Bernd Schwarzkopf 80

Bernd Schwarzkopf aus Neuss ist ein unglaublich vielseitiger und aktiver Problemist: So ist er nicht nur mit weit über 1.300 Aufgaben in der PDB vertreten, davon beinahe 400 Retros, sondern auch durch seine Artikel und immer wieder spannenden Konstruktionsturniere in der Schwalbe und bei verschiedenen Treffen: Er ist Stammgast bei den Schwalbe-Tagungen, in Andernach und Sachsen.

Sehe Aktivitäten “im Hintergrund” finde ich beinahe noch beeindruckender: Seit Jahrzehnten ist er “Mister Inhaltsverzeichnis” in Deutschland, war er einer der Mitstreiter beim Dschungelbuch, dem geplanten Märchen-Lexikon, das später in dem der Schwalbe aufgegangen ist. Er hat schon Peter Kniest wertvoll unterstützt bei dessen Aufarbeitungen der Projekte seines Bruders Albert, mit Hans Gruber ist er zum Beispiel immer noch aktiv dabei, die Nachlässe der Kniest-Brüder teilweise erstmals der breiten Problemöffentlichkeit zugänglich zu machen. Und stets hat er weitere Projektideen im Kopf.

Nicht umsonst hat die Schwalbe Bernd wegen seiner so vielseitigen, Jahrzehnte langen Arbeiten zur Förderung des Problemschachs auf den Jubiläumskongress 2024 in Essen die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Unglaublich: Heute feierst du, lieber Bernd, deinen 80. Geburtstag! Persönlich und im Namen aller Blog-Leser schicke ich dir dazu herzliche Glückwünsche, wünsche ich dir erst einmal für die nächsten zehn Jahre alles denkbar Gute, vor allen Dingen natürlich Gesundheit und weiterhin viel Energie, Erfolge und Freude an unserem gemeinsamen Lieblings-Hobby.

Eines meiner Lieblingsstücke von dir möchte ich hier zum Lösen anbieten; wie immer bringe ich die Lösung in einer Woche.

Bernd Schwarzkopf
feenschach 1978
Letzter Zug? 3+4 Grashüpfer (8+8)

 

 

 

Lösung

R: 1.gxf6ep, davor f7-f5+ 2.Kf5xSf4+ Sd5(x)f4+

Zehn Prozent

Heute Mittag um 12 Uhr waren exakt die ersten zehn Prozent des neuen Jahres vorbei! Da passt es gut, dass gestern noch ein Neujahrsgroß von Eduard Eilazyan aus der Ukraine kam, den ich euch nicht vorenthalten will.

Eduard Eilazyan
Urdruck
Forderungen siehe Text; Schwarz am Zug (10+15)

 

 

 

 

Die Forderung(en):
a) Bestimme die Anzahl der Züge N(A) in Stellung A, der Diagrammstellung
b) Bestimme die Anzahl der Züge N(B) in Stellung B, die nach der Rücknahme eines Zuges aus A entsteht.
c) Finde einen (Vorwärts-) Zug in Stellung C mit C ≠ A und N(C) = N(A).

Ich verrate sicher nicht zu viel, wenn ich sage, dass die Zahl 26, aber nicht nur sie, hier eine wichtige Rolle spielt!

Viel Vergnügen beim Knobeln; die Lösung findet ihr hier bereits in einer Woche und nicht erst am Neujahrstag 2027 …

Lösung

1. Direktes Zählen der Züge in Position A ergibt 2+5+6+3+1+8=25.
Aber wie konnte Position A entstehen? Schwarz hat 15 Figuren, darunter 7 Bauern und zwei weißfeldrige Läufer. Daher wurde der Läufer auf einem schwarzen Feld geschlagen. Dieser einzelne Schlag wurde vom weißen Bauern auf einem schwarzen Feld der f-Linie ausgeführt. Daraus folgt, dass der letzte Zug von Weiß kein Schlag mit dem Bauern nach f7 gewesen sein kann. Welchen Zug hat Weiß ausgeführt? Der einzig mögliche Rückzug in Position A ist 0.b2-b4.
Aber dann hat Schwarz noch einen weiteren Zug in Position A – den En-passant-Schlag 1.– cxb3e.p..
Somit ist N(A) = 26.

2. Der einzige Rückzug 0.b2-b4 führt zu Position B.
Die Anzahl der möglichen Züge für Weiß in Position B ist N(B) = 20. B → A: Also, frohes 2026!

