Retro der Woche 50/2014

Heute stelle ich ein „kleines“ Stück vor: klein bezüglich der Zügezahl, aber mit interessantem und originellem Inhalt — aber hättet ihr das bei dem Autor anders erwartet? Ich auch nicht…

Reto Aschwanden
Die Schwalbe 2003, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 14,0 Zügen (14+14)

 

Um euch noch ein wenig neugieriger zu machen hier der Beginn des Kommentars zu dieser Aufgabe in der PDB: „Interessante und neue Idee, die gar nicht so leicht zu beschreiben ist.“

Das sollte euch dann endgültig zum Selbstlösen ermuntern, allzu schwer ist das Stück auch nicht…

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Überraschend

Vor ein paar Tagen konnte ich bereits den Preisbericht zum 3. Problemschach-Wettbewerb des Schachverbandes Württemberg zur möglichst schnellen Rochade im Alphabet-Schach einsehen; er wird im Januar veröffentlicht.

Gefreut hat es mich zu lesen, dass einige Einsender wohl durch den Beitrag hier im Blog auf den Wettbewerb aufmerksam geworden sind!

Nicht verblüffend ist für mich, dass die meisten Einsendungen mit 1.a4 a5 2.Ta3 Ta6 begannen — wohin geht dann im 3. Zug der weiße Turm, um die Rochade möglichst schnell zu ermöglichen? Bleibt er am Damenflügel (3.Tb3/Tc3)? Oder verschwindet er rasch ganz weit weg auf dem Königsflügel (3.Th3/Tg3)? Oder gibt es eine andere vielversprechende Möglichkeit??

Darüber noch einmal nachzudenken lohnt — und dann lasst euch vielleicht überraschen!

Retro der Woche 49/2014

Wenn ein solcher Könner wie Silvio Baier einen offensichtlichen Umwandlungsstein im Diagramm einer Beweispartie stehen lässt, wenn dann dieses Stück auch noch die höchste Auszeichnung in einem bedeutenden Turnier gewinnt, dann muss diese Umwandlungsdame entweder thematisch sein — oder der Inhalt muss so originell sein, dass der Preisrichter sie deswegen akzeptiert.

Wenn ihr das Stück noch nicht kennt, dann ratet einmal, was nun der Grund ist?

Silvio Baier
FIDE World Cup 2011, 1. Preis
Beweispartie in 25,0 Zügen (10+14)

 

Bei Weiß sieht die Stellung sehr einfach aus: Home Base, also alle weißen Steine, die noch auf dem Brett zu finden sind, stehen auf ihren Standfeldern der Partieausgangsstellung.

Beginnen wir also mit dem Zählen der minimalen Züge bei Schwarz: Egal, welche der beiden schwarzen Damen Original oder Umwandlungsstein ist, bedurfte es mindestens dreier Damenzüge: entweder h1-h3 und d8-d6-h2 oder g1/h1-h2 und d8-d7-h3. Die Züge zur Umwandlung müssen wir nun den Bauernzügen zuschlagen. Damit haben wir offensichtlich 1+3+4+3+3+10=24.

Damit ist noch ein schwarzer Zug offen.

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Problemist November 2014

Die neue Ausgabe des Problemist  enthält wieder viel Lesestoff für uns Retrofreunde: Neben den (leider nun nur noch zwei) Urdrucken und der wie immer sehr lesenswerten Proof Games & Retros Auswahl von Bernd Gräfrath findet sich in diesem Heft ein weiterer Artikel von Bernd: The Lives of Raymond Smullyan, der uns aus Anlass einer Buch-Neuerscheinung von Smullyan  diesen vielseitigen Mann (Künstler, Mathematiker, Philosoph — was noch alles?) näher bringt, den die meisten sicher von seinen Retro-Büchern The Chess Mysteries of Sherlock Holmes sowie The Chess Mysteries of the Arabian Knights kennen.

Und selbst das Supplement enthält dieses Mal einen kleinen Retro-Aufsatz: Pawn Retros in Growing Men von Ronald Turnbull.

Viel Freude beim Lesen!

Retro der Woche 48/2014

Das war gestern wahrlich kurios: Das heutige Retro der Woche hatte ich schon herausgesucht, als ich das Rätsel der Woche in Spiegel Online fand. Dieses Mal geht es um Schach – um einen Weg des sTa8 nach h1.

Ihr kennt das Rätsel? Wenn nicht, schaut es euch an!

Lustigerweise geht es auch bei unserer heutigen Aufgabe um einen auffälligen schwarzen Turm auf h1. Der, so ist zu vermuten, von a8 kommt.

