Ralf Binnewirtz 75

Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Meerbusch, wo Ralf Binnewirtz seinen 75. Geburtstag feiert.

Ralf hat sich seit vielen Jahren einen Namen als Schachbuchsammler, vor allen Dingen aber als Publizist gemacht und ist auch immer wieder auf der Seite hier vertreten: Die Rubrik Geschichte beispielsweise hat er quasi allein gestaltet.

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Retro der Woche 19/2026

Nach längerer Zeit möchte ich hier mal wieder ein klassisches Auflöse-Retro vorstellen von einem Klassiker dieses Genres hauptsächlich zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Und anhand der vorliegenden Aufgabe können wir gemeinsam ein immer wieder interessantes Thema studieren, das sich recht häufig findet und sehr flexibel und abwechslungsreich genutzt werden kann.

Alexander Kisljak
The Problemist 1997, Thomas Volet gewidmet, Lob
Löse die Stellung auf (13+13)

 
Rein optisch fallen neben dem Schachgebot durch die schwarze Dame, das zeigt, dass Schwarz mit der Rücknahme beginnen muss, vielleicht die beiden Fesselungen sSb5 und wTd7 auf. Im Vorwärtsspiel sind diese Fesselungen absolut, solange der schwarze König auf c4 und der weiße Läufer auf a6 verbleibt, könnte der Springer niemals ziehen. Das ist bei Rücknahmen anders: Stünde beispielsweise ein weißer Turm auf h5, so könnte Sa7-b5 Tb5-h5+ zurückgenommen werden: Im Vorwärtsspiel entspricht das dem Abfeuern der Batterie durch den Turmzug, das Schach wird durch Selbstfesselung des Springers pariert. Dieses Manöver wird „Retro-Entfesselung“ oder „Ablösung“ genannt.

Zunächst aber zur Schlagbilanz: Alle Schläge durch Weiß erfolgten mit seinen Bauern (a2xb3, d2xc3 und e/gxf); bei Schwarz sind nur zwei Bauernschläge sichtbar, nämlich a4xb3 und h7xg6 — ein Schlag bleibt also noch frei.

Wir hatten schon gesehen, dass Schwarz das Schach aufheben muss, also muss er mit R: 1.— Dd8-e7+ beginnen — ob dabei entschlagen wird, wissen wir noch nicht. (Wer nun selbst lösen möchte, sollte noch nicht weiterklicken!)

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Wereschtschagin-70-Turnier

Igor Wereschtschagin (* 16.8.1956) schreibt anlässlich seines 70. Geburtstags ein Jubiläumsturnier aus: Es geht um die Darstellung von Themen im Retro- und im Vorwärtsspiel.

Einsendeschluss ich der 1. Oktober 2026, Direktor und Richter der Jubilar.

Viel Spaß und Erfolg bei der Bearbeitung dieses interessanten Themenkomplexes!

Retro der Woche 18/2026

Vor einigen Tagen erschien das April-Heft von idee&form, in dem Reto Aschwanden seine Serie über Interna seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio, das ja hier auf der Site gehostet wird, mit der achten Folge fortsetzt.

Hier beschäftigt er sich mit der zentralen Komponente der Strategie-Analyse, deren Ziel es ist, den riesigen „Baum“ aller Zugfolgen zur Diagrammstellung möglichst stark zu beschneiden, um eine Chance zu haben, die Aufgabe in überschaubarer Zeit prüfen zu können.

Die Aufgabe, anhand derer Reto einige Prinzipien der Strategie-Analyse vorstellt, ist aber nicht nur unter diesem „technischen“ Aspekt interessant, sondern einfach auch eine gute, attraktive Beweispartie.

Die wollen wir uns gemeinsam anschauen — und dabei unsere eigene Strategie-Analyse durchführen.

Unto Heinonen
StrateGems 2006, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17 Zügen (13+13)

 

Zählen wir die im Diagramm sichtbaren schwarzen Züge, so kommen wir auf 2+1+3+4+3+4=17 Züge — alle schwarzen Züge sind also erklärt. Daraus können wir aber gleich weitere Schlüsse ziehen: So ist klar, dass die fehlenden schwarzen Steine, drei Bauern, auf ihren Ursprungsfeldern auf der 7. Reihe geschlagen wurden.

