Retro der Woche 28/2018

Sind wir mit dem letzten Retro der Woche weit zurück in die Geschichte gegangen, so sind wir heute – Achtung, Wortspiel! – brandaktuell.

Wie immer lag bereits in der Woche zuvor die neue Ausgabe Juli bis September von StrateGems bei mir im Briefkasten, und neben den sechs Retros im Urdruckteil gibt es sechs weitere Beweispartien als Urdruck in der 10. Folge der „Future Proof Game chronicle“ anzuschauen. Eine dieser Beweispartien möchte ich heute mit euch teilen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2018
Beweispartie in 20,0 Zügen (12+15)

 

In der Serie geht es den Autoren im Moment darum, die ersten sieben Folgen zu aktualisieren; wir können also hier ein „Future Proof Game“ (Mindestens zwei Themen werden jeweils mindestens doppelt gesetzt) am Puls der Zeit erwarten.

Bei Weiß sehen wir nur vier Züge, allerdings fehlen gleich vier Steine, die möglicherweise auch irgendwie gezogen haben müssen. Bei Schwarz können wir sicherlich Erfolg versprechender zählen, und wir sehen dabei 2+0+3+2+2+11=20 Züge; alle schwarzen Züge sind demnach erklärt.

Nun können wir sofort mehrere Schlüsse ziehen. Der sofort offensichtliche ist, dass der fehlende schwarze Bauer zu Hause geschlagen worden ist; er hatte ja keine Zeit, einen Zug zu machen.

Weiterhin fallen die beiden Bauern auf der d-Linie auf: Wie können sie aneinander vorbeigekommen sein? Bd6 kommt offensichtlich schlagfrei von d2: Er kann ja nicht um [Bd7] herumgeschlagen haben, da er dafür zwei Schlagfälle benötigen würde. Das kann der sBd3 gemacht haben, wenn er von d7 kommt – er kann aber auch von f7 kommen, und dann käme sBf3 von d7: Das würde vier Schläge durch Schwarz erfordern; vier weiße Steine fehlen.

Der Lösung ein deutliches Stück näher bringt uns nun der sTh2. Ich hatte eben munter drei Züge für die schwarzen Türme gezählt, und da damit alle schwarzen Züge erschöpft sind, können die schwarzen Steine auf der achten Reihe ihm keinen Platz gemacht haben, da sie komplett nicht gezogen haben.

Dass [Ta8] aus seinem Zuhause herausgekommen ist, setzt also voraus, dass er über die a-Line kam: Ta-a-h-h2. Das aber setzt voraus, dass Schwarz vorher axb6 gespielt hat – und anschließend noch bxa6 – im Nordwesten hat es also zwei Bauernschläge gegeben.

Und damit wissen wir auch, dass sBd3 wirklich der [Bd7] ist, da für das Kreuzen von [Bf7] und [Bd7] die Schlagfälle fehlen.

Bei Weiß fehlen die beiden Läufer: die würden ja prinzipiell reichen, das Umgehen des [Bd2] durch [Bd7] zu ermöglichen, aber wir brauchen ja noch die Schlagopfer auf b6 und a6. Also müssen die beiden fehlenden [Bg2] und [Bh2] umgewandelt haben: Da bei Schwarz [Bg7] zu Hause geschlagen wurde, haben beide auf g8 umgewandelt, [Bh2] zuerst, weil er ja den Weg frei machen musste.

Damit ist es sicher nicht mehr allzu schwierig, die Lösung zu finden:

1.h4 f5 2.h5 f4 3.h6 f3 4.hxg7 h5 5.d4 Sh6 6.g8=L Lg7 7.Lc4 d5 8.Le3 dxc4 9.d5 Lf6 10.Lb6 axb6 11.e3 Ta4 12.Ld3 cxd3 13.d6 Th4 14.g4 Th2 15.g5 h4 16.g6 h3 17.g7 Kf7 18.g8=L+ Kg6 19.Lc4 Sf7 20.La6 bxa6.

Sehr hübsch, dass alle geschlagenen Steine Läufer sind: Die beiden Original- und die beiden Umwandlungsläufer. Insgesamt finde ich die Darstellung des Zickzack-Schlags wieder auf die d-Linie sowie die Kreuzschläge im Nordwesten gut zueinander passend – hier halt noch verbunden durch die zwei Ceriani-Frolkin Läufer.

Die Autoren des Artikels machen darauf aufmerksam, dass der „weite Kreuzschlag“ von [Bd7] und [Bf7] rein retroanalytisch möglich sind: Nur der Zeitdruck in der Beweispartie verhindert den, da nur der den Überkreuzschlag am Damenflügel erzwingt — also echte „Betrügerbauern“ auf a6 und b6..

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