Bei den Beweispartien scheint die Steigerung bei der mehrfachen Darstellung von Themen immer schwieriger zu werden. Im Retro der Woche 33/2026 hatten wir uns mit der Vierfach-Darstellung des Prentos-Themas beschäftigt — der Sprung von der Drei- auf die Vierfachsetzung ist schon so etwas wie Bob Beamons Weitsprung bei den olympischen Spielen 1968 in Mexico City …
Daher werden immer neue Möglichkeiten der Darstellung gesucht, etwa kombiniert mit anderen Themen. Heute wollen wir uns anschauen, was die beiden argentinischen Beweispartie-Spezialisten sich ausgedacht haben, dessen Ergebnis den zweiten Preis im Phénix-Retroturnier 2024, auf das wir letzte Woche bereits eingegangen waren, erreichte.
Phénix 2024, 2. Preis
Beweispartie in 34 Zügen (13+11)
Die Inventur zeigt uns, dass bei Schwarz neben dem offensichtlich zu Hause geschlagenen [Lc8] noch die vier Königsflügel-Bauern fehlen. Ähnlich schaut es bei Weiß aus: [Lf1] fehlt zusammen mit zwei Bauern das Königsflügels.
Besonders auffällig aber ist der weiße Bauer auf a7: Der hat auf seinem Weg dorthin, von e2 kommend, vier Steine geschlagen: die vier fehlenden schwarzen Bauern können es nicht gewesen sein, also können wir hier eine Häufung von Umwandlungen und Opfer entweder der Original- oder der Umwandlungssteine erwarten, da ja nur Material auf dem Brett steht, das auch im Figurenkasten vorhanden ist.
Zählen wir die weißen sichtbaren Züge, so kommen wir auf 3+1+4+3+5+8=24, bei Schwarz nur auf 1+0+2+0+3+2=8. Das aber sollte uns nicht zu sehr erschrecken, denn wir hatten ja schon vier Umwandlungen mit 20 zusätzlichen Zügen einkalkuliert. Somit bleiben Schwarz nur sechs Züge, um vier Steine loszuwerden — mit anderen Worten: Schwarz muss sich sputen.
Versuchen wir zu überlegen, wo die schwarzen Umwandlungen erfolgen konnten? Gehen wir einmal von vier Umwandlungen aus, denken wir dabei auch an die möglichen Schlagfelder, so ist g1 höchst “verdächtig”, da es gleich drei Bauernumwandlungen ermöglicht für Steine bereits auf der “verdächtigen” diagonale d4-a7; die vierte Umwandlung könnte dann schlagfrei auf e1 erfolgt sein. Dafür benötigen wir zwei Schlagopfer: [Bg2] sowie [Lf1] — und irgendwie müssen wir dann aktiv [Bh2] so loswerden, dass damit der Schlag c7xb6 erklärt werden kann.
Könnte der nicht schlagfrei auf h8 in einen Springer umgewandelt werden, der dann in drei Zügen auf c8 schlägt und sich anschließend auf b6 opfert? Dann wären zusammen mit dem erforderlichen Lf1-g2 auch alle weißen Züge erklärt.
Bevor ihr nun die konkrete Zugfolge erarbeitet, überlegt bitte, warum sich [Lf1] nicht irgendwo auf der e-Linie opfern konnte und so dem Schwarzen eine Umwandlung ersparen würde?
Das finde ich schon beeindruckend: Vier schwarze Ceriani-Frolkin-Steine werden auf einer Diagonale von einem Bauern geschlagen, und nach dessen letzten Schlag verschließt Schwarz die Diagonale — mittels Schlag eines weißen Ceriani-Frolkin-Steins!