Retro der Woche 32/2018 — GL70

Am heutigen Sonntag feiert Günter Lauinger seinen 70. Geburtstag, und im Namen aller Leser hier gehen dazu ganz herzliche Glückwünsche nach Ravensburg. Lieber Günter, ich wünsche dir von Herzen alles Gute, vor allen Dingen natürlich Gesundheit, für dein neues Lebensjahr(zehnt)!

Günter ist Rekordhalter der Schwalbe: Weit über 30 Jahre, von Heft II/1977 bis zu Heft IV/2008, war er dort Retro-Sachbearbeiter und hat unglaublich viel zur Popularisierung unserer Lieblings-Problemgattung beigetragen: Durch seine großartig geführte Rubrik mit ausführlichen, sehr lehrreichen Lösungsbesprechungen, die auch Retro-Neulingen zugänglich waren, durch seine vielen Artikel, durch seine hervorragenden Preisberichte. Als ein weit über das Problemschach hinaus interessierter Mensch beschäftigt er sich beispielsweise intensiv mit Astronomie, wozu er auch Fachvorträge hält und auf diesem Gebiet Menschen begeistert.

Über diese vielen Aufgaben – und einen sehr zeitaufwändigen Beruf übte er ja auch noch aus – ist er leider nicht so viel zum Komponieren gekommen. Eine seiner (Gemeinschafts-)Aufgaben möchte ich hier vorstellen.

Günter Lauinger, Wolfgang Dittmann & Bernd Schwarzkopf
Die Schwalbe 1981
Welches war der drittletzte Einzelzug? (15+1)

 

Schauen wir uns zunächst die Schlagbilanz der Bauern an: Da sehen wir insgesamt 14 Schläge, nämlich z.B. [Bb2]-e5 (3), [Bc2]-g6 (4), [Bd2]-h7 (4) und jeweils ein Schlag durch f3, g3 und h4. Darüber hinaus ist einer der schwarzfeldrigen weißen Läufer durch Umwandlung des [Ba2] entstanden. Die Umwandlung muss wegen der Feldfarbe auf b8 erfolgt sein, was einen Schlag erforderte. Damit sind alle fehlenden schwarzen Steine durch Bauernschläge erklärt.

Alle Schläge sind „nach Osten“ erfolgt, können also nur „nach Westen“ zurückgenommen werden.

Und damit stellen wir auch fest, dass Schwarz keinen letzten Zug hatte: Der König kann nicht von h6 oder g5 gekommen sein, da das Doppelschach durch Weiß nicht aufhebbar ist. Ebenso schaut es mit g4 als letztes Ausgangsfeld aus.

Dabei ist es völlig egal, ob Schwarz dabei auf h5 die fehlende weiße Dame entschlägt oder nicht. Dieser Entschlag wäre sowieso nicht möglich, da das dann jeweils ein Dreifachschach gewesen wäre.

Also muss Weiß zuletzt gezogen (und damit Schwarz patt gesetzt haben): Wir müssen also so zurücknehmen, dass Schwarz einen letzten Zug bekommt.

Wenn wir etwa R 1.Sd1-f2 zurücknehmen, nützt das noch nichts, da wir dann nach 1.– Kg4-h5 das Schach durch Bf3 nicht aufheben können: Wir müssen ja „Richtung Westen“ entschlagen! Ebenso nützt es nicht, R 1.h3-h4 zurückzunehmen, da auch dann 1.– Kg5-h5 trotzdem nicht möglich ist, da wir das Schach durch Le3 nicht aufheben können.

Aber das gilt doch auch bei R 1.S~-f5, um 1.– Kh6-h5 zu ermöglichen? Doch halt, hier kommt uns vielleicht Bg6 verdächtig vor: Kann der dann nicht einen ep-Schlag zurücknehmen? Richtig, das klappt: 2.fxg6ep+ g7-g5 3.f4-f5+. Und dabei sehen wir, dass Sf5 nicht beliebig zurücknehmen darf; er muss die Linie des Tc6 verstellen. Und damit haben wir

R: 1.Sd6-f5 Kh6-h5 2.fxg6ep+ g7-g5 3.f4-f5+; der drittletzte Halbzug war also fxg6ep+.

Da sich ein ep-Schlag in Aufgaben „Letzter Zug? Typ A“ (wo also unbekannt ist, wer am Zug ist) nicht darstellen lässt, war die Idee der drei Autoren, diesen Zug im drittletzten Einzelzug zu zeigen.

Übrigens gibt es zu diesem Stück noch eine Version, siehe P0002834, die ohne Umwandlungsstein auskommt. Mir persönlich gefällt die hier vorgestellte Fassung aber besser.

Wer noch ein wenig mehr über Günter erfahren mag, der auch — quasi zum Anfang und zum Ende seiner Sachbearbeiter-Zeit – zwei Schwalbe-Tagungen in Ravensburg organisiert hatte, möge sich noch einmal den „Abschieds-Artikel“ von Hans Gruber („Ein Hoch auf Günter Lauinger“, Die Schwalbe Juni 2008, S. 457-458) zu Gemüte führen.

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