Stelvio 4.3

Das Jahr fängt ja gut an:

Reto Aschwanden hat heute die neue Version 4.3 seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio veröffentlicht; es kann wie immer über die Stelvio-Seite heruntergeladen werden.

Wesentliche Neuerung in dieser Version ist eine neue Option für die Strategie-Analyse sowie kleinere Fehlerbehebungen. Genaues kann man wie immer der Dokumentation entnehmen.

Retro der Woche 01/2026

(Korrektur: fehlenden wBf2 ergänzt — Dank an Markus Lepper!)

Eine der erst einmal harmlos klingenden Märchenbedingungen ist „Punktspiegelung“. Im Jahr 2020 hatte ich die Freude und Ehre, das mpk-Märchenturnier mit dieser Bedingung richten zu dürfen. Bekannt wurde sie 2019 durch das WCCC Sake Turnier und ist prinzipiell recht einfach erklärt, siehe Schwalbe-Lexikon: „Stehen zwei Steine (beliebiger Farbe, Könige eingeschlossen) auf Feldern, die punktsymmetrisch bezüglich der Brettmittelpunkts zueinander sind (z.B. a1-h8, b3-g6), tauschen sie ihre Zug-, Schlag- und Wirkkräfte (behalten aber die Farbe, die Bauernzugrichtung und evtl. königliche Eigenschaften bei).“

Darüber hinaus sind nur ein paar Details zu klären, die der hohen Dynamik dieser Bedingung geschuldet sind: „Ein Bauer auf der ersten Reihe kann nicht selbstständig ziehen, sein korrespondierender Stein auf der achten Reihe daher auch nicht. Die Rochade ist nur mit nicht-gespiegelten Figuren (König, Turm) möglich. Nur nicht-gespiegelte Bauern können en passant schlagen.“

Jochen Schröder
Die Schwalbe 2025
Beweispartie in 10 Zügen, Punktspiegelung (15+15)

 
Diese Aufgabe erschien, durch einen Kommentar von Silvio Baier angeregt, im Lösungsteil des Oktoberheftes gleich mit Lösung.

Wenn man sich ein wenig in die Bedingung hineingedacht hat, merkt man rasch, dass sLa5 kein Umwandlungsläufer sein muss — ebenso wenig der wTh7, der orthodox seinen Südost-Käfig nicht hätte verlassen können. Da muss also heftig „punktgespiegelt“ werden, was auch das Zählen erforderlicher Züge nicht gerade erleichtert.

Überlegen wir uns doch zunächst einmal, wie die genannten Steine ihre Diagrammfelder haben erreichen können:

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Thomas Thannheiser

Noch im April konnte ich Thomas Thannheiser zum 60. Geburtstag gratulieren — und nun erhielt ich heute Abend die schockierende Nachricht, dass er in der letzten Nacht nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Thomas war schachlich vor allen Dingen als Jugendtrainer sehr aktiv, was ihn auch daran hinderte, häufiger, als er es gern getan hätte, Problemschachtreffen zu besuchen. Ein ausführlicher Nachruf seines Heimatvereins beschreibt sein Engagement speziell für die Jugendlichen.

Ihr kennt ihn sicherlich als profunden Spezialist speziell für Märchen-Beweispartien; hier hat er sich hauptsächlich mit Schlagschach beschäftigt, wobei sein Markenzeichen Homebase-Stellungen sind.

Zu seinem Gedenken möchte ich euch heute aber eine Aufgabe von ihm (gemeinsam mit Andrew Bachanan) mit einer anderen Märchenart vorstellen: Das Schwalbe-Lexikon definiert ABC-Schach: „Bei Weiß und bei Schwarz muss immer der Stein ziehen, der auf dem in alphanumerischer Reihenfolge ersten Feld steht (Folge: a1, a2, …, a8, b1, b2 …, h7, h8). Das Parieren von Schachgeboten ist allerdings vorrangig. Die Schachgebotswirkung der Steine ist normal.“

Thomas Thannheiser & Andrew Buchanan
Julias Fairies 2020
Beweispartie in 8,5 Zügen, ABC-Schach(13+15)

 

Wie üblich gibt es die Lösung hier in einer Woche.

 

 

Lösung


Wohl die kürzeste Homebase-Darstellung mit dieser Bedingung; hübscher Rundlauf des weißen Springers.

Retro der Woche 48/2025

Wenn ihr in den letzten drei Wochen diese Rubrik verfolgt habt, werdet ihr vielleicht erwarten, dass ich euch heute das erstplatzierte Retro des Problemist Turniers 2019-2020 vorstelle: Eine, wie wir drei Richter Hans Gruber, Ulrich Ring und ich uns schnell einig waren, sehr bemerkenswerte orthodoxe Beweispartie aus französischer Werkstatt — aber die hatte ich bereits als Retro der Woche 38/2025 vorgestellt. Darum heute ein ebenfalls hochoriginelles Stück, das wir auf den dritten Platz gesetzt haben.

Stephen Taylor
The Problemist 2020, 3. Preis 2019-2020
Beweispartie in 16 Zügen (15+14)

 
Bei solch einer recht kurzen Beweispartie erwartet man vielleicht nicht allzu viel spannenden Inhalt — doch lasst euch überraschen! Zunächst einmal zählen wir die sichtbaren Züge: Bei Weiß haben wir 2+2+3+3+3+3=16, alle weißen Züge sind also verbraucht. Bei Schwarz schaut das deutlich anders aus: 2+0+2+1+1+0=6: Zehn Züge sind also noch frei.

