Heute vor 85 Jahren wurde Klaus Wenda (13.9.1941–11.4.2026) geboren. Aus diesem Anlass möchte ich ein Retro von ihm vorstellen, was ein wenig untypisch ist für ihn.
Klaus hatte sich schon recht früh mit Märchen-Verteidigungsrückzügern beschäftigt, zunächst mit den Bedingungen Circe und Madrasi, bis er entdeckte, dass Anticirce besonders viele Möglichkeiten für sehr sparsame und inhaltsreiche Proca-Rückzüger bietet. Intensiv hat er hier zunächst mit Wolfgang Dittmann, später Günther Weeth und anderen gearbeitet und extrem interessante, originelle, aber auch höchst komplexe Aufgaben gebaut.
Ich möchte euch hier allerdings ein älteres Stück von ihm vorstellen: einen orthodox Rückzüger, bei dem auch „nur“ ein weißer Zug zurückgenommen werden soll. eine Unterscheidung in „Hilfe-“ oder „Verteidigung-„Rückzüge erübrigt sich hier, da ja Schwarz am Retrospiel gar nicht beteiligt ist.
diagrammes 1987, 4. ehrende Erwähnung
-1w, dann #2
Gleich auffällig ist natürlich die Rochadestellung des Schwarzen, aber auch die Stellung im Südwesten, speziell der schwarze Springer. Der kann in der momentanen Bauernkonstellation nur durch Umwandlung entstanden sein — oder wir nehmen d2-d3 zurück, wonach der Springer über d3 gekommen sein kann. In dem Fall muss Weiß seine lange Rochade zurücknehmen können — aber wie kann dann die Dame nach Hause zurück geholt werden?
Diese Frage sollten wir uns merken, aber zuerst wollen wir nach Matt-Möglichkeiten für den schwarzen König Ausschau halten.
Dafür steht die weiße Dame eigentlich bereits optimal- und stellen wir uns vor, der Läufer auf e6 wäre weiß (oder ein weißer Bauer), so droht rechts und links Grundlinienmatt — wenn sich Schwarz nicht einfach „röchelnd“ aus dem Staub machen könnte.
Wenn wir nun irgendwie erreichen könnten, dass die Rochade unzulässig wäre — und entsprechend e6 besetzt wäre, könnte Schwarz das Matt im nächsten Zug nicht verhindern.
OK, e6 bekommen wir leicht besetzt, z.B.: „f5xBg6 & vor: 1.fxe6. Aber was hilft uns das? Oder würde vielleicht das ja auch mögliche Zurücknehmen eines e.p.-Schlages weiterhelfen, also R: 1. f5xBg6 e.p.? Damit ist nun der letzte schwarze Zug klar (g7-g5), aber nach dem ist doch gar nicht gefragt. Oder gibt es retroanalytisch einen Unterschied zwischen sBg6 und sBg7?
Den gibt es, so viel sei verraten — und diesen Unterschied wollt ihr nun sicherlich selbst finden?
Eine nicht allzu schwierige, aber sehr hübsche Begründung für den Verlust des Rochaderechts.
Übrigens ist hier das Valladao-Thema streng wörtlich nicht erfüllt, da ja die Rochade nicht ausgeführt, sondern verhindert werden muss. Das ändert aber natürlich überhaupt nichts am Wert der Aufgabe.