Retro der Woche 38/2018

Traditionell hatte Michel Caillaud beim WCCC wieder sein traditionelles Champagner-Turnier ausgerichtet – in diesem Jahr war der Valladão-Task gefordert: In einer Aufgabe kommen alle drei „Sonderzüge“ (Rochade, Umwandlung und en passant Schlag) vor. Das Turnier hatte zwei Gruppen: Beweispartien und andere Retros.

Heute möchte ich eine Aufgabe der „anderen Retros“ vorstellen, in der kommenden Woche kommt eine Beweispartie.

Marko Klasinc
Champagner-Turnier 2018, Abteilung B, 2. Preis
(-w & #2)* (11+12)

 

Die knapp geschrieben Forderung besagt, dass Weiß einen Zug zurücknimmt und dann in zwei Zügen mattsetzt. Dabei gibt es ein Satzspiel, d.h. Weiß kann die Mattforderung sofort erfüllen.

Schnell sieht man dieses Satzmatt 1.Dg8# — und sofort verfällt man auf die Idee, irgendeinen weißen Zug zurückzunehmen, um dann sofort Dg8# vorwärts zu spielen.

Aber so einfach ist das nicht: R 1.f2xXe3 ist illegal, da es die sDh1 einmauern würde, und R 1.d2xYe3? würde a7xZb8=L und c2-c1=L bedingen. Das aber ist illegal, da es zu viele schwarze Schläge erfordern würde: Lc1 und Th1 wurden auf der ersten Reihe geschlagen, und [Bh7] musste umwandeln, um verschwinden zu können, da alle fehlenden schwarzen Steine von Bauern geschlagen wurden.

Also suchen wir nach R 1. X und v: 1.X, droht 2.Dg8# — aber Schwarz kann sich dann mit 1.— OOO retten?!

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Hanspeter Suwe 70

Unsere Glückwünsche gehen heute nach Winsen / Holstein an Hanspeter Suwe, der dort seinen 70. Geburtstag feiert.

Hanspeter war in den 1970er Jahren Schwalbe-Sachbearbeiter gleichzeitig für Hilfsmatts, Selbstmatts und Märchenschach und ist ein vielseitiger Komponist (die PDB enthält 226 Aufgaben von ihm).

Besonders bekannt ist Hanspeter für seine Forschungen und Veröffentlichungen zur Rochade; so gab er jahrelang die diesem Spezialzug gewidmete Zeitschrift „König und Turm“ heraus.

Diese Vorliebe schlägt sich natürlich auch in seinen Kompositionen nieder, in denen er gelegentlich auch Retro-Überlegungen einfließen lässt.

Anders Lundström & Hanspeter Suwe
0-0 1979
h#3; b) + wBc4 (2/3+4)

 

Schwarz zieht bekanntlich im Hilfsmatt an, also kann in a) Weiß nicht rochieren, da offensichtlich sein letzter Zug durch Turm oder König erfolgte: 1.Te5+ Kd2 2.Td5 Tb1 3.Sc5 Tb4#. In b) hingegen kann der letzte weiße Zug natürlich auch vom Bc4 erfolgt sein, also ist die Rochade zulässig: 1.Kxc4 0-0-0 2.Kb4 Kb2 3.Sc5 Td4#. Ein hübsches Echo mit toller Zwillingsbildung: Der „Retro-Beweisbauer“ verhindert die Lösung von a), wird für die in b) nicht aktiv benötigt und daher konsequenter Weise geschlagen.

Lieber Hanspeter, lass dich heute toll feiern; ich wünsche dir für dein neues Lebensjahr(zehnt) alles Gute, natürlich ganz besonders Gesundheit!

ChessBase und Retros

Frederic Friedel, Computerschach-Urgestein und Mitgründer von ChessBase („Fritz“, Datenbanken) hat kürzlich auf deren Website eine kleinen Einführung in Retroanalyse (Retro chess — simply entertaining) gegeben. Das ist schon bemerkenswert, da Problemschach im Allgemeinen auf der ChessBase Seite keine so große Rolle spielt, sieht man von Weinhachtsrätseln und gelegentlichen Berichten von John Nunn zu Löseturnieren ab.

Noch bemerkenswerter ist, dass diesem Artikel noch eine Rezension des Keym-Buchs „Chess problems out of the box“ folgte. Beide Beiträge sind sehr lesenswert!

Und bei entsprechendem positiven Feedback (z.B. durch zahlreiche Klicks…) können wir vielleicht hoffen, dass dort, einer der weltweit bedeutendsten Schachnachrichten-Sites der Welt, in Zukunft häufiger Problemschachbeiträge im Allgemeinen und solche zur Retroanalyse im Besonderen häufiger erscheinen? Das wäre sehr schön!

Retro der Woche 37/2018

Von den französischen Retro-Lösemeisterschaften hatte ich im August zwei Aufgaben in der Rubrik „für zwischendurch“ vorgestellt Zwischendurch 54 und Zwischendurch 55). Daraus zu schließen, dort würden überwiegend relativ einfach gestrickte Aufgaben verwendet, wäre aber verfehlt, wie das heutige Stück euch sicher überzeugen wird.

