Retro der Woche 43/2018

Kürzlich stieß ich auf den Retro-Preisbericht der japanischen Zeitschrift „Problem Paradise“ für die Jahre 2015 und 2016, und das Stück, das Preisrichter Bernd Gräfrath mit dem 1. Preis ausgezeichnet hat, möchte ich euch heute vorstellen.

Ken Kousaka & Satoshi Hashimoto
Problem Paradise 2015-2016, 1. Preis
Beweispartie in 20,5 Zügen (16+13)

 

Weiß hat noch alle Mann an Bord, bei Schwarz fehlen [Bd7], [Bg7] sowie einer der beiden Türme. Die Bauern können nicht von weißen Bauern geschlagen worden sein, sie können auch nicht umgewandelt haben, da sie schlagfrei nicht zur ersten Reihe durchkommen konnten. Also wurden sie beide von weißen Offizieren geschlagen und der fehlende schwarze Turm verschwand auf f3.

Das können wir sofort beim Zählen der schwarzen Züge im Diagramm berücksichtigen: Egal welcher Turm nach f3 und nach b5 zog: Beide benötigten jeweils drei Züge.

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Bernd Gräfrath 60

Wer ist oder war eigentlich Heinrich Bertrand? Da konnte mir weder Freund Google noch Spezialist Wikipedia weiterhelfen. Egal – auf die Heinrich-Bertrand-Höhe in Mülheim an der Ruhr gehen heute ganz herzliche Glückwünsche: Dort wohnt Bernd Gräfrath, und der feiert heute seinen 60. Geburtstag!

Bernd ist hier ja allen bekannt als fleißiger Kommentator, als (Retro-)Komponist – 125 seiner 179 in der PDB erfassten Aufgaben sind Retros, davon 100 Beweispartien – als Autor vieler interessanter Aufsätze, als kompetenten Preisrichter und als Vorsitzenden der Schwalbe, wo er in Bad Segeberg heute vor drei Wochen zum zweiten Male in seinem Amt bestätigt worden war.

Unsere Zusammenarbeit war schon früh sehr gut und hat sich in den letzten zwei Jahren, seitdem ich selbst im Schwalbe-Vorstand aktiv bin, noch weiter intensiviert. Aber sie geht über das rein Problemschachliche hinaus; auch privat verstehen wir uns sehr gut, was dann auch zu verschiedenen gemeinsamen Aktivitäten führt, die Bernd im letzten April-Heft der Schwalbe so schön beschrieben hatte.

In seinen Aufgaben beschäftigt sich Bernd schon lange besonders gern mit Schlagschach-Beweispartien: Im Schlagschach ist für beide Seiten Schlagen obligatorisch, wenn es möglich ist. Der König hat keine königlichen Eigenschaften, kann also geschlagen werden oder durch Umwandlung entstehen.

Eine seiner frühesten Schlagschach-Beweispartien möchte ich hier vorstellen:

Bernd Gräfrath
Probleemblad 2003
Beweispartie in 9,5 Zügen, Schlagschach (16+13)

 

1.g4 Sf6 2.g5 Sd5 3.Lg2 f5 4.Lxd5 Kf7 5.Lxf7 Sa6 6.Kf1 Sc5 7.b4 Sa4 8.Lb3 h5 9.Lxa4 d5 10.Le8 Zwei ep-Schlag-Meidungen und eine überraschender Läufer-Tour.

Lieber Bernd, für dein neues Lebensjahr(zehnt) wünsche ich dir im Namen der Schwalbe, als Retro-Blogger und natürlich ganz persönlich alles denkbar Gute: Glück, Gesundheit, weiterhin viel Freude an und mit dem Problemschach, an und mit deinen Aufgaben für die Schwalbe!

Und nun freue ich mich auf unser gemeinsames Richten des TBBG-120-Turniers…

Retro der Woche 42/2018

James Grenfell Mauldon (9.2.1920 – 21.5.2002) zählt nicht zu den berühmtesten und auch nicht zu den produktivsten Retro-Autoren des letzten Jahrhunderts: Die PDB umfasst von ihm 18 Aufgaben, davon genau ein Dutzend Retros. Das heißt aber nicht, dass er nicht interessante Aufgaben gebaut hat; eine davon, nicht allzu schwer, wollen wir uns heute anschauen.

