Klaus Wenda 13.9.1941 — 11.4.2026

Die Problemschachwelt hat einen ganz Großen verloren: Gestern Abend ist nach gesundheitlichen Problemen in der letzten Zeit, dennoch plötzlich und unerwartet Klaus Wenda in Wien verstorben.

Ein ganz Großer war Klaus auf vielen Gebieten: Als „geborener Neudeutscher“ (Halumbirek-Schüler) wurde er auch ein großartiger und kreativer Märchenschach-Komponist, brachte mit den von ihm neu entdeckten und systematisierten „Anticirce-Procas“ völlig unerwartet neuen Schwung in den Retro-Bereich, wo er etwa Wolfgang Dittmann und Günther Weeth anregte und motivierte; natürlich war er Kompositions-Großmeister.

Gleichzeitig war er ein hervorragender Preisrichter, ein großartiger Buch- und Artikel-Schreiber, der sich intensiv beispielsweise für feenschach einsetzte — hatte er doch das „Unternehmen Ulysses“ zur Rettung der Zeitschrift mit initiiert, stets als Mentor begleitet und gefördert. Gerade erst hatte er einen Beitrag für Heft 268, das 100. seit Beginn des Ulysses-Vorhabens, zugesagt.

Und vergessen darf man auch nicht sein Engagement in der „internationalen Problemschach-Politik“, sein Einsatz für die PCCC, die WFCC, deren stets ausgleichender Präsident er von 1986 bis 1994 war, danach ihr Ehrenpräsident. Als angesehener und erfahrener Jurist brachte er für diese diplomatisches Geschick erfordernde Aufgabe ideale Voraussetzungen mit.

Die Problemschachwelt hat einen ganz Großen verloren — ich habe einen väterlichen Freund und Mentor verloren, den ich sehr vermissen werde. Seiner lieben Frau Doris mit ihrem Sohn Gregor und dessen Familie gilt meine herzliche Anteilnahme.

Retro der Woche 16/2026

Nachdem wir uns in der letzten Woche mit einer Märchen-Beweispartie beschäftigt haben, die im FIDE World Cup 2025 den zweiten Platz belegt hatte, möchte ich euch heute die in diesem Turnier erstplatzierte orthodoxe Beweispartie vorführen.

Die ist wieder ein gutes Beispiel für Stücke, wo dem ersten Anschein nach nicht viel passiert ist, was sich dann aber als falsch herausstellt.

Kostas Prentos
FIDE World Cup 2025, 1. Platz
Beweispartie in
20,5 Zügen (14+15)

 

Bei Weiß sehen wir nur 0+1+1+0+2+2=6 Züge, bei Schwarz immerhin 2+3+2+0+1+8=16. Die beiden fehlenden weißen Bauern wurden auf der b- und der g-Linie geschlagen. Bei schwarz fehlt nur ein Bauer (a oder c), und der konnte sich nicht umwandeln, also kann weißes fxg nicht geschehen sein. Also müssen beide fehlenden weißen Bauern umgewandelt haben- das relativiert auch die hohe Anzahl freier weißer Züge.

Die Umwandlungen müssen also auf f8 und auf c8 erfolgt sein, womit auch das Fehlen des schwarzen Bauern erklärt ist, womit sBb3 von a7 kommt.

Und damit sind auch „im Prinzip“ alle schwarzen Züge klar, denn wegen der Umwandlungen auf c8 und f8 mussten die dortigen Läufer wegziehen und wieder zurückkehren.

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König und Turm

Immer wieder stimmt es mich traurig, wenn eine Problemschach-Rubrik, gar eine Problemschach-Zeitung verschwindet. Um so mehr freue ich mich, wenn eine neue erscheint, oder wie hier eine bereits totgeglaubte quasi aufersteht — und das in diesem Jahr auch noch pünktlich zu Ostern!

So schrieb mir Hanspeter Suwe vorgestern:

König & Turm redivivus

Das Rochade-Magazin KÖNIG & TURM erscheint wieder. Zuletzt ist Heft 40 zu Ostern erschienen. Interessenten können aktualisierte PDF-Versionen der Ausgaben 38 bis 40 über meine eMail-Adresse 0-0suwe@gmx.de kostenfrei anfordern. Wer an Druckausgaben interessiert ist, kontaktiere mich bitte unter der oben genannten eMail-Adresse.

