WFCC-70-Jubiläumsturnier

Im Mai 1956, also vor beinahe 70 Jahren, wurde die (Vorläufer-Organisation “PCCC”) WFCC gegründet, und auf Anregung ihres Ehrenpräsidenten Klaus Wenda wird dieses Jubiläum mit einem Kompositionsturnier gefeiert: In den acht bekannten Abteilungen kann jeder Autor maximal eine Aufgabe (Co-Produktionen sind nicht zugelassen) bis zum 16. Juli 2026 an den Turnierdirektor Narayan Shankar Ram (wfcc70jt (at) gmail.com) einsenden; pro Abteilung sind Preise in Höhe von 200, 150 und 100 EURO ausgelobt. Preisrichter der Retro-Abteilung ist Andrij Frolkin.

Bei den Retros ist es ziemlich kompliziert, welche Forderungen bzw. Märchenbedingungen zugelassen sind (Beweispartien sind z.B. nicht zugelassen). Daher solltet ihr euch die Ausschreibungsunterlagen genau anschauen; dort ist auch der ehrgeizige Zeitplan zur Veröffentlichung der Ergebnisse angegeben: Die vorläufigen Preisberichte sollen am 15. Oktober 2026, die endgültigen am 30. November 2026 erscheinen.

Viel Spaß und Erfolg bei eurer Teilnahme an diesem interessanten Turnier!

Erinnerung: Matt mit Schach960

Ihr erinnert euch sicher noch an die Ausschreibung zum spannenden Wettbewerb des Württembergischen Schachverbandes, wo nach um besonders kurze und besonders lange Mattfolgen im Schach960 geht.

Hier zur Erinnerung: Der Einsendeschluss zu diesem Wettbewerb ist der 31. März!

Retro der Woche 12/2026

Im Oktober letzten Jahres konnten wir die Sensation verkünden, dass Reto Aschwanden mit seinem Stelvio Prüfprogramm die Korrektheit der berühmten 57,5 zügigen Beweispartie von Dmitri W. Pronkin und Andriy Frolkin nachweisen konnte. Damit sollten deutlich kürzere Beweispartien doch immer und leicht prüfbar sein?

Dass dies ein Trugschluss wäre und warum das so ist, will ich heute mit einem Beispiel aus dem Urdrúckteil der Schwalbe vom August letzten Jahres diskutieren.

Andriy Frolkin & Serhiy I.Tkatschenko
Die Schwalbe 2025
Beweispartie in 16 Zügen, Michel Caillaud gewidmet (5+8)

 
Die Aufgabe ist ziemlich kurz, die Autoren geben jedoch an, dass das Stück (nur) bis zum 13. Zug mit Stelvio geprüft ist, und auch Silvio Baier weist darauf hin, dass sich diese Beweispartie vollständiger Prüfung widersetze. Woran liegt das?

Ein „Brute Force“ Lösen ist bei nicht extrem kurzen Beweispartien ausgeschlossen: Im Schnitt gibt es in einer legalen Schachstellung etwa 30 Züge — damit etwa 30^32 16-zügige (32 Halbzüge!) Partien, das sind etwa 1,85 * 10^47 Partien. Könnte ein Computer in einer Sekunde eine Million Partien spielen, bräuchte er immer noch 1,85 * 10^41 Sekunden für alle. Ein Jahr hat im Schnitt etwa 31,6 Millionen Sekunden, wir brauchten also 5 * 10^33 Jahre für alle 16-zügigen Schachpartien. Und dann ist es auch egal, wenn davon vielleicht 90% bereits vorher wegen Matt beendet wären …

Daher suchen Prüfprogramme stets am Anfang nach möglichst umfangreichen Möglichkeiten, den „Spielbaum“ zu beschneiden, die durchschnittliche Zügezahl also so weit wie möglich zu reduzieren. So machen wir es hier auch meist, indem wir Überlegungen über die Stellung anstellen und daraus Schlussfolgerungen für den Lösungsablauf ziehen, bevor wir über konkrete Lösungszüge nachdenken.

Neben „impliziten“ Schlüssen (Schwarz hat 15 Steine, daher muss Weiß exakt einmal schlagen) sind das vor allen Dingen Feststellungen über Bauernstrukturen (… , dieser Schlag musste also mittels bxc3 erfolgen) und Abhängigkeiten von Zugreihenfolgen (g6 konnte erst nach Lh7 gespielt werden).

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Interview auf der DSB-Seite

Im Vorlauf zum großen Schachfestival in Dresden (16. bis 26. Juli 2026 — zwei Wochen vor dem WCCC in Magdeburg „um die Ecke“) hat der Dresdener Silvio Baier dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit zu Problemschach allgemein und speziell natürlich Beweispartien Rede und Antwort gestanden. Das höchst lesenswerte Interview findet ihr auf der DSB-Seite.

Viel Spaß beim Lesen!

Hilmar Alquiros 11.4.1950 — 3.3.2026

Als ich heute Morgen in meine Mailbox schaute, sprang mir eine Nachricht wegen ihres Betreffs sofort ins Auge: schlicht „Hilmar Alquiros“. So etwas bedeutet selten Gutes, und so auch hier: Lilian, seine liebe Frau, teilte mir mit, dass Hilmar am 3. März verstorben sei. Ihr, seiner Familie und seinen Freunden gilt meine herzliche Anteilnahme.