Auch bei Weiß fehlen drei Bauern, und von denen konnte keiner von einem schwarzen Bauern geschlagen worden sein, da alle schwarzen Bauern entweder überhaupt nicht oder exakt einmal gezogen hatten. Da die vier Bauern auf der fünften Reihe stehen, haben sie jeweils einen Doppelschritt gemacht, also nicht geschlagen.

Wo sind sie dann und von wem geschlagen worden?

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Retro der Woche 17/2026

Selten hat wohl ein unscheinbarer, kurzer Artikel solch große Wirkungen für die Weiterentwicklung der Retroanalyse gezeigt wie Klaus Wendas „Beckmesser versus Stolzing. Reflexionen zur Legalität unter der Anticirce-Bedingung“ (feenschach XI-XII/2001, S.275-277). Am Beispiel der Anticirce-Antinomie „Schwarzer Bauer unter weißem Bauer ist illegal“ wies er darauf hin, dass die traditionell wenig berücksichtigt werde, da Legalitätsfragen im Märchenschach oft nicht gestellt werden. Geht man allerdings zu Retros über, so werden solche Überlegungen natürlich relevant, können gar eine wichtige inhaltlich-thematische Rolle spielen.

Er hatte bereits einige Proca-Verteidigungsrückzüger speziell mit verschiedenen Circe-Arten gebaut, und so bot sich an, seine These mit Anticirce-Procas zu untermauern.

Auch wenn einige Beispiele des Aufsatzes sich im Nachhinein als nebenlösig erwiesen, hat Klaus damit eine nicht zu erwartende Welle losgetreten, die auch 25 Jahre später noch gelegentlich wie ein „Retro-Tsunami“ wirkt, zu vielseitigen, tiefgründigen, teils hoch komplexen Aufgaben geführt haben, die damit allerdings für den Rezipienten eine relativ hohe Einstiegshürde aufbauen. Die zu überwinden, lohnt sich aber!

Zum Gedenken an Klaus, der am 11. April verstorben ist, möchte ich euch heute ein kleines, elegantes und gut nachvollziehbares Stück von ihm aus der „AC-VRZ-Frühzeit“ vorstellen.

Klaus Wenda
idee&form 2003
#1 vor 3 Zügen. VRZ Proca, Anticirce Typ Cheylan (3+4)

 
Wir erinnern uns: Beim Typ Cheylan ist das Schlagen auf das circensische Partieanfangsfeld eines Steins nicht gestattet, da es als besetzt angesehen wird.

Bei Anticirce-Retros sind Steine auf ihren Partieanfangsfeldern besonders stark, da häufig zahllose Entschläge zurückgenommen werden können. Auch dies ist ein Grund für die Komplexität der Bedingung im Retro-Umfeld.

Hier fallen der weiße Bauer und besonders der weiße könig auf, der quasi auf dem ganzen Feld beliebige Entschläge vornehmen kann.

Welches Matt ist denn in dieser Aufgabe überhaupt denkbar? Könnten wir Schwarz zur Rücknahme der Rochade zwingen und irgendwie die 7. Reihe, speziell d7, decken, so wäre R. 1.g7-g8=L & vor: 1.g8=D# zielführend — auch unter Ausnutzung des Cheylan-Typs (1.— Sxg8??)

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Klaus Wenda 13.9.1941 — 11.4.2026

Die Problemschachwelt hat einen ganz Großen verloren: Gestern Abend ist nach gesundheitlichen Problemen in der letzten Zeit, dennoch plötzlich und unerwartet Klaus Wenda in Wien verstorben.

Ein ganz Großer war Klaus auf vielen Gebieten: Als „geborener Neudeutscher“ (Halumbirek-Schüler) wurde er auch ein großartiger und kreativer Märchenschach-Komponist, brachte mit den von ihm neu entdeckten und systematisierten „Anticirce-Procas“ völlig unerwartet neuen Schwung in den Retro-Bereich, wo er etwa Wolfgang Dittmann und Günther Weeth anregte und motivierte; natürlich war er Kompositions-Großmeister.