3. Beachte, dass der Zug 0.b2-b4 von Weiß Schwarz vier weitere mögliche Züge eröffnet: 1.– Ka3, 1.– axb4, 1.– cxb3 und 1.– Dxc3. Um von B nach C zu gelangen, muss ein weiterer Zug mit derselben Eigenschaft gefunden werden. Es gibt nur einen solchen Zug: 1.g2-g4. Dieser Zug von Weiß gibt Schwarz vier weitere mögliche Züge: 1.– Txg4, 1.– Tg3, 1.– hxg3e.p., 1.– Lh3. B → C: Frohes neues Jahr 2026!

Numerische Symbolik des neuen Jahres:
Die Anzahl der Figuren in der Ausgangsposition, n = 25, symbolisiert das vergangene Jahr;
Der einzig mögliche Rückzug führt zur Position B, in der Weiß 20 Züge hat;
In der Ausgangsposition A hat Schwarz 26 Züge. B → A – Frohes neues Jahr 2026!
In Position C hat Schwarz ebenfalls 26 Züge. B → C – Frohes neues Jahr 2026!

Und eine Zusatzfrage hat der Autor noch an uns:
Warum konnte Position C nicht als Ausgangsposition des Problems verwendet werden?

Eine sehr nette Idee, wie ich finde!

2026

Allen Retrofreunden wünsche ich
ein gutes und friedliches neues Jahr 2026!

Auch zu Beginn dieses neuen Jahres möchte ich wieder mit euch zusammen in der Geschichte der Retroanalyse 100 Jahre zurückblicken.

Zunächst sei daran erinnert, dass im Januar 1926 die erste Ausgabe des Problemist, der Zeitschrift der “British Chess Problem Society” erschien. Das ist nach der Schwalbe die zweite Zeitschrift einer Problemschachvereinigung, die nun schon ihren 100. Geburtstag feiern konnte — herzliche Glückwünsche dazu auf die Insel!

Und dann schauen wir wie im letzten Jahr wieder auf Funkschach, wo die Schwalbe auch im Jahr 1926 Unterschlupf finden konnte — nach dem weiteren Zusammenschluss mit dem Deutschen Wochenschach allerdings nicht mehr so exklusiv-großzügig wie bis Oktober 1925. Doch auch im Jahr 1926 erschienen weiter interessante Artikel, auch aus unserem Lieblings-Gebiet der Retroanalyse.

So erschien im Heft 44 (31.10.1926) auf Seite 660 ein kurzer Beitrag von Albrecht Brandis über Wenigsteiner-Hilfsrückzüger: Weiß und Schwarz nehmen einen Zug zurück, dann Hilfsmatt oder Hilfspatt in einem Zug. Das Rückspiel sollte aus zwei Entschlägen bestehen, das Vorwärtsspiel sollte schlagfrei gestaltet sein.

Eine der Beispielaufgaben bringe ich hier zum Aufwärmen im neuen Jahr:

Albrecht Brandis
Funkschach 31.10.1926
-1w – 1s, dann h=1 (1+2)

 

Wie üblich werde ich in etwa einer Woche hier die Lösung veröffentlichen.

 

 

Lösung

R: 1. Ke2xSe1! Lh1xDf3, dann 1. Sg2 Dg3=

Interessant, welche Diskussionen diese Aufgabe noch in der PDB (P1113144) hervorrief: So wies Andrew Buchanan darauf hin, dass Verführungen wie R: 1.Ke2-e1? Lg2xDf3+,Lg4xDf3+ dann 1.Lg2-h3,Lg4-h3 Dxh3= an “Dead Reckoning” (automatisches Remis bei zu geringem Material zum Mattsetzen) scheitern — also ein historisch erstes Beispiel für diese Regelung?

Daran hatte Albrecht Brandis (trotz gleicher Initialen!) sicher nicht gedacht; in seinem tabellarisch gehaltenen Beitrag zu Funkschach hatte er doppelten Entschlag im Rückspiel und schlagfreies Vorwärtsspiel explizit gefordert. Ein Blick in die PDB (A=’Brandis’ AND G=’Retro’) liefert auch alle 10 Aufgaben aus seinem Beitrag.

Aus dem Internet

Traditionell gibt es “zwischen den Jahren” (ein, wie ich finde, ziemlich blöder Begriff, denn eigentlich liegt dazwischen ja nicht mal eine Nanosekunde…) auf der englischen Seite von Chessbase wieder “Christmas Puzzles”. Los ging es am 25. Dezember mit einem Problem, das ihr sicher alle kennt — aber vielleicht die Variationen dazu nicht?

Schaut einfach auf die Startseite, dort sind die einzelnen Puzzles verlinkt.

