Retro der Woche 19/2020

Ich hatte es ja vor zwei Wochen schon angekündigt: Zu der dort vorgestellten Aufgabe will ich heute noch ein „Vergleichsstück“ vorstellen – nicht, um selbst diesen Vergleich mehr oder weniger vollständig durchzuführen, sondern um euch einzuladen, das selbst zu machen, also die Aufgabe vom 19. April noch einmal hervor zu holen und gedanklich neben das heutige Stück zu stellen. Das ist sicherlich sehr spannend für euch selbst, und wenn ihr dann eure Ergebnisse im Kommentar postet, auch für andere Le/öser.

Silvio Baier, Version Roberto Osorio
Die Schwalbe 2015
Beweispartie in 30,5 Zügen (13+10)

 

Wahrscheinlich sofort springt der schwarze Bauer a2 ins Auge: das muss der [Bd7] sein, der sich bis zur a-Linie durchgefressen hat. Gleichzeitig fehlen bei Weiß „nur“ drei Bauern, die aber [Bd7] zumindest nicht alle selbst entsorgt haben konnte; wir können also mit drei weißen Umwandlungen rechnen?

Zählen wir einmal die sichtbaren weißen Züge: 4+1+1+4+3+5=18 –- es sind also „nur“ 13 Züge frei, Weiß kann also nur zwei Umwandlungen gespielt haben, einen der fehlenden Bauern muss also der schwarze Eindringling selbst geschlagen haben.

Das könnte [Be2] gewesen sein? Der müsste allerdings mindestens drei Züge bis c5 oder c6 gemacht haben, um als Schlagopfer für [Bd7] in Frage zu kommen. Die aber hat er nicht, da ja die beiden Umwandlungssteine (oder ihre originalen Entsprechungen) noch aktiv bei ihrem Verschwinden mithelfen müssen.

Was müssen wir daraus schließen? Es kann nur [Ba2] vom [Bd7] direkt geschlagen worden sein! Und damit sind alle vier weißen Damenflügel-Bauern “Betrüger-Bauern“, die von e2 bis b2 und nicht von d2 bis a2 kommen.

Und damit müssen wir auch unsere Zählung korrigieren: [Lf1] kann dann c2 wegen e2xd3 erst in drei Zügen erreicht haben, es bleiben also nur 12 weiße Züge frei. Damit ist klar, dass [Bf2] und [Bh2] je einmal schlagend auf g8 in Läufer umgewandelt haben, die sich dann auf der Diagonale g8-a2 geopfert haben, und damit sind auch alle weißen Schlagfälle erklärt.

Und damit müssen sich [Be7], [Bf7] und [Bh7] schlagfrei umgewandelt haben, um verschwinden zu können.

Mit diesen Informationen ist das weiße Spiel ja schon so gut wie klar; versucht ihr euch nun an der kompletten Lösung?

Lösung

Damit ist auch die inhaltliche Verwandtschaft mit dem Retro der Woche 17/2020 klar: Ceriani-Frolkin versus Betrügerbauern. Vom Schema her farbvertauscht, aber das ist bei Beweispartien ja eher eine technische Freiheit als ein inhaltlicher Unterschied.

Und nun bin ich auf eure vergleichende Analyse gespannt!

2 thoughts on “Retro der Woche 19/2020

  1. It’s indeed very interesting to study the progress shown in the three compositions with similar thematic content:
    The first one (week 17/2020) has „only“ three impostor pawns on a6, b6 and c6. 5 homebase officers.
    The second (week 19/2020) raises the bar to four impostor pawns on a5, b3, c3 and d3, with an addition CF(s) , but also an additional „technical“ capture of bBg7 due to the promotion of wPf2 instead of wPg2. 9 homebase officers.
    The last (week 07/2017) has 5 impostor pawns, ideally placed on a3, b3, c3, d3 and e3. 6 homebase officers.
    The economy of time and economy of material are fully respected in all three compositions – 30.5 moves being necessary to show the thematic content.
    Now, the most interesting part is to follow the paths of the Ceriani-Frolkin Bishops and Queens. For obvious reasons, the Bishops will need one move, while the Queens at least two moves. Surprisingly, in the last problem the bQh1 makes three moves (Qh1-c6-a4-a3) in order to reach its destination.
    These examples convincingly show how the retros proof games gradually progress, by successively building on previous compositions. Each small step forward requires a lot of energy: finding the proper motivations for the interplay is a time consuming effort.

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