Herbert Ahues 2.3.1922–11.7.2015

Am 11. Juli ist Herbert Ahues nach einer Operation im Alter von 93 Jahren verstorben.

Herbert Ahues war nicht nur ein weltweit hoch geachteter Zweizügerexperte und Kompositions-Großmeister, ein geschätzter Preisrichter und pointierter Autor, er war auch unglaubliche 77 Jahre lang Schwalbe-Mitglied. Sein Tod ist ein Riesen-Verlust für die ganze Problemschach-Famile. Bis kurz vor seinem Tod war er als Komponist noch aktiv, sein möglicherweise letzter Urdruck wird im kommenden August-Heft der Schwalbe erscheinen. Die Schwalbe wird in einem der nächsten Hefte ausführlich an seine Verdienste erinnern.

Ich selbst habe Herbert Ahues 1985 bei der damals von mir organisierten Schwalbe-Tagung in Hagen zum ersten Male persönlich getroffen. Da habe ich ihn als sehr freundlichen, humorvollen Menschen kennen und schätzen gelernt. Und auch wenn ich mich nun wahrlich nicht als Zweizüger-Spezialisten bezeichnen kann: Seine Aufgaben in ihrem klaren, schnörkellosen Stil habe ich mir immer gern angeschaut, den von ihm herausgegebenen Sonderdruck Nr. 2 der Schwalbe („Weiße Linienkombinationen mit thematischen Verführungen“) nehme ich immer wieder gern zur Hand.

Retro der Woche 30/2015

Für die warmen Tage habe ich als Retro der Woche dieses Mal leichtere Kost herausgesucht: Das heutige Stück lässt sich sicherlich beinahe vom Diagramm lösen?! Zumindest die grundlegenden Überlegungen könnt ihr vielleicht vom Blatt (besser gesagt: vom Bildschirm …) aus anstellen?

Thomas Volet & Vladimir Gurvich
StrateGems 2000(v), T. Hickey gewidmet
Weg des Be2? (15+14)

 

Gelegentlich machen die Autoren durch ihre Fragestellung unter dem Diagramm bereits auf den wesentlichen Inhalt ihrer Aufgabe aufmerksam: Statt einfach die Auflösung der Stellung zu fordern, fragen sie nach bestimmten Manövern, die im Rahmen der Auflösung dann auch eindeutig sein sollten, während wie üblich bei den anderen Teilen der Auflösung Zugumstellungen meist tolerierbar sind.

Hier wird nun witzigerweise nach dem Weg des einzig im Diagramm fehlenden Bauern gefragt.
Weiterlesen →

Für zwischendurch

Folgende Kleinigkeit ist mir vor ein paar Tagen über den Weg gelaufen; ich finde, die ist ideal für die Frühstücks- oder Mittagspause! Außerdem passt sie gut zum morgigen französichen Nationalfeiertag.

Alexandre Leroux
Retro Championnat de France, RIFACE 2015
Ergänze zu einer Beweispartie in 7 Zügen (2+1)

 

Im ersten Moment verblüffend, dass das eindeutig gehen soll? Dann wird aber schnell klar, dass unbedingt 3.– Xxd2 4.Kxd2 geschehen musste. Nun fragt sich nur, was ist X, woher kam X und warum gehen nicht andere Schläge auf d2? Verblüffende Eindeutigkeit!

Viel Spaß beim Knobeln, und viellleicht zeigt ihr das Stück ja auch euren Schachfreunden, die sonst mit Retro nicht so viel am Hut haben? Nein, die Lösung verrate ich hier nicht…

Retro der Woche 29/2015

Beweispartien mit „Homebase“ Diagrammstellungen, wo also zumindest eine Seite all ihre Steine in der Partieanfangsstellung stehen hat, wirken auf mich immer besonders attraktiv, denn eigentlich müsste diese Partei ja gar nicht ziehen!

