Retro der Woche 28/2018

Sind wir mit dem letzten Retro der Woche weit zurück in die Geschichte gegangen, so sind wir heute – Achtung, Wortspiel! – brandaktuell.

Wie immer lag bereits in der Woche zuvor die neue Ausgabe Juli bis September von StrateGems bei mir im Briefkasten, und neben den sechs Retros im Urdruckteil gibt es sechs weitere Beweispartien als Urdruck in der 10. Folge der „Future Proof Game chronicle“ anzuschauen. Eine dieser Beweispartien möchte ich heute mit euch teilen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2018
Beweispartie in 20,0 Zügen (12+15)

 

In der Serie geht es den Autoren im Moment darum, die ersten sieben Folgen zu aktualisieren; wir können also hier ein „Future Proof Game“ (Mindestens zwei Themen werden jeweils mindestens doppelt gesetzt) am Puls der Zeit erwarten.

Bei Weiß sehen wir nur vier Züge, allerdings fehlen gleich vier Steine, die möglicherweise auch irgendwie gezogen haben müssen. Bei Schwarz können wir sicherlich Erfolg versprechender zählen, und wir sehen dabei 2+0+3+2+2+11=20 Züge; alle schwarzen Züge sind demnach erklärt.

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Symmetrie

Symmetrische Beweispartien können recht langweilig sein, wenn Schwarz einfach die Züge von Weiß kopiert. Das ist aber nicht der Fall, wenn Weiß einen Halbzug mehr gemacht hat: Das kann dann sehr interessant sein!

Heute habe ich eine Kleinigkeit für Euch: Für die Halbzeitpausen heute beim Fußball — oder einfach so zwischendurch:

[php]tb_dia(„r1b1kbnr/pp2pppp/8/2pp4/2PP4/8/PP2PPPP/R1B1KBNR“, „Michel Caillaud“, „Messigny 1997, Lob“, „Beweispartie in 5,5 Zügen (14+14)“); [/php]

 

Entweder man hat es sofort — oder es dauert doch ein wenig länger?! Egal: Viel Spaß damit und einen guten Start ins Wochenende!

Retro der Woche 27/2018

96 Jahre gehen wir heute zurück mit unserem Retro der Woche! Thomas Rayner Dawson (28.11.1889 – 16.12.1951) war nicht nur der bedeutendste Märchenschach-Pionier, sondern auch einer der ganz großen frühen Retrospezialisten, einer der Mitverfasser des bedeutenden, bereits 1915 erschienenen Buches „Retrograde Analysis“. Dazu hatte ich im Jahr 2015 einen Artikel in der Schwalbe veröffentlicht.

[php]tb_dia(„k6n/P3ppNp/pPK3pP/2p5/1pP3P1/6Pp/4PP2/8“, „Thomas R. Dawson“, „Cas 1922“, „Ergänze einen Stein, dann #2 (10+10)“); [/php]

 

Schnell sieht man, dass Weiß auch ohne Ergänzung irgendeines Steins bequem in zwei Zügen matt setzen kann: 1.Se8 und 2.Sc7# ist so schwer nicht zu finden.

Wofür brauchen wir dann noch Holz auf dem Brett? Das brauchen wir also nicht für das Matt, sondern weil der Stein laut Forderung auf dem Brett fehlt – dann wollen wir doch schauen, ob wir mit Retroanalyse dem auf die Schliche kommen können? Die Aufgabe ist nicht allzu schwer zu lösen; wer es selbst versuchen möchte, sollte mit dem Weiterlesen noch warten!

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Juni-2018-Schwalbe

Schon vor einigen Tagen kam das neue Schwalbe-Heft, das neben den insgesamt zehn Retro-Urdrucken auch weiteren spannenden Lesestoff enthält. Wer sich für die Geschichte der PDB interessiert, wird hier fündig (und ist dann vielleicht auch bereit, die Schwalbe beim weiterhin kostenfreien Betrieb dieser so bedeutsamen und wichtigen Informationsquelle zu unterstützen!), und Bruno Stucker stellt ein interessantes Konstruktionsthema vor. Andere Artikel nenne ich nur stichwortartig: Babson, Problemgeschichte, Selbstmatt.

Für uns Retrofreunde wird natürlich alles in den Schatten gestellt von dem Beitrag Thierry Le Gleuhers Jenseits der 100 letzten Einzelzüge mit fantastischen neuen Längenrekorden für die Typen A, B und C. Nach seinen Beiträgen in Phénix und StrateGems hatte ich schon erwartet, dass er seine Rekorde wie weiland der ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka in Zentimeterschritten — pardon: Halbzügen — verbessern wolle. Aber dann hat er in diesem Beitrag die alten Rekorde sofort deutlich überboten: Genuss pur! Auf der Schwalbe-Website findet ihr diesen Artikel übrigens auf deutsch und englisch!

Retro der Woche 26/2018

Nach längerer Zeit möchte ich heute wieder ein Retro, konkret eine Beweispartie, mit einer Märchenbedingung vorstellen. Das ist heute „Lortap“ oder auch „Elliuortap“ und ist damit die Umkehrung (lest die Namen einmal rückwärts!) von „Patrol“ bzw. „Patrouille“ Schach. Hierbei haben Steine nur nur Schlag- und Schachwirkung, wenn sie von einem eigenen Stein beobachtet werden. Bei Lortap ist es natürlich genau umgekehrt: Ein Stein hat keine Schlag- und Schachkraft (wohl aber Zug- und Beobachtungskraft), solange er von einem Stein der eigenen Partei beobachtet wird. Diese Bedingung taucht hier im Blog übrigens nicht zum ersten Male auf, siehe den Artikel über Quartz 40 vom 20. August 2014.

