Retro der Woche 33/2026

Vor drei Wochen hatte ich es hier ja schon angedeutet, dass ich noch einmal auf das Thema “Häufung von Prentos-Umwandlungen” zurückkommen wollte, und mit dem Hinweis auf den heutigen Tag konnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, dieser Beitrag habe nun etwas mit dem gestern gestarteten WCCC in Magdeburg zu tun und/oder mit dem August-Schwalbe-Heft.

Zum Start des WCCC gestern ist auch die August-Schwalbe erschienen, daher “und” …

Neben vielen anderen interessanten Beiträgen in diesem Heft gibt es auch den Artikel “Vierfachdarstellungen des Prentos-Themas in orthodoxen Beweispartien” von Silvio Baier, in dem er das vorstellt, was man nach meinem erwähnten “Retro der Woche” vielleicht schon erwarten konnte — das macht aber die Sensation nicht kleiner, denn er berichtet nicht nur von einer Darstellung, sondern gleich von sechs!

Ein wenig erinnert mich das an die Geschichte des orthodoxen Babson-Tasks: Erst Jahrzehnte lang für nicht darstellbar gehalten, dann zeigte sich, dass es doch geht — und sogleich entstanden auch andere Grund-Schemata, die dieses schwierige Thema bewältigen.

Schauen wir uns doch die Erstdarstellung aus dem Februar-Heft der Schwalbe an:

Silvio Baier, Reto Aschwanden & Jochen Schröder
die Schwalbe 2026
Beweispartie in 24,5 Zügen (14+11)

 

Wie vor drei Wochen Homebase-Stellung, dieses mal bei Schatz — also zählen wir die sichtbaren weißen Züge: Das sind 4+1+5+3+3+5=21 — vier Züge frei!? Zunächst erkennen wir, dass in drei Zügen sowohl [Ta1] als auch [Th1] nach g4 gelangen können, dass auch beide in zwei Zügen nach g2 kommen können.

Und dann fällt sicher auf, dass der schwarze Königsturm fehlt: Den muss also der nun auf e5 stehende Springer abgeholt haben. Statt nur zwei Züge benötigte der also (mit Zwischenstop auf f4 oder e5 weitere vier Züge, um auf h8 zu schlagen — und damit sind alle weißen Züge erklärt, keine mehr frei.

Das aber hilft sofort weiter, weil wir daraus eine Menge Schlussfolgerungen ziehen können:
Die beiden fehlenden weißen Bauern [Bb2] und [Bc2] können nicht gezogen haben, wurden daher zu Hause geschlagen.
Die weißen Bauern können nicht geschlagen haben. Denn dafür müsste mindestens einer der Doppelschritte aufgeteilt werden in zwei Züge — dafür haben wir keine Zeit. Und deswegen kann auch Bg3 nicht von h2 kommen.
Also wurden die vier fehlenden schwarzen Bauern von weißen Offizieren geschlagen.
Schauen wir uns nun die weißen Züge an, so stellen wir fest, dass keiner der schwarzen Bauern als Bauern geschlagen worden sein kann; alle müssen umgewandelt haben und wurden dann als Umwandlungssteine, also als Offiziere, von weißen Offizieren geschlagen.

somit haben wir, ohne auch nur einen einzigen Zug ausgeführt zu haben, bereits das Thema als das in der ArtikelÜberschrift genannte erkannt: Vierfach-Prentos!

Noch wissen wir nicht, in welche Offiziere sich die schwarzen Bauern umgewandelt haben, ebenso kennen wir noch nicht Schlagtäter und -ort.

Das aber sollt ihr sicherlich selbst herausfinden!?

Lösung


Bemerkenswert nicht nur, wie elegant diese Erstdarstellung des Themas ist, wie zeitökonomisch sie ist — bemerkenswert auch die Einheitlichkeit der Umwandlungen und im Kontrast dazu die Abwechslung bei den Schlagtätern. Also kein typischer Task, der das gestellt Thema “krumm und schief” realisiert, dem man die Kraftanstrengung deutlich anmerkt, sondern dies gleich in einer Top-Darstellung: Die legt gleichzeitig die Messlatte für Folgedarstellungen sehr hoch!

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