Kürzlich erschien der Preisbericht der 2024-er Phénix Retros , den Andrij Frolkin sorgfältig und schnell wie immer erstellt hat. Er konnte fünf Aufgaben mit einem Preis und eine weitere mit einem Sonderpreis auszeichnen. Die sechs Stücke verteilen sich gleichmäßig auf Beweispartien, klassische Retros und Verteidigungsrückzüger — bemerkenswert, dass alle Aufgaben orthodox sind: Das ist heute recht selten, wo immer mehr Märchenretros bebaut und publiziert werden.
Michel Caillaud konnte mit jeweils einem Stück in diesen drei Kategorien den ersten, vierten und fünften Preis ergattern; ich möchte euch heute aus diesem Trio das klassische Auflöse-Retro vorstellen
Phénix 2024, 5. Preis
Erster Zug des weißen Königs? (13+13)
Bei Weiß fehlen Dame, Turm und der weißfedrige Läufer, bei Schwarz die beiden Läufer und ein Bauer. Der Käfig im Westen lässt sich nur mit R: 1.Kb5-a5 d7xXc6+ auflösen. Es schaut so aus, als könne dazu der Käfig im Südosten relativ einfach geöffnet werden, um dabei dann die Voraussetzungen für die Öffnung der gesamten Stellung zu schaffen: Tg1-g2, g2-g3 nebst g3xYh2.
Das würde bedeuten, dass vor g2-g3 bereits [Dd1] und [Lf1] zu Hause auf der ersten Reihe sein müssten, da sie ansonsten illegal ausgesperrt wären. Damit bliebe für Y nur der zweite weiße Turm übrig, sodass dann im Südosten beide Türme eingemauert wären, ohne dass einer nach a1 gelangen könne — also illegal.
Deswegen kann der Südosten nur geöffnet werden durch Kreuzschlag der g- und h-Bauern. Der weiße Springer auf h1 zeigt, dass dort Schwarz nicht umwandeln konnte. Daher geschah h2xBg3 und g2xLh3; auf der anderen Brettseite a3xLb4, und Schwarz schlug a4xZb3.
Wie können wir nun alles zusammen-puzzlen? Vielleicht wollt ihr eure eigenen Überlegungen dazu anstellen, bevor ihr den Lösungsweg anschaut?
Ein komplexes Rücknahmespiel, das zeigt, dass auch heute noch höchst interessante klassisch-orthodoxe Retros gebaut werden können. Und das freut mich persönlich sehr!