James Grenfell Mauldon
The Problemist 1980
Löse auf! (13+10)

 

Keiner der beiden Könige steht im Schach, sodass wir auch noch herausfinden müssen, wer mit der Rücknahme beginnt?! Hier können wir aber leicht vermuten, dass Weiß mit der Rücknahme beginnt – das müssen wir hinterher natürlich noch belegen.

Warum diese Vermutung? Weiß hat bewegliche Offiziere (Tb1, Le2), die freie Züge haben. Schwarz allerdings kann zunächst nur Bauernzüge zurücknehmen; ihm drohen daher die Züge auszugehen – und das passiert natürlich noch schneller, wenn er nun mit den Rücknahmen beginnt.

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Zwischendurch 57

Heute beginnen in NRW die Herbstferien – richtig, die Sommerferien sind kaum beendet, da geht es schon wieder los… Da habt ihr vielleicht mal wieder Lust, euch eine kleine Retroaufgabe anzuschauen und zu lösen? Heute gar eine etwas märchenhafte…

Theodor Steudel
feenschach 2006
-S & h=3, Ohneschach (2+4)

 

Hier nimmt also Schwarz einen Zug so zurück, dass anschließend ein Hilfspatt in drei Zügen erspielbar ist. Die Bedingung „Ohneschach“ bedeutet, dass nur Schachgebote, die gleichzeitig matt setzen, erlaubt sind. Schwarz am Zug dürfte im Diagramm also z.B. b1=D# spielen. Stünde dort z.B. ein zusätzliche wLh5, wäre dieser Zug nicht zulässig, da Weiß das Schachgebot ja mit Ld1 parieren könnte, also kein Matt vorläge.

Hier zeigte der Altmeister der (nicht nur Retro-) Kleinkunst ein nicht nur bei Retros beliebtes Thema.

Retro der Woche 41/2018

Wenn man mit Abzählen der sichtbaren Züge beider Parteien schon sehr nahe an die geforderte Zügezahl einer Beweispartie kommt, ist die meist eine große Hilfe beim Lösen. Sind andererseits nicht viele Züge, und das vielleicht nicht nur bei einer Partei, offen, spricht dies häufig für ein schweres Lösen, wenn nicht offensichtlich ist, dass Umwandlungen notwendig waren.

Es kann aber mit ein wenig Nachdenken auch ganz anders sein…

Etienne Dupuis
Probleemblad 1999, 2. Lob
Beweispartie in 21 Zügen (16+14)

 

Das zählen der sichtbaren schwarzen Züge ist schnell erledigt: 0+0+1+0+0+1=2 – wenn man berücksichtigt, dass [Sb8] gezogen haben muss, um [Ta8] durchzulassen, kommen wir auf 4 sofort erkennbare schwarze Züge.

Bei Weiß schaut es schon etwas besser aus: 4+0+4+0+0+4=12. Aber auch hier sehen wir schnell, dass [Sg1] für [Th1] und [Lf1]für [Ke1] Platz gemacht haben müssen – also 16 weiße Züge.

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Retro der Woche 40/2018

Gestern ist auf der Mitgliederversammlung der Schwalbe Geburtstag gefeiert worden: Die PDB ist am 29. September 2000 online gegangen, sie wurde also gestern volljährig! Entwickelt hatten sie Gerd Wilts und Hans-Peter Reich gemeinsam und mit zahlreichen Helfern initial befüllt.

Vom ersten Tag an hat sich Gerd Wilts um die Pflege und Weiterentwicklung der PDB gekümmert, hat vor allen Dingen bis vor wenigen Monaten die PDB Hardware für die Schwalbe kostenfrei betrieben. Das geht nun nicht mehr, aber er kümmert sich weiterhin um Verwaltung, Pflege und Weiterentwicklung.

