Beweis zum 5. SVW-Konstruktionsturnier

Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Preisbericht des 5. Konstruktionsturniers des Schachverbands Württemberg? Martin Hintz hatte mit einer besonders sparsamen Beweispartie den ersten Preis gewonnen.

Das Thema hat Martin nicht in Ruhe gelassen, er schrieb dazu:

„Ich fand die Aufgabenstellung so spannend, dass ich mit der Konstruktion der Sieger-Beweispartie nicht halt gemacht, sondern mich noch weiter damit beschäftigt habe. Zuerst wollte ich nur beweisen, dass meine BP mit 63,0 Zügen und 10 Schlägen optimal im Sinne des Wettbewerbs ist (d.h. dass sie eine KBP ist und dass jede KBP mindestens 10 Schläge braucht). Dieser Beweis ist mir tatsächlich schon im Sommer 2016 gelungen. Dann habe ich mir aber noch mehr vorgenommen, und am Ende ist ein ziemlich weitreichender und umfangreicher Überblick über die grundlegenden Strukturen sämtlicher kürzester Beweispartien herausgekommen.“

Diesen Überblick hat er mir für den Blog zur Verfügung gestellt (herzlichen Dank dafür!), den könnt ihr nun herunterladen und euch dann mit den 183 Seiten (!!) beschäftigen.

Viel Spaß damit!

Michel Caillaud 60

Heute feiert Michel Caillaud seinen 60. Geburtstag – ganz herzliche Glückwünsche gehen dazu nach Frankreich!

Michel ist ein unglaublich vielseitiger Komponist, der sich in den unterschiedlichsten Gebieten tummelt, und auch ein hervorragender Löser.

Knapp 250 Album-Punkte zeugen von seiner großen Kompositions-Klasse, und er ist der einzige „echte Retro-Großmeister“: Er hat über 70 Punkte, die ja die Großmeisternorm bilden, allein in der Retro-Abteilung des Albums gesammelt.

Er war in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einer der wesentlichen Treiber der eindeutigen Beweispartie, er war und ist aber auch ein ausgezeichneter Komponist in anderen Retro-Bereichen, seien das klassische Auflöse-Aufgaben, seien das Verteidigungsrückzüger oder auch Märchen-Retros.

Michel ist ein Stammgast bei den Andernach-Treffen, und von einem dieser Treffen möchte ich hier eine Aufgabe von ihm vorstellen.

“Michel
“Andernach
“Beweispartie

 

a) 1.e4 c5 2.e5 Da5 3.e6 Kd8 4.exd7 Kc7 5.d8=L+ Kd7 6.Lb6 axb6 7.Ld3 b5 8.Lg6 Dd8 9.d3 Txa2 10.Lf4 Ta6 11.Lc7 Tf6 12.Ta8 Ke8 – b) 1.e3 d5 2.Ld3 d4 3.Lg6 dxe3 4.d3 e2 5.Kd2 e1=T 6.a4 Te6 7.a5 Tb6 8.axb6 axb6 9.Ke1 Ta5 10.Lf4 Tf5 11.Ta8 c5 12.Lc7 b5.

Beeindruckend, wie die kleine Stellungänderung ein komplett anderes Spiel erfordert; durch die Darstellung des weißen bzw. schwarzen Ceriani Frolkin Themas sowie die Rückkehren der Könige sind die beiden Phasen hübsch verbunden.

Retro der Woche 15/2017

Beweispartien mit mehreren Lösungen finde ich immer sehr attraktiv. Es nietet sich ein Vergleich zu Hilfsmatts an: auch dort sind eindeutige Lösungen erwartet und auch dort kann man nur über mehrere Lösungen ein wenig der „Breite“ etwa von Direktmatts erhalten, da ja hier per definitionem Varianten ausgeschlossen sind: Beide Seiten ziehen an einem Strang, und da kann es prinzipielle keine Abweichungen geben.

