Im letzten Retro der Woche habe ich begonnen, einige Aufgaben aus dem Kostas-Prentos-Geburtstagsturnier vorzustellen. Angefangen hatte ich mit einer orthodoxen Beweispartie, heute möchte ich das höchstplatzierte Märchen-Retro, ebenfalls eine Beweispartie, vorstellen.
„make&take“ ist eine ziemlich wilde Märchenbedingung, die das Schwalbe-Lexikon so definiert, wobei ich viele Feinheiten erst einmal weglasse: „Ein Schlagzug besteht aus der Zusammensetzung eines Normalschachschlags und eines nichtschlagenden Zuges. Ein Stein X wird durch einen Stein Y der anderen Partei geschlagen, indem Y zunächst einen nichtschlagenden Zug in der Gangart von X ausführt und daran anschließend, aber als Bestandteil desselben Zuges, den Stein X gemäß Normalschachregeln schlägt. Ohne einen vorangehenden make-Teil kann kein Schlag ausgeführt werden.“
Das ist schon ziemlich vogelwild; damit ist ein Narrenmatt scheinbar im ersten schwarzen Zug möglich, zum Beispiel 1.g2-g3 Bb7-g2xf1=T#?! Der schwarze b-Bauer will den weißen Läufer schlagen, zieht dazu also nichtschlagend wie ein Läiufer, um ihn dann nach Bauern-Manier zu schlagen. Da nach der Umwandlung der weiße König keinen schlagfreien Turmzug hat, ist es also matt? Nein, denn auch Schwarz hat ja für den Umwandlungsturm keinen schlagfreien Zug à la König, um dann als Turm zu schlagen. Andererseits ist nun welcher Stein gefesselt?
Kostas-Prentos-60-Turnier, 6. Preis
Beweispartie in 9.5 Zügen, make&take (12+11)
Mit diesen Überlegungen wissen wir schon eine Menge über den letzten weißen Zug, denn der schwarze König steht im Schach (D-g7xKf7). Also muss die Dame nach h8 gezogen haben. Und sie muss dort durch Umwandlung entstanden sein. Kann sie nicht als Dame schlagend dorthin gelangt sein? Nein, denn sie hätte immer erst nach g7 ziehen müssen — und von dort hätte natürlich bereits der schwarze König im Schach gestanden.
Stünde allerdings der wTc8 auf g3, so wäre als letzter Zug Tg7-g3+ möglich gewesen — ihr sehrt schon, da gehen die verrücktesten Sachen!
Vielleicht versucht ihr noch herauszufinden, ob wTc8 oder sLc1 notwendig Umwandlungssteine sein müssen oder ob sie auch als Originalsteine dorthin gezogen haben könnten?
Heute empfehle ich euch, die Lösung zwei oder drei Mal durchzuspielen: Beim ersten Male flott, nur staunend, beim zweiten oder auch dritten Male hingegen genau überlegend, wie gerade die Schlagzüge funktionieren.
Kostas Prentos schreibt in seinem Preisbericht: „Nach dem dritten weißen Zug hat es bereits drei thematische Schläge gegeben. Der Schlag des vierten Offiziers ist mehr im Sinne des Turniers realisiert: als Schnoebelen-Springer“. Interessant, dass die Steinart der Umwandlung festgelegt ist, obwohl er sofort im nächsten Zug geschlagen wird: Nur das Loch auf g2 ermöglicht das.
Und die Zusammenfassung des Richters: „Eine technisch ambitionierte Realisierung des Themas in einer hoch konzentrierten Märchen-Beweispartie.“
Übrigens, wenn ihr glaubt, das Stück müsse doch garantiert nebenlösig sein: Es ist Computer-geprüft!