Zum Dank und in Anerkennung der immensen Verdienste von Gerd Wilts um die Schwalbe und die PDB, die ja seit 2011 unter der Flagge der Schwalbe segelt, hat ihm die Vereinigung gestern die goldene Ehrennadel der Schwalbe verliehen. Dazu auch von meiner Seite, im Namen aller Retrofreunde, ein ganz herzlicher Glückwunsch!

Natürlich stelle ich zur Feier des Tages heute eine Aufgabe von Gerd vor – übrigens eine meiner Lieblingsaufgaben!

Gerd Wilts
Europe Echecs 1991,1. Preis, Andrej Frolkin gewidmet
Welches war der erste Zug des Th8? (14+12)

 

Eine zunächst völlig absurd erscheinende Frage, die der Autor da stellt: Das Nordost-Viertel des Bretts ist bis auf en Springer auf dem Themafeld vollkommen frei!

Direkt im Diagramm sichtbar sind nur zwei weiße Schläge: axb und b2xc3. Irgendwie muss auch sBh2 an der weißen Bauernphalanx vorbeigekommen sein, aber das ist noch nicht klar, wie das passiert sein kann.

Könnte vielleicht [Ba2] dreimal geschlagen haben, was dann alle fehlenden schwarzen Steine erklären würde?

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Retro der Woche 39/2018

Traditionell hatte Michel Caillaud beim WCCC wieder sein „Champagner-Turnier“ ausgerichtet – in diesem Jahr war der Valladão-Task gefordert: In einer Aufgabe kommen alle drei „Sonderzüge“ (Rochade, Umwandlung und en passant Schlag) vor. Das Turnier hatte zwei Gruppen: Beweispartien und andere Retros.

In der letzten Woche hatte ich hier eine Aufgabe der „anderen Retros“ vorgestellt, heute kommt nun wie angekündigt eine Beweispartie.

Vidmantas Satkus
Champagner-Turnier 2018, Abteilung A, 1. Preis
Beweispartie in 23,5 Zügen (13+12)

 

Das Thema ist natürlich auch in Beweispartien nicht völlig neu (auf Vergleichsaufgaben kommen wir gleich noch zurück), und es war sicher schon im Vorfeld klar, dass eine einfache Darstellung des Themas hier keine Blumentöpfe in Form von Champagnerflaschen werde gewinnen können.

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Ulrich Ring 75

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche nach Roßdorf bei Darmstadt, wo Ulrich Ring ins vierte Vierteljahrhundert startet.

Schon als Teenager war Uli ein angesehener Zweizüger-Spezialist, übernahm mit gerade mal 20 Jahren als Nachfolger von Hermann Albrecht die Schwalbe-Sachbearbeitung der Zweizüger. Mit der Zeit weitete sich sein Interesse, er konzentrierte sich, beeinflusst von John Niemann, mehr aufs Hilfsmatt, war dann in den 1980er Jahren auch ein früher Komponist eindeutiger Beweispartien.

Eine dieser Aufgaben möchte ich hier vorstellen:

Ulrich Ring
feenschach 1985, Hans Gruber gewidmet, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 13 Zügen (13+16)

 

1.a4 Sc6 2.Ta3 Sd4 3.Td3 Sxe2 4.Sc3 Sxg1 5.Df3 Sf6 6.Dc6 dxc6 7.Sd1 Sd7 8.c3 Sb8 9.Td7 Sh3 10.La6 Sg5 11.Ke2 Se4 12.Kd3 Sf6 13.Kc4 Sg8. Sehr elegante und frühe Darstellung des Platzwechsels der beiden schwarzen Springer.

ich kenne Uli schon seit ewigen Zeiten; er war in den frühen 1980er Jahren der „juniore Senior“ der „Juniorenrunde“ in Andernach (Gruber, ellinghoven, Tüngler, Büsing, Brand) — und wir haben beileibe nicht nur über (Problem-)Schach geredet, sondern über Gott und die Welt philosophiert, was mit dem studierten Theologen und praktizierenden Informatiker auch wunderbar ging und geht!

Lieber Uli, im Namen aller Leser wünsche ich dir von Herzen alles Gute für dein neues Lebensjahr, vor allen Dingen natürlich Gesundheit. Und heute lass dich toll feiern!