Retro der Woche 21/2017

Das Duo Frolkin / Prentos haben wir hier schon mehrfach gesehen, zum letzten Mal im Retro der Woche 45/2016, und von den beiden möchte ich euch heute eine weitere interessante Gemeinschaftsaufgabe vorstellen.

Andrej Frolkin & Kostas Prentos
Orbit 2013, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 15,5 Zügen (15+13)

 

Bei einem kurzen Blick auf das Diagramm fallen sofort die beiden weißen Damen auf b8 und c8 auf, gleichzeitig steht der schwarze König im Schach. Daraus lassen sich doch sicherlich Rückschlüsse auf den Lösungsverlauf ziehen?!

Bei Weiß „fehlen“ offensichtlich [Ba2] und [Bd2]; zumindest einer dieser Bauern muss sich in eine Dame umgewandelt haben. Unabhängig davon, ob es nun eine oder zwei weiße Damenumwandlungen gab, muss sich ein weißer Stein auf f6 geopfert haben.

Bei Schwarz fehlen zwei Bauern und die Dame. Da der einzige Schlag durch Schwarz auf f6 stattgefunden hatte, sind die beiden fehlenden Bauern also [Bb7] und [Bc7], da sie ihre Reihe nicht verlassen haben können.

Zählen wir nun die sichtbaren schwarzen Züge, so kommen wir auf 0+0+4+3+4+3=14 – ein schwarzer Zug ist noch frei. Können wir den fehlenden schwarzen Zug noch erschließen? Dazu beachten wir, dass der schwarze König im Schach durch Dc8 steht.

Wie kann dieses Schach entstanden sein? Nicht durch einfachen Hinzug der Dame nach c8, denn dann hätte Ke8 schon vorher im Schach (dieses Mal durch Db8) gestanden.

Diese Überlegung schließt auch c8=D+ im letzten Zug aus: Auch dann hätte der schwarze König bereits illegal im Schach gestanden. Also muss Weiß im letzten Zug auf c8 geschlagen haben. Als Schlagopfer kommt nur [Dd8] in Frage, und das erklärt auch den fehlenden schwarzen Zug, nämlich Dd8-c8.

Nun kümmern wir uns noch einmal um den schwarzen Bauern auf f6: Am zugsparsamsten wäre ein Opfer der weißen Originaldame auf f6: Das lässt sich in zwei Zügen (Dd1-d4-f6 bzw. Dd1-f3-f6) erledigen. Wenn man dies voraussetzt, kommen wir auf mindestens 15 weiße Züge: Zwei für die Originaldame, einen für den Springer, zahn für die beiden Umwandlungen – und weitere zwei Züge für das Verlassen von c8 und schlagende Rückkehr DxDc8+ im letzten Zug. Damit bleibt ein weißer Zug noch frei.

Allerdings ginge theoretisch auch ein Opfer der Umwandlungsdame von c8 aus in zwei Zügen, mit dem Springerzug haben wir wieder 13 weiße Züge, und die Originaldame könnte in drei Zügen schlagend nach c8 kommen.

Hier solltet ihr genau untersuchen, warum diese Alternative nicht funktioniert: da käme sich die Originaldame mit schwarzen Steinen unauflösbar ins Gehege.

Was nach der Umwandlung der beiden Bauern auf b8 und c8 passieren musste, das könnt ihr herausfinden, wenn ihr euch überlegt, wie denn die weißen Bauern an Lb7 und Sc6 vorbeikamen – und wie im Vergleich zu unserer Überlegung von oben (z.B. Dc8-c7xDc8+) Weiß noch ein Tempo verlieren kann? Etwa Dc8-h3-g4xDc8+ geht nicht, weil Bd6 erst sehr spät erfolgen kann.

Dann werdet ihr auf eine überraschende Lösung dieses Tempozug-Problems kommen:

1.d4 Sf6 2.d5 Se4 3.Dd4 Sc5 4.Df6 gxf6 5.a4 Lg7 6.a5 Tf8 7.a6 Lh8 8.axb7 a5 9.d6 Ta6 10.dxc7 Td6 11.Sd2 Sc6 12.b8=D Lb7 13.c8=D Td5 14.Dbc7 d6 15.D8b8 Dc8 16.Dcxc8+.

Die beiden Umwandlungsdamen haben also die Plätze getauscht – nur, um dieses eine Tempo zu verlieren. Sehr hübsch, sehr überraschend und sehr elegant dargestellt, wie ich finde!

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