henrik, zu diesem Turnier.

Retro der Woche 36/2025

Noch einmal möchte ich auf den Preisbericht des Champagne-Turniers 2025 zurückkommen: Dort ging es ja um das Thema Platztausch, und es hat mich überrascht, wie viele originelle Aufgaben dazu eingereicht wurden.

Den zweiten Platz in der Beweispartie-Abteilung belegt ein bemerkenswertes Stück von Rustam Ubaidullajew — bemerkenswert nicht nur wegen des reinen Inhalts, sondern auch, weil es nicht vollständig Computer-prüfbar war, und das bei „nur“ 29 Zügen.

Rustam Ubaidullajew
Champagne-Turnier 2025, 2. Preis Abt. A
Beweispartie in 29 Zügen (14+14)

 
Wenn man ein wenig auf die Stellung schaut, fallen gleich mehrere Besonderheiten auf. Speziell die schwarzen Offiziere im weißen Lager: Wie sind die Türme, wie der Läufer hineingelangt? Erster Verdacht: Mit frühem b4 können die Türme via b3, der Läufer über b2 eingestiegen sein. Vielleicht ist auch einer der Türme als Umwandlungsstein (h7-h3xg2-g1=T) entstanden? Auf diesem Wege könnte auch der weiße Turm auf h8 dem Südkäfig entkommen sein.

In dem Zusammenhang ist dann auch sehr interessant, welche Steine fehlen: Das sind bei Weiß Dame und ein Springer, bei Schwarz ebenfalls die Dame sowie [Bh7].

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Endgültiger Preisbericht

Im Mai hatte Reto Aschwanden den Preisbericht zu seinem Geburtstagsturnier veröffentlicht; bis zum Ende der Einspruchsfrist gab es nur einen Hinweis, der bereits im kurzfristig aktualisierten Bericht erwähnt wurde.

Nun könnt ihr hier den endgültigen Bericht finden; nochmals viel Spaß beim Studieren!

Erbärmlich

Aktualisiert am 11.8.2025!

Im September letzten Jahres hatte der Schachverband Württemberg sein regelmäßiges Thematurnier ausgeschrieben; gefordert waren erbärmliche Zugpaare in einer möglichst kurzen Partie. Was ist damit gemeint?

Übersieht man ein direktes Matt, ist das mindestens peinlich. Erlaubt der stattdessen gespielte Zug dann aber noch dem Gegner ein einzügiges Matt, so ist dieser Zug wahrlich erbärmlich. Gefordert waren zwei erbärmliche Züge in einer fiktiven, möglichst kurzen Partie direkt hintereinander.

Der nun vorliegende Preisbericht (aktualisiert 11.8.2025!) verspricht schadenfrohe und kurzweilige Unterhaltung; viel Spaß dabei!

Retro der Woche 30/2025

Nachtrag 26.7.25: Nach einem technischen Problem gestern hatte eine alte Fassung dieses Beitrags online gestanden. Das ist nun hoffentlich korrigiert …

Am 18. Juli habe ich hier den Preisbericht des diesjährigen Champagne-Turniers anlässlich des WCC in Alba Iulia angesprochen und dabei schon angekündigt, dass ich auf dieses Turnier noch zurückkommen werde — das kann ich heute noch nicht tun, da der Bericht noch nicht veröffentlicht ist.

Stattdessen habe ich heute eine Aufgabe aus dem letztjährigen Turnier herausgesucht, zu dem gerade noch Korrekturen veröffentlicht worden sind.

Traditionell wurde das Turnier wieder in zwei Gruppen ausgetragen: Beweispartien und sonstige Retros; in beiden Gruppen waren auch nicht-orthodoxe Stücke zugelassen. Und beide Abteilungen wurden von Märchen-Retros gewonnen …

Dennoch habe ich heute die bestplatzierte orthodoxe Beweispartie ausgesucht. Ofer Comay ist eher als Hilfsmatt-Verfasser bekannt; weitaus die meisten seiner Aufgaben in der PDB sind Hilfsmatts.

Ofer Comay
Champagne-Turnier 2024, 3. Preis Abt. A
Beweispartie in 19,5 Zügen (16+13)

 

Zumindest der Süden das Diagramms schaut ja eher wie ein klassisches Auflöse-Retro aus als eine Beweispartie — speziell der Südwesten mit den drei schwarzen Steinen und der ungewöhnlichen Anordnung der weißen Steine reizte mich sofort, die Aufgabe zu lösen.

Auch zeigen die Bauern überhaupt keine Spur von Schlägen: Nun, bei Weiß sind eh alle Mann an Bord, aber bei Schwarz fehlen ein Springer sowie [Bf7] und [Bg7]— ohne Bauernspuren sind sie verschwunden, können auch nicht von Bauern geschlagen worden sein.

Das Züge-Zählen hilft auch nicht sehr viel weiter: Bei Schwarz sehen wir 1+2+7+4+2+1=17 Züge — zwei sind also noch frei.

Und bei Weiß ist die Sache ja noch fataler: 0+0+2+2+0+4=8 das sind nur 40 Prozent der weißen Züge!

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