Der eine oder andere kann sich noch erinnern: Der Name ist Programm, es geht also immer um Rochade. Und da ist natürlich auch Retroanalyse immer wieder in der Zeitschrift zu finden; sie lohnt also gerade auch für uns!

Ich kann es euch jedenfalls mit bestem Gewissen ans Herz legen, die Zeitschrift anzuschauen, zu bestellen — ob nun elektronisch oder in Papierform!

Retro der Woche 15/2026

Ein frohes Osterfest wünsche ich euch allen — verbunden mit der Frage, ob ihr Eier gesucht habt, ob ihr vielleicht im Vorfeld Eier gefärbt habt?

Weil es so schön passt, möchte ich euch heute zur Feier des Feiertags eine Beweispartie vorstellen, in der es um „Färben“, genauer gesagt um „Umfärben“ geht.

Andrij Frolkin und Chris Tylor haben die Bedingung „#colour“ eingeführt: Kommt es (beispielsweise in einer Beweispartie) zu einer Mattstellung, so wird der Stein bzw. die Steine, die Schach geboten haben, umgefärbt, und die Partie geht weiter, als sei nichts geschehen. Führt dieses Umfärben allerdings zu einem Selbstschach, so ist es illegal, darf also nicht stattfinden, und die Partie endet auch wirklich mit dem Matt.

Der junge Österreicher Joachim Hambros hat mit dieser Forderung den zweiten Platz beim letztjährigen FIDE World Cup belegt; diese Beweispartie möchte ich euch heute zeigen.

Joachim Hmbros
FIDE World Cup 2025, 2. Platz
Beweispartie in 16,5 Zügen, #colour (16+16)

 

Die Lösung sollte man nicht „ganz einfach orthodox“ erspielen können? Weiß musste quasi nichts tun, und Schwarz muss ja „nur“ seinen Ta8 nach g8 beamen — das aber kostet bemerkenswert viel Zeit: Von diesem Turm abgesehen sind neun schwarze Züge sichtbar — und der Turm braucht neun weitere Züge, denn wenn alle schwarzen Steine auf der 8. Reihe Platz machen, müssen sie wieder heimkehren. Die Alternative, dass der Turm d8 und e8 „umgeht“, spart aber nichts ein, da er nun statt einem Zug derer fünf benötigt. Und wenn ihr auf die pfiffige Idee kommt, dass der doch über die h-Linie nach h8 gekommen sein könnte, stellt ihr fest, dass dies gar zehn Züge braucht (wieso reichen nicht neun??).

Also brauchen wir „eigentlich“ mindestens 18 Züge, haben aber nur 16 Zeit. Also müssen wir die Bedingung nutzen, Weiß mindestens zwei der schwarze Züge ausführen, ihm Arbeit abnehmen zu lassen.

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Retro der Woche 14/2026

Sicher seid ihr alle in dieser Nacht um kurz vor zwei Uhr aufgestanden, um die Uhren eine Stunde vorzustellen? Ja, eine kurze Nacht war das, mit der wieder die Sommerzeit begonnen hat.

Das hat mich veranlasst, heute ein Aufgabe von Bruno Sommer (20.3.1881 — 19.11.1971) herauszusuchen, der ein sehr vielseitiger Autor speziell im Bereich des direkten Matts, vom Zwei- bis zum Mehrzüger war, gelegentlich Hilfsmatts baute — und auch bemerkenswerte Retrostücke veröffentlicht hat. Schon deshalb bemerkenswert, weil er bereits früh die Ideen von Høeg und Proca zu Verteidigungsrückzügern aufgegriffen hat.

Ein ziemlich einfaches Stück — ihr habt ja alle wenig geschlafen — möchte ich euch heute zeigen: Nein, da möchte ich euch zum Selbstlösen anregen und einladen.

Bruno Sommer
Die Schwalbe 1952, 1. Preis
#1 vor zwei Zügen, Verteidigungsrückzüger (8+13)

 
Kein Hinweis auf Proca oder Høeg? Der fand sich auch beim Urdruck nicht; die Original-Forderung unter dem Diagramm (227-228 Die Schwalbe VII-VIII/1952, Nr. 8560) lautet: „Weiß nimmt 2X so zurück, dass er 1 Zug matt erzwingt“.