Aber davor kann sie sich ja nicht drücken — und häufig ist es auch erforderlich zu ziehen, nämlich um etwa einige eigene Steine aktiv loswerden zu können. So auch bei dem Stück, das ich heute ausgewählt habe.

Michael Barth
Die Schwalbe 2012, 3. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 19 Zügen (12+15)

 

Bei Weiß fehlen vier Bauer, alle anderen weißen Steine stehen auf passenden Feldern der Partieausgangsstellung — das muss ich so vorsichtig formulieren, denn theoretisch könnten ja auch die Springer oder gar die Türme ihre Plätze getauscht haben.

Bei Schwarz fehlt nur ein Bauer, und es sind keine Doppelbauern vorhanden, die etwas über das Verschwinden der fehlenden weißen Bauern verraten könnten.

Weiterlesen →

Märchen-Retro-Preisbericht

Die tolle Märchenschach-Seite Julia’s Fairies von Julia Vysotska pflegt auch eine (Märchen-) Retroabteilung für Urdrucke — wie heißt das richtige Wort hierfür im Internet, denn „gedruckt“ wird da ja nichts?

Nun ist der erste Preisbericht, er umfasst die Jahre 2013 und 2014, erschienen: Von 26 Original-Aufgaben erwiesen sich zehn als inkorrekt, von den verbleibenden hat Preisrichter Hans Gruber sechs ausgezeichnet.

Das ist selbstverständlich sehr lesenwerte Lektüre (ebenso „selbstverständlich“ auf Englisch…); viel Spaß dabei!

FIDE-Album 2007-2009

Das neue FIDE-Album für die Jahre 2007 bis 2009 wird beim WCCC in Ostroda erscheinen. Wer am WCCC teilnimmt und dort das Album erwerben will (unveränderter Preis: 45 EUR), sollte sein Exemplar kurz per Mail bei Peter Gvozdjak (peter.gvozdjak(at)gmail.com) reservieren, dann werdet ihr vor Ort bevorzugt beliefert.

Dankenswerterweise hat sich der Bücherwart der Schwalbe, Ralf Krätschmer wie schon für das letzte Album bereit erklärt, eine Sammelbestellung zu organisieren; wenn ihr Interesse daran habt, über ihn zu bestellen, so meldet euch bei ihm (Mail: ralf.kraetschmer(at)t-online.de).

Retro der Woche 28/2015

Wenn ein Löser kommentiert, die Lösung sei uninteressant, muss man als Preisrichter schon gute Gründe haben, dem Stück trotzdem den einzigen Preis in einem wahrlich nicht schwach besetzten Turnier zuzuerkennen — vor allen Dingen, wenn man dem Kommentar zumindest teilweise zustimmen muss.

Aber um es schon vorwegzunehmen: Dieser „Vorwurf“ kann sich höchstens an das schwarze Spiel richten.

Andrej Frolkin & Joaquim Crusats
StrateGems 2013, Preis
#1 vor 8 Zügen, VRZ Proca (10+15)

 

Im Verteidigungsrückzüger (VRZ) nehmen Weiß und Schwarz abwechselnd Züge zurück, dabei ist es Ziel von Weiß, eine Stellung zu erreichen, in der er die Vorwärts-Forderung (meist und so auch hier: #1) umsetzen kann, Schwarz versucht dies durch seine (natürlich legalen) Rücknahmen zu verhindern. Beim Typ Proca entscheidet die zurücknehmende Partei, ob und welchen Stein sie entschlägt.

Betrachten wir zunächst die Schlagbilanz: Bei Schwarz fehlt nur ein Stein, der auf der e-Linie geschlagen worden ist. Drei Schläge weißer Steine durch schwarze Bauern sind offensichtlich (axb, bxc, f7xe6), und mindestens zwei weitere Schläge sind erforderlich für die Umwandlung der beiden fehlenden schwarzen Bauern [Bg7] und [Bh7] für Th1 und Lg1.

Weiterlesen →