Roberto Osorio & Jorge J. Lois
Phénix 2016
Beweispartie in 16,5 Zügen (15+14)

 

Hier bringt uns das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge offensichtlich nicht weiter – wie schaut es bei Weiß aus? Hier sehen wir 2+2+5+0+2+2=13 Züge. Dabei gehen wir davon aus, dass [Ke1] über d2 nach c3 gelangt ist; Weiß könnte aber auch lang rochiert haben: Das würde einen Königszug mehr erfordern, allerdings einen Turmzug weniger, wir hätten dann 3+2+4+0+2+2=13.

So oder so bleiben vier weiße Züge noch frei – wirklich?

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Retro der Woche 36/2018

Heute möchte ich wieder eine schon etwas ältere Beweispartie (20 Jahre) vorstellen, die aus mehreren Gründen bemerkenswert ist.

Michel Caillaud
Probleemblad 1998, 2. Preis ex aequo
Beweispartie in 22,5 Zügen (13+12)

 

Das häufig sehr hilfreiche Zählen der sichtbaren Züge bringt uns hier nicht viel weiter: Bei Weiß sind es 1+0+0+1+0+4=6 Züge, bei Schwarz ein paar mehr, aber auch nicht erschöpfend viele: 4+1+0+0+1+2=8 — plus die eines Umwandlungsläufers. Vielleicht hilft uns ja die Überlegung weiter, wo der entstanden sein könnte?! Nicht auf d1: Dort wäre er nicht weggekommen. Auch nicht auf f1 oder h1: Das würde mindestens vier Schlagfälle erfordern, aber bei Weiß fehlen nur drei Steine.

Also entstand er auf b1.

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Günter Büsing wieder da!

Nein, Günter Büsing war natürlich nicht von der Bildfläche verschwunden, aber lange konnte man von ihm keine neuen Aufgaben sehen: keine Hilfsmatts, speziell auch keine Beweispartien, mit denen er sich — orthodox und märchenhaft — früher recht intensiv beschäftigt hat.

Um so mehr habe ich mich gefreut, vor ein paar Tagen ausführliche Post mit einigen Urdrucken für Die Schwalbe bekommen zu haben — und mit einem Beitrag „für zwischendurch“.

Günter Büsing
Original
Beweispartie in 7 Zügen, zwei Lösungen

 

Natürlich haben beide Lösungen viele Züge gemeinsam, dennoch sind die Königswege hübsch, wie ich finde! viel Spaß beim Lösen, einen schönen Start ins erste Herbstwochenende wünsche ich euch!

Erinnerung: Brand-Gräfrath-120

Denkt bitte daran: Am 20. Oktober 2018 ist Einsendeschluss für das Brand-Gräfrath-120 Thematurnier der Schwalbe:

Gefordert sind (ohne Märchenschach, ohne A-nach-B, ohne Schach-960) OHNE Bauernumwandlungen in zwei Abteilungen: klassische Retros und Beweispartien; es steht ein Preisfonds von 500 EUR zur Verfügung.

Einsendungen bitte an Turnierdirektor Hans Gruber (Mail: hans.gruber(at)ur.de). Die genaue Ausschreibung könnt ihr auf der Schwalbe-Website finden.

Retro der Woche 35/2018

Vorbemerkung: Das heutige „Retro der Woche“ ist ein Gastbeitrag meines Sachbearbeiter-Kollegen Arnold Beine, der für Die Schwalbe die Märchenschach-Abteilung betreut. Und ein wenig märchenhaft ist auch sein Beitrag; herzlichen Dank dafür, Arnold!

Seit etwa einem Jahr findet man in den Retro-Abteilungen diverser Zeitschriften Diagramme, die aussehen wie ein — quadratisches — Nest mit Ostereiern. Die Eier zu finden ist nicht das Problem, aber den Inhalt zu erkunden, hält manche Überraschung bereit — also ein Nest mit Überraschungseiern. Die vermutlich erste Darstellung dieser Art stammt vom rumänischen Autor Vasile I. Tacu (1910-1993) und soll heute hier vorgestellt werden.

Vasile I. Tacu
Europe Echecs 1991
Stellung nach dem 6. Zug von Schwarz, #1; 31 unbestimmte Steine

 

Worum geht es? Im Diagramm ist eine Stellung abgebildet, die nach dem 6. schwarzen Zug entstanden ist. Allerdings weiß man nur, welche Felder besetzt sind; aber von dem jeweiligen „Besetzer“ kennt man weder Farbe noch Steinart. Alles ist wie unter einem Nebelschleier verhüllt. Man weiß aber noch etwas: In dieser Stellung ist ein #1 möglich. Aus diesen wenigen Informationen soll der Löser die zur Diagrammstellung gehörige Beweispartie und den anschließenden Mattzug rekonstruieren.

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