Retro der Woche 24/2013

Unglaublich, wie die Zeit vergeht… Vor ziemlich genau neun Monaten, am 8. September 2012, ist es hier losgegangen mit dem ersten Blogeintrag, und heute folgt bereits der hundertste.

Sehr viel Spaß macht es mir, hier ein wenig aus der Retro-Welt zu berichten, und zwar gerade wegen eurer Reaktionen, die ich immer wieder erhalte: Natürlich besonders in Form von Anmerkungen zu einzelnen Beiträgen hier im Blog, aber auch per Mail, im persönlichen Gespräch. Das motiviert mich, hier möglichst aktuell und interessant weiter zu berichten; ganz herzlichen Dank für eure Mitwirkung!

Vor wenigen Tagen erhielt ich das Monumentalwerk ASymmetrie von Michael Schlosser und Martin Minski: Auf weit über sechshundert Seiten (!) stellen sie Aufgaben aus allen Problemschach-Bereichen mit symmetrischer Stellung, aber asymmetrischer Lösung vor. Methodisch sehr schön finde ich die Aufteilung in acht Kapitel wie in den FIDE-Alben, dann schließen sich in drei Kapiteln Spiegelzwillinge mit klassischen, märchenhaften oder Retro-Forderungen an; ein Schlusskapitel beschäftigt sich mit Sonderformen, jeweils chronologisch geordnet.

Besonders gefällt mir die Darstellung der Lösungen: Direkt unter der Aufgabe (eine pro Seite) wird sehr übersichtlich die Lösung und auch der „symmetrische Fehlversuch“ meist mit eigenen Diagrammen vorgestellt und kommentiert. Aus dem Vorwort: „Besondere Sorgfalt legten wir auf unsere Kommentare, die wir mit zahlreichen Zitaten aus Fachartikeln und Büchern, mit zeitgenössischen Lösermeinungen, mit Kommentaren der Preisrichter oder sogar mit Bemerkungen der Komponisten selbst anreicherten. Bewusst wählten wir keinen einheitlichen Sprachstil, sondern kommentierten einmal fachlich nüchtern und ein anderes Mal eher humorvoll. Der Leser sollte beim Umblättern nicht ahnen, was ihn auf der nächsten Seite erwartet, und auf sachlich unterhaltsame Art auf seine Kosten kommen.“

Natürlich will ich hier aus dem Buch ein Retrostück vorstellen, heute ein sehr leichtes, aber doch geschichtlich bemerkenswertes.
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Druckfehler II in Schwalbe 260

Quasi gleichzeitig haben mich Klaus Wenda und Urs Handschin darauf aufmerksam gemacht, dass im April-Heft der Schwalbe (Heft 260) die Forderung der 15553 von Vlaicu Criçan verdruckt ist: Sie muss lauten

S#1 (Selbstmatt!!) vor 7 Zügen, VRZ Proca, Circe Assassin.

Auch hier meine Entschuldigung an Autor und Löser!

Druckfehler in Schwalbe 260

Im Aprilheft der Schwalbe ist leider durch mein Versehen die Aufgabe 15552 verdruckt; hier die Korrektur:

Wolfgang Dittmann & Klaus Wenda
15552 Die Schwalbe April 2013 (Korrektur)
#1 vor 12 Zügen; VRZ Proca Anticirce Typ Calvet; ohne Vorwärtsverteidigung (2+8)
Ich bitte die Autoren und Löser um Entschuldigung!

(Nachtrag 18.6.13: Ich habe die Zügezahl in der Forderung ergänzt; sie hat sich gegenüber der verdruckten Aufgabe in der Schwalbe nicht geändert.)

Retro der Woche 23/2013

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch 64 Proof Games von Satoshi Hashimoto erhalten: Ein sehr schön gemachtes und interessantes Buch, das nicht nur durch seine besonders Aufmachung punktet: Die 64 Beweispartien werden chronologisch zunächst ohne Lösungen präsentiert, dann erfolgt auf einer ganzen Seite (mit wiederholtem Diagramm) die Lösung und Anmerkungen dazu sowohl auf japanisch als auch auf englisch. Er folgen einige Vergleichsaufgaben, genau so kommentiert, sowie zwei Aufsätze über klassische Retros von Michel Caillaud sowie über das Lösen von Beweispartien, letzterer stammt von Tadashi Wakashima.

Beziehen kann man das Buch (Preis: 20,– EUR) beispielsweise bei Ralf Krätschmar, dem Bücherwart der Schwalbe.

Aus dem Büchlein stelle ich die Nr. 63 vor — weil sie eine tolle Fortsetzung zum Retro der Woche 22/2013 bildet.

Satoshi Hashimoto
StrateGems 2011, 2. Preis
Beweispartie in 25 Zügen (14+15)
Zählen wir die weißen Züge, so sehen wir auf dem Brett bereits 22; darüber hinaus muss sich der fehlende weiße Turm auf d6 opfern, womit alle weißen Züge erschöpft sind.