Was fehlt an Material im Diagramm? Bei Weiß nur der g-Bauer, der auch zu Hause geschlagen werden musste, da für ihn ja kein Zug mehr übrig ist, bei Schwarz fehlen der g- und der h-Bauer.

Wenn ihr euch nun überlegt, wie das Verschwinden eigentlich nur passiert sein kann, dann habt ihr vielleicht schon eine Thema-Idee?

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Stelvio 4.2

Wie schrieb Reto Aschwanden doch so schön zu seiner neuen Stelvio Version 4.2?
“Ein paar Verbesserungen da und dort, neben einem hässlichen Bug weniger…”

Der Fehler trat gelegentlich bei der Parallelisierung auf, und die Verbesserungen resultieren aus den noch tieferen Strategie-Analysen, die Reto im Zusammenhang mit der Prüfung der 57,5 Züge langen Beweispartie eingeführt hat.

Mehr Details gibt es natürlich in der Dokumentation, die wie immer lesenswert ist!

Retro der Woche 45/2025

Vor wenigen Tagen erschien die vierte und letzte Ausgabe des Jahres 2025 von Probleemblad und darin der Retro-Preisbericht für die Urdrucke 2019 und 2020. Der damals vorgesehene Richter konnte aus gesundheitlichen Gründen dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen, und so übernahm das Trio Hans Gruber, Ulrich Ring und Dirk Borst die Erstellung des Preisberichts.

Nach Ausscheiden einiger inkorrekter Aufgaben blieben 17 zur Beurteilung, und davon wurden sechs (mit der kuriosen Verteilung vier Preise, je eine ehrende Erwähnung und ein Lob) ausgezeichnet.

Für heute habe ich daraus den zweiten Preis ausgesucht.

Michel Caillaud
Probleemblad 2019, Bernd Gräfrath gewidmet, 2. Preis 2019-2020
Beweispartie in 22 Zügen, Schlagschach (13+15)

 
Die Widmung ist sehr passend, da Bernd Gräfrath sich schon viel mit Schlagschach beschäftigt hat und damit einige sehr schöne Aufgaben gebaut hat.

Beim Schlagschach ist meist das Zählen der geschehenen Züge recht schwierig, da häufig recht komplizierte Manöver erforderlich sind, um ein bestimmtes Feld zu erreichen. Bei etwas genauerem Hinschauen entdeckt man sofort einen „Verdächtigen“, um den es in dieser Aufgabe gehen könnte?

Das ist sicherlich der [Lf1], der ja zuhause geschlagen werden musste. und die alles entscheidende Frage ist nun, wer nicht nur auf f1 schlagen konnte, sondern auch noch unbeschadet den Heimweg nach Norden antreten konnte, denn der Täter hat den Ausflug nach f1 überlebt: Schließlich fehlt bei Schwarz nur [Bc7], der auf c3 oder c4 sterben musste, aber als Läuferschläger nicht in Frage kommt.

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Mustermatt

Da ich am Wochenende unterwegs war, bin ich erst heute dazu gekommen, den 206. YouTube-Mustermatt-Beitrag von Johannes Quack anzuschauen. Und das hat sich doppelt gelohnt: So stellt Johannes dort den Kompositionsweltmeister Silvio Baier vor — mit der Beweispartie, die die höchste Punktzahl bei der letzten Weltmeisterschaft erhielt.

Die habe ich hier natürlich auch schon demonstriert (Retro der Woche 17/2025), aber es lohnt auf alle Fälle, sich Johannes’ Präsentation anzuschauen. Sehr gut nachvollziehbar stellt er dieses Meisterstück (vier Turm-Pronkins) vor, zeigt dabei nicht nur die Lösung, sondern geht auch auf viele der Feinheiten der Partie ein, die ja erst auf diese Weise verstanden und wirklich gewürdigt werden kann.

Selbst wenn ihr die Aufgabe kennt: Es lohnt sich unbedingt, sie in dieser Mustermatt-Folge noch einmal zu genießen!

Retro der Woche 39/2025

Erst als wir den Retro-Preisbericht für 2019-2020 für The Problemist fertiggestellt hatten (siehe Retro der Woche 38/2025), fielen Ulrich Ring, Hans Gruber und mir eine Kuriosität auf: Die Preise und ehrenden Erwähnungen hatten wir ausschließlich an orthodoxe Retros vergeben, die Lobe ausschließlich an Märchen-Retros!

Eines davon möchte ich euch heute vorstellen, euch zum Selbst-Lösen einladen und anregen.

Anna O’Donovan †
The Problemist 2019, 1. Lob 2019-2020
Beweispartie in 8,5 Zügen, Punktspiegelung (16+16)

 
Das Schwalbe -Märchenlexikon definiert die Bedingung „Punktspiegelung“ (Point Reflection) so:

„Stehen zwei Steine (beliebiger Farbe, Könige eingeschlossen) auf Feldern, die punktsymmetrisch bezüglich der Brettmittelpunkts zueinander sind (z.B. a1-h8, b3-g6), tauschen sie ihre Zug-, Schlag- und Wirkkräfte (behalten aber die Farbe, die Bauernzugrichtung und evtl. königliche Eigenschaften bei). Ein Bauer auf der ersten Reihe kann nicht selbstständig ziehen, sein korrespondierender Stein auf der achten Reihe daher auch nicht. Die Rochade ist nur mit nicht-gespiegelten Figuren (König, Turm) möglich. Nur nicht-gespiegelte Bauern können en passant schlagen.“

So wäre im Diagramm Ke1-e4 möglich, da der König auf e1 die Kraft der schwarzen Dame auf d8 übernimmt.

Wie können wir nun eine Lösungsidee bekommen?

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