David Novomesky
StrateGems 2013
Beweispartie in 10 Zügen, 2 Lösungen (11+11)

 

Neben den Lösungen an sich interessieren mich bei dieser Art von Aufgaben besonders deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Natürlich wird es in Beweispartien mit mehreren Lösungen immer Züge geben, die in allen vorkommen. Beim Hilfsmatt ist dies verpönt, hier aber kaum zu vermeiden. Schließlich müssen alle ziehenden Steine auf ihre Diagrammposition kommen.

Bei der vorliegenden Aufgabe des slowakischen Komponisten, der kürzlich seinen 65. Geburtstag feiern konnte (*30.03.1952), ist natürlich erforderlich herauszufinden, wie die immerhin zehn fehlenden Steine in nur 20 Einzelzügen starben.

Wer lösen möchte (und das empfehle ich euch heute ganz besonders!), sollte nun erst einmal noch nicht weiterlesen.

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Niederrhein-Treffen

Am letzten Sonntag, dem 2. April, trafen sich bei Hans-Peter Reich in Neuss einige Problemisten (Hans-Peter Reich, Stefan Höning, Bernd Gräfrath, Bernd Schwarzkopf, bernd ellinghoven, Jörg Kuhlmann, Ralf Binnewirtz und Thomas Brand) zu einem gemütlichen Schach-Nachmittag und -Abend. Bernd Gräfrath hatte im Vorfeld auf die Broschüre Synthetic Games von J. P. Jelliss aus dem Jahr 1998 hingewiesen und speziell nach einer Verbesserung des Rekordes für eine (nicht-eindeutige) Beweispartie unter der Bedingung „Doppellängstzüger“ gefragt, die mit einem Bauernmatt endet. Beim Doppellängstzüger müssen beide Seiten von allen legalen Zügen den geometrisch längsten machen, bei gleicher Länge haben sie freie Auswahl. Bei Rochaden addieren sich die Königs- und Turmwege.

Jelliss hatte (siehe Seite 17) eine Partie in 19 Zügen gefunden und nach einer kürzeren („more subtle“) Lösung gefragt.

Schwierig bei dieser Bedingung ist es, andere Steine als Springer überhaupt ans Laufen zu bekommen…

Beim Treffen selbst hatten wir ein wenig mit der Forderung herumgespielt, aber über das viele Diskutieren und Erzählen dieses Thema ein wenig aus den Augen verloren.

In den Tagen darauf hat sich Bernd Schwarzkopf damit beschäftigt – und auch wirklich eine deutlich kürzere Partie gefunden, die auch noch ziemlich trickreich ist, wie ihr sehen werdet. Zunächst aber herzlichen Dank an Bernd, dass er mir die Aufgabe für den Blog zur Verfügung gestellt hat — und Hans-Peter nochmals für die Organisation und Gastfreundschaft!

Bernd Schwarzkopf
Urdruck
Kürzeste BP (17,5 Züge), die mit Bauernmatt endet, Doppellängstzüger (13+14)

 

Dem Diagramm sieht man noch nicht unbedingt die Feinheiten an, mit denen das Ziel erreicht wird.

1.Sf3 Sf6 2.Sh4 Se4 3.Sf5 Sg5 4.Sa3 Sc6 5.Sb5 Sf3+ 6.exf3 Sd4 7.Lc4 Se2 (Verhindert 9.0-0!) 8.Lxf7+ Kxf7 9.Sh6+ gxh6 10.Sd6+ Kg6 11.Sc4 Sg3 12.Se5+ Kh5 13.Sg4 Sf1 14.Se3 Sxe3 (Nun noch nicht 15.h2-h4, weil Weiß dann im nächsten Zug rochieren müsste.) 15.Tf1 Sc4 16.Th1 Se5 17.h4 Sg6 18.g4#.

Raffiniert wird die weiße (Zwangs-)Rochade, die h4 die Deckung entziehen würde, vereitelt. Und sicher kommt man nicht sofort auf den Gedanken, mit dem Läufer dem schwarzen König den Weg nach draußen zu öffnen?!

Vermag diesen Rekord noch jemand zu unterbieten?

Retro der Woche 14/2017

Auch heute möchte ich euch wieder ein klassisches Retro vorstellen, bei dem die letzten (eindeutigen Züge) zu finden sind. Solche Aufgaben müssen übrigens trotz der relativ langen Zügezahl nicht unbedingt schrecklich schwer zu lösen sein.