2012 sind Hilmar und Lilian auf die Philippinen gezogen, wo er sich offensichtlich trotz seiner angeschlagenen Gesundheit pudelwohl fühlte, wo er weiterhin thematisch vielseitig schreibend aktiv blieb. Wir blieben in engem Mailaustausch, immer geprägt von Hilmars hintergründigem und subtilem Humor, zu einem unglaublich breiten Themenfeld von (natürlich) Schach — Hilmar war auch ein sehr starker Partiespieler — zu Literatur, Naturwissenschaft, Religion, Philosophie, …

Seine unzähligen Veröffentlichungen schachlicher und nicht-schachlicher Art hat er sorgsam dokumentiert und viele direkt im Internet zugänglich gemacht. Ich kann euch nur empfehlen, auf seiner Website zu stöbern — und ich muss euch gleichzeitig davor warnen: Ich kenne nur wenige Seiten, auf denen ich immer wieder in die Gefahr laufe, komplett Zeit, Raum, Essen und Schlafen zu vergessen.

Zu Hilmars problemschachlichen Schwerpunkten verweise ich einfach auf meine Beiträge zu seinem 70. bzw. 75. Geburtstag.

„Über den Zaun“ blickend möchte ich euch einen humorvollen Vierzüger vorstellen, den Hilmar im Alter von 25 Jahren veröffentlicht hat. Wie immer gibt es die Lösung hier in einer Woche.

Hilmar Ebert
Welt am Sonntag 7.12.1975
#4 (2+4)

Retro der Woche 11/2026b

Eigentlich bilden Illegal Cluster ja eine merkwürdige Gruppe innerhalb der Retros: Beschäftigt sich die Retroanalyse doch stets mit Fragen der Legalität, geht es bei den IC’s ja, wie der Name schon vermuten lässt, um das genaue Gegenteil:Hier gilt es für den Löser, anhand von „Materialvorgaben“ des Autors eine illegale Stellung zu finden. Das ist normalerweise nicht schwer, davon gibt es viele. Doch die Stellung muss so sein, dass sie beim Entfernen eines jeden Steins — abgesehen von den Königen — legal wird.

Man könnte also sagen, die Stellung müsse „so gerade illegal“ sein; wollen wir uns ein solches Problem von Wolfgang Dittmann, einem ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet, anschauen:

Wolfgang Dittmann
feenschach 1978 (v)
Ergänze wKwTwTwB – sKsTsTsB zu einem Illegal Cluster (5+0)

 
Bei dieser Aufgabe springt nicht nur die Analogie der weißen und schwarzen Einsetz-Steine ins Auge, sondern auch im Diagramm die elegante Stellung und besonders, dass keiner der Könige auf dem Brett als vorgegebener Stein steht: Die Könige geben sonst häufig deutliche Hinweise auf die intendierte Lösung.

Wie kann uns denn nun die Bauernstellung helfen, eine Idee zu entwickeln, wie die illegale Stellung ausschauen könnte? Die deuten ja schon darauf hin, dass irgend etwas auf der Grundreihe passieren könnte — und was fällt uns da bei dem einzusetzenden Material sicherlich gleich ein? Die Rochade!

Könnte der Illegalitäts-Grund dann einfach ein illegales Schach oder eine illegal durchgeführte Rochade sein? Wahrscheinlich nicht, denn dafür stehen zu viele Bauern auf dem Brett, die man sich kaum als relevant für solch eine Illegalität vorstellen kann.

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Macht es mir schwer!

Wie? Was? Was für eine komische Aufforderung … Doch, die meine ich ernst: Macht es mir schwer, den Preisbericht für das Henrik-Juel-Gedenkturnier zu erstellen, weil ihr das Turnier (und damit mich als Preisrichter) mit vielen guten Aufgaben überschwemmt!

Ihr erinnert euch? Gefordert sind klassische Retros mit den Forderungen “löse auf” oder “letzte n Züge?”, Einsendeschluss ist der 31. August.

Die genauen Ausschreibungsbedingungen findet ihr in der Turnier-Ankündigung. Ich zähle auf euch!

Retro der Woche 10/2026

Heute will ich einmal aus der feenschach-Redaktion spoilern: Neben dem regulären Heft steht ein zweites kurz vor der Fertigstellung, in dem die Berichterstattung von Hans Gruber über Retroturniere aufgearbeitet wird: Da hatte sich so viel Material angesammelt, dass das für mehr als ein ganzes Heft reicht.

Für uns Retrofreunde wird das Heft sicherlich ein absolutes Highlight mit ausgezeichneten (im wahrsten Sinne des Wortes!) Retros am Fließband.

Eine Menge der Stücke kennt ihr aus den Retros der Woche, das heutige natürlich nicht:

Michel Caillaud
Probleembald 2011-2012, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (12+13)

 

18 Züge sind nicht allzu viele, aber scheinen dann mehr zu werden, wenn wir die sichtbaren Züge gezählt haben: Bei Weiß sind es 0+0+0+0+1+2=3 — das ist wahrlich nicht viel! Bei Schwarz schaut es auch nicht viel besser aus: 2+0+2+1+4+2=11, selbst hier sind also noch sieben Züge frei.

Dann ist es sicherlich interessant, sich anzuschauen, was denn ein Steinen geschlagen wurde: Bei Weiß fehlen bis auf den Springer die Damenflügel-Offiziere sowie der e-Bauer, bei Schwarz e- und f-Bauer sowie der schwarzfeldrige Läufer. Und Doppelbauern? Nur die Schläge ax3 bzw. axb6 sind sichtbar.

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