Michel Caillaud & Noam Livnat
StrateGems 1998, 3. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (16+15)

 

Zunächst sehen wir sehr schnell, dass wir uns heute nicht mit Umwandlungen beschäftigen: Es fehlt genau [sBd7]; der aber kann nicht umgewandelt haben, da alle weißen Steine noch auf dem Brett sind und er schlagfrei nicht auf die erste Reihe kommen konnte.

Nun zählen wir einmal die weißen Züge. Das ist bis auf eine Steinart sehr einfach.

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Retro der Woche 47/2014

Vor wenigen Tagen jährte sich zum dritten Male der Todestag des Moskauer Retro-Spezialisten Andrej Kornilow (*4.5.1944 †14.11.2011). Ihm zum Gedenken habe ich heute eine Aufgabe von ihm herausgesucht.

Schaut euch auch noch einmal den großartigen Nachruf von Andrej Frolkin und Nikolai Beluchow auf ihn in feenschach 190, XII 2011, S. 229 bis 234 an. Und wenn ihr gerade dabei seid, dann holt auch sofort noch einmal das „Retro-Heft“ feenschach 192, III-IV 2012 hervor, das inhaltlich hauptsächlich von Andrej Kornilow und Andrej Frolkin bestritten worden war: Herrliche Lektüre für lange Herbstabende!

Andrej Kornilow
Redkie schanri plus 1997, Lob
Färbe die Steine. Letzte zwei Einzelzüge? (30+0)

 

Vor dem Finden der beiden letzten Züge gilt es also zunächst einmal, die genaue Stellung zu finden, das heißt herauszufinden, welche Steine Weiß und welche Schwarz sind. Doch bevor nun der Optimist dem Diagramm mit einem schwarzen Kugelschreiber zu Leibe rückt (der Pessimist nimmt sicher einen Bleistift) und mit dem Ausmalen beginnt, sollten wir zunächst einige retroanalystische Überlegungen bezüglich der Schlagfälle anstellen – und dann werdet ihr relativ schnell sehen, dass die Aufgabe gar nicht so schwer zu lösen ist!

Betrachten wir zunächst einmal die Stellung der Könige und der Steine, die sie beobachten, und mögliche Schlagfälle. Damit haben wir dann schon einen Großteil der Lösung gefunden.

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Betrügerbauern

Habt ihr heute die zweite Partie um die Schachweltmeisterschaft zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand verfolgt? Nein, den fatalen Fehler zum Schluss meine ich nicht, sondern nur die ersten 12 Züge.

Diskussion der Eröffnungstheorie nun hier im Retroblog? Bewahre!! Aber die Partie zeigt sehr klar ein Motiv, das wir sonst eigentlich nur aus Beweispartien kennen, nämlich Betrügerbauern. Das sind ja Bauern, die im Diagramm auf einer Linie stehen, von der sie nicht kommen, auf der sie aber bei „normaler Retroanalyse“ ohne den Zeitdruck einer Beweispartie stehen könnten.

Genau solche Betrügerbauern hat Vishi Anand nach zwölf Zügen aufs Brett gezaubert:

Carlsen gegen Anand
2. WM-Partie, 9.11.2014
Stellung nach dem 12. Zug (14+14)

 

Und hier die Partie bis dahin: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 5.OO d6 6.Te1 OO 7.Lxc6 bxc6 8.h3 Te8 9.Sbd2 Sd7 10.Sc4 Lb6 11.a4 a5 12.Sxb6 cxb6. Die schwarzen b- und c-Bauern sind die Betrüger.

Retro der Woche 46/2014

Der im Jahre 2010 verstorbene Alexander Kisljak (*27.12.1938, †5.5.2010) war ein bedeutender Komponist überwiegend klassischer Retros, auch wenn er beispielsweise eine Serie 64 kürzester Beweispartien veröffentlicht hatte, in denen der schwarze König jeweils auf einem anderen Feld matt gesetzt wurde. Er hat viele interessante Aufsätze veröffentlicht, wobei er immer wieder in Die Schwalbe und feenschach publizierte.

Beim heutigen Stück ist es offensichtlich, dass Schwarz zuletzt gezogen hat, denn der weiße König steht im Schach.

Alexander Kisljak
Uralski Problemist 2000, 1. Preis
Löse die Stellung auf (11+12)

 

Dieses Schach kann nur durch einen Entschlag aufgehoben werden; der letzte Zug muss also Tb7xXb6+ gewesen sein, welcher Stein dort geschlagen wurde, wissen wir noch nicht. Verwundert reiben wir uns die Augen, dass Weiß nun, unabhängig vom Entschlag auf b6, nur einen einzigen letzten Zug hatte: c7-c8=S.

Nach dieser Rücknahme beginnen wir mit unserer Inventur: Mit dem Schlag auf b6 und dem [Lc1], der zu Hause geschlagen werden musste, fehlen noch drei weiße Steine, die alle durch Bauern geschlagen wurden.

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