Retro der Woche 10/2017

Der Ukrainer Michael Kusulja beschäftigt sich intensiv mit „Buchstabenproblemen“, in denen nur aus angegebenen Buchstaben die eigentliche Diagrammstellung erschlossen werden muss; gleich Buchstaben stehen dabei für gleiche Steine.

Mit dem Erschließen des Diagramms ist aber meist bei ihm nicht Schluss, sondern hier gilt es dann noch retroanalytische Schlüsse zu ziehen.

Solch ein Stück möchte ich mir heute zusammen mit euch anschauen.

Michael Kosulja
Die Schwalbe 2015
Großbuchstaben sind weiß; letzter Zug? (14+14)

 

Wie kann man hier versuchen, systematisch zu lösen? Generell kann man das nicht sagen, man muss sich natürlich die Stellung anschauen.

Hier fällt schnell auf, dass nur „F“ bei Weiß und bei Schwarz je einmal vorkommt. Damit ist klar: „F“ ist der weiße, „f“ der schwarze König.

Von den anderen Buchstaben kommt als einziger „C/c“ nicht auf der ersten oder der achten Reihe vor; „C“ ist also ein weißer Bauer.

Nun haben wir nur noch vier Buchstaben, die wir den Offizieren zuordnen müssen.

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Einsendungen zum Keym-75 Turnier

Am letzten Dienstag hat Turnierleiter Hans Gruber den beiden Preisrichtern Werner Keym und mir die 23 am Keym-75-Geburtstagturnier teilnehmenden Aufgaben anonymisiert zugesandt.

Ein erstes flüchtiges Durchschauen zeigte bereits: Da sind ein paar hochklassige Aufgaben dabei, das Richten wird ein Vergnügen. Schon jetzt allen Teilnehmern herzlichen Dank!

Retro der Woche 09/2017

Feedback zu seinen Urteilen sollte jedem Preisrichter wichtig sein: Nur so kann er seine Wertungen und Reihungen selbst kritisch betrachten und womöglich hinterfragen.

Solch eine Feedback-Runde zur Diskussion der vorläufigen Bewertungen für das FIDE-Album führe ich gerade als Direktor der Retro-Abteilung mit den Richtern – nicht um die Einzelurteile anzugleichen, sondern damit wir alle die zum Teil deutlichen Abweichungen in der Bewertung gegenseitig verstehen: Jeder Richter muss natürlich zu seiner „Bepunktung“ stehen, muss sie verantworten!

Von einer anderen Art des Feedbacks berichtet in der aktuellen Schwalbe Bernd Gräfrath: Dort stellt er in seinem höchst lesenswerten Aufsatz „Nachtgedanken eines Preisrichters“ sechs Aufgaben vor, die er als Preisrichter nicht oder relativ niedrig ausgezeichnet hat, die dann aber ins FIDE-Album gelangten.

Schauen wir uns eines seiner Beispiele heute einmal an.

Nicolas Dupont & Michel Caillaud
Probleemblad 2005
Beweispartie in 20 Zügen (13+12)

 

Mit dem Zählen der sichtbaren schwarzen Züge sind wir sehr schnell fertig – wenn alle vorhandenen Steine auf ihren möglichen Ursprungsfeldern stehen, wir also eine Homebase-Position vor uns haben, ist die Summe halt stets null.

Bei Weiß schaut es anders aus: 4+3+2+4+3+4=20: Alle weißen Züge sind erklärt, auch wenn damit noch nicht alles eindeutig ist: Zum Bespiel wissen wir nur, dass der König in der minimalen Zügezahl nach g5 gelangt sein muss, aber noch nicht, auf welchem Wege.

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Werner Keym 75

Heute feiert Werner Keym in Meisenheim am Glan seinen 75. Geburtstag; dazu ganz herzliche Glückwünsche im Namen alles Retroblog-Freunde! Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für dein neues Lebensjahr, weiterhin so viel Schaffenskraft wie gerade wieder in den letzten Jahren.

Dazu kann ich als Beispiel ja auf den neuen Beweispartie-Längenrekord verweisen – und auf meinen ausführlicheren Geburtstags-Artikel in der Februar-2017-Schwalbe.

