Retro der Woche 44/2018

„Auch wenn klassische Retros ihre Dominanz verloren haben, die sie einige Jahrzehnte zuvor hatten, ist es immer wieder schön, von Zeit zu Zeit einem hübschen zu begegnen. In diesem Fall ist die Retroanalyse nicht kompliziert, der Inhalt ist deutlich herausgearbeitet und reizvoll. Dass der 8. und 9. schwarze Zug umgestellt werden können, ist nur ein unbedeutender Schönheitsfehler.“ Das schrieb Preisrichter Kostas Prentos über unser heutiges Retro der Woche – na, wenn das nicht reizt, sich mit dem Stück zu beschäftigen…

Joaquim Crusats
Die Schwalbe 2014, 5. Preis
Löse auf! (15+12)

 

Schaut man das Diagramm ein wenig genauer an, fallen sofort zwei Umwandlungssteine auf: Schwarz verfügt über drei Türme, Weiß über zwei weißfeldrige Läufer. Bei Weiß fehlt nur [Lc1], der auf f4 oder auf f6 entschlagen werden muss.

Nun sollten wir überlegen, wo denn der schwarze Umwandlungsturm entstanden ist: Der kann nur auf a1 schlagfrei aus [Ba7] entstanden sein. Dafür muss [Ba2] Platz gemacht haben: Wir sehen also auf dem Damenflügel drei Bauernschläge: axb, bxa und bxc; ferner muss [Bd7] irgendwo auf seiner Linie geschlagen worden sein.

Damit sind auch alle Schläge von Weiß erklärt. Und damit wissen wir auch, dass der Umwandlungsläufer aus [Be2] schlagfrei auf e8 entstanden sein muss. Hierbei müssen wir beachten, dass ein weißer Läufer auf e8 dem schwarzen König Schach bieten würde; das erfordert noch einen Schachschutz.

Das alles bringt uns aber erst einmal in Kalamitäten, da Weiß die Umwandlung zurücknehmen muss, bevor Schwarz fxLe zurücknehmen kann, denn im Moment kann Schwarz ausschließlich Bauernzüge auf der f-Linie zurücknehmen!

Gleichzeitig benötigen wir den entschlagenen Läufer dringend, um den Südwest-Käfig zu öffnen: wLa3 muss Schachschutz geben, um Sb4-a2 zurücknehmen zu können, wonach sich der Südwesten entknoten kann.

Weiß muss also bei all seinen Manövern berücksichtigen, dass Schwarz beinahe retropatt ist, dass [Lc1] erst durch e5xLf4 zurückgenommen werden kann, wenn [Be2] bereits wieder auf e4 steht. Daher müssen für Schwarz dringend Züge generiert werden. Hierzu bietet sich nur der schwarze Turm auf h7 an: Ist die achte Reihe besetzt, kann er nach h8 pendeln.

Und das ist dann auch das Thema der Aufgabe, wie es der Preisrichter beschrieben hat:

„Das besonders attraktive Merkmal dieses Problems ist der Schutz vor Turmschachs auf der achten Reihe, anfangs durch Lh3 auf drei verschiedenen Feldern (c8, g8 und e8), und später durch seinen entschlagenen Kollegen auf d8 und f8. In diesem Schachschutz-Fest sollte nicht übersehen werden, dass sBd7 die Diagonale a4-e8 schließt und noch einen weiteren Schutzschild durch wLe8 erlaubt.“

Nun sollte es nicht mehr allzu schwierig sein, das Stück zu lösen:

R 1.Lc8-h3 Th8-h7 2.Le6-c8 Th7-h8+ 3.Lg8-e6 Th8-h7 4.Ld5-g8 Th7-h8+ 5.Lf7xBd5 d7-d5 6.Le8-f7 Th8-h7 7.e7-e8=L Th7-h8+ 10.e4-e5 e5xLf4 11.Lg5-f4 e6-e5 12.Ld8-g5 Th8-h7 13.Le7-d8 Th7-h8+ 14.Lf8-e7 Th8-h7 15.La3-f8 Th7-h8+ 16.Sb4-a2 La2-b3 etc.

Das intelligente Läuferspiel auf der achten Reihe gefällt mir sehr gut!

Ein Gedanke zu “Retro der Woche 44/2018

  1. Very enjoyable resolution retro.
    Is it a record, with Th7-h8-h7 five times?
    Retractions 8. and 9. are omitted in the solution, presumably to suppress that the black retractions can be switched here.

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