[php]tb_dia(„r5n1/pppnp3/1b3pk1/4qrp1/2p1R3/5b2/PP1PPPP1/RNBQKBN1“, „Nicolas Dupont, Quartz 2013-2015, Preis“, „Beweispartie in 16,5 Zügen Lortap (14+15)“); [/php]

 

Die ersten Überlegungen zu Schlagfällen und erforderlichen Zügen sind noch vollkommen orthodox: Es fehlen offensichtlich drei Bauern, nämlich [Bc2], [Bh2] und [Bh7]. Bei Weiß sind nur zwei Züge im Diagramm sichtbar, bei Schwarz schaut das schon anders aus: Zählen wir hier „ganz orthodox“, so sehen wir 2+2+2+5+1+4=16 Züge; alle schwarzen Züge sind also im Diagramm sichtbar.

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Zwischendurch (51)

Andrew Buchanan baut gelegentlich kurze, aber sehr pointierte Beweispartien. Wie wäre es damit, diese „zwischendurch“ anzuschauen und zu lösen?

[php]tb_dia(„rnbqk3/pppp1p1p/8/8/8/8/P1PPPPP1/RNBQKBNR“, „Andrew Buchanan“, „www.anselan.com 2002“, „Beweispartie in 6,5 Zügen (14+11)“); [/php]

 

Viel Spaß beim Lösen! Zweimal Homebase sieht man natürlich sofort — erkennt ihr auch die anderen dargestellten Themen?

Neue Sechsfach-CRs

Im Aprilheft 2017 der Schwalbe (Seite 82-86) hatte Silvio Baier alle zu der Zeit veröffentlichten Sechsfach-Setzung des Ceriani-Frolkin Thema vorgestellt.

Zwischenzeitlich hat er weiter an diesem Thema gearbeitet; und die Resultate in Form von zwölf aufgaben, darunter sieben Urdrucken, stellt er in einem Aufsatz vor, den er mir dankenswerter Weise zur Veröffentlichung hier im Blog überlassen hat — herzlichen Dank dafür nach Dresden! Ihr könnt den Aufsatz (pdf-Datei) direkt hier lesen oder auch herunterladen.

Ich empfehle ihn euch zum gründlichen Studium, denn hier kann man sehen, wie ein Meister seines Fachs eine Matrix immer wieder variieren kann, um neue Ergebnisse daraus zu erzielen. Sehr lesenswert, sehr lehrreich!

René Jean Millour 75

Und sofort noch ein Geburtstag, auf den ich hier hinweisen möchte: Herzliche Glückwünsche gehen heute nach Offenheim im französischen Elsass, um dort René Jean Millour (*18.6.1843) von ganzem Herzen zum 75. Geburtstag zu gratulieren!

Einige kennen René sicher persönlich z.B. aus Andernach oder von verschiedenen WCCC Treffen, und wer sich auch für Märchen-Retros interessiert, kennt bestimmt einige hochkomplexe Stücke auf diesem Gebiet: Speziell mit monochromem Schach, mit Mars-Circe, das er erfunden hatte, mit Alice-Schach oder dem Imitator hat er sich hier viel beschäftigt, und wer tiefer in seine Aufgaben (aus allen Gebieten des Problemschachs!) eintauchen möchte, dem sei neben der PDB natürlich auch seine schachliche Autobiographie Subtleties on 64 Squares, 2015 bei Editions FEE=NIX erschienen, ans Herz gelegt.

Aber er „kann“ nicht nur vielsteinige Stücke, er „kann“ auch Wenigsteiner, liegt unangefochten in der ewigen Rangliste auf wenigsteiner.de vorn.

Heute möchte ich ein für seine Verhältnisse recht einfaches Stück vorführen, eine Beweispartie mit der Alice-Schach Bedingung: Dort wird kurz gesagt auf zwei Brettern gespielt, A und B. Nach jedem Zug wechselt der ziehende Stein (bei der Rochade beide) auf das entsprechende Feld auf dem anderen Brett, das leer sein muss. Die Partieausgangsstellung ist auf Brett A (zur genauen Definition siehe das Schwalbe Märchenschachlexikon).

René J. Millour
Problem Paradise 2013, N. Matsuzaki gewidmet
Beweispartie in 18 Zügen, Alice-Schach A(8+11) B(6+1)

 

Im Diagramm sind Steine auf Brett B kopfstehend dargestellt.

Erste Feststellungen: Schwarz hat wegen des sK auf dem B-Brett möglicherweise rochiert, und dann muss der Rochade-Turm auch noch einmal gezogen haben. Sh4 kann nicht von g1 kommen.

In der Lösung notiere ich hinter jedem Zug das neue Brett des gerade ziehenden Steins
1.Sf3B Sf6B 2.Tg1BSe4A 3.Tg8A Sxd2B 4.Txf8B Se4A! 5.Sbd2B Sf6B 6.Txf6A OOB 7.e4B Txf3A 8.Le2B Th3B 9.Sf3A Th8A! 10.Sh4A Kf8A! 11.Lh6B De8B 12.Db1B Db5A 13.OOOB Ke8B! 14.Td8A Sc6B 15.Txc8B+ Tad8B 16.Txc6A a5B 17.Ta6Ba4A 18.Ta1A! Tda8A!.

Sechs Rückkehren (in der Lösung mit Ausrufezeichen versehen) und Rundläufe der beiden Rochadetürme.