Kein Glückwunsch ohne eine Beispielaufgabe; dafür habe ich ein nun schon 50 Jahre altes Stück herausgesucht, das eines von Werners Lieblingsgebieten („Bosheiten“ im Einzüger) behandelt:

Werner Keym
Schach-Echo 1967
#1 (15+5)

 

Die weißen Bauern haben alle fehlenden schwarzen Steine geschlagen, darunter auch [Bh7], der sich nach hxDg auf g1 umgewandelt hatte. Schwarz hat keinen letzten Zug, da R 1.– g7-g5 2.Sg5-f3+ (2. Sg5xXf3+??) zum Retropatt führt. Somit ist 1.fxg6ep#?? nicht die Lösung.

Also hat Weiß zuletzt gezogen, und der einzige Zug, der dann Schwarz einen letzten Zug ermöglicht, ist R 1.e2-e4; davor 1.– Ke4-f4.

Also ist Schwarz am Zug: 0.– dxe3ep 1.fxe3#.

Virtueller weißer ep-Schlag, realer schwarzer, und Weiß setzt matt.

Ad multos annos!

Retro der Woche 08/2017

Den zweiten Platz der Retro-Abteilung des 5. FIDE Worldcups (den ersten Platz hatte ich letzte Woche hier vorgestellt) belegte Nicolas Dupont mit einer Beweispartie.

Der dritte Platz ging an Andrej Frolkin mit einer tollen klassischen Auflöse-Aufgabe, die mich ähnlich begeistert hat wie Silvio Baiers Siegerstück.

Andrej Frolkin
5. FIDE World Cup in Composing 2017, 3. Platz
Erster Zug des sBa7? (15+12)

 

Bei Weiß fehlt nur ein Stein, der auf der c-Linie geschlagen wurde: bxXc. Bei Weiß sieht man zunächst nur einen Schlag, nämlich gxXh, aber da Schwarz neben bxc keinen Schlag mehr zur Verfügung hat, kommt sBd2 schlagfrei von d7. Daher haben [Bd2] und [Be2] überkreuz geschlagen, womit zwei weitere Schläge erklärt sind.

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Februar-2017-Schwalbe

Im Zusammenhang mit dem neuen Beweispartie-Längenrekord hatte ich ja bereits auf die Februarausgabe der Schwalbe hingewiesen. aber natürlich finden sich dort auch weitere Beiträge, die für uns Retrofreunde von besonderem Interesse sind:

Es gibt wieder neun Urdrucke (übrigens: Auch die Hobbyköche kommen da auf ihre Kosten), die zum Lösen und Kommentieren einladen. Neben dem Längenrekord stellt Werner Keym  auch noch „Rochade-Paradoxien: Wer auf sein Recht verzichtet, gewinnt“ vor, bevor er selbst dann Inhalt eines Geburtstagsartikels ist. Bernd Gräfrath teilt mit uns seine „Nachtgedanken eines Preisrichters“, in denen er sich kritisch mit eigenen Urteilen auseinander setzt. Auf diesen Artikel werde ich hier noch zurückkommen. Und last but not least stellt Bernd Schwarzkopf Last-Move Überlegungen zu Schach-960 an.

Ihr seht also, dieses Heft lohnt wieder eine intensive Lektüre!

 

Raymond Smullyan

Am 6. Februar ist Raymond Smullyan im Alter von 97 Jahren (* 25. Mai 1919) verstorben. Raymond war ein sehr vielseitiger Mensch: Mathematiker und Logiker (er promovierte bei Alonzo Church), Konzertpianist, Philosoph und Zauberer.

Viele von uns hat er verzaubert und vielleicht gar zur Retroanalyse gebracht durch seine beiden Bücher „Die Schachgeheimnisse des Kalifen“ und „Schach mit Sherlock Holmes“; beide sind nur noch antiquarisch zu bekommen.

In ihnen stellt er, eingekleidet in Orient- bzw. Detektiv-Geschichten, retroanalytische Probleme vor, die teilweise mit verschiedenen Bedingungen und Angaben zur Geschichte der Stellung verbunden sind. Gerade durch ihre Aufbereitung in Geschichten-Form und dadurch, dass die Aufgaben teilweise nicht allzu schwer zu lösen sind, haben sie viele Leser für die Retroanalyse interessiert.

Zum Gedenken an ihn eine seiner nicht so schweren Aufgaben zum Selbstlösen „für Zwischendurch“:

Raymond Smullyan
Schach mit Sherlock Holmes, 1979
Befinden sich Umwandlungsfiguren auf dem Brett? (15+14)