Retro der Woche 36/2026

Kürzlich erschien der Preisbericht der 2024-er Phénix Retros , den Andrij Frolkin sorgfältig und schnell wie immer erstellt hat. Er konnte fünf Aufgaben mit einem Preis und eine weitere mit einem Sonderpreis auszeichnen. Die sechs Stücke verteilen sich gleichmäßig auf Beweispartien, klassische Retros und Verteidigungsrückzüger — bemerkenswert, dass alle Aufgaben orthodox sind: Das ist heute recht selten, wo immer mehr Märchenretros bebaut und publiziert werden.

Michel Caillaud konnte mit jeweils einem Stück in diesen drei Kategorien den ersten, vierten und fünften Preis ergattern; ich möchte euch heute aus diesem Trio das klassische Auflöse-Retro vorstellen

Michel Caillaud
Phénix 2024, 5. Preis
Erster Zug des weißen Königs? (13+13)

 

Bei Weiß fehlen Dame, Turm und der weißfedrige Läufer, bei Schwarz die beiden Läufer und ein Bauer. Der Käfig im Westen lässt sich nur mit R: 1.Kb5-a5 d7xXc6+ auflösen. Es schaut so aus, als könne dazu der Käfig im Südosten relativ einfach geöffnet werden, um dabei dann die Voraussetzungen für die Öffnung der gesamten Stellung zu schaffen: Tg1-g2, g2-g3 nebst g3xYh2.

Das würde bedeuten, dass vor g2-g3 bereits [Dd1] und [Lf1] zu Hause auf der ersten Reihe sein müssten, da sie ansonsten illegal ausgesperrt wären. Damit bliebe für Y nur der zweite weiße Turm übrig, sodass dann im Südosten beide Türme eingemauert wären, ohne dass einer nach a1 gelangen könne — also illegal.

Deswegen kann der Südosten nur geöffnet werden durch Kreuzschlag der g- und h-Bauern. Der weiße Springer auf h1 zeigt, dass dort Schwarz nicht umwandeln konnte. Daher geschah h2xBg3 und g2xLh3; auf der anderen Brettseite a3xLb4, und Schwarz schlug a4xZb3.

Wie können wir nun alles zusammen-puzzlen? Vielleicht wollt ihr eure eigenen Überlegungen dazu anstellen, bevor ihr den Lösungsweg anschaut?

Lösung

Im Osten wurde also Sg3-h1 gespielt, gefolgt von h2xBg3, h7-h2, d7xc6, Lc8-h3 und g2xLh3. Bevor Schwarz d7xc6 gespielt hat, muss der weiße König schon mindestens auf b5 stehen. Ihm muss also durch SxLf1! Platz geschaffen worden sein, damit Weiß rochieren konnte. Anschließend konnte gespielt werden, wie wir uns das schon überlegt hatten, sodass dann a7-a4 und wK-h2-a5 erfolgen konnten. Schwarz spielt Db1, Ta2, Sa3, Weiß Sa1 und Tc6. Die weiße Dame wird auf b3 geschlagen, nach a4xDb3 kann der zweite Springer auf a4 den auf a3 ablösen, Und dann ist das weitere Rückspiel ziemlich einfach.
Der erste Zug des weißen Königs war also 0-0!

Ein komplexes Rücknahmespiel, das zeigt, dass auch heute noch höchst interessante klassisch-orthodoxe Retros gebaut werden können. Und das freut mich persönlich sehr!

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