Schwarz scheint jede Menge Züge übrig zu haben, jedoch fällt die Position der schwarzen Türme auf: Einer kam von a8 und hat dann den wBc2 zu Hause geschlagen (alle weißen Züge sind erschöpft!) und hat anschließend dieses Feld wieder geräumt, damit [wDd1] via h7 nach h8 gelangen kann.
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Retro der Woche 22/2013

Wenn zwei Größen wie Michel Caillaud und Reto Aschwanden gemeinsam eine Beweispartie bauen, kann man davon ausgehen, dass das kein „08/15 Stück“ wird — und ihr werdet sehen, dass diese Annahme auch für die Aufgabe richtig ist, die ich heute ausgesucht habe.

Michel Caillaud & Reto Aschwanden
Phénix 2005, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17 Zügen (15+13)
 
Beginnen wir wie üblich mit dem Zählen der erforderlichen Züge: Weiß benötigt mindestens 16, um seine Steine in die Diagrammstellung zu bekommen (3xD, 4xT, 3xL, 2xS, 4xB), ein Zug ist also noch frei. Die Nordost-Ecke des Bretts kann nur dann rechtzeitig von den weißen Steinen erreicht werden, wenn [wLf1] schnell starten kann; dies legt nahe, dass Schwarz rasch auf f3 ein Schlagobjekt bereit stellt.
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Für die Frühstückspause

In Andernach habe ich einige neue Hefte von PHÉNIX erhalten: Nach dem plötzlichen Tod von Denis Blondel im letzten Jahr geht es mit dieser Zeitung glücklicherweise offensichtlich weiter.

Aus den Retro-Urdrucken möchte ich ein kleines Stück vorstellen: Die Lösungen gebe ich nicht an, das ist sicher eine Kleinigkeit für die Frühstückspause?! Viel Spaß damit!

François Labelle
6519 PHÉNIX XI/2012
Beweispartie in 4,5 Zügen, 2 Lösungen (15+14)

Retro der Woche 21/2013

In der Diagrammstellung den Inhalt verbergen ist eine der wesentlichen Künste eines Komponisten von Beweispartien: Auf mich wmachen besonders Beweispartien Eindruck, bei denen man nicht sofort sieht, war der Inhalt ist — und selbst wenn man es ahnt, nicht sofort erkennt, weshalb eigentlich nur dieser Inhalt das Problem ausmachen kann, weshalb nicht irgend eine andere Lösung funktioniert.

Solch ein Stück ist die Aufgabe, die ich als heutiges Retro der Woche herausgesucht habe.

Gianni Donati
3. The Problemist Supplement Thematurnier 2002, 1. Preis
Beweispartie in 20 Zügen (15+13)
Zählen wir die weißen Züge, so kommen wir auf mindestens 19, die prinzipiell klar sind, wenn man berücksichtigt, dass der fehlende [wLf1] auf c6 gestorben ist — und die 19 sind auch nur realistisch, wenn man davon ausgeht, dass [wTa1] in drei Zügen nach f6 oder g6 gelangen konnte.

Bei Schwarz sind nur zwei Züge sichtbar, und es kommt auch theoretisch maximal eine Umwandlung durch Schwarz [sBh7] in Frage, so dass immer noch viele Züge offen bleiben.

Also ein Rundlauf- oder Rückkehr-Thema? Nicht unwahrscheinlich, aber welcher Stein — und warum sollte der so lange laufen?
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Retro-Thema Messigny 2013

Kaum ist das Andernacher Schachtreffen vorbei, ziehen manche Problemisten weiter nach Messigny bei Dijon, wo das französischen Pendant zu Andernach immer am Pfingstwochenende stattfindet.

Dort wird u.a. ein Retro-Kompositionsturnier durchgeführt, an dem auch Nicht-Teilnehmer des Treffens teilnehmen dürfen.

In diesem Jahr geht es um die Komposition eines Retro-Problems mit (mindestens) einem Volet-Bauern, also ein Bauer, der nach fünf Schlägen auf der gleichen Diagonale die 7. Reihe erreicht hat. Der thematische Volet-Bauer kann auf der 7. Reihe auch geschlagen worden sein; er darf sich auch umgewandelt haben, dann allerdings nach einem sechsten Schlag auf dieser Diagonale. Es sind nur orthodoxe Retros zugelassen, Chess960 allerdings ist erlaubt.

Beispielaufgabe:

Bernd Schwarzkopf
feenschach 1981
Erster Zug des wBf2? (9+4)
Die weißen Bauern haben 11 mal geschlagen und damit, abgesehen vom sLf8, der zu Hause geschlagen wurde, alle fehlenden schwarzen Steine. Damit gehört zu dem Schlagopfern auch der schwarze a-Bauer, der jedoch nicht von den (Volet-)Bauern auf c7 und b7 geschlagen werden konnte. Er musste selbst via b6,c5,d4 nach e3 ziehen, um dort vom weißen Bauern f2 geschlagen zu werden. Damit beantwortet sich die Frage durch 1.Bf2xBe3.

Einsendungen bitte bis Pfingstsonntag (19. Mai 2013) um 18:00 Uhr an Alain Brobecker (RIFACE.2013(AT)gmail.com oder abrobecker(AT)yahoo.com).

Viel Spaß und Erfolg!