Von Werner Keym stammt auch noch ein weiterer Lese-Hinweis (auch herzlichen Dank dafür, Werner!) auf einen Adventskalender der besonderen Art, der aber auch im Nachhinein noch zum intensiven Schmökern einlädt: Vom größten norwegischen Schachclub wurde jeden Tag ein Türchen präsentiert — denen nachzuspüren bietet großes Vergnügen, auch wenn es für Gewinnmöglichkeiten (ein von Gründer und Vorsitzendem Magnus Carlsen signiertes Schachbrett) langsam zeitlich recht eng wird …

Viel Spaß dabei!

Frohe Weihnachten 2025!

Frohe Weihnachten
Schöni Wienacht
Merry Christmas
Zalig Kerstfeest
Feliz Navidad
Buon Natale
Joyeux Noël
Мирного та щасливого Різдва Христового
С Рождеством
Христос се роди
メリークリスマス
圣诞节快乐
Glædelig Jul
Hyvää Joulua
God Jul

Euch allen wünsche ich ein schönes, ein ruhiges, ein frohes, ein besinnliches, ein gesundes und ganz besonders ein friedliches Weihnachtsfest 2025!

Zwischen zwei Bissen in den Christstollen wollt ihr vielleicht diese nette Aufgabe lösen?

Hauke Reddmann
Die Schwalbe 1986
Weiß nimmt 1 Zug zurück, dann #2 (4+3)

 

Die Lösung findet ihr noch in diesem Jahr hier!

 

Lösung

Weiß nimmt b2-b4 zurück und spielt ihn dann vorwärts, um damit zu zeigen, dass Schwarz nun ep-Schlagen darf — hier sogar muss, da dies der einzig legale Zug für ihn ist.

Also R: 1.b2-b4 & vor: 1.b2-b4! cxb3ep 2. Sxb3#

Wohl erstmalige Darstellung dieser lustigen Idee in einer Miniatur.

LZ Preisbericht

Nachtrag vom 11. Februar 2026
Der endgültige Bericht ist erschienen.

Im März hatte ich hier die Ausschreibung zum Jubiläumsturnier der Lüneburger Landeszeitung veröffentlicht: die drei „Sonderzüge“ des Valladao-Task sollten über drei Phasen verteilt gezeigt werden. Nun ist bereits der Preisbericht erschienen. Und wirklich hat zumindest eine Aufgabe Retroinhalte: Ach ja — könnt ihr dann „zwischendurch“ auch die Sinnfrage zum 8. Lob beantworten? Hier findet ihr dann die Antwort in einer Woche.

OK — die Antwort findet ihr nun schon im Kommentar von Walter Lindenthal

Studien-Babson

Wer nicht nur an Retros interessiert ist, hat sie vielleicht schon gesehen; allen aber will ich empfehlen, sich die Aufgabe, die ich euch heute beim Blick über den Zaun vorstelle, genau anzuschauen, sie zu genießen:

Anfang des Jahres gelang es dem Italiener Daniele Gatti, den Babson-Task (weiße und schwarze „konsistente“ Allumwandlung) in einer Studie zu zeigen — und zwar in legaler Stellung (das war eine dar Haupt-Schwierigkeiten bei der Darstellung gewesen; knapp illegal war das im letzten Jahr Gady Costeff gelungen).

Daniele Gatti — von Gady Costeff inspiriert und ihm gewidmet
EG Januar 2025
Weiß gewinnt – Schwarz beginnt (13+11)

 

Schaut euch die Stellung selbst ein wenig an, versucht (mit dem Themenhinweis vielleicht nicht mal allzu schwer!?) euch an der Lösung, bevor ihr die ausführliche Beschreibung dieser fantastischen Aufgabe und ihrer Geschichte auf der englischen Chessbase-Seite verfolgt.

Viel Spaß dabei!

Champagne-2025-Preisbericht

Nun ist der (französisch-sprachige) Preisbericht des Champagne-2025 Turniers erschienen, das Platztausch als Thema vorgegeben hatte: wie üblich in zwei Rubriken: Beweispartien und andere Retros, Märchenretros waren zugelassen.

Ich werde auf den Bericht im Blog noch näher eingehen, für zwischendurch aber schon eine nette Kleinigkeit zum selbst lösen.

Wie immer gibt es die Lösung etwa in einer Woche hier.

Igor Wereschtschagin
Champagne-Turnier 2025, Abteilung B, 1. Lob
-1w, dann h#2,5 (Weiß zieht an) (2+3)

 

Und hier ist sie nun — sicher war die nicht allzu schwer zu finden?

Lösung

R: 1.Tg2xLg1 & vor: 1.— Th2 2.Le3 Kg2 3. Ld2 Th1# — Platzwechsel Tg2-Kh1