Das müssen wir natürlich zuerst einmal anschauen, warum der Autor auf diese Festlegung verzichten konnte? Aber vielleicht wollt ihr das vor dem „weiter“ Klicken selbst untersuchen?

Weiß kann nämlich in seinem zurückzunehmenden ersten Zug nicht entschlagen — warum nicht, sieht man doch nur einen von drei erfolgten Schlägen; es sind also noch zwei frei?

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Retro der Woche 13/2026

Am Freitag hatte ich auf die Ausschreibung des WCCC-70-Turniers hingewiesen — und speziell dort auf die sehr genauen Vorgaben, welche Forderungen verbunden mit welchen Märchenbedingungen zulässig sind. So ist Schach-960 erlaubt, aber nur in Verbindung mit „Letzte Züge?“ oder „Löse auf!“ Forderungen.

Ohne also diesem Turnier in die Quere zu kommen, kann ich hier heute einen Verteidigungsrückzüger im Schach-960 vorstellen.

Joaquim Crusats & Andrij Frolkin
Die Schwalbe 2010, Hans Gruber zum 50. Geburtstag gewidmet
#1 vor 6 Zügen, VRZ Proca, Schach-960 (10+12)

 

Beim Verteidigungsrückzüger kooperieren, wie der Name schon andeutet, Schwarz und Weiß nicht: Weiß will nach der angegebenen Anzahl an Zug-Rücknahmen im Vorwärtsspiel Matt setzen — das versucht Schwarz mit seinen (natürlich legalen) Zugrücknahmen zu verhindern. Im Typ Proca bestimmt jede Seite für die eigenen Rücknahmen, ob und ggf. welcher Schlag in dem Zug vorkam.

Weiß will die a-Linie freispielen, um dann mit seinem Turm auf a8 Matt zu setzen. Um entsprechend umzugruppieren, muss er die Schwarzen beschäftigen.

Also versuchen wir R: 1.Kd6-c5 D∼-g3+/ Tf4-f2+ 2.c5xb6 e. p. b7-b5 -3.Sb6-a4 & vor 1.Txa8#. dies ginge wegen des sLa8 im orthodoxen Schach natürlich nicht. Wie kann sich Schwarz dagegen verteidigen?

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WFCC-70-Jubiläumsturnier

Im Mai 1956, also vor beinahe 70 Jahren, wurde die (Vorläufer-Organisation “PCCC”) WFCC gegründet, und auf Anregung ihres Ehrenpräsidenten Klaus Wenda wird dieses Jubiläum mit einem Kompositionsturnier gefeiert: In den acht bekannten Abteilungen kann jeder Autor maximal eine Aufgabe (Co-Produktionen sind nicht zugelassen) bis zum 16. Juli 2026 an den Turnierdirektor Narayan Shankar Ram (wfcc70jt (at) gmail.com) einsenden; pro Abteilung sind Preise in Höhe von 200, 150 und 100 EURO ausgelobt. Preisrichter der Retro-Abteilung ist Andrij Frolkin.

Bei den Retros ist es ziemlich kompliziert, welche Forderungen bzw. Märchenbedingungen zugelassen sind (Beweispartien sind z.B. nicht zugelassen). Daher solltet ihr euch die Ausschreibungsunterlagen genau anschauen; dort ist auch der ehrgeizige Zeitplan zur Veröffentlichung der Ergebnisse angegeben: Die vorläufigen Preisberichte sollen am 15. Oktober 2026, die endgültigen am 30. November 2026 erscheinen.

Viel Spaß und Erfolg bei eurer Teilnahme an diesem interessanten Turnier!

Erinnerung: Matt mit Schach960

Ihr erinnert euch sicher noch an die Ausschreibung zum spannenden Wettbewerb des Württembergischen Schachverbandes, wo nach um besonders kurze und besonders lange Mattfolgen im Schach960 geht.

Hier zur Erinnerung: Der Einsendeschluss zu diesem Wettbewerb ist der 31. März!