Gleichzeitig war er ein hervorragender Preisrichter, ein großartiger Buch- und Artikel-Schreiber, der sich intensiv beispielsweise für feenschach einsetzte — hatte er doch das „Unternehmen Ulysses“ zur Rettung der Zeitschrift mit initiiert, stets als Mentor begleitet und gefördert. Gerade erst hatte er einen Beitrag für Heft 268, das 100. seit Beginn des Ulysses-Vorhabens, zugesagt.

Und vergessen darf man auch nicht sein Engagement in der „internationalen Problemschach-Politik“, sein Einsatz für die PCCC, die WFCC, deren stets ausgleichender Präsident er von 1986 bis 1994 war, danach ihr Ehrenpräsident. Als angesehener und erfahrener Jurist brachte er für diese diplomatisches Geschick erfordernde Aufgabe ideale Voraussetzungen mit.

Die Problemschachwelt hat einen ganz Großen verloren — ich habe einen väterlichen Freund und Mentor verloren, den ich sehr vermissen werde. Seiner lieben Frau Doris mit ihrem Sohn Gregor und dessen Familie gilt meine herzliche Anteilnahme.

Retro der Woche 16/2026

Nachdem wir uns in der letzten Woche mit einer Märchen-Beweispartie beschäftigt haben, die im FIDE World Cup 2025 den zweiten Platz belegt hatte, möchte ich euch heute die in diesem Turnier erstplatzierte orthodoxe Beweispartie vorführen.

Die ist wieder ein gutes Beispiel für Stücke, wo dem ersten Anschein nach nicht viel passiert ist, was sich dann aber als falsch herausstellt.

Kostas Prentos
FIDE World Cup 2025, 1. Platz
Beweispartie in
20,5 Zügen (14+15)

 

Bei Weiß sehen wir nur 0+1+1+0+2+2=6 Züge, bei Schwarz immerhin 2+3+2+0+1+8=16. Die beiden fehlenden weißen Bauern wurden auf der b- und der g-Linie geschlagen. Bei schwarz fehlt nur ein Bauer (a oder c), und der konnte sich nicht umwandeln, also kann weißes fxg nicht geschehen sein. Also müssen beide fehlenden weißen Bauern umgewandelt haben- das relativiert auch die hohe Anzahl freier weißer Züge.

Die Umwandlungen müssen also auf f8 und auf c8 erfolgt sein, womit auch das Fehlen des schwarzen Bauern erklärt ist, womit sBb3 von a7 kommt.

Und damit sind auch „im Prinzip“ alle schwarzen Züge klar, denn wegen der Umwandlungen auf c8 und f8 mussten die dortigen Läufer wegziehen und wieder zurückkehren.

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König und Turm

Immer wieder stimmt es mich traurig, wenn eine Problemschach-Rubrik, gar eine Problemschach-Zeitung verschwindet. Um so mehr freue ich mich, wenn eine neue erscheint, oder wie hier eine bereits totgeglaubte quasi aufersteht — und das in diesem Jahr auch noch pünktlich zu Ostern!

So schrieb mir Hanspeter Suwe vorgestern:

König & Turm redivivus

Das Rochade-Magazin KÖNIG & TURM erscheint wieder. Zuletzt ist Heft 40 zu Ostern erschienen. Interessenten können aktualisierte PDF-Versionen der Ausgaben 38 bis 40 über meine eMail-Adresse 0-0suwe@gmx.de kostenfrei anfordern. Wer an Druckausgaben interessiert ist, kontaktiere mich bitte unter der oben genannten eMail-Adresse.

Der eine oder andere kann sich noch erinnern: Der Name ist Programm, es geht also immer um Rochade. Und da ist natürlich auch Retroanalyse immer wieder in der Zeitschrift zu finden; sie lohnt also gerade auch für uns!

Ich kann es euch jedenfalls mit bestem Gewissen ans Herz legen, die Zeitschrift anzuschauen, zu bestellen — ob nun elektronisch oder in Papierform!