Thierry le Gleuher
Probleemblad 2003
Letzte 42 Halbzüge (14+13)

 

Je nachdem, ob ich zunächst „oben“ oder „unten“ aufs Brett schaue, fallen sofort zwei Stellungsmerkmale ins Auge, die für die Auflösung wichtig sind: „Oben“ fällt auf, dass das Schachgebot gegen den weißen König nur durch Rücknahme der schwarzen langen Rochade aufgehoben werden kann. Das verrät nicht nur, welche Seite mit der Rücknahme beginnt und wie der erste Rücknahmezug lautet, sondern macht dann anschließend sTa8 und sKe8 retro-unbeweglich: Sie dürfen keine Züge mehr zurücknehmen, da sie ja „in der Zukunft noch rochieren werden“.

„Unten“ fällt sLe1 auf: er muss ein Umwandlungsstein sein, denn anders hätte er neben wBd2 und wBf2 das Feld e1 nicht erreichen können.

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Retro der Woche 13/2017

Im letzten Retro der Woche 12/2017 hatte ich den ersten Preis im Troitzki-Gedenkturnier vorgestellt und schon versprochen, nun den zweiten Preis zu besprechen.

Nach dem klassischen Retro in der letzten Woche sehen wir nun eine hochmoderne Beweispartie.

Silvio Baier
Troitzki-Gedenkturnier 2017, 2. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (14+11)

 

Eine sehr elegante Diagrammstellung: Bei Schwarz stehen alle Steine auf ihren Feldern der Partieausgangsstellung („Home Base“), bei Weiß hingegen findet sich kein Stein mehr auf der ersten Reihe – bis in die schwarze Stellung hinein haben sich die weißen Steine vorgekämpft.

Damit müssen wir uns zunächst auch keine Gedanken über schwarze sichtbare Züge zu machen; anders schaut es bei Weiß aus. Dort sehen wir 3+1+4+(3+x)+(2+y)+4=17+x+y Züge.

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Retro der Woche 12/2017

Das gerade beendete Troizki-Retro-Gedenkturnier war zwar nur mit acht Aufgaben beschickt worden, die zeigten allerdings teilweise sehr hohe Qualität, sodass sich das Turnier auf alle Fälle gelohnt hat.

Heute stelle ich den ersten, in der kommenden den zweiten Preis vor, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr meiner Einschätzung des Turniers zustimmen werdet.

Dmitri Baibikow
Troizki-Gedenkturnier 2017, 1. Preis
Letzte 41 Halbzüge (13+12)

 

Wie üblich schauen wir erst einmal nach den Schlagfällen: Alle fehlenden schwarzen Steine sind durch weiße Bauernschläge erklärt: Bf3 kommt offensichtlich von e2, Bf5 von h2 und einer der b-Doppelbauern kommt von a2.

Bei Schwarz sieht man zunächst nur einen Schlagfall: einer der g-Doppelbauern kommt von h7. Andererseits wissen wir aber schon, dass beispielsweise die Bauern auf c7 und d7 nicht geschlagen haben können.

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Retro der Woche 11/2017

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich gestehe, dass einer meiner Lieblingskomponisten für Beweispartien Satoshi Hashimoto ist.

Die folgende Aufgabe schätze ich ganz besonders wegen ihrer Eleganz bei der Darstellung eines schwierigen Themas.

Satoshi Hashimoto
Problemesis 2004
Beweispartie in 25 Zügen (12+15)

 

Das scheint ja sehr schwer zu lösen zu sein, wenn man nur zwei weiße Züge auf dem Brett sieht und auch bei Schwarz eine Menge freie Züge übrig bleiben. Sichtbar sind zunächst nur 4+0+2+3+1+10=20.

Doch können wir durch genauere Analyse der Stellung weitere Züge (besser gesagt Zug-Arten) identifizieren.

Dazu betrachten wir erst einmal, welche Steine fehlen. Bei Schwarz ist es genau ein Turm, und bei Weiß fehlen die vier Bauern des Damenflügels.

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