Retro der Woche 40/2026

Ich komme noch einmal auf den Retro-Preisbericht von Phénix für das Jahr 2024 zurück: Nachdem wir in den Retros der Woche 36 und 37 bereits zwei Preisträger, ein klassisches Retro und eine Beweispartie, gesehen hatten, soll nun ein orthodoxer Verteidigungsrückzüger folgen. Wir erinnern uns: Schwarz versucht mit seiner (natürlich nur legaler) Rücknahme zu verhindern, dass Weiß nach der angegebenen Retro-Zügezahl sein Vorwärts-Ziel erreichen kann. Beim Typ Proca bestimmt jede Partei selbst, ob ihr Rücknahmezug einen Schlagfall darstellt und bestimmt auch den entschlafenen Stein — natürlich gilt auch hierfür die Legalität als Voraussetzung.

Joaquím Crusats
Phénix 2024, Spezialpreis
-9 & #1 VRZ Proca (12+8)

 

Sieben der acht fehlenden schwarzen Steine können im Diagramm direkt nachvollzogen werden: Es fehlt [Lf8], der offensichtlich zu Hause geschlagen wurde, und die weißen Bauern haben sechs Mal geschlagen — wie genau, können wir nicht erkennen. Aber z.B. könnte einer der Bauern auf der c-Linie von a2 kommen, und wBd6 von h2: Insgesamt sind für die weiße Bauernstruktur mindestens sechs Schläge erforderlich.

Müsste Schwarz nach einem Warte-Rückzug, z.B. R: 1.e2-e3 mit 1.– h7-h6 antworten, wären wir schon am Ende: R: 2.Sh6xTg8 & vor 1.Sf7# — aber Schwarz nimmt natürlich schlauer 1.– Kh7-h8 zurück.

Nun gilt es einen Weg zu finden, Schwarz genau zu der „schlechten“ Rücknahme zu zwingen.

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Retro der Woche 23/2026

Vor 30 Jahren, beim Märchenschachtreffen 1996 in Andernach, demonstrierte Hans Heinrich Schmitz seine neueste Erfindung: „Frisch Auf Circe“. Der zunächst seltsam klingende Name hat etwas mit seiner neuen Heimatstadt zu tun: Als Rentner war er aus Weimar nach Göppingen, zwischen Stuttgart und Ulm gelegen, umgezogen. Und dieser Ort war vor allem bekannt durch seinen Sportverein, der in der ersten Handball-Bundesliga spielte: Frisch Auf Göppingen. Eine Hommage also an seinen Wohnort.

Klaus Wenda war einer der Autoren, der sich gleich mit diesem neuen Mitglied der Circe-Famile beschäftigte, die das Schwalbe-Lexikon so definiert: „Wenn in einer Circe-Aufgabe bekannt oder eindeutig nachweisbar ist, dass eine orthodoxe Figur auf dem Brett durch Umwandlung entstanden ist, ist sie bei ihrer Wiedergeburt (jedesmal) wie eine Märchenfigur zu behandeln: Sie wird also wiedergeboren auf dem Umwandlungsfeld der Linie, auf der sie geschlagen wurde.“

Klaus Wenda
feenschach 1996
s#1 vor 4 Zügen, VRZ Proca, Frisch Auf Circe (12+3)

 

Nicht überraschend wählte Klaus, der bekennender Circe-Fan war und sich auch mit Verteidigungsrückzügern beschäftigte — er sollte später ja den unglaublichen Aufschwung des Anticirce-VRZ initiieren — die Proca-Form für diese Aufgabe.

Und ebenfalls sollte uns nicht überraschen, dass wir es hier mit Neudeutschem Gedankengut zu tun haben. Wenn man überlegt, welcher Stein denn gezwungen werden könnte, den weißen König matt zu setzen, so stellt man schnell fest, dass der erst noch entschlagen werden muss: Die Bauern sind dazu natürlich nicht in der Lage.

So kommt man vielleicht auf den Gedanken, dass ein weißfeldriger schwarzen Läufer entschlagen werden könnte: Schließlich ist c8 besetzt, sodass er unter Circe-Bedingung entschlagen werden kann.

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Retro der Woche 20/2025

In dieser Woche erschien die zweite Ausgabe von Probleemblad in diesem Jahr und darin die Lösung einer Aufgabe, die ich schon im aktuellen WCCI gesehen und für eine Vorstellung hier vorgesehen hatte.

Vor zwei Wochen hatte ich hier bereits einen Verteidigungsrückzüger von Joaquim Crusats vorgestellt; heute soll ein zweiter kommen. Ich hoffe, ihr findet diese Forderung, die den „Kampf“ in die Retroanalyse bringt, genauso interessant wie ich?

Joaquim Crusats
Probleemblad 2024
-8 & #1, VRZ Proca (14+12)

 

Der schwarze Doppelbauer auf der a-Linie zeigt, dass die beiden fehlenden weißen Steine (ein Bauer und ein Springer) von der c-Linie aus geschlagen wurden. Bei Weiß sehen wir die Schläge fxg, gxh und cxd7; bei Schwarz fehlen [Bh7], die beiden Springer und die Dame; ein Schlag ist also noch frei.

Wenn wir suchen, wie Weiß mattsetzen könnte, verfallen wir vielleicht gleich auf ein Damenmatt auf der achten Reihe — ja, warum geht nicht einfach R 1.Sb5-d4 Tc8-d8 2.Dd8-e7 & 1.Qxc8#? Das ist illegal, da Schwarz davor keinen letzten Zug hat! Und 2.Dd8xSe7, (droht 2…S-e7+ 3. & 1.Dxc8#) scheitert an 2…Sd5-e7+ und der Vorwärtsverteidigung …Sb4#.

Also sollten wir versuchen, diesen Hauptplan vorzubereiten.

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Retro der Woche 10/2024

Zum Abschluss unserer Tour durch den Retro-Preisbericht der Schwalbe in den letzten Wochen möchte ich euch einen Verteidigungsrückzüger vorstellen, der nach meinem Eindruck sehr originell „logische“ VRZ-Strategie mit klassischen Elementen der Retroanalyse verbindet: eine höchst interessante Verbindung, mit der sicher noch manche originelle und tiefgründige Ideen darstellbar sind.

Das ist immer schwer zu sagen, aber nach meinem Geschmack gehört gerade deswegen das heutige Stück eher in die Preisränge, als „nur“ mit einer ehrenden Erwähnung ausgezeichnet zu werden.

Sergio Orce
Die Schwalbe 2003, 1. ehrende Erwähnung
#1 vor 4 Zügen, VRZ Proca (12+8)

 

Die Idee ist, „irgendwie“ Th8-h1 zurückzunehmen; sodass Schwarz dann einen Königs- oder Turmzug auf der achten Reihe zurücknehmen muss, wonach R: 1.Lh7-g8 & vor: TxT# zum Ziel führt.

Dem steht aber zunächst noch die schnöde Königsflucht entgegen: Wenn wir unseren Hauptplan gleich ausführen, kann Schwarz einfach mit R: 1.– Kd7-c8 oder auch Rücknahme der langen Rochade seinen König dem Mattnetz entziehen. Dagegen können wir leicht etwas tun, indem wir die siebte Reihe zumauern:

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